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dem Leiviesen wird, wie ohnmächtig die HilfskomiieeZ sind, wie es ihnen an Mitteln, Kompetenz und�Bewegungsfreiheit fehlt, wie durch sie die Verantwortlichkeit des Staates auf die Mitglieder der lokalen Komitees gewälzt wird. Tie Sammlungen haben ganz illusorische Resultate gehabt; auch in den Städten wie Mailand , wo am meisten gespendet wurde, ist das Aufgebrauchte ein Hohn im Vergleich zu den dringenden Bedürfnissen. Der Staat soll sich der Opfer des Krieges annehmen, wie er sich der Soldaten an- nimmt.... Ten Parteigenossen auch denjenigen, die an den Komitees teilnehmen liegt die Pflicht ob, sich nicht täuschen zu lassen und nicht zu täuschen... Bezeichnenderweise ist der Leitartikel nur ganz wenig zensuriert worden. In Parteikreisen wird die Stellungnahme desAvanti" ein Gefühl der Befriedigung auslösen. die Militärzensur gegen öen Avanti"! Lugano , 19. August 1913. Dig. Ber .) Je weiter, desto strenger geht die Militärzensur gegen das Zentralorgan der italienischen Sozialdemokratie vor: Am 13. wurde ein Bebels Andenken gewidmeter Artikel ganz entstellt, und zwar wurden bezeichnenderweise von der Zensur alle Zitate gestrichen, die sich auf die Erklärungen Bebels und Liebknechts Anno 1871 bezogen. Seit drei Tagen geht die Zensur noch summarischer vor: die Leitartikel werden vom ersten bis zum letzten Wort unterdrückt. Von dem einen blieb nur der TitelVom Berliner Vertrag bis zu den heutigen Tagen" und die, nach anderthalb Spalten weißen Raums folgende Unterschrift: Arnaldo Lucci , Mitglied des Parlaments". politische Maßregelungen. Eine Reihe von Organisatoren der irischen Freiwilligen wurden zu je zwei bis vier Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie ent- gegen den Befehlen der Militärbehörde ihr Land nicht verließen. Die Zahl der Ausweisungsbefehle wächst. s.Herald" vom 11. August.) Wie derLabour Leader" vom 23. Juli mitteilt, erhielten kürz- lich vier bekannte irische Nationalisten den Ausweisungs- b e f e h l. Da sie demselben nicht nachkamen, wurden sie verhaftet und sehen nun der Aburteilung entgegen. Aus Cock wurden ein Sozialist und ein anderer ausgewiesen. In Sheffield wurde ein Mitglied der I. L. P. zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er verwundeten Soldaten Ab- sätze aus dem Friedensaufrufe der deutschen Sozialdemokratie vorlas und ihnen sagte, daß sie nur für die herrschenden Klassen kämpfen. Seine Familie mußte das lange Jahre bewohnte Haus, in dem sie ein Geschäft gegründet hat, sofort räumen.(Labour Leader" vom 12. August.) Wegen Beteiligung an Streiks erhielten 133 Arbeiter der Maschinenfabrik Erikson und 3 Arbeiter der Newa-Schiffswerft in Petersburg auf Anordnung des Stadthauptmanns, deS Fürsten Obolenski, je drei Monate Gefängnishast. In Turin ist das Mitglied des italienischen Metall- arbciterverbandeS, Sobrito, verhaftet worden, bei dem schon nach den großen Maiunruhen öfters Haussuchungen abgehalten worden waren, die aber keinerlei Beweismaterial dafür zutage förderten, daß Sobrito sich bei irgend einer neutralistischen Kund- gebung oder am Generalstreik beteiligte. Nachdem man aber bei der letzten Haussuchung eine alte und verrostete Schußwaffe bei ihm fand, wurde nunmehr zur Verhaftung geschritten. Die Gewerkschaftsbeamten in Italien hatten seiner Zeit vom Ministerium die offizielle Versicherung erhalten, daß die beruflich nötige