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Nr. 41.
Erscheint täglich außer Montags. Brets pränumerando: Bierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Bfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Belt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz band: Deutschland u. Defterreich: Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Poft Beitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919.
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Vorwärts
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11. Jahrg.
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Bolksblatt.
290
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Morris
über Anarchismus. William Morris , Verfasser der„ Kunde von Nirgendwo", einer der Begründer des englischen Sozialismus, der aber längere Zeit für einen halben Anarchisten galt, hatte anläßlich des Bombenwurfes in der französischen Kammer ein Interview, über das die Londoner Justice" also be richtet: Ein sozialistischer Dichter über Bomben und Anarchismus.
Ein Interview bei William Morris . Ich fand meinen alten Freund William Morris inmitten von Büchern und Zeichnungen, die er so sehr liebt, und nachdem wir die üblichen Begrüßungen ausgetauscht, ging ich sogleich auf das Thema über:
Sonntag, den 18. Februar 1894.
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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Es wird aber argumentirt: angenommen, was auch genommen haben, und diese führt zu der krampfhaften, tollen Sie annehmen, daß diese Handlungen einen frankhaften Gesell- Tattit, die sie befürworten, weil etwas geschehen muß, um ihre schaftszustand andeuten, so bewirkten diese Bekundungen einer vor- Sache voranzubringen. Freilich, ich muß fagen, daß die handenen Krankheit, daß die Anstrengungen der Reformer ge- Anarchisten, weil sie die Autorität verdammen, logischer Weise müßten.
fördert werden, die Krankheit, welche solche Wirkungen hat, aus auch die Gewaltthat, als ein Mittel der Propaganda verdammen aurotten." Das gilt gerade so gut wie von den Thaten eines Ravachol Der Sozialismus hat in unserem Lande bedeutende Fortund Baillant, auch von denen der gemeinen Verbrecher. Alle schritte gemacht, mehr als der Sangumischste unter uns vor zehn Verbrechen sind soziale Krankheit. Wenn ein verthierter Wüthe- Jahren vorausgesehen hätte. Dies zeigt, daß wir flüger sind als rich sein Weib niederschlägt und sie zu Tode trampelt, so ist dies wir wußten und daß unsere Jdeen wirklich in der Luft lagen. in der Regel die Folge schlechter sozialer Lebensbedingungen Auf jeden Fall aber, ist es außer Zweifel, daß sie sehr populär und durch diese verursachte Störungen des Nervensystems." werden. Und nun kommen Leute, die sie bis zu einem gewissen Sie machen also feinen Unterschied zwischen diesen Männern| Grade in fich aufgenommen haben, an uns heran und sagen: und den gewöhnlichen Verbrechern?" Sehr gut! Was sollen wir nun machen?" Und die Anarchisten erklären sich gegen jedes Thun - ausgenommen Unmögliches- näm lich das Revolutionmachen. Das Volt will keine Revolutionsmacherei mehr, wenigstens nicht bis alle anderen Mittel erschöpft sind, und selbst, wenn es wollte, würde es von den Kanonen und Flinten der Soldaten niedergemäht werden."
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Das will ich nicht so ohne Weiteres sagen. Ravachol war, eine Bestie in wie mir scheint, einfach eine bête humaine Menschengestalt. Vaillant halte ich für einen von ihm ganz verschiedenen Typus. Ich glaube er ist Südländer oder Celte tapfer und prahlerisch eitel. Bereit fein Leben zu opfern, um Was denten Sie," fragte ich, von den anarchistischen seiner Eitelkeit zu fröhnen, ist er ein Typus jener Menschen, die Gewaltthätigkeiten, von dieser Epidemie des Bombenwerfens?" wir in allen Klassen der Gesellschaft, in jedem Berufe finden. Nun wohl," sagte Morris, indem er mir eine Bigarette Wir Beide sind ihnen schon begegnet, felbft unter Künstlern und reichte und seine stark gebrauchte Holzpfeife stopfte, ich zweifle Dichtern sind sie nicht unbekannt. Menschen: die das thun, nicht, daß Sie meine Anficht hierüber ziemlich genau tennen und wovon sie wissen, daß es unrecht und verderblich ist, nur um daß Sie wissen, welcher Ansicht jeder Sozialist sein muß. Ich sich einen Namen zu machen, anstatt ehrlich zu arbeiten und uneine bekannt zu bleiben. betrachte das Bombenwerfen einfach als eine Krankheit foziale Krankheit, erzeugt durch die verderblichen Gesellschaftszustände. In einem anderen Licht kann ich es nicht betrachten. Natürlich betrachte ich als Sosialist die Anarchistend. h. diejenigen, die an den wirklichen und reinen Anarchismus glauben, als uns diametral entgegengefeßt."-
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Halten Sie diese Angriffe für Handlungen von Verbrechern oder von Revolutionären?"
