Nr. 279.- 32. Jahrg.
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Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3.
Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97.
Sonnabend, den 9. Oktober 1915.
Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 151 90-151 97.
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Meldung des Großen Hauptquartiers.
Amtlich. Großes Hauptquartier, den 8. Oktober 1915.( W. T. B.).
Westlicher Kriegsschauplah.
Nach den vergeblichen Durchbruchsversuchen der Frauzosen am 5. und 6. Oktober war der gestrige Tag in der Champagne verhältnismäßig ruhig.
Das Grabenstück östlich des Navarin- Gehöftes, das dic Franzosen noch besezt hielten, wurde vormittags durch Gegenangriff gesäubert, wobei einige Gefangene und zwei Maschinengewehre in unsere Hand fielen.
Gegen abend nahm das feindliche Artilleriefener wieder zu, nachts kam es an einzelnen Stellen zu Jufanterieangriffen, die sämtlich abgewiesen wurden. Bei einem erfolgreichen Vorstoß auf eine vorgeschobene feindliche Stellung füdlich von Ste. Marie- à- Py nahmen wir dem Feinde 6 Offiziere und 250 Mann Gefangene ab. Destlich der Argonnen bei Malancourt wurden mehrere feindliche Minenstollen durch Sprengung zerstört. Deftlicher Kriegsschauplah.
Heeresgruppe des Generalfeldmaridhalls v. Hindenburg . Russische Angriffe nördlich von Rosjany und südlich des Wiszniew- Sees find abgeschlagen. Heeresgruppe des Generalfeldmaridhalls Prinz Leopold von Bayern. Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals v. Cinlingen.
Bei Newel und Omyt( südwestlich von Biust find russische Postierungen von uns vertrieben.
Unser Angriff in der Gegend nordwestlich von Czartoryst macht Fortschritte.
Die deutschen Truppen der Armee des Generals Grafen- Both mer wiesen mehrere russische Angriffe ab.
Balkankriegsschauplah.
Der Uebergang über die Drina , Save and Donau nimmt einen günstigen Verlauf.
Südwestlich von Belgrad find 4 Offiziere, 296 Manu zu Gefangenen gemacht und 2 Maschinengewehre erbeutet. Gegenüber von Ram fielen nach Kampf 3 Geschüße in unsere Hand.
Oberste Heeresleitung.
Der Oberbefehlshaber der bulgarischen
Armee.
Sofia , 8. Oktober, 1 Uhr nachmittags.( W.T.B.) Meldung der bulgarischen Telegraphenagentur. Der König richtete an den Ministerrat ein Schreiben, in dem er ihn benachrichtigt, daß er in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber sämtlicher Streitkräfte des Reiches den Kriegsminister General Jetow mit dem Oberbefehl der Feldarmee beauftragt.
Der österreichische Generalstabsbericht.
Wien , 8. Oktober. ( W. Z. B.) Amtlich wird ver. lautbart: Wien , 8. Oktober 1915.
Russischer Kriegsschauplah.
Der Feind griff gestern an der ganzen oftgalizischen und wolhynischen Front an. Seine unter großem Kräfte und Munitionsaufwand geführten Angriffe blieben ohne Erfolg. An der bessarabischen Grenze auf den Höhen nördlich des Dnjestr und an der Strypa brachen die russischen Sturmtolonnen zusammen, che fie an unsere Hindernisse herankamen. Nordwestlich von Tarnopol drangen die Russen an zwei Stellen in unsere Schütengräben ein, wurden aber durch herbeieilende deutsche und österreichisch- ungarische Unterstützung heute morgen wieder zurückgeschlagen. Ein ähnliches Geschick hatte der feindliche Angriff auf das nordwestlich von Kremienec liegende Dorf Sapanow, das gestern als Mittelpunkt erbitterter Kämpfe mehrmals den Besitzer wechselte, nun aber wieder fest in unserer Hand ist.
Ebenso warfen wir südwestlich von Olyta überlegene russische Kräfte im Nahkampfe zurüd, wobei sich das Infanterie- Regiment 89 und das Landwehr- Infanterie- Regiment Teschen Nr. 31 besonders hervortat. Sehr heftig wurde auch südlich von Olyka gekämpft. Nördlich und nordöstlich von Kotil gewannen unsere Gegenangriffe neuerlich Raum. Wir entrissen dem Feinde die Dörfer Lisowo nnd Galuzia.
Insgesamt wurden in den gestrigen und vorgestrigen Kämpfen auf wolhynischem Boden etwa 4000 Russen gefangen genommen. Der Gegner erlitt sehr große Verluste.
Italienischer Kriegsschauplas.