Bewegungsfreiheit für ihre Reisen in die Kriegszone erhalten bleiben sollte. Nun ist trotzdem einem Bologneser Beamten der '�Reisepaß verweigert worden mit der Begründung, daßheute unter den gegebenen Verhältnissen keine Streiks, Agitationen usw. zu machen seien." Am 16. Juli erschien in derHumanits" eine Artikel- ÜberschriftDie Lage der Juden in Rußland ". Den Artikel bezeichnete ein weißer Fleck. Der englische Gewerkschaftskongreß und üie Frauen. Der 17. JahreSkongreß der englischen Gewerkschaften, der am 6. September in Bristol zusammentritt, wird sich auch mit folgender, vom nationalen Verbände der weiblichen Arbeiter vorgelegten R e- s o l u t i o n zu beschäftigen haben: Es liegt im Juteresse der höchsten Vaterlandsliebe, die infolge des Krieges nötig gewordenen Hilfsaktionen so zu gestalten, daß das Lebensniveau und die Arbeitsverhältnisse der Arbeiter nicht unnötigerweise herabgedrückt werden; es müssen deshalb entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, die die Abwanderung und Stell« Vertretung von Arbeitern regeln. Wir schlagen folgende Matz- nahmen vor: 1. Sämtliche weibliche Arbeiter, die in Kriegswerk- statten eintreten, sollen sich der betreffenden Gewerk- s ch a f t anschließen; die gewerkschaftliche Mitgliedskarte soll die Borbedingung ihrer Anstellung sein; Gewerkschaften, die bis jetzt weibliche Arbeiter ausschlössen, sollen veranlaßt werden, ihre Satzungen zugunsten weiblicher Mitgliedschaft zu ändern. 2. Wo eine weibliche Person dieselbe Arbeit leistet wie der Mann, soll sie denselben Lohn erhalten; der Grundsatz: gleicher Lohn für gleiche Arbeit mutz aufrecht erhalten werden. 3. Unter keinen Um- ständen darf man weibliche Personen auf Grund des KriegSarbeitS- registers zur Arbeit einziehen, ohne ihnen einen anständigen Lohn zu sichern; Schwitzarbeit muß ausgeschlossen sein. 1. Weibliche Personen, die auf Grund des Kriegsarbeitsregisters eingezogen werden, sollen wenn nötig auf Staatskosten ausgebildet und erhallen werden, bis sie ihrer Aufgabe gewochsen sind; bei der Einziehung der weiblichen Personen soll man denjenigen den Vorzug geben, die schon vorher als Lohnarbeiterinnen beschäftigt waren. 3. Nach Friedensschluß: beim Uebergang zu normalen Verhältnissen soll man diejenigen männlichen Arbeiter vorziehen, deren Plätze während des Krieges von Frauen besetzt waren. 6. Den weiblichen Personen, die hierdurch ihre Arbeitsplätze verlieren, muß ander- weitige Beschäftigung garantiert werden. 7. Der beratenden Kom- Mission, die die Regierung ernannte, um ihr bei der Au§- fllhrung der KricgSarbeiien beizustehen, sollen weibliche Personen hinzugefügt werden, um die Regierung über Frauenbeschäftigung zu beraten. Englischer Trost für Rußlanü. London , 23. August. (W. T. B.)(Meldung des Reuterschen Bureaus.)Times".schreibt: Es sei wohltuend, zu erfahren, daß auf Betreiben der russischen Regierung Schritte unternommen wurden, um die Verbreitung des Eindrucks, alS ob die westlichen Verbündeten nicht ihren Teil an den Lasten des Krieges trügen, zu verhindern. Wenn alle Tatsachen bekannt sein würden, so werde man finden, daß Rußland keine Ursache habe, sich über die Unter- slützung, die es bei den Verbündeten fand und finden werde, zu be- klagen. Großbritannien und Frankreich seien den jüngsten Er- eigniffen auf dem östlichen Kriegsschauplatze mit größtem Interesse und größter Sympathie gefolgt, im Vertrauen darauf, daß die UN- wandelbare Entschlossenheit der Verbündeten schließlich zur Geltung kommen müsse. Die ruffische Regierung wisse bereits und das

