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erht, so kann alZ er als das Pol! ts che Vermächtnis Wittes an den Zaren bezeichnet werben. In seinen Gedankengängen er- innert er in vielem an die Anschauuiigen, die mehrfach in den Kreisen der hohen Bureaukratie und des Hofes laut geworden sind. Schon aus diesem Grunde beansprucht der Bericht derGermania " ein gewisses Interesse. In dem Briefe, der, wie bemerkt, im Frühjahr geschrieben sein soll, setzt Witte zunächst dem Zaren alle Gründe auseinander, die es für ratsam erscheinen lassen, eine friedliche Eini- gung mit Deutschland anzustreben. Für einen aufmerk- samcn Beobachter, der es mit Rußland ? Zukunft ehrlich meint, sei die militärische Ueberlegenheit Deutschlands erwiesen. Die Ilebeclegenheit sei so groß, daß Rußland keine Aussicht habe, sie m einem langen Kriege auszugleichen. Andererseits sei das mili- tärische Prestige Rußlands noch intakt, denn die Siege des beut- schen Heeres würden aufgewogen durch die Erfolge des russischen in Galizien und in der Bukowina. Augenblicklich habe vielleicht auch Deutschland ein gewisses Jnter- esse an einem billigen und schnellen Frieden mit Rußland , um seine ganze Macht gegen seine westlichen Feinde führen zu können. Vielleicht sei sogar ein Friede ohne Geldentschädigung und ohne große Gebietsabtretung zu erlangen. Die Stellung des Hauses Romanow würde auch, wenn jetzt der Friede käme, nicht erschüttert werden, denn die Friedensbedingungen würden für Rußland ehrenvoll sein, und auch Deutschland hätte an dem Be- stände der alten Dynastie ein wirtschaftliches Interesse, damit möglichst schnell und ungestört wieder nor- male Verhältnisse in dem großen Nachbarreiche eintreten können. Ganz anders würde es allerdings werden, wenn die deutschen II uterhändler ein vollständig zerschmettertes Rußland gegenüber haben würden, dann würden sie wohl kaum nach den russischen Wünschen fragen, sondern einfach die deutschen Befehle diktieren, das Schicksal des Haus es Romanow wäre ihnen dann auch gleichgültig. Weiter kommt dann Witte auf Rußlands Verhältnis zu seinen Bundesgenossen Frankreich und England zu sprechen. Das Bündnis mit Frankreich will er gelten lassen, obwohl er sich nicht verhehlt, daß die französische Freundschaft für Rußland bisher mehr Nachteile als Vorteile gebracht habe. Die französischen Milliarden seien mehr für französische Wünsche als für russische Bedürfnisse verwendet worden. Beide Länder hätten aber in der Welt so wenig Berührungspunkte, daß«in gutes Einvernehmen auf längere Zeit immerhin möglich sei. Ganz anders sei es aber mit England. Tie Interessengegensätze zwischen Rußland und England seien in der Welt so mannigfaltig und zum Teil so zugespitzt, daß ein fried- licher Ausgleich für die Zukunft undenkbar sei. Rußlands Bündnis mit England sei etwas Anormales und Lebenswidriges, es diene lediglich Englands Interessen. Englands Bestreben sei, das mächtig aufkommende Deutschland mit russischer Hilfe niederzuzwingen. und dann Rußland , das, wenn Deutschland vernichtet ist, England keinen ausreichenden Widerstand mehr entgegensetzen kann, zu be- seitigen. Das Bündnis mit England müsse aufge- hoben werden, ein Bündnis mit Deutschland zur Niederhaltung Englands sei anzustreben. Mit Teutschland beständen nur wirklich« Interessengegensätze im Orient, und diese ließen sich schon bei beiderseitigem guten Willen über- brücken. Die französische Munitionsinüusirie unü öie Arbeiter. