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Nr. 188.

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31. Jahrg.

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Telegramm Adreffe:

Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstraße 69. Fernsprecher: Amt Morigplan, Mr. 1983.

80000 Patronen!

Montag, den 13. Juli 1914.

- nach Jahrzehnten!-im unbestrittenen Befit des marokka­nischen Bandes sei. Und heute? Heute schreibt ein franzö­fisches radikales Blatt, die Aurore":

Expedition: S. 68, Lindenstraße 69.

Fernfbrecher: Amt Moritblat, Nr. 1984.

Wir werden diese Geißel bekämpfen, die schlimmer als der Altobol ist und die darin besteht, daß der Haß und die Aufregung Tropfen um Tropfen in das Gehirn unserer Zeitgenossen geträufelt wird."

Dank der Geistesverfassung des Generalftabs des Besaßungs­forps dehnen sich die triegerischen Operationen immer mehr aus. Nachdem Sembat seine Rede beendigt hatte, begab er sich noch General yautey nennt das sich wie ein Delfled ausdehnen". nach seinem Wahlkreis auf Montmartre , wo im Festsaal einer Schule Es ist das eher ein Blutfled, der immer größer eine dichtgepreßte Menge einer Vorführung von Liedern aus der wird. Die Gegner find Stämme, denen man ihre Kabahs zer- revolutionären Epoche beiwohnte. Auch hier, wo das proletarische stört hat und die man durch unbarmherziges Kesseltreiben zur Element eine erdrückende Mehrheit hatte, fanden die auf die An­Verzweiflung bringt. In einem Gefechte gegen 700 Marot- näherung bezüglichen Stellen seiner Ansprache brausenden Applaus. faner wurden auf französischer Seite 1800 Granaten und 80 000 Gewehrpatronen verbraucht. So sieht die Pazifi­zierung au 3."

Und während rund 75 000 Mann französischer Truppen

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Eine Siegesfeier der französischen Sozialdemokratie. Baris , 12. Juli. ( Privattelegramm des Vor­

Es spektakelt wieder wegen Marokko ! Die Geier der tapitalistischen Ausbeutung deutschen und französischen Ge­blüts sind in dem nordafrikanischen Reiche hart aneinander­geraten, und ob nun der rollende Rubel" seine Schuldigkeit getan bat, ob andere Gründe mitsprechen, genug! ein Teil der deutschen imperialistischen Presse ist bereits in einer munteren Heze gegen Frankreich mitten drin. Es handelt sich bei diesen Streitigkeiten einmal um die Verdingung der öffentlichen Arbeiten, bei denen deutsche Beutemacher von der französischen Regierung, entgegen den Bestimmungen des Vertrages bom 4. November 1911, also widerrechtlich ausgeschaltet sein wollen. ezt schon in Marokko stehen, ist nach Angabe regierungs- wärts"). Sier fand heute anläßlich des Wahlsieges ein großes 4. November 1911, also widerrechtlich ausgeschaltet sein wollen. Freundlicher Blätter die Errichtung neuer Eingeborenen- Barteifest statt. Behntausende von Genossen vereinigten fich Zum anderen beschweren sich die französischen Marokkoleute Schüßenregimenter und eines Spahiregiments wie die Aus- trop strömenden Regens im Pavillon Sous Bois, wo auf den Tri­darüber, daß Deutschland von dem System der Kapitulationen stattung des Besagungskorps mit stärkerer Artillerie uner­und Schußbefohlenen nicht ablasse, das allerdings oft genug läßlich, wenn man vorwärtskommen will. Das kostet Gut, bühnen faft alle Deputierten und die alten Parteiführer an­den Dedmantel für niederträchtige Streiche solch eingeborener das foftet Blut! Schußbefohlener abgibt. Aber wir wollen gar nicht mit Hilfe der Goldwage zu entscheiden suchen, wer bei diesen Ausein­andersetzungen das Jus auf seiner Seite hat. Das Recht wird bei keinem von beiden Zeilen sein, denn Geier hüben, Geier drüben, handelt es sich in jedem Fall um kapitalistische Pro­fite einer Handvoll skrupelloser Ausbeuter. Doch selbst wenn es sich um mehr handelte, das deutsche Volk hat von Marokko gründlich die Nase voll!

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Huertas Rücktritt.