Gegen die Hochfläche von Viclgereuth setten die Italiener gestern nachmittag an der ganzen Front mit starken Kräften zu einem neuen Angriff an, der gleich allen früheren blutig abgewiesen wurde. Besonders heftig tobte der Kampf um einen unserer Stütpunkte nordöstlich des Maroniaberges. Hier stürmten drei feindliche Bataillone dicht gedrängt vor, brangen durch das zerstörte Hindernis cin, wurden aber durch Abteilungen des oberösterreichischen Infanterie- Regiments Nr. 14 mit dem Bajonett hinausgeworfen. Der ganze Angriff endete mit der Flucht der Italiener in ihre Ausgangsstellungen.
Jm Nordteile des Doberdo - Abschnittes griff der Feind wieder vergeblich an. Bei Selz verjagten die Abteilungen des Infanterie- Regiments Nr. 87 die Jtaliener aus einem in ihrer Kampflinie gelegenen Steinbruch, schlugen einen Gegenangriff ab und sprengten die feindlichen Stellungen.
Südöstlicher Kriegsschauplah.
Der Uebergang der österreichisch - ungarischen und deutschen Streitkräfte über die untere Drina , die Save und die Donau wurde fortgescht. Die Versuche der Serben, unsere Unternehmungen zu stören oder zu vereiteln, scheiterten auf allen Punkten. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant.
Der dritte Faktor.
Zwei Fattoren haben bis zur legten Zeit fast ausschließlich das politische Leben Rußlands im zweiten Halbjahr des Krieges beherrscht: die herrschende Bureaukratie, berstärkt durch die Militärdiftatur, und die aufstrebende Bourgeoisie, die sich durch den Verlauf des Krieges in ihren Erwartungen betrogen sieht und die Eroberung der politischen Macht anstrebt. Die lekten Monate waren ausgefüllt mit den Kämpfen, die sich zwischen den alten und neuen Vertretungskörperschaften der Bourgeoisie und der Regierung abspielten. In den Verbänden der Städte und der Landschaften hatten sich die besigenden Klassen bei Beginn des Krieges Organisationen geschaffen, die, urfprünglich bloß für die, Verwundetenpflege gegründet, angesichts der Unvollkommenheiten und der Schlamperei der Verwaltungsorgane in furzer Zeit auch wichtigere Funktionen auszuüben begannen, den Kampf gegen die einsehenden Epidemien und die Lebensmittelnot aufnahmen, für Beschaffung von Munition sorgten, die Verbindung zwischen der Armee und der Bevölkerung aufrechterhielten ursin. Diese umfassende Tätigkeit verlieh den erwähnten Verbänden einen zunehmenden Einfluß und verwandelte sie als die militärische und administrative Desorganisation im Sommer ihren Höhepunkt erreichte in wichtige Stügpunkte der oppositionellen, Bewegung der Bourgeoisie.
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Neben diesen ad hoc geschaffenen Verbänden traten im diese Zeit auch die bestehenden Vertretungskörperschaften des Bürgertums: die Stadtverwaltungen, die Börsenkomitees, die Kaufmannskorporationen, die Industriellenverbände als Stützpunkte der politischen Bewegung der Bourgeoisie hervor, die sich im Namen der Organisation des Sieges" gegen die unfähige Regierung richtete. Der russische Liberalismus, vertreten durch die Kadettenpartei, nahm anfangs in dieser Bewegung eine unschlüssige Haltung ein. Auf dem Ende Juli vom Städtebund in Moskau einberufenen Kongreẞ zur Bekämpfung der Teuerung, der mit Recht als Vorparlament der kurz danach einberufenen Duma bezeichnet werden kann, schwankten die Kadetten, ob sie sich dem rechten Flügel, gebildet aus Vertretern der Städte, oder dem linken Flügel, bestehend aus Delegierten der Arbeiterorgani sationen und Konsumgenossenschaften, zuwenden sollten. Sie entschieden sich für das erstere und nahmen in der nachfolgenden Dumatagung eine Haltung ein, die durch ihre Gemäßigtbeit selbst den Unwillen der gemäßigten Progressisten, die als Vertreter der Großindustrie eine entschiedenere Taktif wünschten, erregte.