russische Volk werde bald erfahren, daß alle Verbündeten die ge-! meinsame Sache mit derselben Hartnäckigkeit verfolgten. Italiens Kriegserklärung an die Türkei sei nur ein Beweis, daß weder der Dauer noch der Ausdehnung des Krieges Grenzen gesetzt seien, solange bis Deutsch- land und seine Vasallen endgültig geschlagen seien. Ebenso setzten die westlichen Verbündeten den Opfern, die sie bringen wollten, keine Grenze. Stimmungen in Rußlanö. Einem Bericht des Genossen M. Boretzkh in der Pariser Nasche Slowo" entnehmen wir folgende beachtenswerten Mit- teilungen über die Stimmungen in den bürgerlichen Kreisen Ruß- lands. Das Hauptkriegsziel des russischen Bürgertums ist die Erobc- rung der Dardanellen. Der Regierung ist diese Tatsache bekannt. Die Stimmung in derGesellschaft" ist derart, daß man offen sagt: Schließt die Regierung einen Separatsrieden, so wird an Stelle Nikolaus II. Nikolai Nikolajewitsch den Thron einnehmen! Mit den Verbündeten ist die liberale Gesellschaft unzufrieden, weil Rußland die größten Lasten des Krieges zu tragen habe. Aber, so wird betont, an einen Bruch des Bündnisses sei nicht zu denken. Aeußerst interessant ist, wie man sich in der liberalen Gesell- schaff zur Arbeiterbewegung stellt.Wenn, so heißt es, eine Bewegung unter den Arbeitern einsetzt mit der Parole der Einstellung des Krieges, so wird die Gesellschaft dagegen sein und sich der Regierung nähern, wenn diese auf dem Boden der Fort- setzung des Krieges bis zum Siege stehen wird." Eine solche Zu- sammenarbeit mit der Regierung hat übrigens schon begonnen, und zwar gehen die Antriebe hierzu von der Armee aus, in der eine starke Unzufriedenheit wegen der technischen Mängel herrscht. Von einer revolutionären Propaganda in der Armee sei nichts zu hören. Man stelle aber die politischen Umwälzungen in Rußland in Abhängigkeit von der Stimmung, in der die Armee vom Kriege heimkehren wird. Nach denselben Informationen hat die liberale Gesellschaft den Glauben an den Sieg nicht verloren. Selbst wenn die Deutschen in Petersburg einzögen und die russische Armee sich bis an Dnjepr zurückziehe, sei nicht an einen Frieden zu denken. Wenn aber England und Frankreich zum Frieden geneigt sein würden, so wäre die'Sache anders. /lmneftieforöerungen in Rußlanü. Auf dem soeben in Petersburg stattgefundenem Kongreß der KriegSindustrie-Ausschüsse kam es bei der Erörterung deS Antrages über die Befreiung deportierter Arbeiter zu einer be- merkenswerten Manifestation. Von den Sitzen der Anwesenden ertönten Rufe:Amnestie", und ein Teilnehmer des Kongresses bemerkte:Wir würden unsere Pflicht nicht erfüllen, wenn wir den Augenblick nicht ausnutzen, um die Frage der Amnestie anzuregen." Stürmischer Applaus übertönte die Worte des Redners. Ein- st i m m i g nahm der Kongreß den Antrag über vollständige Amnestie an. Gin zerstörtes Lanü. Ein in Holland gegründetes Unterstützungskomitee für Russisch- Polen veröffentlicht folgende Angaben über dig Verluste, die Russisch-Polcn im Krieg davongetragen hat: Russisch-Polen umfaßt 127 000 Geviertkilometer mit 13 Mil­lionen Einwohnern und ist, mit Ausnahme des Gouvernements Sivdlce und einem kleinen Teil des Gouvernements Warschau , nahezu bollständig durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen. Mehr