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Telegramm Adresse:

,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Ferniprecher: Am: Morisplas, Nr. 151 90-151 97.

Donnerstag, den 16. Dezember 1915.

publi

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Ferniprecher: Amt Morisplas, Nr. 151 90-151 97.

Die Miederwerfung Montenegros .

Chinesisches Kaisertum.

Es ist unverkennbar: es geht ein Zug der Erstarkung der monarchischen Idee durch die Welt. Die Notwendigkeit der Zusammenfassung aller Kräfte der Länder, die Konzentration aller momentanen Bemühungen auf die Aufgaben und Ziele des Krieges haben scheinbar fast überwundene Institutionen zu neuer Blüte gebracht, und die Hypnose der monarchischen Idee hat sich in den Stürmen des Weltkrieges als so mächtig erwiesen, daß die Ziele und Ideale der Demokratie auch bei manchem Antimonarchisten völlig in den Hintergrund ge­drängt worden sind.

Am entgegengesetzten Ende der Welt, in China , hat der Weltkrieg die Möglichkeiten beschleunigt, an die Stelle der Revublik wieder die Monarchie zu setzen. Wohlgemerft: die Bestrebungen zur Wiederherstellung der Monarchie da­tieren in China nicht von heute und gestern. Blanmäßig hat der bisherige Präsident Juanschikai die Vorbereitungen für seinen legten Schritt getroffen. Aber nur die durch den Weltfrieg auch im fernen Osten geschaffene Situation, die das Hauptaugenmerk der Völker nicht auf die innere Ent­wickelung, sondern auf die Zusammenfassung aller Kräfte nach außen hin lenkt, hat dem ehrgeizigen Diktator des chinesischen Reiches die Verwirklichung seines Planes er­leichtert, als unumschränkter Herrscher den Thron der Mandschus zu besteigen, bei deren Sturz er im Jahre 1912 eine führende Rolle gespielt hat.

Meldung des Großen Hauptquartiers.

Amtlich. Großes Hauptquartier, den 15. Dezember 1915.( W. T. B.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

An der Front hat sich nichts von besonderer Wichtig­feit ereignet. Ein am 12. Dezember auf der Höhe vou La Panne auf Grund geratener englischer Dampfer wurde gestern von unseren Fliegern mit beobachtetem Erfolg angegriffen.

Der Feind, der mehrere Flugzeuggeschwader gegen Bapaume - Peronne, nach Lothringen und auf Müllheim ( Baden ) angesetzt hatte, büßte im Luftkampf oder durch Feuer unserer Abwehrgeschüße vier Flugzeuge, darunter ein Großflugzeug mit zwei Motoren, ein. Deftlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Balkankriegsschauplah.

Südwestlich von Plevlje ist der Feind über die Tara und weiter östlich über die Linie Grab- Brodarevo zurück­geworfen. Mehrere hundert Mann wurden gefangen ge­Oberste Heeresleitung.

nommen.

*

Der österreichische Generalstabsbericht.

Wien , 15. Dezember. ( W. T. B.) Amtlich wird ver­lautbart: 15. Dezember 1915.

Keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplak. Die Lage ist unverändert.

Als die Mandschu- Dynastie gestürzt und die Republik erflärt wurde, ernannte die provisorische revolutionäre Re­gierung in Nanfing Dr. Sunyatsen, den Führer des re­volutionären Südchinas, zum ersten Präsidenten, während Juanschikat, der frühere Vizekönig in Tientsin und spätere Russischer Kriegsschauplatz. Großsekretär des Kaisers in Peking , mit der Würde eines vorläufigen zweiten Präsidenten betraut wurde. Zwischen dem Norden und dem Süden des Reiches entbrannte der Kampf um die Macht. Juanschikai ging scheinbar auf die Pläne der südchinesischen Reformpartei ein, er organisierte aber insgeheim, gestützt auf das ihm ergebene Militär, und der Mitwirkung der internationalen Finanz sicher, einen Gegenschlag gegen das in seiner Mehrheit revolutionäre Bar­lament. Im Jahre 1913 brach infolgedessen die sogenannte zweite Revolution aus, die mit dem Sieg Juanschikais, der Auflösung des Parlaments und der Rüdwärtsrevision der Verfassung endete. Am 13. Oftober 1913 trat Juanschikai das Amt des Präsidenten der Republik China an, die dank seiner Bemühungen mehr und mehr den Charakter einer faſt unbeschränkten Monarchie annahm.

-

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die von Plevlje aus vordringenden österreichisch - ungarischen Streitkräfte des Generals v. Köveß haben gestern auch die monte­negrinischen Stellungen südlich der Vrana- Gora in ganzer Breite genommen. Eine Kolonne drang in der Verfolgung bis an die Taraschlucht vor und zersprengte bei Glibaci ein feindliches Bataillon. Andere Truppen famen bis Grab. Auf den Höhen unmittelbar östlich von Berane stehen nebst unseren Abteilungen auch Moslims und Albaner gegen die Montenegriner im Kampf. Die Zahl der gestern eingebrachten Gefangenen: dreihundert­vierzig Soldaten und hundertfünfzig Wehrpflichtige.

muß.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. v. Hoefer, Feldmarschalleutnant.

