Nr. 252.
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Ericheint täglich.
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32. Jahrgang.
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Telegramm Adresse:
,, Sozialdemokrat Berlin".
Sonntag, den 12. September 1915.
Expedition: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 151 90-151 97.
Der russische Generalstabsbericht.
Petersburg, 11. September. ( W. T. B.) Mitteilung des Großen General stabes von gestern. Am linken Ufer der Düna , südöstlich von Riga , rücken unsere Truppen unter Kämpfen in der Gegend zwischen der Missa und den Eisenbahnstationen Groß Eckau und Neugut vor. Westlich bon Jakobstadt dauern die Kämpfe mit derselben Heftigfeit an. In der Richtung auf Dinaburg ist unsere Garde im Norden von Aboli in Gefechte verwickelt. An der Straße von Wilko mierz unternahm der Feind mit beträchtlichen Streitkräften seit dem Morgen des 9. September eine kräftige Offensive in der Gegend von Kurkli zu beiden Seiten der Chaussee. Unsere Automaschinengewehrabteilung trug wirk sam dazu bei, den Feind zurückzuschlagen. Der Kampf dauert fort. Zwischen der Swenta und der Wilia unternahmen feindliche Reiterei und Infanterie eine örtliche Offensive gegen unsere Truppen in der Gegend von Schirwinty. Auf den anderen Straßen gegen Wilna zu ist keine Veränderung eingetreten. Destlich von Grodno unternahm der Feind von starker Artillerie unterstützt, seit dem Morgen des 10. September eine Reihe von Angriffen gegen unsere Stellungen in der allgemeinen Richtung nach Stidel zu sowie am Unterlauf der Belwianka. Die Angriffe wurden durch unser Feuer zurückgeschlagen. Die deutsche Offensive, die gegen 4 Uhr längs der Straße nach Stidel mit Unterstützung eines starken Feuers schwerer und leichter Artillerie unternommen worden war, wurde durch das Feuer unserer Batterien aufgehalten. Von 7 Uhr abends an verstärkten die Deutschen beträchtlich ihr Feuer und nahmen die Offensive wieder auf, um unsere Front zu - durchbrechen; doch wurde auch dieser Versuch durch unser anhaltendes Geschüß- und Maschinengewehrfeuer vereitelt. Ebenso wurde der deutsche Angriff bei dem Dorfe Liady(?) südlich der Njemenbrücken zurückgeschlagen. In diesem Ge fecht stürzten sich zwei unserer Soldaten aus eigenem Antrieb auf die Nachhut des Feindes, töteten zwei Deutsche und nahmen drei gefangen; einer entfloh. Im übrigen Gelände bis zum Pripjet unternahm der Feind lediglich in der Gegend von Nozany wiederholte Angriffe und setzte seine Offensive längs des linken Pinaufers fort. Die Angriffe bei Rozany wurden durch unser Feuer auf kurze Entfernung und sodann durch einen Bajonettsturm zurückgeschlagen. Die Deutschen vertrieben aus Rozany eine große Menge von Einwohnern und gelangten ziemlich nahe an unsere Stellungen, indem sie diese Menge als Dedung benutzten. In der Richtung Kremnetz beschoß der Feind unsere Truppen mit Stickgasgeschossen. Auch in der Gegend der oberen Goryn haben sich Kämpfe entwickelt.
Nachdem unsere Truppen am Sereth am 9. September eine Reihe feindlicher Angriffe zurückgeschlagen hatten, machten sie in dem Abschnitt unterhalb von Trembowla und in der Gegend von Czortkow Gegenangriffe. Die Oesterreicher wurden zu einem überſtürzten Rückzug gezwungen. Nach einer vorläufigen Schäßung haben wir 5000 Gefangene mit 16 Offizieren gemacht. Im allgemeinen ist die Stimmung unserer Heere voll Ruhe und Selbstvertrauen. Die Initiative in den Teilgefechten geht allmählich auf uns über.
Das vorausgeeilte Dementi.
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Berlin , 11. September. ( W. T. B.) Ein Telegramm aus Bern besagt: Die russische Gesandtschaft in Bern läßt sich im„ Bund" folgendermaßen vernehmen:„ Es erscheint höchst seltsam, daß das offizielle Wolfftelegramm vom 8. September, aufgegeben in Berlin um 3.50 Uhr nachmittags, Nachrichten einer Niederlage zweier deut scher Divisionen dementiert, welche ein offizielles Telegramm der Agentur Westnik aus Petrograd am 8. September 11 Uhr nachts, das heißt achteinhalb Stunden später, meldet. Man könnte glauben, daß die Wolffagentur recht greifbare Beweise, den Verlust von achttausend Gefangenen und dreißig Kanonen, vor Augen haben mußte, um voraussehen zu können, daß der russische Generalstab einen Sieg melden würde, den die obige Agentur sich im voraus zu dementieren beeilte."
