den 28.Oktober 1946
Liebe Frau Brands then- Uhlich,
Dank fuer Ihr Schreiben vom 16.Oktober.Ich erhielt es mit etwas Ver-spaetung, in einem Augenblick wo ich im Begriff stand fuer einige Tagezu verreisen.Dann kam ich etwas unpaesslich zurueck.Ich bitte die Ver-spaetung zu entschuldigen.
Namen und Adresse des Kinderheims in Finkenkrug bei Berlin weiss ichnicht, leider.Aber louise Schrieder, Berlin- Friedenau, Peter Visherstr.5, IIwuerde ganz sicher gerne und zuverlaessig die Vermittlung dorthin ueber-nehmen, auch dann, wenn sie unmittelbar mit diesem Heim nichts zu tunhaben sollte. Sie hat fuer den westlichen Teil Berlins die Arbeiter-Wohlfahrt wieder aufgezogen.Die Arbeiter- Wohlfahrt ist fuer Berlin leider nicht anerkannt, weil die russischen Vertreter in der Militaer-Kommandantur der Grossmaechte dagegen Einspruch erheben haben, und dieBeschluesse dort bekanntlich alle einstimmig gefasst werden muessen.Dass bedeutet nicht, dass Louise Schroeder und die Arbeiter- Wohlfahrtnicht arbeitet, es bedeutet fuer sie nur erschwerte Umstaende.Sie parti-zipieren nicht an den allgemeinen Hilfsmitteln, die von draussen kommen,wenn diese nicht direkt an sie adressiert werden. Aber-- fuer die Zu-verlaessigkeit der Vermittlung und fuer die groesste Sachlichkeit injeder Beziehung, kann ich garantieren. Ausserdem ist Ihnen Louise Schroeder ja wohl keine Unbekannte.
Zur zweiten Frage: Wir haben bis jetzt( ausser der Benuetzung der CARE-sendungen nur generell ueber die CRALOG geschickt. Wohl wissen wir, dassschon eine Anzahl Heime der Arbeiter- Wohlfahrt bestehen. So z. B. auchaberdas Ludwig" Frank- Kinderheim oberhalb Trieberg im Schwarzwald "wir haben noch kein Verzeichnis dieser Heime und keine Beschreibungder naeheren Umstaende, unter denen si existieren.Wir waren naemlich bisjetzt immer der Meinung, dass wir die Sachen ohne besondere Zielbestimmung senden muessten. In diesen Tage sprach ich einmal Hertha Kraus ,die mir sagte, dass es durchaus moeglich sei, auch ueber die CRALOG, un-sere Sendungen dorthin zu dirigieren, wohin wir sie gerne haben wollten.Das muessen wir versuchen und es wird damit auch zur Notwendigkeitwerden, ein Verzeichnis der Heime usw zu bekommen.In Kuerze wird dasin Ordnung sein. Sie werden dann von uns Bescheid erhalten.mx
Mit Adressen von Leuten in besonderer Notlage koennen wir Ihnen jeder-zeit dienen. Die Frage ist immer, ob die Geber hier in diesem Land diePakete selbst packen wollen, oder ob sie eine Bestellung ueber uns ge-hen lassen wollen( wofuer wir gerne zur Verfuegung stehen) oder ob siedie Adressen fuer die CARE- orders benuetzen wollen. Alle drei wege sindgangbar.Wenn Ihnen an Adressen, mit Schicksalen liegt, sind wir jederzeitbereit sie zu senden. Ich darf dafuer wohl Ihre Antwort abwarten?
Mit herzlichen Grussen Ihre
M. J.