Die Ereignisse in China , im gegenwärtigen Augenblide, überstürzen sich mit erschreckender Schnelligkeit. Die Frage einer Verfassungsänderung war taum aufgetaucht, als schon Maßregeln getroffen waren, um alle Schwierigkeiten gegen die Wiederaufrichtung einer Monarchie aus der Welt zu schaffen. In der unglaublichen Frist von einem Monat wurden die Ge­setze für die Wahl der Mitglieder des nationalen Konvents, die sich für die neue Regierungsform zu entscheiden haben, für die Ginberufung dieses Konvents, der derart zusammengesett ist, daß eine Wiederaufrichtung der Monarchie außer Frage steht, ausgearbeitet. Nur wenige Wochen werden ver gehen und China wird sein republikanisches Gewand abgelegt und wieder zur Monarchie zurückgekehrt sein.

Heute unterliegt die Wiederherstellung des autokratischen Regimes, der Diktatur eines einzelnen Mannes, keinem Zweifel mehr. Die tyrannischen Maßregeln, die Schreckensherrschaft, die der Diktator Juanschikai, der Kaiser vor morgen, ausübt und die schwer auf dem Lande lastet, schließen jede Möglichkeit eines Protestes aus. Die Republikaner Chinas werden ver­bannt und zur Ohnmacht verdammt.

Der europäische Krieg hat das politische Schachbrett des fernen Orients vollkommen erschüttert. Die Et.geizigen haben die Gelegenheit ausgenüßt, an der Verwirklichung ihrer per­sönlichen Projekte zu arbeiten. So bestehen geheime Ab= machungen Japans mit der chinesischen Ditta= tur: Japan gestattet dem Diktator die Wieder­aufrichtung der Monarchie, während jener un= tätig der Festsetzung Japans in China zusehen mu B.

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Die letten Sätze dieses Berichts sind besonders inter­essant. Sie bestätigen die bereits Ende Oktober aus Befing eingetroffene Meldung, wonach Juanschikai Japan für die Anerkennung seiner Staiserfrone so erhebliche Vorteile in China angeboten habe, daß es endgültig auf eine stärkere Be­teiligung am europäischen Kriege verzichtete. Nachdem Japan nach der Einnahme Kiautschous und der Durchsetzung eines großen Teiles seines Ultimatums an China vom 7. Mai d. J. nun einen beherrschenden Einfluß auf ganz Nordchina ausübt, kann es sich den Lurus erlauben, gemein­sam mit dem Diktator Juanschikai, dessen Machthunger sich mit den Bestrebungen des japanischen Imperialismus be­gegnet, gegen das ehemals protegierte rebellische Südchina vorzugehen.

So betrachtet, gewinnen die jüngsten Ereignisse in China einen wesentlich anderen, weit komplizierteren Charakter, als es nach den Darstellungen unserer bürgerlichen Presse scheinen fönnte, die allesamt auf einen Ton gestimmt sind, der auf die oberflächlich individualistische Verhimmelung der großen, überragenden Persönlichkeit" hinausläuft.

Die Bulgaren noch nicht auf griechischem Gebiet.

Nur Nachhutgefechte.

Athen , 15. Dezember. ( W. T. B.) Nach einer Meldung der Agence Havas werden von der Front vom gestrigen Tage nur einige fleine Gefechte zwischen Nachhuten der Alliierten und feindlichen Kallerieabteilungen gemeldet. Die Bulgaren halten Gewgheli besetzt, von dem ein Teil seit Sonnabend früh in Brand steht.