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Der NnterstaatSsekretär für die französische Munitionsindustrie, Genosse Albert Thomas , hat seinen letzten Aufenthalt in England dazu benutzt, um in einer Versammlung von englischen Gelverk- schoftsführern im Munitionsministerium am 6. d. M. zur kriege­rischen Aufmunterung eine Rede über das patriotische Beispiel zu halten, das die französischen Arbeiter geben. Der Redner sagte unter anderem:Vom September bis Februar haben die Arbeiter der Kriegswerkstätten keinen Sonntag und keinen Feiertag gekannt. Sie dachten nicht daran(1). ES kam die Zeit, wo die Maschine früher ermüdete als der Mensch. Da fand man eS ratsam, ihnen einen Tag in vierzehn Tagen oder den Sonntag- vormittag freizugeben. Ties blieb seither das regelmäßige hart über den Sand. Auch hier auf dem Njemen merkt man sofort, wann die Grenze passiert ist, nicht nur an den Dörfern und Städtchen, sondern auch an der Beschaffenheit und dem Zustand der Flußufer. Zurückgekehrte Juden lassen sich unterwegs mit ihrem Boot ins Schlepptau nehmen und verkaufen Aepfel, Pflaumen und andere Sachen. Dabei suchen sie ihren eigenen Bedarf zu decken, Seife, Streichhölzer, Tabak, Lichte und dergl. sind begehrte Sachen. Blinzelnden Auges wird nach Rum oder Kognak gefragt. In Kowno nächtigen wir in einer großen russischen Kaserne aus blanker Pritsche. Auch hier Schmutz über Schmutz, wir sind froh, daß wir weitergehen. Mit klingelndem Spiel unserer improv:- sicrten Kapelle geht es nach der Landstraße, die sich Hunderte von Kilometern in lchnurgerader Richtung hinzieht, aber in ziemlich gutem Zustande ist. Jedenfalls weil sie als RückzngSstraße von der russischen Heeresleitung gebraucht wird und vor kurzem auch gebraucht wurde. An der Straße überall Spuren des Kampfes, Gräber, Ruinen. Von den Bergen dort über der Wylia hat die deutsche Artillerie herübergeschossen, erzählen unserePanjes". In einem Dorfe machen wir Quartier, die Häuser werden abgesucht und in jedes einige Mann untergebracht. Ich ziehe«ine Stell- macherwerkstätte vor, trotzdem eine warme Stube zu ertragen wäre. Wer seine Nase einmal in eine litauische oder kurländisch« Bauern- stubc, deren Fenster nie geöffnet werden, gesteckt hat, wird kein Verlangen mehr haben, in solchem Raum zu schlafen. Nun sind wir in Wilkomir und haben Ouartierc bezogen in einem Gerichts- gcbäude, in dem die Russen auf ibre Art gehaust haben. In Goldap sah ich dieselben Bilder. Soll ich sie beschreiben? Mir ekelt davor. Ich liege mit meiner Korporalschaft in einem Zimmer, das wohl eine Art Bibliothek sein muß.' Herrliche Bände sind in den Schränken enthalten, aber leider ist ein großer Teil zerrissen und zerfetzt. Einwickelpapier. In der Stadt müssen gut situierte wohl- habende Leute gewohnt haben, man sieht es an den Häusern der Hauptstraßen und den noch vorhandenen Möbeln usw. Die Be- wohner sind meistens weggetrieben. Arm« Juden sind es, denen man begegnet. Auf dem Markt ist ebenfalls nicht viel zu haben und schon erheblich teurer wie in Pl.... und S....(Siehe Ar- tikcl im..Vorwärts":Aus Kurland ".) Mit drei bekannten Fein- den: Flöhen, Läusen und Fliegen schlagen wir uns in gewohnter Weise herum, und ich bin gerade furchtbar tücksch, weil mir die letztgenannten das Schreiben so schwer und ungemütlich machen. Vorigen Abend wurden ein Koiakenoffizicr und l3 Russen auf die Wache gebracht, deren Wachhabender ich augenblicklich bin. Um zwei Uhr nachts fahre ich erschrocken zusammen beim Lesen meines Buches. Saget Se amol, wo geht ma hier brunza(austreten), i muatz naittg lnötig) amol naus," werde ich auf echt schwäbisch angeredet. Ein gefangener Russe steht barfuß hinter mir. Mensch, wie kommen Sie nach Rußland , Sie sind doch Württemberger? Woher da?" frage ich alles auf einmal. I hau(habe) Deutschland no nia g'seha, mei Großvatter ischt vor 100 Johr nach Rußland ausg'wandert, nach Bessarabien . Wir bent eigene Schule, Kirche und au a Zeitung in deutscher Sprach. Wenn mir bloß Land kriega könntet, meine zwei Söhne sind au im Feld, i weiß nix von ehna." Nun ist er in Deutschland , das er nie zu sehen hoffte.

