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Nr. 274.

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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morigplatz, Nr. 151 90-151 97.

Montag, den 4. Oftober 1915.

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Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 151 90-151 97.

Joffres Armeebefehl zur Offensive.

Meldung des Großen Hauptquartiers.

Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. Of. tober 1915. W. T. B.)

Westlicher Kriegsschauplak.

Feindliche Monitore richteten nachmittags ein wirkungsloses Feuer auf die Gegend von Westende Bad.

Abermalige Versuche der Engländer, während der Nacht nördlich von Loos verlorenes Gelände wiederzu­gewinnen, mißglückten vollständig. Mit schweren Ver­Iusten nach stellenweise erbitterten Nahkämpfen gab der Feind hier seine Angriffe auf.

Deftlich von Souchez mißlang ein französischer Vorstoß trotz Einsages einer erheblichen Menge von Gas­granaten. Ein feindlicher Angriffsversuch aus Neu­ville heraus gegen die Höhenstellungen östlich wurde mit starken Verlusten für den Feind abgeschlagen. Im nächtlichen dem Angriff folgenden Handgranatenkampf ging uns ein 40 Meter langes Grabenstück verloren.

Die Franzosen haben gestern die Infanterieangriffe in der Champagne nicht wiederholt, das feindliche Artilleriefeuer hielt in wechselnder Stärke an. Nördlich von Le Mesnil wurde der Feind aus einem gegen unsere Stellungen vorspringenden Graben hinausge­worfen, wobei er erhebliche Einbuße, auch an Gefangenen, hatte. Im Handgranatenkampf um die Stellung nord­westlich von Ville sur Tourbe behielten wir die Oberhand.

Der Feind wiederholte seine Fliegerangriffe auf Laon und Vouziers; an beiden Orten fielen wieder mehrere Zivilpersonen den Bombenwürfen zum Opfer.

In Gegend von Rethel wurde das französische Luftschiff Alface " zur Landung gezwungen, die Besazung ist gefangen genommen.

Heute 8 Uhr 30 Minuten vormittag wurden auf die neutrale Stadt Luxemburg von französischen Fliegern Bomben geworfen. Es sind zwei luxemburgische Soldaten, ein Arbeiter und ein Ladenmädchen verletzt.

Deftlicher Kriegsschauplah.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg .

In den Kavalleriekämpfen südlich von Kosjany wurde der Gegner über die Mjadfjolka zurückgeworfen. Im übrigen nichts von Bedeutung.

Bei den

wertvollen Besit unserer besetzten Gebiete entreißen. Außerdem Aus diesen beiden Dokumenten geht zunächst herbor, wie wird ein glänzender Sieg über die Deutschen die neutralen Völker schmählich man die Oeffentlichkeit täuscht, wenn ihr nach dem bestimmen, sich zu unseren Gunsten zu entscheiden, und den Feind Fehlschlagen des am 25. September unternommenen Angriffs zwingen, sein Vorgehen gegen die russische Armee zu verlangsamen, um unseren Angriffen entgegenzutreten.

2. Alles ist geschehen, daß dieser Angriff mit erheblichen Kräften und gewaltigen materiellen Mitteln unternommen werden tann. Der ohne Unterbrechung gesteigerte Wert der Verteidigungs­einrichtungen in erster Linie, die immer größere Verwendung von Territorialtruppen an der Front, die Vermehrung der in Frank­reicht gelandeten englischen Streitkräfte haben dem Oberbefehls­haber erlaubt, eine große Zahl von Divisionen aus der Front herauszuziehen und für den Angriff bereitzuhalten, deren Stärke der mehrerer Armeen gleichkommt. Diese Streitkräfte, ebenso wie die in der Front gehaltenen, verfügen über neue und vollständige Kriegsmittel. Die Zahl der Maschinengewehre ist mehr als ver­doppelt. Die Feldkanonen, die nach Maßgabe ihrer Abnußung durch neue Kanonen ersetzt worden sind, verfügen über einen be­deutenden Munitionsvorrat. Die Kraftwagenkolonnen sind ver­mehrt worden, sowohl zur Verpflegung als zur Truppenverschiebung. Die schwere Artillerie, das wichtigste Angriffsmittel, war der Gegen­stand erheblicher Anstrengung. Eine beträchtliche Menge von Batterien schweren Kalibers ist mit Rücksicht auf die nächsten An­griffshandlungen vereinigt und vorbereitet worden. Der für jedes Geschütz vorgesehene tägliche Munitionssatz übertrifft den bisher jemals festgestellten größten Verbrauch.

