27. Nov. 1945
Lieber Genosse Sander,
herzlichen Dank fuer Ihren Brief vom 19.November.Es hat- fuer mein Cefuehl-etwas lange gedauert mit der Antwort und ich glaubte nicht mehr daran, dassIhr mir noch von London aus schreiben wuerdet. Ich sage das nicht, um Vorwuerfezu erheben, sondern um mich mit dem Nachfolgenden besser verstaendlich zu ma-chen.Ich war naemlich am letzten Sonntag den 25.im Begriff Ihnen, ollenhauer undHeine zu schreiben.Es war gut, dass ich dem Zureden von Emil Kirschmann folgteund das Schreiben auf den Montag verschob.Mein Brief waere naemlich nichtsehr liebenswuerdig ausgefallen. Warum?
Am Sonntag brachte mir ein Freund die S.M., letzte Seite.Und mir war als obmir damit das letzte Vertrauen zerbrach, was ich noch glaubte auf alte Kampf-gefaehrten setzen zu koennen.Bitte beachten Sie meine Situation vom Sonntag.Eine Antwort auf die Fragen die mich so stark beschaeftigten, war nicht da.DieDie S.M.um die ich gebeten hatte, hatte man mir nicht geschickt.In der Situationhier in N.Y. sah ich schwarz.Und nun kam mir diese Seite der S.M. ins Haus.Man hat mir die S.M. nicht nur deshalb gebracht, weil die Mitteilung uebber N.Y.darin war. Das war uns ja allen bekannt.Sondern weil unter der Ueberschrift:Die Arbeiter- Wohlfahrt neu erstanden, alle Namen genannt worden sind, die Euchgegenwaertig bekannt sind, waehrend in den historischen Abriss mit Aongstlich-keit vermieden wird, meinen Namen als Gruenderin zu nennen. Bitte sehen Sie sichunter der Vorstellung meiner Situation diese Seite noch einmal an---- dochSchwamm drueber.
Es ist sehr schden, dass alle in der A.W.- London mitarbeiten. Ich kann mir gutvorstellen, dass es ein gutes arbeiten ist. Ich halte hier Freundschaft mit denLeuten vom ISK, mit den Lewinskies, Erna Blenke, den Albrechts u.a.Die ganzenJahre schon. Vor allem ist es Eva Lewinski, deren Name Euch sicher durch oefte-res Erwaehnen gelaufig( oder gegenwaertig) istmit der mich Freundschaft ver-bindet, mit der man jode kompliziertere Frage durchsprechen kann und die immerein guter Kamerad ist.Natuerlich gehoert auch ihr Mann Otto Pfister, den Ihrin London gesehen habt, zum Kreis meiner Freunde.Und ich schaetze ihn sehr.Auch Leute von der SAP gehoeren dazu.
Ich lege Euch eine Briefkopie ein.Den Brief schrieb ich am Sonntag an Stampfer,Vor Empfang Ihres Briefes.Ich denke auf diesem Weg unterrichte ich Euch amsachlichsten, eine andere Absicht habe ich dabei nicht.Es ist dazu zu sagen.Ich hatte zweimal eine Zusammenkunft mit Stampfer.Das erstemal folgte icheiner Einladung in seine Wohnung.Es kam dort nichts bemerkenswertes heraus undich wusste eigentlich nicht wozu das sein sollte.Es war vor der Versammlung,in der das Committee gegruendet wurde, nachdem vier Wochen ein Prvisorium be-standen hatte, was ich nicht wusste.Bei einer zweiten Anregung bat ich ihn inmeine Wohnung zu kommen und fragte ihn, ob loh noch jemend dazu bitten duerfte.--" Wen Sie wollen"--. So war Eva Lewinski- Pfister und Erna Blenoke zeitweise zu-gegen.Hans Hirschfeld dagegen war im letzten Moment abgehalten worden.Mit demim liebenswuerdigsten Tonfall ausgesprochenen Satz:" Unsere Tueren stehenJedem offen, der kommen will", ist in dieser Situation wirklich nichts anzufan-gen.--- Aber ich schreibe das nur, um Buch zu informieren, damit Ihr den Briefversteht, dassen Kopie ich beilege. zu schlagen ist
Freundlichen Dank fuer die Werbeschriften.Man sieht am Resultat, dass selbstin einem Land, das kriegfuehrend war und so gelitten hat, es moeglich ist durch