System. Vor dem Krieg war mit den Arbeitern keines-' wegs leicht umzugehen. Sie waren gewohnt, zu diskutieren und für ihre Interessen und Rechte zu kämpfen. In Frankreich waren die Streiks vielleicht nicht so gut organisiert wie in England und es gab eine Menge kleiner Streiks. Die Arbeiter waren bereit, um kleiner Streitfragen willen, auS Stolz und Eigenliebe und manchmal nicht einmal aus Interesse zu streiken. Aber mit Beginn des Krieges hat es in Frankreich keinen einzigen Ausstand gegeben, nicht einmal einen Vierundzwanzigstundenstreik! Manchmal gab es kleine Schwierigkeilen, aber immer konnte die Intervention entweder eines Parlamentsmitgliedes oder des Munitionsministers selbst oder sonst jemandes, der die Arbeiter verstand und ihre Nöte mit- fühlte, im Laufe eines einzigen TagcS eine friedliche Beilegung herbeiführen. Die Arbeiter erklärten sich bereit, vorläufig alle Schwierigkeiten zu vermeiden, die sich au« der Anwendung der Ge- werkschaflsvorschriften und-gebräuche ergeben konnten. Dafür war auch die Regierung auf die Erfüllung ihrer Pflichten bedacht. In jeder Munitionswerkstätte wurde der Anschlag der Lohnliste vorge- schrieben, was ehedem schwerer durchzusühren gewesen war. Es war schwer, das regelmäßige Gewerkschaftsleben während des Krieges aufrechtzuerhalten, aber jeder in eine KriegswerlstStte ab- kommandierte Offizier bekam den ausdrücklichen Befehl, mit den lokalen Gewerkschaften in Fühlung zu bleiben und mit ihnen über technische und sonstige Fragen zu konferieren. Der Arbeiter war Soldat geworden, der Soldat wurde Arbeiter/ Man geht wohl nicht fehl, wenn man diese Schilderung als etwas gar zu rosenfarbig ansieht. Die patriotische Absicht mag da ebenso mitgespielt haben wie die leichlbegreifliche Neigung eines Schöpfers, sein Werk wohlgeraten zu finden. Wir erinnern uns, in derBataille Syndicaliste* und selbst in derHumanitö" weniger begeisterte Ausführungen über die Zustände in manchen Armcewerkstätlen gelesen zu haben. Genosse Albert Thomas hat zweifellos in seinem jetzigen Amt sein glänzendes Organisationstalent bewiesen, aber es könnte doch sein. daß sich dabei sein Verhältnis zu anderen Organisationsgedanken unwillkürlich verschoben hat. Dafür spricht die überlegen staats- männische Art, wie der ehemalige Herausgeber der»Revue Syn- dicaliste' über die Streikneigungen der französischen Arbeiter in Friedenszeiten redet, ebenso wie der Umstand, daß in seinen Aus- führungen über die Kriegsbegeisterung der französischen Arbeiter die doch nickt unwichtige Talsache, daß just die Organisation der in erster Reihe an der Munitionsindustrie beteiligten Metall- a r b e i t e r in ihrer ablehnenden Haltung gegen den Krieg und die kriegspatriotische Arbeiterpolitil verharrt, nicht zum Ausdruck kommt. Auch der rednerische Schlußeffekt, wonach der eine Kriegswerkstätte beaufsichtigende Offizier durch den bloßen Verkehr mit der Gewcrk- schaft zum Arbeiter wird, scheint auf eine Ueberschätzung der all- gemeinen menschlichen Wandlungsfähigkeit zurückzugehen. Im übrigen verdienen die tatsächlichen Mitteilungen des französischen Munitionsministers auch außerhalb Englands Beachtung.