Die Mission des Herrn Kühn.

wesend waren und sprachen. Für das Internationale Bureau Und es wäre unser Gut, es wäre unser Blut, wenn ſprach Anseele, für Belgien Wauters, für Holland fich die schweifenden Wünsche unserer Maroffophantasten er- Bliegen, für England die Genossen Bruce Glasier, füllt hätten. Die schwarz- weiß- rote Flagge über Marokko Kennedy und Smith, für Deutschland Genosse Georges und tief müßten die deutschen Steuerzahler in die Tasche greifen, weiII. Der Abzug der Heimziehenden gestaltete sich zu einer um Hunderte von Millionen für das nordafrikanische Aben- großartigen Demonstration gegen die dreijährige teuer aufzubringen, und angstvoll würden die deutschen Blätter die Verlustlisten durchforschen, ob ihr Sohn nicht ins Gras Dienstzeit. gebissen hat zur höheren Ehre des Profits der Brüder Der Balkankrieg und was sich an Wirren und Weltkriegs- Mannesmann! Darum heißt es aber nicht etwa, einen gefahr daran schloß, hat im Gedächtnis der Zeitgenossen neuen Maroffostreit vom Zaun brechen, wie es der imperia­dieses wenig rühmliche Kapitel unserer auswärtigen Politik listischen Presse in Deutschland zu belieben scheint. Bereits richteten Kreisen soll Huertas Rücktrittsgesuch dem Veracruz , 12. Juli. Nach Berichten aus wohlunter­etwas zurücktreten lassen, und doch sind seit dem" Panther"- verkündet sie, gegen die friedliche Broschüre eines Marokko- Rongreß in seiner morgigen Sizung unterbreitet werden. Sprung nach Agadir in diesen schwülen Sommertagen erst tenners polemisierend, frei und frech, daß die deutschen Der neue Minister des Auswärtigen, Carbajal, der drei Jahre verflossen, und vorher schon und nachher noch gab Männer, die dort unten in ernster Arbeit und hartem Kampf wahrscheinlich sein Nachfolger wird, erklärte, seiner Er­es Lage, da wir, dem Geschrei der nationalistischen Presse zu ihre Interessen verteidigen, durchaus kein Berständnis haben nennung sei im Geheimen von Carranza und den Ver­folge von der Mobilmachung wegen Marokkos nur durch eines für den lehrhaften Rat, sich jeder Gehässigkeit gegen die nennung sei im Geheimen von Carranza und den Ver­ einigten Staaten zugestimmt worden. Der Zweck Fadens Breite entfernt waren. Landauf, landab gellte das Franzosen zu enthalten". Geheul der imperialistischen Tobsuchtspolitiker, daß Deutsch - Aber das deutsche Volt, das Frieden und Freundschaft der Reise des englischen Admirals Cradock nach der Haupt­lands Ehre in Maroffo verpfändet sei, und als i Ihe Im II. mit Frankreich will, hat Verständnis dafür, und wird den stadt soll sein, Suerta und seine Familie nach der Küste sich dafür bedankte, als Handlanger einer fleinen Großkapi- Desperados, die es schnöden Profits halber auf gemeinge zu begleiten, wo sie sich wahrscheinlich auf ein britisches talistensippe das Schwert gegen Frankreich zu ziehen, wurde fährliche Gehässigkeiten gegen das Nachbarland anlegen, bei- riegsschiff begeben werden. er von der Presse, die seinen Geburtstag mit den byzanti- zeiten auf die Finger Klopfen. Und zwar derb. nischsten Artikeln feiert, in derselben Weise angegeifert und angepöbelt, wie ein Jahr vorher der Leiter des Auswärtigen Amts Freiherr v. Schön, als er sich nicht ohne weiteres zu dem Grundsat brutaler Machtpolitik: Right or wrong, Die offiziösen Mitteilungen über das vermutliche Ergeb­nis des Wehrbeitrages haben das zuerst nur recht gering­my country! Ob Recht oder Unrecht, es gilt hier die Inter­essen meines Landes! bekennen wollte: dem Staatssekretär fügige Interesse an der Ernennung des Reichsschatzsekretärs wie dem Kaiser wurde in ganz unverhüllter Form in der zum Mitglied des preußischen Staatsministeriums beträchtlich " Post" und ähnlichen Blättern zu verstehen gegeben, daß sie verstärkt, und allgemein ist man jezt geneigt, die Andeutung Frankreichs Interessen höher stellten als die Interessen des reich immer mehr an Boden gewinnt, ist unverkennbar. Man braucht tige Finanzvorlagen in Aussicht stehen sollen, ernster Daß der Gedanke der deutsch - französischen Annäherung in Frank der Kölnischen Volkszeitung", nach der neue und wich­deutschen Volkes! Von Interessen des deutschen Volkes war nur die giftigen Leitartikel zu lesen, die der Temps" und das zu nehmen als noch vor wenigen Tagen. Diejenigen werden natürlich bei dem ganzen Marokkohandel nicht im mindesten Journal des Débats" anläßlich der Intervention Jaurès ' gegen zwar getadelt, die ihrer Enttäuschung über das Resultat Aus­die Rede, sondern es ging lebten Endes nur um die mehr den Kredit für Poincarés Rußlandfahrt veröffentlicht haben, um die druck gegeben haben, denn es gehe ja genau so viel ein, wie oder minder zweifelhaften Erzkonzessionen der Gebrüder Besorgnisse der Imperialisten vor Mannesmann, und das schönste war, daß die beiden Rüstungstreibern und dem Erlöschen der den von der Regierung in Ansatz gebracht worden sei, und wer den Stipendiaten des fapitalistischen Gesellschaften, die sich eifersüchtig gegenüber- wichtigen chauvinistischen Stimmungen in Frankreich zu erkennen. der diskreditiere unfere finanzielle Leistungsfähigkeit vor Barismus so darüber ein schiefes Maul ziehe, daß es nicht mehr gegeben, standen, dabei keineswegs hier eine deutsche und dort eine In der Tat find es nicht mehr die Kreise der organisierten dem Auslande. Aber mit alledem kommt man doch nicht über französische waren, sondern daß in beiden deutsches wie fran- Arbeiterschaft allein, die sich mit der Jdee der Annäherungspolitit die tatsächliche Differenz zwischen dem Erträgnis des Wehr­zösisches Kapital festgelegt war. Was aber die Stellung des vertraut gemacht haben. Auch in der studierenden Jugend, die man beitrages und der auf ihn angewiesenen Ausgaben hinweg. deutschen Volkes zu der Marokkogeschichte anging, so wurde noch vor kurzem der jungroyalistischen Demagogie verfallen glauben Mag immerhin soviel Geld im Kasten flingen, wie zunächst sie treffend durch ein Bild des Simplizisfimus" umriffen: fonnte, werden die Anzeichen eines bedeutiamen Umschwungs ficht berechnet worden war, so fehlen halt doch die 200 Millionen, zu einer schwäbischen Bauersfamilie, die just bei der Mittags- bar. So haben gestern in einer massenhaft besuchten Studenten die der Reichstag im Einverständnis mit der Regierung nach­mahlzeit, dampfenden Knödeln, sigt, stürzt gestiefelt und ge­träglich auf den Wehrbeitrag verwiesen hat, nachdem im spornt ein Adjutant herein: Auf, Eure Interessen in Ma­Interesse der Besitzenden das Inkrafttreten der Vermögens­rokko find bedroht!" Sprachloses Erstaunen in den Ge­steuer um ein Jahr hinausgeschoben und die Erhebung des sichtern der Familie: Marokko ? Was ist Marokko ? Wo liegt Reichsanteils an der Steuer auf den unverdienten Wert­Marokko? Was soll's mit Marokko ? zuwachs in Fortfall gebracht worden war. Statt 1200 Mil­lionen gibt es 1000 Millionen, und für den Rest, der für die Jahre 1914 bis 1917 fehlt, muß anderweitig Deckung gesucht werden.