,, So wie die gegenwärtige Verfassung lautet"- schrieb der Chinese Sub Su vor einigen Monaten in der New Yorker Wochenschrift The Outlook" hat der Präsident der chinesischen Republik mehr Machtbefugnisse als irgendein Athen , 15. Dezember. ( W. T. B.) Meldung der Agence anderer Herrscher der Welt. Nach unserer Verfassung, an mu B. Leider haben unsere Konservativen und Reaktionäre Havas. Eine amtliche Mitteilung bezeichnet die Meldung, daß die deren Ausgestaltung der Professor Goodnow( der ameri- starken Rückhalt gefunden bei den fremden Beurteilern, die Bulgaren in griechisches Gekiet eingedrungen kanische Rechtsberater des Präsidenten) erheblichen Anteil nicht an uns glauben und keine Geduld mit uns haben. Der seien, als unrichtig. Die durch den Rückzug der Alliierten auf hatte, ist der Präsident der Vertreter der Nation, befugt, den japanische Professor Ariga und der Amerikaner Goodnow, griechisches Gebiet und die Annäherung der bulgarischen und deut­Li- Fa- uen( das Parlament) einzuberufen und aufzulösen, beides große Autoritäten auf dem Gebiete des Verfassungs- schen Truppen an der griechischen Grenze geschaffene Lage beschäf Gesetzesvorschläge und den Staatshaushaltsplan im Li- Fa- rechts, haben die Reaktion gestärkt. Daß der Japaner Ariga tige die amtlichen Kreise lebhaft. Die griechische Regierung ber­Juen einzubringen. Der Präsident hat die oberste Exekutiv - gegen ein Jung- China ist, nimmt nicht sehr wunder. Als folge den Gang der Ereignisse mit Aufmerksamkeit und halte sich gewalt, seine Erlasse haben Gesekeskraft, er fann Krieg er- aber der berühmte Rechtsgelehrte, der aus der großen ameri- bereit, alle Entscheidungen zu treffen, welche die höheren Inter­flären und über den Frieden verhandeln, Beamte und Offi- fanischen Republik zu uns herüber kam, die Erklärung abgab, essen des Landes erheischen sollten. giere ernennen und entlassen, fann Amnestie gewähren oder daß die Völker des Orients nach Geschichte und Tradition nicht Strafen umwandeln, ist Oberbefehlshaber von Heer und befähigt seien zu einer Regierung durch die Volksvertretung, Flotte, empfängt Botschafter und Gesandte und schließt Ver- da hatte die Sache Jung- Chinas einen ver­träge mit auswärtigen Mächten..." hängnisvollen entscheidenden Stoß er Die wahren Republikaner Chinas "-heißt Iitten!" es in demselben Artikel weiter wissen ganz genau, Juanschikai hat sich- entgegen seiner bisherigen vor­daß bis jetzt die chinesische Demokratie nur sichtig abwägenden Taftikbeeilt, diese ihm günstig er­dem Namen nach besteht. Fast zwei Jahre lang hat scheinende Situation bis zu den letzten Konsequenzen auszu­das Land kein Reichsparlament, keine Landtage, keine Kreis- nußen. Einen neuen Staatsstreich wollte er nicht riskieren, versammlungen gehabt. Politische Parteien gibt es nicht, dafür inszenierte er aber eine Komödie, die dem Auslande ebensowenig Presse- und Redefreiheit. Mancher junge Mann, vortäuschen sollte, als sei es der sehnliste Wunsch des chinesi- Saloniki, 15. Dezember. ( W. T. B.) Meldung der Agence der kein anderes Verbrechen begangen hatte, als Anhänger schen Volkes, an Stelle der Republik die Monarchie zu setzen. Havas. Die Alliierten, die feit Dienstag ihre Bewegungen einer radikalen Staatspartei zu sein, ist verbannt, bingerichtet Der Staatsrat, der Anfang November zusammentrat, wurde miteinander in Verbindung gebracht haben, gehen planmäßig oder ermordet worden. Wir haben natürlich eine Verfassung, mit sogenannten Petitionen aus den Provinzen überflutet, und in vollster Ordnung zurüd. Ein englischer Difizier o ja diese Verfassung aber stellt den obersten Beamten des die die sofortige Wiederherstellung des Kaiserreiches forderten. berichtete nach der Schlacht, daß der bulgarische Angriff in sieben Landes über Geieb, Parlament und Volk, diese Verfassung Keiner wurde durch diese Petitionen getäuscht, die meist in sehr dichten Wellen durchgeführt wurde, wobei mehrere Tausend macht die Präsidentschaft tatsächlich zu einer erblichen Würde. Peking fabriziert wurden. Andere Petitionen wurden durch feindliche Soldaten auf einer Front von 200 Metern beisammen Die Jung- Chinesen, worunter allerdings keineswegs eine die Militärgouverneure eingesandt, die die Absicht waren. Am ersten Tage verhinderte Artilleriemangel die Engländer, bestimmte politische Partei zu verstehen ist, ringen schwer um ausdrückten, den Präsidenten mit allen ihnen zur Verfügung fich des Vorteils über die gefchloffenen feindlichen Angriffseinheiten die Aufrichtung einer echten Demokratie in China . Wenn die stehenden militärischen Kräften zu unterstüßen, zu bedienen, aber am ureiten Tage brachten die 75- Willimeter Leute wie Professor Goodnow und andere wohlmeinende wenn er in den Wechsel der Regierungsform einwilligte.. So Kanonen dem Feinde furchtbare Verluste bei. Die Franzosen be Verfassungsrechtler der Ansicht sind, daß die Orientalen für wurde die Aenderung der Regierungsform vorbereitet. Den fchoffen Debelie und zermalmten dieses von den Bulgaren dicht die demokratische Regierungsform nicht taugen, weil sie sie weiteren Verlauf der innerpolitischen Ereignisse in China befeßte Dorf zu Staub. Der Feind vermied es danach, unserem nie gehabt haben, so ist Jung- China ganz im Gegenteil der schildert sehr anschaulich der chinesische Sonderberichterstatter Rückzug allzu nabe zu folgen, es wurde ihm auch schwer, feine Ueberzeugung, daß gerade, weil China noch keine der Pariser Humanité". C. Wai in einem Briefe aus Artillerie mit Unterstüßung herbeizuführen. Die Verluste der Demokratie gehabt hat, es jebt eine haben Schanghai , der Ende November veröffentlicht wurde. Alliierten find ganz gering. In der letzten Woche deckten die

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Die Befestigung von Saloniki.