politische Uebersicht. Ein Jubiläum. Ein Festtag deS Proletariats würde wohl der 18. Oktober dieses Jahres gefeiert worden sein, wenn nicht durch den blutigen Weltkrieg und dessen Folgen jede Feierstimmung unterdrückt würde. An diesem Tage vor 20 Jahren trat die auf dem Partei- tag zu Halle geschaffene Neuorganisation der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Kraft. Von den in den Vorstand und in die Kontrollkommission gewählten Genossen ist Alwin Gerisch der einzige, der bis zum heutigen Tage der Körperschaft angehört, in welche er 1800 zum erstenmal gewählt wurde. Jahrzehnte hatte er das vielbeneidete Amt als Kassierer. Er wurde zwar nicht beneidet wegen der gelvaltigen Arbeit, die er zu bewältigen hatte. Beneidet wurde er von den Kassierern aller politischen Parteien und wohl auch von Finanzministern. So oft Gerisch seinen Jahresbericht veröffentlichte, kam in den Zeitungen aller Parteien der Neid mehr oder weniger offen zum Vorschein, denn kein Kassierer einer anderen Partei und selbst die meisten Finanzminister der Staaten konnten über so günstigen Stand der Finanzen berichten, wie Gerisch in der Regel berichtete.

Wenn i bloß ebbeS z'raucha hält," sagt er zum Abschied. Ich gebe ihm meine letzten zwei Schweizer Stumpen, die ich bei mir habe. Vergelts Gott, Landsma," sagt er und hebt die Hände.»Wes- halb bloß ist das alles?" sagt er noch und weg gehts nach Deutsch - land. Ich hätte so gern die Sprache meiner Heimat länger gehört, aber was nützen alle Wünsche, die Zeit geht ihren Gang weiter.

Komööienhaus:»Meine rechte hanö�. Kristian Elster, der Dichter dieses Lustspiels, ist, so deutsch der Name klingt und ein so heimatlich vertrauter Gartenlaubengeist in seinem Lustspiel umgeht, uach dem Theaterzettel, der einen Uebersetzer nennt, Ausländer, vermutlich Norweger. Man weiß nicht, ob man es als ein gutes oder schlechtes Zeichen deuten soll, daß solche früher auf dem heimischen Markt und wie man ohne Iln- bescheidenheit behaupten darf, zum Teile besser produzierte Dutzend- wäre jetzt vielfach aus der Fremde importiert werden muß. Von irgendwelchem Ansätze zu einer Lustspielidce oder lustspielmäßig durchgeführter Charakteristik ist keine Rede, aber auch das so be- liebte Surrogat, die Technik schtvankhafter Ueberrafchungskomik fehlt fast völlig. So wunderlich der Autor seine Leutchen reden und sich benehmen läßt, er bringt's mit Hilfe dieser weitgetriebenen De- naturierung erst ganz am Schluß zu einigen spaßigen Effekten. Im Hause des Direktors Wilborg dem bekannten Manne mit gutem Kern in rauher Schale laufen zwei gleich unmögliche Ingenieure herum, von denen der eine wohl den Typ modern ner- vöser renommierender Strcberei, der andere den eines trotzigen unbeholfenen Naturburschentums repräsentieren soll. Der eine schneidet der heiratsfähigen Tochter, einem vorlauten blasierten Gänschen, die sich die Langeweile durch Flirts zu kürzen sucht und darin den Beweis hochgradiger Modernität sieht, die Kur; der andere, vom Verfasser verurteilt, sie inniglichst zu lieben, sagt ihr Grob- heitcn und imponiert ihr damit. Die Stellung der beiden zu dem Chef ist ähnlich. Der schmeichelnde Streber wird kaum beachtet, während der andere, je deutlicher er seinen Widerwillen gegen das Projekt des Direktors, einen norwegischen Wasserfall englischem Kapital in die Hände zu spielen, bekundet, um so höheren Respekt gewinnt. Am Schlüsse stiftet ein kluges Tippfräulein, die rechte Hand des Chefs, nachdem sie sich selbst mit einem leider auch nur recht matt skizzierten Dichterjünglinge verlobt bat, Ordnung. Sie bringt die verzankten Liebenden zueinander und löst auf diese Weise das dem Direktor gegebene Versprechen ein, die von dem Starrkopf eingereichte Kündigung rückgängig zu machen. Erfreut gibt der den väterlichen Segen. Tor Herre wird sein Schwiegersohn und Kom- pagnon, und der in seiner Nationalität bedrohte Wasserfall bleibt norwegisch. Die Anmut und überlegen diskrete Schalkhcit, mit welcher Fräulein Gläfener diesen Tippfräuleinschutzgeist spielte, entschädigte für manches und verHals dem letzten Akt zu stärkerem Beifall. Di« übrigen Hauptrollen waren durch die Herren Lei- tinger, Eugen Burg und S t e i n b e ck und A g d a N i l s s o n vertreten. ch..

