Frauen und Mütter sollen helfen- die Lust am Soldatentum zu wecken
Es eile den Tatsachen voraus, soll der CDU- Abgeordnete Dr. Lenzgeantwortet haben, als man ihn kürzlich wegen eines dreiMio- DM- Fonds ansprach, über den er verfügen soll, um den Wehr-gedanken in der Bundesrepublik zu fördern und den Aktionen derSPD entgegenzutreten. Diese Auskunft von Dr. Lenz dürfte sogarstimmen, denn drei Mio DM haben er und seine Propaganda- Kompagnie-offiziere Rasner und Dr. Vogel noch nicht zur Verfügung. Rund1.8 Mio DM aber dürften es jetzt schon sein, von denen ein Drittelaus der Industriespende stammt, die vor wenigen Monaten im Kanzler-palais gezeichnet wurde. Zwei Drittel hat die Industrie zusätzlichlocker gemacht, die an Rüstungsaufträgen in weitestem Sinne desWortes interessiert ist.
Zugegeben, man hat von der Umwandlung dieses Geldes in bedruck-tes Papier, Filme usw. noch nicht viel gemerkt. Aber was nicht ist,wird noch werden. Das erste Produkt liegt jetzt vor. Selbstverständ-lich wurde dabei das Lieblingskind von Dr. Jenz noch während sei-ner Zeit als Staatssekretär im Bundeskanzleramt, die" Arbeitsge-meinschaft demokratischer Kreise" bedacht, die in diesen Tageneinen offenen Brief an alle Frauen und Mütter herausgegeben hat.Man könnte über dieses törichte Machwerk zur Tagesordnu g über-gehen, wenn es nicht ein so erschreckendes Beispiel dafür abgebenwürde, dass in der Bundesrepublik heute jeder Propagandist genehmist, wenn er sich nur trefflich antikommunistisch gebärdet. Ausden Zeilen dieses Offenen Briefes spricht nämlich so offen national-sozialistisches Denken, wie man es in den letzten Jahren nichtmehr erlebt hat. Es fängt mit der" Blubo "( Blut und Boden, Sieerinnern sich?)- Ideologie an, die den Frauen und Müttern einre-det, dass sie ein Band vereine, das die Männer nie begreifen könnenund kommt dann munter auf den Zweck des Anliegens; gerade dieFrauen und Mütter sollten ihre Männer und Jungen davon überzeugen,wie nützlich und zweckmässig es ist, heute wieder Soldat zu wer-den. Im weiteren Laufe dieses Briefes wird dann die Flüchtlings-frau, die alles verloren hat, davon überzeugt, dass sie auch ihrenletzten Sohn" für das Vaterland" bereitstellen müsse und selbstdie zitternde und bangende Verlobte hat zum Schluss Tränen desStolzes im Auge, als ihr Peter beschliesst, sich eines Tages Blankzur Verfügung zu stollen.
Ebenso naiv ist die politische Argumentation, die einreden will,dass eine neue Wehrmacht notwendig sei," damit nicht mehr sogrässliche Dinge wie im letzten Weltkrieg geschehn können". Diezwölf deutschen Divisionen sollen dabei die Abschreckungstheorieuntermauern. Nur hat man dabei offenbar nicht mehr die letzte Rund-funkrede des Bundeskanzlers berücksichtigen können, der sagte, derBesitz von zwölf deutschen Divisionen könne in der heutigen ZeitDeutschland er verwechselt es wieder einmal mit der Bundesrepublik-auch nicht stark machen bezw. sichern. Ausserdem: jene gräßlichenDinge geschahen den Angehörigen eines Volkes mit der angeblichstärksten Wehrmacht der Welt. Sic hat sie nicht vor dem furchtbarenUnglück bewahren können. Im Gegenteil: die Existenz dieser gewal-
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