3. Der gegenwärtige Zeitpunkt ist für einen allgemeinen An­griff besonders günstig. Einerseits haben die Kitchener Armeen ihre Landung in Frankreich beendet, und andererseits haben die Deutschen noch im letzten Monat von unserer Front Kräfte weg­gezogen, um sie an der russischen Front zu verwenden. Die Deut­ schen haben nur sehr dürftige Reserven hinter der dünnen Linie ihrer Grabenstellung.

in seinen eigentlichen Bestrebungen immer wieder versichert wind, der in der Vorbewegung eingetretene Stillstand habe von vornherein in der Absicht der verbündeten englischen und französischen Heeresleitungen gelegen.

Aber die Befehle gestatten auch noch andere Feststellungen. Der Zweck des Angriffs war, die Deutschen aus Frankreich zu vertreiben, das Ergebnis dagegen, daß die deutschen Truppen auf der etwa 840 Kilometer langen Front an einer Stelle in 23 Kilometer, an einer anderen, und an dieser nicht durch die soldatischen Leistungen des englischen Angreifers, sondern durch gelungene Ueberraschung mit einem Gasangriff, in 12 Kilometer Breite aus der vordersten Linie ihres Ver­teidigungssystems in die zweite, die nicht die letzte ist, ge­drückt wurden. Nach vorsichtiger Berechnung betragen die französischen Verluste an Toten, Verwundeten und Gefange­nen mindestens 130 000, die englischen 60 000, die deutschen noch nicht ein Fünftel dieser Zahl. Ob die Gegner hiernach noch Aussicht haben, ihr Endziel zu erreichen, mag dahinge­stellt bleiben.

Jedenfalls können solche örtlichen Erfolge, erkämpft durch den Einsaz sechs- bis siebenfacher zahlenmäßiger Ueberlegen. heit und vorbereitet durch vielmonatige Arbeit der Kriegs­materialfabriken der halben Welt einschließlich Amerikas , nicht ein glänzender Sieg" genannt werden.

Noch weniger ist davon zu reden, daß der Angriff uns, gezwungen hätte, irgendetwas zu tun, was nicht in unserem Plan lag, im besonderen unser Vorgehen gegen die russische Armee nach ihm zu richten. Abgesehen davon, daß eine zum Abtransport bestimmte Division beim Einsegen der Offensive auf dem Westkriegsschauplatz angehalten und dafür eine im Antransport hierher befindliche andere Division nach dem Bestimmungsort der ersten gelenkt wurde, hat der Angriff die Oberste Heeresleitung nicht veranlaßt, auch nur einen einzigen Mann anders zu verwenden, wie es seit langer Zeit bestimmt war.

4. Der Angriff soll ein allgemeiner sein. Er wird aus mehreren großen und gleichzeitigen Angriffen bestehen, die auf sehr großen Fronten vor sich gehen sollen. Die englischen Truppen werden mit bedeutenden Kräften daran teilnehmen. Auch die belgischen Trup­pen werden sich an den Angriffshandlungen beteiligen. Sobald der Andererseits ist der Angriff weder ohne Ruhe Tag und Feind erschüttert sein wird, werden die Truppen an den bis dahin untätig gehaltenen Teilen der Front ihrerseits angreifen, um die Nacht fortgeführt worden, noch ist er bisher an irgendeiner Unordnung zu vervollständigen und ihn zur Auflösung zu bringen. Stelle über unsere zweite Linie hinaus gelangt, noch hat er Es wird sich für alle Truppen, die angreifen, nicht nur darum uns verhindert, unsere Reserven genau so sicher und wirksam handeln, die ersten feindlichen Gräben wegzunehmen, sondern ohne zu verschieben, wie wir es bei der Mai- Offensive nördlich Oberste Heeresleitung. Ruhe Tag und Nacht durchzustoßen über die zweite und dritte Arras tun konnten. Linie bis in das freie Gelände. Die ganze Kavallerie wird an diesen Angriffen teilnehmen, um den Erfolg mit weitem Abstand vor der Infanterie auszunußen. Die Gleichzeitigkeit der An­griffe, ihre Wucht und Ausdehnung werden den Feind hindern, seine Infanterie- und Artillerie- Reserven auf einem Punkte zu bersammeln, wie er es im Norden von Arras tun konnte. Diese

Heeresgruppen der Generalfeldmarichälle Prinz Leopold von Bayern Umstände sichern den Erfolg.

und v. Mackenfen.

ist die Lage unverändert.

Heeresgruppe des Generals v. Cinsingen.

Nach der Niederlage bei Czernycz und dem Scheitern aller russischen Angriffe gegen die Front nördlich dieses Ortes haben die Russen das westliche Korminufer bis auf Kleine Postierungen an einzelnen Uebergängen preis­gegeben.

Die Zahl der von den deutschen Truppen gemachten Gefangenen hat sich auf 2400 erhöht.

Seit einiger Zeit ist der Obersten Heeresleitung folgender Befehl des französischen Generals Joffre be­fannt:

Großes Hauptquartier der Westarmee. Generalstab 3. Bureau.

Nr. 8. 565.