Die Genossen, die Gelegenheit hatten, die aufteibende Tätig. keit des pflichteifrigen Genossen kennen zu lernen, bewunderten die Zähigkeit, mit der er große Hindernisse überwand und die schwierige Arbeit betvältigte. Durch Krankheit wurde er vor einigen Jahren gezwungen, den Kassiererposten abzugeben. Im Vorstand blieb er und setzt seine ganze Kraft ein. das Wohl und den Fortschritt der Partei zu fördern. Wir wünschen, daß dem Jubilar noch viele Jahre beschieden sind, zur Mitarbeit an dem Werk, dessen Aufbau er seine Lebens- kraft gewidmet hat._ Unsere Getreidcvorräte. Amtlich. Berlin , 17. Oktober. (W. T. B.) Vor kurzem ging durch die Zeitungen die Nachricht, daß die Reichsgetreide- stelle in diesem Erntejahr drei Millionen Tonnen Brot- getreide über die zur menschlichen Ernährung im Rahmen der jetzigen Verbrauchsbeschränkung erforderlichen Vorräte hinaus verfügbar habe. Sie könne und müsse daher zur Linde- rung der Futter mittelknappheit statt der 200 bis 300 000 Tonnen, die sie bereits in Form von Futterschrot abzugeben beschlossen habe, mindestens 1 Million Tonnen für Zwecke der Viehfütterung bereitstellen. Diese Nachricht bedarf der Richtigstellung dahm, daß mit dem bezeichneten Ueberschuß jedenfalls gegenwärtig nicht ge- rechnet werden kann. Denn vorläufig steht z i f f e r n- mäßig nur fest, was zur menschlichen Ernährung sowie als Saatgut und als Reserve gebraucht wird, während der Ge- samtertrag der diesjährigen Brotgctreideernte bisher nur schätzungsweise ermittelt ist. Danach kann zwar die menschliche Ernährung ohne Zweifel als sichergestellt ange­sehen werden, aber die Höhe des tatsächlichen U e b e r s ch u s s e s ist noch unsicher. Infolgedessen ist es ein unbedingtes Gebot pflichtmäßiger Vorsicht der Reichsgetrelde- stelle, daß sie gegenwärtig keinesfalls mehr Brotgetreide der menschlichen Ernährung entzieht, als sie nach Maßgabe ihrer Berechnungsuntcrlagen verantworten kann. Erst die bevor- stehende Vorratserhebung Ende November dieses Jahres wird ein einigermaßen klares und einwandfreies Zahlenbild des Ergebnisses unserer neuen Ernte liefern, so daß auch erst dann mit einiger Sicherheit beurteilt werden kann, ob etwa noch mehr Brotgetreide für menschliche Ernährungszwecke entbehr- lich wird. Jedenfalls aber darf die Abstellung des Futter­mangels nicht allein oder hauptsächlich von Maßnahmen der Reichsgetreidestelle erwartet Werdern Der Streit um die bayerischen Gesandtschaften. Im Finanzausschuß des bayerischen Landtages kam es am Sonnabend zu lebhaften Auseinandersetzungen über einen sozialdemokratischen Antrag, der die Aufhebung der bayerischen Ge- sandtschaften in Oesterreich , in der Schweiz , in Rußland , Frankreich und Italien forderte. Abg. Müller(Soz.) begründete den An- trag sowohl mit politischen Gründen als auch mit Gründen der Er- sparnis und führte insbesondere aus, daß die politisch« Tätigkeit der bayerischen Gesandtschaften sehr wenig erfolgreich gewesen ist. Die wirtschaftlichen Interessen Bayerns aber lassen sich weit besser wahrnehmen, wenn die deutschen Konsulate im Ausland eine zweck- entsprechende Umgestaltung erfahren würden. Der Minister - Präsident H e r t l: n g verteidigte die Auftechterhaltung dieser Ge­sandtschaften, die einen Ausdruck des bayerischen Souveränitäts - rechtes darstellten. Von liberaler Seite wurde der sozialdomo- kratische Antrag nur sehr lau unterstützt und schließlich dahin ein- geschränkt, daß nur die Gesandtschaften in Rußland , Italien und Frankreich eingezogen werden sollen. Schließlich wurde der Antrag von der Zentrümsmehrbeit abgelehnt. Graf Hertling gab im An­schluß daran die Erklärung ab, daß der Auslieferungsvertrag zwischen Bayern und Rußland nach dem Krieg unter keinen Um- ständen wieder erneuert werden soll.

