Akte 
Korrespondenz
Entstehung
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Mrs Marie Juchacz

339 East 173 Street

1

New York 57, N.Y.

den 25.November 1945

Lieber Genosse Stampfer,

inliegend ein Zettel( Briefauszug). Ich freue mich dass der Genosse Landsberg die boese Zeit ueberstanden hat und werde ihm auch schreiben. Der Zettelwurde mir durch Frau Hertz uebergeben, mit der Bitte ihn doch weiter zuleiten.

Weiter finden Sie inliegend zwei Schriftstuecke, die ich Ihnen zur Kennt-nisnahme und-- wenn Sie wollen-- zur Verwendung zugehen lasse.Nur-- der Ge-nosse Hertz, von dem ich die Erlaubnis zur Weitergabe erbat, sagte mir,dass er keinen Wert auf den Gebrauch seines Namens legt, was ich zu be-ruecksichtigen bitte.Wie mir scheint, geht der Briefwechsel noch weiter.

Nach dem Photostate gab es also doch im April 1934 eine" Volkszeitung"in Saarbruecken , was ich nicht wusste.

Zu unserer Unterhaltung am letzten Freitag moechte ich Ihnen schriftlichwiederholen, was ich Ihnen muendlich sagte:

Ich legte und lege fuer mich absolut keinen Wert darauf, politisch inReferaten oder Debatten hervor zu treten. Neben einer gewissen persoen-lichen Verbitterung, die Ihnen in ihren Ursachen nicht ganz fremd seinsollte, sind es nur mit meiner Person zusammenhaengende Gruende, die michveranlassten von der aktiven Teilnahme an Vortraegen und oeffentlichenDebatten abzusehen. Das mag man nicht verstehen, aber ich glaube beanspspruchen zu koennen, dass man es respektiert.

Auch die Initiative zu einem Zusammengehen( oder Vereinigung) der ver-schiedenen politischen Gruppen der hiesigen Emigration-- die ich seit zehnJahren fuer notwendig halte, wenn ich meine Zeit in Frankreich dazu rechne--muss ich den Persoenlichkeiten mit mehr Einfluss und groesserem Prestigeueberlassen. Und Leuten mit einem groesseren Ueberschuss an Kraft undEnergie .Wohl wuerde ich mitgehen, wenn es gelingen sollte, den grossen Bergvon Misstrauen und Bitterkeit, der sich angesammelt hat, abzutragen.

Etwas anderes ist es mit der Hilfstaetigkeit fuer die Genossen in Deutsch­ land .Dafuer habe ich den Rest meiner Kraft aufgespart und dafuer will ichsie verwenden, trotz allem, was dazwischen liegt.

Es hat mich verletzt als ich das offensichtliche Bemuehen erkannte, michnicht in das Hilfswerk einzuschalten. Ich konnte am 19.0ktober, als ichwegen des Nachrufs fuer Hans Vogel fuer manche so unverhofft in der Ver-sammlung erschien, dem Zuruf, der von dritter Seite erfolgte, nicht folgen,konnte nicht in den Ausschuss eintreten. Ich waere der ungebetene Gast,der durch eine Hintertuer einschleicht.Es waere das erste mal in meinemLeben gewesen, so zu einem Amt zu kommen.