Allein ganz abgesehen von den Personen, sind die Thaten selbst verbrecherisch, verbrecherisch weil zweckwidrig und dumm verbrecherisch auch insofern, als sie ein Angriff auf unschuldige Menschen sind Handlungen, beren zerstörende und verderbliche Wirkung in gar keinem Verhältniß zu dem, was dadurch erreicht werden könnte steht. Erinnern Sie sich z. B. des Theaterattentats in Barcelona ; aus diesem entsetzlichen Die Ermordung Die Handlungen selbst sind Verbrechen und würden es Gewaltatt tonunte nichts Gutes hervorgehen. fie war allein schon beswegen sein, weil sie so große Dummheiten sind. des Baren durch die Nihilisten war etwas anders Auf das Volt machen sie einen abstoßenden Eindruck und rufen ein Kriegsatt." die roheste und rücksichtsloseste Reaktion hervor. Sie recht- Sie meinen also, daß für Vaillant Eitelkeit der leitende fertigen das brutale Vorgehen der Polizei, unter dem wir So- Beweggrund war?" zialisten am meisten zu leiben haben, und stiften absolut nichts Gutes. So sehr ich auch Handlungen, wie die Vaillant's, beflage und verdamme, so tann ich mich jedoch nicht zu einer leidenschaftlichen Entrüstung darüber verstehen; ich bin aber ein prinzipieller Gegner diefes gewaltthätige Vorgehens.
Sind Sie ein Gegner solchen Vorgehens, blos weil es gewaltthätig ist?"
Nein, sondern weil es thöricht und zweckwidrig ist. Hier in England würde es auf alle Fälle Wahnsinn sein, solche Streiche zu machen. Was man auch von anderen Ländern sagen mag, wir haben in unferem Parlament eine Körperschaft, welche die ganze ausübende Gewalt hinter sich hat. Was wir zu thun haben, ist, wie mir scheint, die Kontrolle dieser Körperschaft zu erlangen; dann haben wir die ausübende Gewalt hinter uns."
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" Sie verurtheilen dieses Bombenwerfen nicht blo 3 deshalb, weil es gewaltthätig und unzweckmäßig ist?"
Nein. Vor allem bin ich dagegen, friedliche Menschen anzugreifen. Außerdem stehen die Wirkungen des Handelns in gar feinem Verhältniß zu dem Ziel, das der Handelnde erreichen kann, oder das überhaupt erreicht werden kann."
Feuilleton.
Nachbruck verboten.]
Helene.
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Einen einzigen ausschließlichen Beweggrund giebt es für feine Handlung. Beweggründe sind immer gemischt. Zweifellos glaubte Baillant durch das, was er that, seiner Sache zu dienen; ich möchte aber sagen, daß hauptsächlich seine persönliche Eitelkeit ihn antrieb. Muth hatte er, das ist sicher. Es ist abgeschmackt, in diesem Busammenhang von Feigheit" zu sprechen. Ein Mann, der es wagt, auf diese Weise eine Bombe in ein solches Gebände zu mitzunehmen und dort zu werfen, ist sicherlich kein Feigling. find?"