Der seltsame" Vorgang beruht auf der einfachen Tatsache, daß der russische Bericht, der von 150 deutschen Gefangenen und 30 eroberten Geschützen spricht, am 8. September 7 Uhr vormittags durch offenen Funtspruch von den Nussen verbreitet wurde, ähnlich wie in Frankreich Nachrichten durch Funkspruch vom Eiffelturm zur Kenntnis gebracht werden. Somit war unsere Heeresleitung in der Lage, diese Lüge bereits im Tagesbericht vom 8. September zu ent träften.
Meldung des Großen Hauptquartiers.
Amtlich. Großes Hauptquartier, den 11. September 1915.( W. T. V.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Am Hartmannsweilerkopf wurden die am 9. September gestürmten Gräben gegen zwei französische Angriffe behauptet.
Deftlicher Kriegsschauplah.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg .
In den Gefechten südöstlich von Friedrichstadt und östlich von Wiltomierz sind weitere 1050 Gefangene gemacht und 4 Maschinengewehre erbeutet
worden.
Auf der Front zwischen Jeziory und Zelwa( an der Zelwianka) leisten die Russen noch hartnäckigen Widerstand; sie versuchen durch Gegenstöße starker Kräfte unseren Angriff aufzuhalten. Skidel und das nordwestlich davon. gelegene Niekrasze konnten erst nach hin- und herwogenden Kämpfen von uns in der Nacht endgültig erobert werden; auch Lawna( an der Straße Skidel- Lunno Wola) ist erstürmt. Der Angriff gegen die feindlichen Stellungen an der Zelwianka geht vorwärts. 2700 Gefangene und 2 Maschinengewehre fielen in unsere Hand.
Die Eisenbahnknotenpunkte Wilejka( östlich von Wilna ) und Lida wurden durch unsere Luftschiffe ausgiebig beworfen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Auch auf der Front dieser Heeresgruppe dauert der Kampf zwischen den Straßen Wolkowysk- Slonim und Kobryn- Milowidy mit gleicher Heftigkeit an. Der Uebergang über die Zelwianka ist an einzelnen Stellen erzwungen; österreichisch- ungarische Truppen nahmen das Dorf Alba( westlich von Kossow); um den Bahnhof Kossow wird gekämpft.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackenfen. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die deutschen Truppen der Armee des Generals Grafen Bothmer wiesen heftige Gegenangriffe unter starken Verlusten des Feindes ab; sie machten über 300 Gefangene. Oberste Heeresleitung.
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Der österreichische Generalstabsbericht.
Wien , 11. September. ( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Wien , 11. September 1915.
Russischer Kriegsschauplah. Derazno am Goryn ist in unserem Besitz. Bei Tar nopol versuchten die Russen in starkem Ansturm in die Stellungen der Verbündeten einzudringen. Der Feind wurde unter schweren Verlusten abgewiesen. Weiter südlich nahmen wir unsere Serethfront vor überlegenen feindlichen Kräften auf die Höhen östlich der Strypa zurück. Nordöstlich und östlich von Buczaz verlief der Tag ruhig. Auf den Höhen westlich des unteren Sereth heftiger Kampf. Destlich der Serethmündung und an der bessarabischen Grenze ist die Lage unverändert. Auf dem Kriegsschauplah in Litauen erstürmten unsere Truppen das zäh verteidigte Dorf Alba westlich von Kossow.
Italienischer Kriegsschauplaz.
Seit längerer Zeit wieder zum ersten Male entfaltete die feindliche Artillerie gestern eine lebhaftere Tätigkeit an der ganzen füftenländischen Front. Gegen den Südwestabschnitt der Hochfläche von Doberdo ging heute nachts Infanterie in der Front Vermigliano- Monte Cofich zum Angriff vor. Von überraschendem Minenwerferfeuer empfangen, fluteten die Italiener in ihre Deckungen zurück. Im Kärtner und Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts von Bedeutung ereignet.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant.
Neu- Radikalismus.
Von Ed. Bernstein.
In seinem Artikel Wahlkreis und Abgeordneter I" ( Vorwärts" vom 5. September 1. Beilage) schreibt Genosse Konrad Haenisch :
" Ich bin da in der ebenso angenehmen wie seltenen Lage, einmal völlig mit dem jüngsten Bannerträger des Neu- Radikalismus übereinzustimmen, mit dem Genossen Eduard Bernstein ."
Wenn ich das richtig verstehe, so will Haenisch damit sagen, daß es einen vom alten Radikalismus in der Partei unterschiedenen neuen Radikalismus gibt, dessen jüngster Bannerträger ich sei. Die lettere Bezeichnung unterſtellt in bezug auf meine Person einen Gesinnungswechsel. Stein sehr bedrückender Vorwurf in Tagen, wo das Umschwenken so in die Mode gekommen ist, daß man, wenn man nicht mindestens eine Viertelwendung macht, in Gefahr gerät, als Sonderling betrachtet zu werden. Der Ausspruch des Genossen Haenisch könnte daher von mir mit Stillschweigen übergangen werden, zumal die Unterstellung, die er enthält, von anderer Seite schon in bösartigerer Form vorgebracht worden ist, ohne meine Feder in Bewegung zu setzen. Indes weil Haenisch dabei von Neu- Radikalismus spricht, scheinen mir einige Bemerkungen angezeigt, die über das Persönliche hinaus zur Klärung hinsichtlich der bedeutungsvollen sachlichen Streitfragen beitragen mögen, die heute die deutsche Sozialdemokratie bewegen.