Für die deutsch - französische Annäherung.

Paris , 9. Juli. ( Eig. Ber.)

versammlung im lateinischen Viertel Genosse Sembat und der Senator Estournelles de Constant entschiedene Reden für die Annäherung halten können, ohne daß die reaktionären Studenten die angekündigte Sprengung der Versammlung auch nur versuchten. Aus Sembats Rede, die mit begeistertem Beifall aufgenommen So war's, und unbekümmert um alle Anwürfe von pa- wurde, seien hier die Stellen wiedergegeben, die sich auf die triotischer" Seite hat die Sozialdemokratie von Anfang an elfag- lothringische Frage beziehen und die wegen der den Standpunkt vertreten, daß Maroffo nicht nur feinen Krieg hartnäckigen Vorbereitungen ervés, der Internationale utopistische zwischen Frankreich und Deutschland wert sei, sondern daß Lösungen" diefer Frage aufzureden, derzeit besonders bemerkens­Deutschland in Frankreich nichts verloren und nichts zu wert scheinen. Sembat sagte: suchen habe. Wenn uns dabei die faulen Aepfel um den Vergessen wir nicht, daß wir 1870 geschlagen worden sind Kopf pflogen, die besagen sollten, daß wir Reichsfeinde" und das würde uns nur lächerlich machen. Die historische Tatsache ist in der nächsten Zeit wieder einmal afut wird, und wenn an­Baterlandsverräter" jeien, so trösteten wir uns damit, daß da, man fann sie nicht wegwischen. Wenn man geschlagen worden -siehe die Beschimpfungen Wilhelms II. in der" Post"! ist, gibt es nur zwei Mittel, der Situation abzuhelfen: die Revanche wir uns in guter Gesellschaft befanden und mehr noch da- mit Waffengewalt oder die Verständigung."