als 200 Städte und 900 Dörfer wurden durch den Krieg be- troffen. Der unmittelbare Schaden beträgt mehr als 2% M t l- liarden Mark. 5000 Dörfer sind bollständig vernichtet. Zahl- lose Bauernhöfe, Rittergüter, Schlösser, Landhäuser usw. sind ver- b rannt; mehr als 100 Kirchen verwüstet, mehr als 1000 beschädigt. Getreide- und alle sonstigen Vorräte wurden beschlagnahmt. Zwei Millionen Stück Herdenvieh und eine Million Pferde wurden requi- riert oder kamen wegen Futtermangels um. Durch die schweren Geschosse wurde der fruchtbare Boden auSeincmdergefegt und unier Sand und Kiesel begraben; besonders bei Radom und Lublin , wo ganze Strecken für lange Zeit unfruchtbar sind. Der kleine Bauer ist vollständig verarmt. Den Großgrundbesitzern geht es auch nicht viel besser. Der gesamte Landbau Russisch -Polens , der früher einen jährlichen Ertrag von rund 1% Milliarden Mark hatte, liegt für lange Zeit vollständig brach. Noch immer kommen Menschen durch Hunger um. Auch die Städte haben viel gelitten. Die In- dustrieze n-tren Czenstochau, Lodz usw. leiden unter einer schrecklichen wirtschaftlichen Krise. Die Eisenbahnen sind über eine Länge von 1300 Kilometer vernichtet. Bahnhöfe und Brücken sind in die Luft geflogen. Die Wege sind durch die Automobile, Munitions- züge und Truppentransporte vollständig unbrauchbar geworden. Das Kohlenrevier von Dombrowa ist bereits zu Anfang des Krieges zerstört worden; die Zechen wurden gesprengt. Alle Fabriken im Bezirk Warschau liegen still. Mehr als hundert indu- strielle Werke sind größtenteils zerstört; 400 000 Arbeiter sind ohne Beschäftigung, unter ihnen zahllose Handwerker, Geschäftsleute usw. Dies gilt besonders von den kleinen Städten, wo jede Zu- fuhr fehlt. Ueberall herrschen Epidemien, Hunger, Flecktyphus, Diphtherie, Cholera usw. Arzneien fehlen vollständig. So sieht eS dort aus, wo der Krieg wütet. Venizelos bildet das neue Kabinett. Athen , 23. August. (W. T. B.) DieAgcnce d'Athenes" bestätigt, daß Venizelos vom König mit der Kabinetts- bildung betraut wurde. Wie verlautet, werde Venizelos im neuen Kabinett das Ministerium des Auswärtigen über­nehmen. Roosevelt als Kriegsfchürer. London , 23. August. (W. T. B.) Das Reutersche Bureau meldet auS New Jork: Die Blätter enthalten eine Erklärung Roosevelts, in der er sagt, er hoffe von Herzen, daß die Regierung nicht zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland schreiten werde. Das wäre eine neue Kränkung der Ehre und Interessen Amerikas . Die Februarnote des Präsi- denten Wilson sei ausgezeichnet gewesen, wenn man sich nur daran gehalten hätte, aber alle folgenden seien Produkte der Schwachheit und Schüchternheit gewesen. Die Versenkung derLusitania " und A r a b i c" sowie die An- griffe auf die G u I f l i g h t" undFalaba" und ähnliche Vorfälle seien die anmaßende Antwort gewesen, die durch diele Schwachheit veranlaßt worden sei. Deutschland werde sich wenig um den Abbruch der diplomatischen Beziehungen kümmern, denn die Feit, wo Worte an das Volk gerichtet werden müssen, sei lange vorbei. Es fei unbegreiflich, daß die Erben der Ueberlieferungen Washingtons und Lincolns und die Mitglieder der Regierung nicht einsähen, daß die Zeit zu Taten gekommen sei. Was jetzt geschehen sei, sei ein neuer Beweis der Ilnklugheit des amerikanischen Volkes, das nicht schon vor dreizehn Monaten darauf drang, mit aliiveu miliräri scheu Vor­bereitungen zu beginnen.