Sie glauben also, daß dies Thaten bewußter Anarchisten
" Ja, in der Hauptsache möchte ich dies sagen. Die Anarchisten werden vielleicht behaupten, daß diese Handlungen fein richtiger Anarchismus sind; aber diese Art des Vorgehens scheint mir die logische Konsequenz ihrer Ziele zu sein und ich als Sozialist bin ein Gegner, sowohl ihrer Ziele als ihrer Mittel. Der Anarchismus verneint in der Theorie die Gesellschaft und stellt die Menschen außerhalb derselben. Nun ist aber der Mensch undenkbar außerhalb der Gesellschaft. Der Mensch kann nicht außerhalb der Gesellschaft leben und sich bewegen. Diese Verneinung der Gesellschaft ist die Stellung, welche die fonfequenten Anarchisten ein
Die Thür des anstoßenden Gemaches hatte sich geöffnet, die Oberin stand auf der Schwelle. Sie wendete fich an den Fremden und sagte streng in ( Alle Rechte vorbehalten gebrochenem Deutsch: " Herr, man beleidigt hier keine Schwester, gehen Sie." Morre wollte antworten, aber er befann sich eines Besseren. Er warf seinen Pelz über die Schulter, und nach einer tiefen und stummen Verbeugung ging er hinaus. Die Oberin näherte sich dem vor Aufregung zitternden Weibe.
Roman in zwei Bänden von Minna Rautsky. Sie war außer fich. Wie ein Schrei der Empörung löfte sich das Langzurückgehaltene von ihren Lippen und es schien ihr Wollust zu sein, ihm so ihre Verachtung in's Gesicht zu schleudern.
Er suchte seine überlegene Haltung zu bewahren, und es gelang ihm nicht schlecht, nur seine Mundwinkel zuckten nervös.
" Ich habe Ihnen meine Unterstützung angeboten und Sie antworten mit einer Beleidigung." " Ich will Sie beleidigen, denn Sie haben mich be leidigt mit Ihrem ersten Blick und seither, so oft Sie mich angesehen haben."
Er verbeugte sich höflich und kalt.
" Ich bedaure, gnädige Frau, aber ich konnte es nicht wiffen, daß. mir Ihre Gunft ein ewig unerreichbares bleiben sollte. Max Gebhart ist hierin glücklicher gewesen. Echade, daß er seinen heutigen Triumph nicht mehr erlebt hat."
Das heiße Roth ihrer Wangen wich einer entsetzlichen Blässe. Sie starrte ihn an, ein Krampf wollte sie erfaffen, aber ihre Empörung überwand ihn.
Sie streckte den Arm gebieterisch gegen ihn aus und mies gegen die Thür.
Gehen Sie!"
Wie zwei Klingen trafen ihre Augen zusammen, in tiefem, unauslöschlichem Haß.
Seine Erbitterung hatte ihn zu dieser unedlen Rache verleitet, aber in dem Augenblick schien es ihm, als ob fie viel zu gering wäre für das, was sie ihm an gethan hatte.
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Was hat es gegeben? sprechen Sie."
Helene, wie aufgewühlt in allen Nerven, begann hin und her zu gehen, sich im Kreise bewegend.
"
Der Elende der Elende!" stieß sie in Abscheu
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Aber Sie sind ja außer sich, mein Kind."
" 1
" Sie halten alfo die politischen Mittel für die einzig richtigen?"
" Im jeßigen Augenblick, gewiß. Ich meine, wir hätten erst eine Partei zu schaffen. Eine Partei, welche Vertreter im Hause der Gemeinen und vollständige Kontrolle über Die diese Vertreter hätte, würde reißend schnell wachsen. Reaktionspartei würde ein Zugeständniß nach dem anderen machen und sich zuletzt wohl auf Gnade oder Ungnade ergeben müffen. Das war der Verlauf fast aller Boltsbewegungen im Lande. Man kann nichts mit einem bewaffneten Aufstande ausrichten. Damit will ich nicht gesagt haben, daß man sich des Revoltirens enthalten sollte nur aus dem Grunde, weil es den Bürgerkrieg beschleunigen könnte. Aber bei der furchtbaren Gewalt der heutigen Armeen muß alles geschehen, um die Revolte gesetzlich zu machen. Wir 23 is haben geſehen, daß die Soldaten, ohne zu zögern, auf das Volk schießen, so lange tein Zweifel besteht, daß dies gesetzlich ist. Mit dem Strick um den Hals kämpft man nicht gut, und das würde bei einem Aufstande heutzutage der Fall sein. Wir müssen eine Machtstellung zu gewinnen suchen, welche die Revolte gefeßlich macht wir müssen die Herrschaft über die Ranonen und Flinten bekommen und dann ist Gewalt wahr scheinlich weit weniger nöthig und wir sind des Erfolges viel ficherer."