Eine warnende Stimme. ImTag" befaßt sich Dr. Julius Bachem mit dem Ver- halten der Landwirtschaft während der Kriegszeit. Er stellt fest, daß in breiten Massen der Bevölkerung eine Stimmung herrscht, die der Landwirtschaft sehr ungünstig ist. Wenn er auch die Be- rechtigung dieser Stimmung nicht in ihrem vollen Umfang an- erkennt, so sieht er sich doch veranlaßt, der Landwirtschaft bor Augen zu halten, daß auch sie ein Teil Schuld an der enormen Teuerung trägt. Ganz besonders aber mußte, nack Ansicht Bachems, ein ungünstiger Eindruck dadurch entstehen, daß vie landwirtschaft- lichen Organe immer bestrebt waren, die Opferwilligkeit der Land- Wirtschaft ganz besonders zu betonen. In dieser Hinsicht sagt der Verfasser u. a.: Von einzelnen Auslassungen in spezifisch landwirtschaft. lichen Organen, welche als eine Herausforderung, fast als eine Verhöhnung der in sehr schwieriger Lage befindlichen Kon- sumentenschichten zu wirken geeignet erscheinen, sei hier abge­sehen. Ungeschickt war aber schon der immer wiederkehrende nachdrückliche Hinweis, daß die deutsche Landwirtschaft durch ihre bedeutenden, trotz großer Schwierigkeiten unverminderten Leistun- gen sich den größten Dank des deutschen Volkes verdient habe. Die Tatsache in Ehren, aber das Aufgebot äußerster Kraftanstrengun- gen kann doch kein besonderes Ruhmeszeugnis für die Landwirt- schaft sein, denn alle deutschen Volkskreise haben an ihrem Platze und nach ihren Fähigkeiten das gleiche getan. Und es darf auch nicht vergessen werden, daß es die gesamte Wirtschaftspolitik war, welche die Landwirtschaft zu der Höhe und Leistungsfähigkeit ge- führt hat. die uns jetzt in den Stand setzte, den Krieg wirtschaftlich durchzuhalten. Um dieses Erfolges willen haben die Millionen Städter und Arbeiter lange Jahre beträchtliche Lasten getragen."

Demission des spanischen Ministeriums. Paris , 17. Oktober. (W. T. B.) Die Agence HavaS meldet aus Madrid : Dem Heraldo zufolge hat das Kabinett gestern morgen in einem Ministerrat beschlossen, zurückzutreten und den Ministerpräsidenten Dato ermächtigt, die Demission dem König zu unterbreiten._ Letzte Nachrichten. Abgeordneter Wamhoff gestorben. Verlin, 17. Oktober. (W. T. B.) Wie derDeutsche Kurier" meldet, ist der nationalliberate Reichstags- und Larvdtagsaligeordnete Hermann Wamhoff heute gestorben.

Kriegserklärung Frankreichs an Bulgarien . Paris » 17. Oktober. (22. T. 25.) Die Agence Havas meldet amtlich: Da Bulgarien an der Seite der Feinde gegen einen der Verbündeten Frankreichs den Krieg begonnen hat, stellt die Re- gierung der Republik fest, daß vom 16. Oktober sechs Uhr morgens ab durch Verschulden Bulgariens der Kriegszustand zwischen Bul - garien und Frankreich besteht.

Ter Postvcrkehr nach der Ost- und Westfront. Amtlich. Berlin , 17. Oktober. (W. T. B.) Vom IL. Oktober ab ist der Privatpaket- und Frachtstückgutverkehr an alle Truppen des östlichen und westlichen 51riegsschauplatzes freigegeben. Er bleibt vorläufig nur noch für die auf dem Balkan kämpfenden Heeresangehörigen gesperrt. Im Verkehr nach dem Nordosten muß mit verlangsamter Be- förderuug gerechnet werden, weshalb es sich empfiehlt, den 2Zersand dorthin einstweilen auf das Notwendigste zu beschränken.