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tigen militärischen Macht und der politische Missbrauch, denman mit ihr trieb, war eine der Hauptursachen für das grenzen-lose Elend, das am Ende des Krieges über ganz Deutschland kam.Der geradezu widernatürliche Kern dieses Briefes ist die gegenjedes mütterliche und frauliche Empfinden gerichtete Forderung:
" Wir Mütter müssen unsere Söhne beeinflussen. Was sein muss,muss sein. Sicher tun es die jungen Männer nicht gerne,Soldat zu werden. Aber es ist eben Eure Sache, sie zuüberzeugen".
Die" Arbeitsgemeinschaft demokratischer Kreise" hat dann auchnoch den traurigen Mut zu behaupten, dass sie diesen Brief voneiner ihrer Mitarbeiterinnen unaufgefordert erhalten habe, ob-wohl aus jeder Zeile die klügelnde Konstruktion von Propagandistenspricht.
Eines ist richtig an diesem Brief. Es wird gesagt:" Auch Ihnenwird er Anlass zum Nachdenken geben". Davon sind wir überzeugt.Wir glauben, dass das Ergebnis dieses Nachdenkens die glatteAblehnung dieser Art von Wehrpropaganda ist.
Friedensvertrag wird torpediert
wenn das Parlament die Verträge unterzeichnet 4.55
Aus dem Weltkriege und aus Gefangenschaft bin ich als Schwerbeschädigter zurück-gekehrt, habe meine Stellung, meine Wohnung, meine gesamte Habe und auch Ange-hörige verloren, so daß ich das Grauen und das Leid des Krieges persönlich erfuhr. Esist mir unfaßbar, daß Abgeordnete eines noch an den Kriegsfolgen laborierenden Volkesdurch ihre Entscheidungen heute bereits wieder einen neuenKrieg vorbereiten. Die Geschichte beweist doch allzu deutlich, welche unheil-vollen Folgen der deutsche Militarismus bei allen Völkern erzielt hat.
Als Angehöriger des deutschen Adels, als Akademiker, Kriegsfreiwilliger und Freikorps-kämpfer war ich traditions- und erziehungsbedingt ein Befürworter der Militarisierung.Heute und erfahrungsbedingt distanziere ich mich schärfstens von den Militär-kreisen, insbesondere von jenen früheren Offizieren, welche nunmehr als Abgeordneteim Bundestag, in den Landtagen und in verantwortlichen Stellen der Bundes- und Lan-desregierungen offen eine Politik der Kriegsvorbereitung betreiben.
Daß mit der Ratifizierung und Verwirklichung der Pariser Verträge, die politischeLage der ganzen Welt verschärft wird, und sich zugleich die Gefahreines neuen, noch verheerenderen Krieges, erhöht, beweist der augenblickliche Meinungs-streit der Parlamente aller Völker um diese Verträge. Die angestrebte Wiedervereinigungunseres zerrissenen Vaterlandes auf friedlichem Wege wäre auf unabsehbare Zeit verhin-dert. Das Recht unseres Volkes auf Abschluß eines Friedens-vertrages, 10 Jahre nach Krieg sende, wäre illusorisch.
Die Politik unserer Bundesregierung, welche auf die Wiederaufrüstung und damit aufdas Wiedererstehen des deutschen Militarismus ausgerichtet ist, beweist eindeutig, daßwir für einen Friedensvertrag noch nicht reif sind, da dieser, schon vor Entstehen, tor-pediert wird.
Ihre Aufgabe als Abgeordnete des deutschen Volkes dürfte es daher sein, diese dieExistenz des deutschen Volkes bedrohende Politik zu verhindern.
Ich begrüße aufrichtig die ablehnende Stellungnahme einiger Bundestagsabgeordneterder Koalitionsparteien gegenüber den Pariser Verträgen, welche sich nicht dem Fraktions-zwang unterwerfen, sondern, der beschworenen Verfassung getreu, einzig nach ihremGewissen handeln und dem Volkswohle entsprechen. Wie aber wollen sich diejenigenAbgeordneten verantworten, welche leichtfertig oder aus Parteiräson und deren Vorteilen,ihre Zustimmung zu diesen unheilvollen Verträgen geben?"
Littalta
Intion and DD