Auf die plöglich unterbrochene Session der Duma, deren Forderungen bekannt sind, folgten in der zweiten Augusthälfte abermals in Moskau die Kongresse der Städte und Landschaften, die in der Presse als Nach parlament bezeichnet werden. In ihrer politischen Haltung blieben diese Kongresse zwar auf dem Boden des oppositionellen Dumablocs was in Anbetracht der Zusammenfeßung
London , 8. Oktober. ( W. Z. B.) Meldung der Reuterschen dieser Kongresse sicherlich von Bedeutung ist. Aber darüber
Bureaus. Die Mitglieder bes neuen griechischen ka. hinaus vermochten sich diese Kongresse ebenso wenig wie der
binetts find: Zaimis, Borsik und Aeußeres; Gunaris, Dumabloc zum entschiedenen Kampf gegen die ReInneres; analitias, Krieg; Kunduriotis, Marine; gierung aufzuraffen. Es war der Geist der Mäßigung Dragumis, Finanzen; Theotokis, Handel und Unterricht; und des Opportunismus, es war die Furcht vor der EntfesseRhallis, Justiz und Eisenbahnen. In der Besehung des Kriegs- lung der Volfskräfte, die auch diese Kongresse entwaffneten ministeriums wird vielleicht noch eine Aenderung eintreten. Das neue und sie in einen Konvent der Hilflosigkeit berKabinett wird Montag vor der Kammer erscheinen. wandelten. Wie sollte die Regierung auch einen Kongreß fürchten, auf dem der Oktobristenführer Alerander GutschLondon, 8. Oktober. ( W. T. B.) Das Reutersche Bureau fow unter dem Beifall eines großen Teils der Versammmeldet aus Athen : Die neuen Minister haben ihren Eid geleistet. Tung sagen konnte, im Kampfe gegen einzelne Vertreter der Es verlautet, daß die Venizelos - Partei die neue Re- Regierung müsse man sich hüten, die Grundlagen der ReBulgarische Erklärungen an Griechenland . gierung unterstützen wird, um weitere Berwidlungen zu gierungsgewalt selbst zu erschüttern! Wie sollte die Regie
Budapest, 8. Oftober.( W. T. B.) Aus Sofia meldet das Blatt vermeiden, da eine Auflösung der Kammer in der MobilmachungsBilag": Radoslawow erklärte dem griechischen Gesandten Naum: zeit einen chaotischen Zustand herbeiführen würde. Die Vorgänge in Saloniti schienen nicht im Ein
flang mit den Erklärungen zu stehen, die die grie. Wohlwollende Neutralität" Griechenlands der Entschluß gefaßt wurde, die Resolutionen des Kongreſſes
chische Regierung durch ihren Gesandten in Sofia # abgegeben hätte. Falls die griechische Regierung ihre Haltung nicht ändere, würde. das bulgarische Kabinett die griechenfreundliche
gegenüber dem Vierverband.
rung die Entschließungen eines Kongresses respektieren, in dem die Forderungen einer demokratischen Minderheit, nun endlich über die Köpfe der Regierung hinweg andas Volk zu appellieren, ungehört verhallten und durch eine Deputation dem Zaren zur Kenntnis zu bringen! Die endgültige Antwort der Regierung auf die politischen Haltung der bulgarischen öffentlichen Meinung nicht für berechtigt London , 8. Oktober. ( W. T. B.) Meldung des Reuter- Bezeichnend aber ist, daß der Ministerpräsident Goremykin Forderungen der Moskauer Kongresse ist noch nicht bekannt. halten und feine Verantwortung für einen Stimmungswechsel über- fchen Bureaus. Den„ Times" wird aus Athen telegraphiert, einer Deputation liberaler Dumaabgeordneter erflären nehmen tönnen. Der bulgarische Gesandte in Athen , Pasarow, daß die griechische Regierung beschlossen hat, konnte, die Regierung werde von ihrer Haltung feinen wurde von Radoslawow angewiesen, ähnliche Erklärungen abzu- gegenüber der Entente die Haltung wohl fonnte, die Regierung werde von ihrer Haltung feinen wohl- 3oIl breit abweichen. Nicht minder bezeichnend ist wollender Neutralität einzunehmen. es, daß die in Moskau gewählte Deputation noch immer nicht atten die Erlaubnis erhalten hat, dem Zaren die Stimme der Rumänien bleibt neutral. russischen Erde" zu Gehör zu bringen. Inzwischen ist aber bereits eine andere Stimme ertönt: die Stimme der Bukarest , 8. Oktober. ( W. T. B.) Die Haltung der Arbeiter flasie in Petersburg und Moskau , die sich in Sofia , 8. Oftober.(...) Meldung der bulgarischen Telegraphenagentur. Der Vertreter der Niederlande ist mit Presse nahezu aller Richtungen und die Nachrichten aus maß- der bekannten russischen" Weise in Form von Maffendem Schutz der franzöfifchen, russischen, englischen, gebenden rumänischen Streifen ergeben, daß für Rumänien ausständen Gehör verschafft hat. italienischen, belgischen und serbischen Untertanen wegen der Vorgänge in Bulgarien und Griechenland kein und Interessen beauftragt worden. Anlaß erblickt wird, von der bisherigen Haltung abzugehen.
geben.
Als der Kongreß zur Bekämpfung der Teuerung, das Moskauer Vorparlament", im Juli tagte, brachten die fozial
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