Abschrift
Wickel an Arnold Schroeder
16.Nov.1946
1946
Lieber A.Schr., ich hoere von Leege, dass Du doch noch nicht soweit wiederhergestellt bist, dass Du unserer Delegiertenversammlung am Mittwoch bei-wohnen koenntest. Das tut mir umsomehr leid, als es doch eine Art Jubiläums-versammlung sein wird. Es ist rund ein Jahr her, dass wir unsere ersten,schuechternen Gehversuche machten und darueber sprachen, ob wir wohl denGen.Schroeder fuer den Posten des Schatzmeisters gewinnen wuerden. Wirwerden also rühmend auf Dich hinweisen und Du wirst Dich darauf gefasstmachen muessen, dass Dir Ender der Woche eine Delegation auf die Bude ruecktdamit Du nicht ganz die Gesichter der AW vergisst.Leege haelt mich auf demLaufenden ueber Deinen Zustand und ich bin froh, dass alles doch recht glattgegangen zu sein scheint.--------- Wie mir Leege sagte, bist Du nicht sehreinverstanden, dass wir jetzt den Parcel- Service sp schnell voran getriebenhaben und meinst, wir hatten vielleich etwas unvorsichtig operiert. Ich neh-me an, dass eine genaue Darstellung der Sache Deine Bedenken zerstreuenwird:1.) Die Idee des Parcel- Service wurde dauernd von uns weiter ver-folgt. Du wirst Dich erinnern, dass wir bereits im September,-nachdem diePlaene zur Gruendung einer eigenen Firma, die auch die Pakete packen undein entsprechendes Warenlager unterhalten sollte, aufgegeben waren- den Ge-nossen Wollenberg beauftragten, weitere Erkundigungen einzuziehen. Das Zielwar dabed, mit einer der bestehenden Versandfirmen ein Abkommen auf einerProvisionsbasis abzuschliessen. Ich persoenlich wurde in dem Bestreben, dieSache nicht aus dem Auge zu verlierenbestaerkt durch Briefe von Katz u.von deutschen Gen.in Hannover , die bereits Abkommen mit Schweizer Organi-sationen( Europa Union und Schweizer Arbeiter- Hilfswerk) getroffen hattenund sehr wuenschten, dass endlich auch von hier aus aehnliche Schritteunternommen werden. Die Abkommen der Deutschen AW mit den beiden genannterSchweizer Organisationen gehen allerdings weiter als wir bisher bereitsind zu gehen. AW hat mit beiden Schweizer Organisationen abgemacht, dassdie Pakete von der Schweizan die diversen Hauptstellen der Amin Deutschlals Sammelsendungen gehen und von den Empf.bei diesen Hauptstellen abge-holt werden. Dabei soll auf jedes zehnte Paket ein Freipaket fuer AW ent-fallen. Du siehst, das ist ein viel groesserer Aufbau mit wesentlich groe-sserem Risiko und grosser Kapitalinvestition als wir sie zunaechst vor-haben. Jedoch ist der Grundgedanke derselbe: aus dem businessmaessigenVersand von Privatpaketen soll ein Nutzen fuer AW gewonnen werden. Ichhabe mit der Europa- Union korrespondiert, um ev.unsere ganze Aktion mit dderen zu koppeln. Es geht z.Z.nicht, da die Schwierigkeiten der Geldueber-weisung zu gross sind. Es wurde hur gehen, wenn wir einen internen Ver-rechnungsverkehr schaffen koennten, was aber wieder voraussetzt, dass wirhier gleichfalls einen Paketdienst haben.Sonst fehlt die Basis fuer dieVerrechnungen.-------- 2.) Inzwischen erhielt ich aber weitere Informati-onen,sowohl aus D.wie aus der Schw. Dieser Schw.Paketdienst krankt da-randass er durch eigene Lastwagen durchgefuehrt wird und nicht per Post.Das schien im Anfang die grosse Idee zu sein, ist es aber nicht mehr. DerPostdienst funktioniert besser und billiger als die Lastwagen transporteund ist weniger risikovoll. Die Schaffung von eigenen Lagerhäusern bei denAW- Hauptstellen schafft ja auch zusaetzliche Kosten und Risiken.( Nur fuerdie Russische Zone ist der Schw.Weg zur Zeit noch der beste und praktischeinzige.) Die Folge ist, dass jetzt Schw.Firmen bei ihren Anzeigen damitoperieren, dass sie hervorheben;" Auslieferung von USA aus."----- Alle Infor-mationen deuten daher klar darauf hin, dass der beste Weg fuer uns ist, miteiner oder mehreren der bewtehenden Firmen auf einer Kommissionsbasis zuverhandeln.Ein Beginnen auf einer solchen Basis erfordert praktisch sogut wie keine Investitionen und das Risiko ist äusserst limitiert. Es sindzwei Risiken in der Sache: 1.das normale Risiko bei jedem Versand, dassnaemlich Pakete verloren gehen. Dagegen ist man formal durch Versicherung