14. IX. 1915.

Geheim.

An die Kommandierenden Generale.

Die Bekanntgabe dieser Mitteilungen an die Truppen wird. nicht verfehlen, den Geist der Truppe zu der Höhe der Opfer zu erheben, die von ihr gefordert werden. Es ist daher unbedingt nötig, daß die Mitteilung mit Klugheit und Ueberzeugung geschieht.

( Gez.) J. Joffre."

Hierzu gab ein französischer Regiments. tommandeur folgenden Zusatz:

" Diesen Befehl bringt der Oberst zur Kenntnis der Herren Bataillonskommandeure und Kompagnieführer, und bittet sie, wäh­rend des Dienstes in den Gräben und im Lager jede Gelegenheit zu benutzen, um den Leuten begreiflich zu machen, daß die von ihnen geforderte Anstrengung derartige Folgen haben kann, daß der Arieg binnen kurzem mit einem Schlage zu Ende ist.

Alle müssen bei dem beabsichtigten Angriff diejenige Kraft, Energie und Tapferkeit einsehen, die nötig sind, um ein so großes Ergebnis zu erreichen.

Wir müssen die deutschen Linien durchbrechen und dazu vor­wärts gehen, trotz allem..."

Der Befehl des Generals Joffre wird in interessanter Weise durch nachstehende Aeußerung des Kommandeurs der englischen Garde division ergänzt, die am 25. September in deutsche Hände gefallen ist:

" Divisionsbefehl der Gardedivision.

Der österreichische Generalstabsbericht.

Wien , 3. Oktober 1915.( W. Z. B.) Amtlich wird ver­lautbart: 3. Oktober 1915.

Russischer Kriegsschauplatz.

Der Feind räumte gestern erschöpft durch die bielen er­folglosen und verlustreichen Angriffe, die er tags zuvor unter­nommen hatte das Weftufer des unteren Kor minbaches. Sonft im Nordosten bei unveränderter Lage keine besonderen Ereignisse.

-

Italienischer Kriegsschauplatz.

Gestern vor Tagesanbruch gruppierten sich die Italiener zu einem größeren Angriff auf den Nordwestabschnitt der Hoch­fläche und Dober do. Unsere Artillerie überfiel die Angriffs­truppen mit Feuer und zersprengte sie größtenteils. So endete die feindliche Unternehmung mit dem Vorstoß eines Bataillons längs der Straße Sdrauffina- San Martino. Dieser Vorstoß und ein ähnlicher gegen mittag angeschter Angriff wurden abgewiesen. Ebenso scheiterten Versuche des Gegners, östlich von Redipuglia vorzugehen. Gewisse Bewegungen hinter der feindlichen Front und der lebhafte Verkehr auf den veneziani­schen Eisenbahnen sind unserer Beobachtung nicht entgangen. An den übrigen Teilen der Südwestfront hat sich nichts von Belang ereignet.

Nichts neues.

Südöstlicher Kriegsschanplay.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: bon Hoefer, Feldmarschalleutnant.

Der Geist der Truppen und ihr Opfermut bilden die wichtigste Bedingung des Angriffs. Der französische Soldat schlägt sich um so tapferer, je besser er die Wichtigkeit der Angriffshandlungen be­greift, woran er beteiligt ist, und je mehr er Vertrauen hat zu den Am Vorabend der größten Schlacht aller Zeiten wünscht der id fun d von den Führern getroffenen Maßnahmen. Es ist deshalb not- Kommandeur der Gardedivision seinen Truppen viel Glück. Er hat wendig, daß die Offiziere aller Grade von heute an ihre Unter- den anfeuernden Worten des Kommandierenden Generals von gebenen über die günstigen Bedingungen aufklären, unter denen heute morgen nichts hinzuzufügen. Möchte sich aber jedermann der nächste Angriff der französischen Streitkräfte vor sich gehen zwei Dinge vor Augen halten: wird. Folgende Punkte müssen allen bekannt sein.

1. daß von dem Ausgang dieser Schlacht das Schicksal kom­mender englischer Generationen abhängt,

1. Auf dem französischen Kriegsschauplatz zum Angriff zu schreiten, ist für uns eine Notwendigkeit, um die Deutschen aus Frankreich zu berjagen. Wir werden sowohl unsere seit zwölf Mo­naten unterjochten Volksgenossen befreien als auch dem Feinde den mehr hinzuzufügen braucht.

2. daß von der Gardedivision Großes erwartet wird. Als ein Gardist von über 30 Dienstjahren weiß er, daß er nichts ( gez.) Lord Cabau."

Beschädigte englische Monitore.

Amtlich. Berlin , 3. Oktober. ( W. T. B.) Am 2. Oktober sind zwei englische Monitore vor La Panne durch Bombenwürfe unserer Wasserflugzeuge beschädigt worden. Der Chef des Admiralstabes der Marine.