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Auch wer an neue Forderungen für Rüstungszwecke nicht glaubt oder sich den Anschein gibt, als glaube er nicht daran, der muß doch zugeben, daß die Frage neuer Steuern im Reich ders er bei der Regierung den Willen voraussetzt, endlich ein­mal aus dem Fortwursteln herauszukommen und auf finanz­politischem Gebiete etwas Entscheidendes zu tun, dem kann die Ankündigung von Vorlagen für die, wie die Kölnische Volkszeitung" schrieb, die ganze Autorität einer starken Ste­gierung eingesetzt werden muß, nicht mehr so unglaubhaft vorkommen.

mit, daß wir die Massen hinter uns wußten. Die Massen Es handelt sich nicht um eine Erniedrigung. Aber seit vierzig gaben uns denn, als die Würfel der Reichstagswahlen Jahren hat sich ein neuer Geist in Elsaß- Lothringen eingepflanzt. fielen, glänzend Recht, und die 44 Millionen sozialdemo- Das ist auch eine Tatsache. Elsaß- Lothringen will sein eigenes Leben fratischer Stimmen und die roten Hundertzehn waren auch leben. Eine deutsch - französische Annäherung kann die Autonomie eine Quittung für den wüsten Marokkorummel der Par- Elsaß- Lothringens nur begünstigen." teien, denen selbst der Kanzler im Parlament den schweren" Ja, ich bin sogar sicher, daß diese Annäherung im Gefolge, ja Vorwurf ins Gesicht schleuderte, daß sie zu Wahlzwecken die mehr- daß sie begleitet sein wird von einer autonomen Ber­nationale Leidenschaft bis zur Siedehiße aufregten! fassung gleich der Württembergs und Bayerns . Dies wird geschehen Aber auch die Entwickelung der Dinge in Marokko selbst tönnen, sobald die Deutschen überzeugt sein werden, daß man sie gibt unserer Haltung mit jedem Tage mehr Recht. Die nicht zum besten haben will." nationalistischen Schreihälse hatten ein großes Wesen daraus" Der Franzose erspart sich nur allzu oft das Handeln, indem gemacht, was Frankreich alles an Reichtum nicht nur, sondern er träumt. Wir aber wollen handeln. Wir sind 200 französische und auch an Menschenmaterial für den Kriegsfall aus Marokko 200 deutsche Abgeordnete in unserer Bewegung und wir werden herausholen werde. Wir dagegen wiesen darauf hin, daß, gegen die Lügen der großen Bresse immer fämpfen, wenn sie falsche wie es mit Algier nicht anders gegangen ist, die Republik Nachrichten über die Vorgänge in Deutschland verbreitet. Wir werden will. Wir müssen uns ia stets gegenwärtig halten, daß die unfagbare Opfer an Gut und Blut bringen müsse, ehe sie ihr, mit unserer Unterschrift, fagen: Ihr lügt."

Das Avancement" des Herrn Kühn hat somit schon seine politische Bedeutung, und es fragt sich nur noch, wie es aus­gelegt werden soll. Der Staatssekretär der Finanzen wird mit der preußischen Regierung in engere und unmittelbarere Fühlung gebracht, und das kann sowohl heißen, daß dem preußischen Ministerium ein größeres Interesse und ein besseres Verständnis für die Angelegenheiten des Reiches tei­gebracht werden soll, wie anderseits auch, daß man den Schet­sekretär sozusagen unter preußische Aufsicht stellen und ihn für die Bedürfnisse" dieses Staates empfänglicher machen

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ganze Reichsregierung mir ein sehr beschränktes Eigenleben