H. SCHOEMANN
Madame
23. 12. 46.
Marie J u chacz
Liebe Genossin Juchhacz,
Ich muss Sie um Entschuldigung bitten, wenn ich erst heute aufThe Schreiben v. 26.10. reagiere. Wir haben inzwischen zwei w.Aktionen zu Gunsten der AW Koeln durchgeführt und da ich auchberuflich ziemlich in Anspruch genommen bin, ist dadurch die nichtganz dringende Korrespondenz ins Hintertreffen gekommen. Fuer dieFreunde und Genossen in USA wird es fast unvorstellbar sein, dasswir hier in Europa noch jeden Tag um unser Recht auf Arbeit undAufenthalt kaempfen muessen; trotz aller kommunistischen und sozial-istischen Minister sind die Fluechtlinge deutscher Herkunft nochder Be-immer allen moeglichen und unmoeglichen" tracasseries"hoerden ausgesetzt und vergeht fast kein Tag, dass es nicht er-forderlich ist, dass wir fuer den einen oder anderen intervenieren,wobei wir immer auf das Verstaendnis und die Hilfe unserer belgi-schen Genossen rechnen koennen. Nach einem Kampfe von fast zweiJahren ist es uns hetzt erst gelungen, endgueltig zu verhindern,dass das, was die Nazis uns nicht genommen haben, nicht als" bienennemi" in den gleichen Topf, wie die" biens nazis" geworfen wurde.Wenn man die kostbaere Zeit, die man fuer diese Laufereien auf-hi erumwenden muss, der AW Aktion widman koennte, dann würde esnoch besser bestellt sein. Also ganz kurz: Am 19.11; sandten wirvon hier durch das Quakerrelief e wa 600 kg Nudeln, 100 kg Brot( die Brotmarken haben wir gesammelt) 700 bis 800 kg getrageneKleidungsstuecke, die ich von einem anderen Comité zur Verfuegunggestellt bekam.Am 18. ds. ist ein weiterer Transport abgegangen( s.einliegende Aufstellung) Mit diesem Transport hat es folgendeBewandnis. Bei uns war die Kasse sozusagen ganz leer. Ich arbeitefreundschaftlich mit dem Sekretaer des katholischen Fluechtlings-komités( einem Links katholiken) zusammen und der hatte etwa15.000 Francs und eine Menge Gaben aus seinen Kreisen zusammen-gaxxkgebracht.Er hat uns davon etwa 1/3 zu Gunsten der AW zediert,sodass ich mich ueber diese" Koalitionspolitik"( im Allgemeinenbin ich kein Freund dieser" Politik") ich wirklich nicht beklagenkann. Ich bekomme natuerlich Briefe aus verschienen TeilenWestdeutschlands, warum ich" nur" en Koeln denke. Da aber unsereMoeglichkeiten so beschraenkt sind, hat es keinen Sinn die Aktionzu zersplittern. Ende Januar ist ein weiterer Transport vorge-sehen, fuer den ich an etwa 25 Ballen Kleidungsstuecke schonzusammen habe. Leider koennen wir keine" Einzelpakete" mehr mit-geben, weil die Militaerbehoerde, das nicht mehr zulassen will.Ich stehe hierueber mit den Quakern in Koeln in Korrespondenz,da diese Einzelpakate es uns erlauben, mit den" dons", die wir
Zign Absendern abverlangt haben, die Kaeufe fuer die AW zu finan-die ihrerseits die Verteilung dieser Einzelpakete vorgen
2BLATT