Herzlichen Gruß!
Eva
Mrs. Regina KaegiZuerich
Liebe Genossin Kaeg1,
do Obwohl wir in diesen Jahren direkt nichts von einander gehoert haben,hatte ich doch nie das Gefuehl, dass wir ausser Kontakt seien. Ihre Arbeitund die des Arbeiter- Hilfs- Werks sowohl waehrend des Krieges als auchjetzt beim Wiederaufbau ist hier allgemein bekannt, und uns durch unsereFreunde staendig gegenwaertig gewesen, und ich denke, auch Sie haben ingrossen Zuegen gewusst, was wir hier taten.
Nun, da nicht nur der Krieg zu Ende 1st, sondern immer mehr Laendersich oeffnen, wo Genossen dringend Hilfe brauchen, und wo man nach undnach auch die Erlaubnis bekommt, sie geben zu duerfen, und wo der Post-verkehr wieder einigermassen funktioniert, haben wir das Beduerfnis,in direkte Beziehung mit Ihnen und Ihrer Arbeit dort zu kommen. Daherder heutige Brief, den ich ueber Hanna Bertholet schicke, weil ichnicht sicher bin, ob Ihre Adresse von 1940 noch stimmt.
Ich will gleich zum entscheidenden Grund meines Briefes kommen. Eineganze Reihe von Genossen hier, die damals durch internationale Solidarı-taet Frankreich verlassen und nach den Vereinigten Staaten gehen konnten,haben diese Tatsache immer als eine bindende verpflichtung empfunden,soweit und soviel wie moeglich den zuruexkgebliebenen Freunden zu helfen,und Hilfe mobil zu machen in amerikanischen oder richtigen Einwanderer-kreisen. Seit z. B. der Postverkehr nach Frankreich und anderen mittel-europaeischen Laendern offen 1st, tat sich hier unter dem Vorsitz vonMarie Juchacz , der Gruenderin der Arbeiterwohlfahrt, ein Ausschuss zu-sammen, der, da wir hier keine eigene Hilfsorganisation haben durften,1m Rahmen der amerikanischen Organisation" Workmen Cercle" in der Ab-teilung" Solidaritaet" eine Paket- Aktion fuer diejenigen Genossen incang brachte, die Besatzung und Konzentrationslager ueberlebt hatten,und die in der dringendsten Weise unserer Hilfe bedurften. Der Ausschusshier setzt sich zusammen aus Genossen der verschiedensten Richtungender sozialistischen und gewerkschaftlichen Emigration, die durch dasgemeinsame Schicksal in Frankreich sich naeher gekommen waren, und diedie Tatsache ihrer Rettung als besondere Verpflichtung empfanden. Es wurdeorganisiert, dass die Empfaenger in Frankreich auf partei politisch voel-11g neutraler Grundlage ausgesucht wurden, soweit sie Sozialisten waren,und zwei Vertrauensleute der sozialistischen Emigration in Frankreich , derGenosse Markscheffel und der Genosse Nelke, wurden mit der Verteilung derPakete betraut. Ich lege Ihnen hier ein Rundschreiben bei, das wir andie Spender in den Vereinigten Staaten kuerzlich versandten, und aus demSie einen gewissen Eindruck von der Arbeit und ihrem Geist bekommenwerden. neod
Dieses konnte direkt von hier aus gemacht werden, und wurde gestar-tet von denen, die eine solche Aktion fuer notwendig hielten. Ebenfallsvon ihr erfasst wurden einige Freunde in Belgien und Holland durchEinzelsendungen. Nun kommt allmaehlich der Zeitpunkt naeher, wo sich