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den 9.November 1948

Liebe sehr verehrte Genossin Quark- Hammerschlag,herzl.Dank fuer Ihren Brief vom 8. Juni.Es ist lange Zeit vergangen,bis ich antworten kann, endlich ist es so weit.Glauben Sie mir, dasses viele und sehr zwingende Gruende waren, die mich an einer schnel-leren Antwort hinderten. Dieser Brief, resp.sein sachlicher Inhaltist gleichzeitig fuer die Genossin Marie Bittorf bestimmt.Zu Ihrer Unterrichtung: ich rueste schon seit langer Zeit fuer eineReise nach dort, doch ist es nicht so einfach, aus vielen Gruenden, dieich aus Zeitmangel nicht anfuehren kann.-- Ich denke nun, dass ich zuBeginn des neuen Jahres abfahren kann.--- In oeffentlichen Versamm-lungen werde ich nicht sprechen; auch das hat seine Begruendung, ichwerde meine ganze Kraft brauchen, um das zu erfuellen, was ich mir selbervorgenommen habe.-- Damit beantwortet sich von selber Ihre Frage nacheiner grossen Kundgebung, wobei Sie freundlicher Weise daran dachten,mich als Rednerin herauszustellen mit einem( bedauernden) Nein.Sie, die mich kennen, werden bestimmt glauben, dass ich weder launischbin, noch faul, sondern aus bestimmten sachlichen Gruenden meine Taetig-keit dort rationieren muss.

Sehr gerne wuerde ich natuerlich sehen, wenn einmal eine Genossin, diegut englisch spricht, hier als Rednerin durch das Land gehen wuerde.Aber hier fehlt es mir an Einfluss, das Nichtvorhandensein einer Ar-beiter- Bewegung im deutschen und Europaischen Sinn ist die Ursachedafuer, dass ich leider da ganz versagen muss.--- Aber ich weiss wohl,dass drueben bei den USA - Leuten Bestrebungen vorhanden sind, sowohlpolitische Frauen, wie auch Wohlfahrtsarbeiterinnen herueber zu bringen,um in den US " Demokratie zu studieren, oder zu lernen".Ein geschicktesEinreihen dort, duerfte nicht unmoeglich sein, wenn man--- die Stellenund Personen kennt. Ich kenne sie hier nicht, das muss sich druebenvollziehen, womit sich dann auch die sehr schwierige Kostenfrage loest.Ueber die" Frauenfrage" als Komplex viel nachzudenken, habe ich beimeiner intensiven Arbeit hier noch wenig Kraft uebrig gehabt.Nachdemwas ich hier sehen konnte, scheint es mir so: die Frauen sind in derLage und haben die Kraft viel zu leisten, wenn sie es richtig anfangen.Es scheint mir aber, dass sie aus dem Stadium herausgewachsen seinmuessen, in dem man immer sagte: es muss auch eine( oder zwei, oder drei)Frau( en) dabei sein.Sondern man muss sagen konnen: wir schlagen Frausowieso vor, sie hat grade fuer dieses Amt die besten Qualitaeten, ausden und den Gruenden.--- Frauenklubs und Frauenverbaende mit ganz be-stimmten sozialen, gesellschaftlichen, paedagogischen und sonstigenZielen, werden dadurch nicht ueberfluessig, im Gegenteil.Aber... naja,... es fehlt mir an der Zeit, um alle meine Gedanken darueber aus-fuehren zu koennen, ich denke, es laesst sich manches durch freundschaft-liche Unterhaltung klaeren, wenn ich drueben sein werde.

Bis dahin herzlichst gruessend Ihre, Eure

Die Organisierung meines Aufenthaltes

hat Lotte Lemke in der Hand/