Die Anarchisten wollen von all dem nichts wissen. Sie nehmen das verrätherische Benehmen eines Sozialisten im Parlament zum Vorwand, um ihre Verwerfung des politischen Handelns zu begründen."
„ Ja, was will das aber besagen? Hätten wir eine organisirte Partei, dann kämen solche Verräthereien nicht vor. Es gilt die Partei fräftigen eine starte Partei schaffen." Unsere Anarchisten wollen nichts davon wissen."
"
Nein, die richtigen Anarchisten sind, wie ich sagte, gegen die Gesellschaft überhaupt. Wir haben aber auch die sogenannten anarchistischen Kommunisten, eine Bezeichnung, die doch unbedingt ein Widerspruch in sich selbst ist. So weit sie Kommunisten sind, müssen sie ihren Anarchismus aufgeben."
" Sie halten sie also gar nicht für Anarchisten?" " Sie tönnen nicht Anarchisten in des Wortes eigentlicher Bedeutung sein. Anarchismus ist nur verneinend und zerstörend.
Berlangst Du nach Frieden?" fragte Sofia scharf, dann sich über Helene tief herabbeugend: Helene, die Schwachen und Unterdrückten stehen heute in einem großen Rampfe, fie zählen thre Kräfte, und Du willst Frieden machen?"
Da blickte Helene zu ihr auf und aus den weinenden Augen brach ein Strahl der Begeisterung, jener tief innersten Kraft, die im Menschen nur der Glaube an etwas Großes zu entzünden vermag.
Und sie streckte Sofia die Hand entgegen und sagte leise aber bestimmt: Du hast Recht, ich will weiter tämpfen."
V.
zwischen den Zähnen hervor, die zitternd auf einander Es war in den ersten Augufttagen des Jahres 1880, schlugen. während der sogenannten" Hochsaison", die die Schweiz zum Tummelplatz der reichen Bourgeois aller Länder macht, und Zürich , die altberühmte Stadt, an dem herrlichen See gelegen, entfaltete all' ihre Anmuth und Regsamfeit.
In dem Augenblick tam jemand die Holztreppe herauf und trat ein. Es war Sofia Alexandrowna, die dem Herabkommenden begegnet war, der auf der Treppe noch seine Handschuhe auszog, um sie mit einer Geberde des Widerwillens von sich zu schleudern.
War das Dein Mann?" fragte sie Helene. " Nein, Morre."
"
Ah, und er wollte?"
Helene versuchte zu antworten, sie vermochte es nicht, warf sich auf das niedere Polsterkissen und brach in Thränen aus.
sie
May ist todt!" rief sie unter einem konvulfivischen Schluchzen.
Die Oberin setzte sich an ihre Seite und legte den Arm um die Weinende.
Regen Sie sich doch nicht so auf, mein Kind, beruhigen Sie sich. Sie sind unglücklich und bedrückt, Sie gehören zu uns. Zögern Sie nicht länger, treten Sie in den Orden, er bietet Schuh und Frieden den Schwachen und Unterdrückten."
Nach vier Wochen fast ununterbrochenen Regens strahlte nun von dem klarsten Himmel die heiße Nachmittagssonne hernieder, die alle Thäler füllte und die schöne, den See begrenzende Bergfette der Hochalpen in einen feinen, durchleuchteten Dunst zu hüllen begann.
Das geschäftliche Treiben der Einheimischen konzentrirte sich in den engen Gäßchen und unter den alterthümlichen Lauben, während man die auffallenden Gestalten der herumbummelnden Fremden längs der Kais und in der Bahnhofstraße verfolgen konnte.
Von dem blauenden See her schimmerten die aufgespannten Segel einiger Lustboote, die von einer aufspringenden Brise geschwellt waren; sie zogen lange blaue Furchen hinter sich drein, die, bald wieder verweht waren.
Schon ertönten die Abfahrtssignale der Dampfer, deren Landungsstellen mit Menschen überfüllt waren, die in