Süüafrikanifthe Sorgen. Aus Amsterdam schreibt man unS: Man kann voraus­sehen, daß sich die südafrikanischen Dinge in keinem Fall so glatt lösen werden, als die englische Regierung stchs im Augenblick, wo sie B o t h a so bereit fand, ihr die militärische Macht der südaffi- kanischen Union zur Verfügung zu stellen, vorgestellt haben mag. Es mag wohl eine Wirkung des unverkennbaren Erstarkens der holländischen(nationalistischen") Partei sein, die sich jetzt auch im Kapland organisiert und sogar das erste holländische Tagblatt Süd- affikas gegründet hat, daß auch die Anhänger Bothas jetzt der Londoner Regierung gegenüber mit selbstbewußten Forderungen auftreten, so wirft das RegierungsblattVollstem" die Frage der Zukunft Deutsch-Südwe st- Afrikas auf. Sie geht von der Voraussetzung des Sieges der Alliierten aus und sieht dann drei mögliche Lösungen. Entweder fordert die englische Regie- rung, entsprechend ihrem seinerzeitigen Vorbehalt des Versügungs- rechts über das eroberte Gebiet, Deutschsüdwesr für sich. DieVolk- stem" hielt das nach den gebrachten Opfern für undenkbar. Oder England werde das Land an Deutschland zurückgeben wollen. Die Volksiem" meint dazu: TaS südafrikanische Volk will im Reicht- interesse vieles tun,aber es wird ungewöhnlich viel UeberredungS- kraft dazu nötig sein, um unsere öffentliche Meinung von der Rai- wendigkeit für ein siegreiches England, unseren Staat der recht- mäßigen Frucht seiner militärischen Leistung zu berauben einer Leistung, die verhältnismäßig viel größer denn die irgendeiner anderen britischen Kolonie war. Die dritte und unserer Meinung nach einzig annehmbare Bestimmung von Deutsch -Südwcst im Fall des englischen Siegs ist, daß es zum Gebiet der süd- afrikanischen Union hinzugefügt wird." Für ganz sicher scheint nun auch das Organ Bothas den Sieg der Verbündeten nicht zu halten. Denn es schreibt folgende eigen- tümlichen Sätze:Das Kriegsgesetz, worunter dieser Artikel ver- öffentlicht wird, verbietet, in der Oeffentlichkeit die Möglichkeit an- zunehme», daß der Feind des britischen Reichs siegen sollte. Oben- drein werden pessimistische Anschauungen über das Ergebnis des Weltkrieges als schreckliche Verkehrtheiten aebrandmarkt. Wie werden also nicht auf die Frage eingehen, welchen niederschmettern- den Eindruck eS auf Südafrika machen würde, wenn infolge einer für die Verbündeten ungünstigen Lösung der Kriegskrisis von Townin�-Street(Auswärtiges Amt ) an unsere Regierung das Er- suchen käme, Deutsch -Südwestaftika zu räumen! Die Reichsregic- rung hat ihr Vorhaben bekanntgegeben, keinen Frieden ohne vor- herige Beratung mit den leitenden Ministern der Kolonien zu schließen. Unsere Kolonie wird also die Gelegenheit bekommen, der Regierung in Westminster den südafrikanischen Respekt auf den südafrikanischen Teil der allgemeinen Kriegssituation zu zeigen und auf die weitreichenden Folgen eines Friedensschlusses hinzu- weisen, wobei die Gefühle der Bevölkerung der Union verletzt würden." Der zitierte Artikel ist ein Ausdruck der unbehaglichen Stel- lung, die Botha zwischen zwei Stühlen einnimmt. Es ist voraus­zusehen, daß in den Friedensverhandlungen die Gesamtlage für die Friedensbedingungen matzgebend sein und die Londoner Regierung diese Bedingungen dem Reichsintcresse ent­sprechend zu bestimmen suchen wird. Wenn hierbei eine Rückgabe von Deutsch-Südwest notwendig oder annehmbar erscheinen sollte, wäre Botha, der seinem Land für die Expedition so schwere Opfer zugemutet und einen Bürgerkrieg provoziert hat, der Blamierte. Es ist begreiflich, wenn er seht die Londoner Regierung an so etwas wie einen eroberungssüchtigen südafrikanischen UnionS- Patriotismus glauben machen möchte. Aber die Burenbevölkeruug hat von Anfang an kein Hehl daraus gemacht, daß ihr die Expe­dition gegen Deutsch-Südwest höchst unsympathisch war. Daß sie jetzt Botha zuliebe umschwenken sollte, scheint wenig wahrscheinlich, da sie von der Einverleibung Deutsch -Südwests weder wirtschaftlich noch politisch profitieren würde.