Das
Fangen wir mit dem Persönlichen an. Worauf gründet sich die Unterstellung, daß ich meine Gesinnung geändert habe? Sie kann nur zwei Tatsachen im Auge haben: mein Urteil über den gegenwärtigen Krieg und meine Stellung in der Frage der Bewilligung der Kriegskredite. erstere nun ist jedoch eine Sache, die mit der Frage Radikalismus und Nichtradikalismus keine direkte Beziehung hat. Leute, die sehr weit rechts von mir stehen, gehen in der Auffassung über den jezigen Krieg noch erheblich über die Auffassung hinaus, zu der ich gelangt bin. Es handelt sich da zunächst um Tatsachenurteile, in bezug auf die bei sonst gleichdenkenden Menschen sehr weitgehende Meinungsverschiedenheiten möglich sind. Allerdings pflegen Leute, die verschieden denken, in politischen Dingen auch verschieden zu sehen. Aber die Verschiedenheit des Denkens, die im vorliegenden Falle in Betracht kommt, liegt - oder lag wenigstens bisher völlig jenseits des Gegensages von Revisionismus und Radikalismus, um die nun einmal bei uns üblich gewordenen Bezeichnungen für die Gegensäge in der Partei zu gebrauchen. Anders steht es scheinbar mit der Frage: Bewilligung oder Nichtbewilligung der Kriegskredite. Aber auch nur scheinbar. Wohl gibt es Sozialisten, die da sagen, die Sozialdemokratie durfte unter teinen Umständen Kriegskredite bewilligen. Jedoch diese Auffassung ist niemals von mir zur Begründung meiner Stellungnahme geltend gemacht worden, so sehr die Erfahrungen, die man heute leider machen muß, einen zu so etwas drängen tönnen. Noch fällt es mir ein, plöglich die Geschicke der Nation als etwas Gleichgültiges für die Arbeiter hinstellen zu wollen, oder mit einem Flügel unserer Linken den Klassenkampf in absoluten Gegensatz zu den nationalen Kämpfen zu stellen. Derartige Ableitungen aus Säßen, die eine bedingte Wahrheit enthalten, bestimmen mein Verhalten heute so wenig, wie zu irgend einer früheren Zeit meines politischen Wirkens. Was für mich entscheidend ins Gewicht fällt, und es nach meiner Ansicht auch für die Partei tun sollte, ist neben dem Umstand, daß die Voraussetzungen, die am 4. August 1914 das Verhalten eines großen Teils der damaligen Mehrheit der Fraktion bestimmten, sich in bedeutsamen Punkten als irrig erwiesen haben das große Mißverhältnis zwischen der politischen Verantwortung, die wir durch die Bewilligung der Kriegskredite auf uns nehmen, und dem uns eingeräumten und verfassungsrechtlich wie tatsächlich möglichen Einfluß auf die Ausübung der Kriegsgewalt und die Gestaltung der Kriegsziele. Und das ist eine Frage, die völlig jenseits des Gegensatzes von Revisionismus und Radikalismus liegt, wie er bisher verstanden wurde und wiederholt gerade von mir gekennzeichnet worden ist.
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Greifen wir einige Streitpunkte heraus.
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Die Frage der Kreditbewilligungen erinnert an den Streit um die Budgetbewilligungen und steht auch mit ihm in einem gewissen Zusammenhang. Die ganzen Jahre über hat der revisionistische Flügel der Partei für das Recht zu Budgetbewilligungen in den Landtagen gekämpft. Aber wie der Nordwestgrenze von Indien tam es am 5. September ist die Forderung dieses Rechts begründet worden? Mit dem Die Kämpfe an der indischen Nordwest- zur Schlacht zwischen 10000 Mohmands und den Unsrigen. Bedürfnis, nach Zwecken zu unterscheiden. Mit dem Der Feind, der große Hartnäckigkeit an den Tag legte, wurde Wunsch, durch Befreiung vom Zwange einer stereotypen übera zurückgeschlagen. Unsere Verluste waren: drei britische Formel die Druckkraft der sozialdemokratischen Vertretungen London , 11. September. ( W. T. B.) Das Indische Amt Offiziere und vier Mann tot, 53 verwundet, zwei vermißt. zu steigern. Mit der Erklärung, man denke gar gibt bekannt: Infolge der Unruhen im Mohmandgebiete an Auf feiten der Inder wurden 31 getötet und 4 verwundet. nicht daran, wenn das Recht zur Budgetbewilligung an
grenze.