Letzte Nachrichten. von öer Tätigkeit üer deutschen Seestreitkräfte. Amtlich. Berlin , 23. August 1915.(W. T. 58.) Am 16. August hat ein deutsches Unterseeboot am Ein- gang des Finnischen Meerbusens ein russisches H i l f s- schiff durch einen Torpedoschuß versenkt. Vor Z c e b r n g g e ist in der Nacht vom 22. aus 23. August ein deutsches Borpostenboot durch zwei feindliche Zerstörer angegriffen und nach tapferer Gegenwehr zum Sinken gebracht worden. Ein Teil der Besatzung konnte gerettet werden. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes der Marine. gez. B c h n ck c.

Ein schweizer Urteil über die italienische Kriegserklärung. Bern » 23. August. (W. T. B.) DerB u n d" schreibt zum Kriege zwischen Italien und der Türkei : Zweimal ist Italien , von seinem militärischen Zweckstandpunkt aus be- trachtet, in diesem Kriege zu spät gekommen: vielleicht lommcn die Italiener heute zum dritten Male zu spät, selbst wenn, wie au- genommen werden kann, die in Brindisi bereitgestell- ten starken Kräfte schon auf hoher See schwimmen, um die hoffnungslos zum Stillstand verurteilte Aktion der englisch -franzö- fischen Expedition zu entlasten und die Offensive gegen Konstantinopel vorzutragen. Daß dies jetzt geschieht, wo die deutsch -österreichische Offensive im Osten den ganzen polnischen Aufftellungsraum samt dem ersten Festungsring abgeräumt hat, ist kein günstiger Augenblick für die Entente, die aber immer noch hofft, daß die russische Widerstandskraft hinreiche, die Zentral- mächte zu fesseln, sowie daß es der russischen Heeresleitung mög- lich sei, ungezählte Reserven in absehbarer Zeit an den Feind zu bringen. Wir halten das für eine optimistische Auffassung der Lage; tatsächlich ist die russische Hauptmacht ohne Zweifel in Ge- fahr, als Ganzes eingekreist oder vernichtet oder brockenweise zer­rieben und ihrer vitalen Kraft beraubt zu werden.

Hochverratsprozeß in Oesterreich . Wien , 23. August. (W. T. B.) Nach mehrwöchiger Tauer wurde der Prozeß gegen den ReichsratsabgeordnetenDimitri Markow, den OberlandeSgerichtSrat Dr. Wladimir K u r y l o- w i e z, ferner gegen den Advokaten Dr. Cyrill Czerlunczatie- wicz aus Przemhsl, Dr. Johann v. Drohomilecki auS Zloczow, einen Grundbesitzer und einen Schlosscrmeister und end­lich gegen den Vertreter derNowojc Wremja" Dimitri v. I a n t- schewecki, sämtlich Angehörige der russischen nationalen Partei, beendet. Die Angeklagten wurden wegen Hochverrats und Ver­brechen gegen die Kriegsmacht des Staates zum Tode durch den Strang verurteilt.

Verhaftung von flvnischcn Landtagsabgcordneten. tgm. Stockholm , 23. August. Die Verhaftungen politisch führen- ersönlichkeiten in Finnland werden in großem Umfange fori- gesetzt. Eine Reihe sozialistischer Abgeordneter des sin nischen Landtags sind in Helsingfors inS Gefängnis ge­bracht worden. Zahlreiche andere Abgeordnete aller Parteien find auf schwedischem Gebiet eingelrosscu, um einer Verhaftung durch die russischen Militärbehörden zu entgehen.