Einzelbild herunterladen
 

Nr. 360.- 32.Jahrg.

Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Brets rranumerands: Bierteljährl 8.30 mt. monatl. 1.10 wöchentlich 25 Big frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Big Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt 10 Bia. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Boit Zeitungs Breisliste Unter Kreuzband für Deutichland und Deiterreich. Ungarn 2,50 Mart für das übrige Ausland

Mart pro Monat Boitabonnements nehmen an: Belgien , Dänemark , Holland , Italien , Luxemburg , Bortugal Rumänien, Schweden und die Schweiz

Ericheint täglich.

Vorwärts

Berliner Volksblaff.

5 Pfennig

Die Infertions- Gebühr

beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für bolitische und gewettichaftliche Vereinss ud Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Bort 20 Big.( zulässig 2 fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Borto Bfg. Worte über 15 Buch­staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet.

Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Beriin".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97.

Freitag, den 31. Dezember 1915.

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikplas, Nr. 151 90-151 97.

Desterreichische Flottenattion an der albanischen Küste.

-

Vorbereitungen.

-

4

gh. Die Aussprache über die zu erwartenden Steuern, zu der es im Reichstage bei der zweiten Lesung des Vor­bereitungsgesetzes zur Kriegsgewinnsteuer gekommen ist, hat uns gezeigt, wie wichtig bereits für die Gegenwart ein mög­lichst weiter und klarer Ueberblick über die Ver­hältnisse nach dem Abschlusse des Krieges ist. Die Gegenwart zwingt uns zu Eingriffen in das wirt­schaftliche Leben, die in erster Linie Linie freilich durch den augenblicklichen Kriegszwang geboten sind, aber doch auch wenn sie nicht schließlich unübersehbaren Schaden anrichten sollen mit der hoffentlich recht nahen Zufünft rechnen müssen, nämlich damit, wie sich unser Wirt­schaftsleben am besten wieder dem friedlichen Wettbewerb der Völker anpassen kann. Daher beschäftigen sich die Unter­nehmer und ihre Vertreter sehr eingehend mit diesen Zukunfts­forgen. Besonders beachtenswert gerade für die Arbeiter sind in dieser Beziehung diejenigen Ausführungen über den ,, Uebergang von der Kriegswirtschaft in die Friedens­wirtschaft," die der Reichstagsabgeordnete Dr. Stresemann in dem letzten Hest der Monatsschrift Hansa- Bund" ver­öffentlicht hat.

Der Verfasser geht. in diesem Aufsatz von der Tatsache aus, daß Deutschland von dem Weltmarkte fast ganz ab­geschlossen ist. Uns werden daher bei Kriegsende viele wich­tige Rohstoffe fehlen, die wir aus dem Auslande beziehen mussen. Würde sich dann sofort der Weltverkehr wie vor dem Striege entwickeln, so befürchtet Abg. Dr. Stresemann, daß das Ausland, das in feinem Rohstoffbezug nicht gelitten hat, als Wettbewerber in alter Straft auf den Markt tritt, während wir infolge des Mangels an Rohstoffen dem Ansturm der Bestellungen weder für das Inland noch für das Ausland genügen können. In bezug auf die Bestellungen für das Ausland wird hier­gegen nichts zu tum sein. Für das Inland jedoch, versichert Dr. Stresemann, können wir sehr wohl Maßnahmen dagegen treffen, daß wir bei Lieferungsunfähigkeit des eigenen Marktes auf lange Zeit mit ausländischen Erzeugnissen überschwemmt werden, wenn bei Friedensbeginn eine große Steigerung des Inlandsbedarfs eintritt.

Zu diesem Zwecke haben die beteiligten Unternehmer gefordert, daß für eine gewisse Uebergangszeit die Einfuhr der fernzuhaltenden Waren aus dem Ausland durch einen besonders hohen Einfuhrzoll unmöglich gemacht werde. Dr. Stresemann erflärt diesen Weg für ungangbar: Die Höhe der dazu notwendigen Einfuhrzölle wäre schwer zu bestimmen, ebenso die Auswahl der Waren, auf deren Einfuhr so hohe Zölle gelegt werden sollen. Unzweifelhaft würden auch unsere handelspolitischen Beziehungen einen Grad der Unsicherheit erhalten, der zu Unzuträglichkeiten führen könnte.

Demgegenüber schlägt Dr. Stresemann vor: für die zu bestimmende Uebergangszeit soll die Einfuhr ausländischer Waren nach Deutschland auf bestimmte Mengen beschränkt werden; ausgenommen davon sollen nur Rohstoffe und etwa einzelne Halbfabrikate sein.

Ob dieser Vorschlag dem Auslande gegenüber durch­führbar sein wird, brauchen wir jetzt noch nicht zu unter­suchen. Zunächst kommen diejenigen Wirkungen in Betracht, die eine solche Maßnahme auf das Inland haben kann. Sie werden vor allem darin bestehen, daß durch eine zu geringe Einfuhr ausländischer Waren die Nachfrage nach solchen Waren im Inlande nicht gedeckt wird, infolgedessen die Preise in die Höhe getrieben werden, die Teuerung also weiter bestehen bleibt, vielleicht sogar verschärft wird. Das darf aber unter teinen Umständen zugelassen werden. Vielmehr muß es eine unserer wichtigsten Aufgaben sein, jede Maßnahme zu verhindern, die irgend einen unentbehrlichen Gebrauchsgegenstand für die große Masse des arbeitenden Volfes verteuert und damit die Lebenshaltung der ärmeren Streise erschwert.

Schon aus diesem Grunde kann das von Herrn Abg. Dr. Stresemann erstrebte Siel, unmittelbar nach der Beendigung des Krieges eine angeblich unerträgliche Ueberflutung des deutschen Marktes mit ausländischen Waren zu verhindern, nicht so einfach erreicht werden, wie es sich der Herr denkt. Die Arbeiter werden dabei auch ein Wort mitreden müssen.

Allerdings ist Herr Abg. Dr. Stresemann bei dieser Ge­legenheit auch auf die Arbeiterverhältnisse eingegangen. Ver­anlassung dazu gab ihm der Umstand, daß in einer der größten deutschen Städte schon jetzt Erörterungen darüber stattgefunden haben, ob

deuton nicht Vorkehrungen treffen sollte, um einer

Arbeitslosigkeit nach dem Kriege zu steuern. Hier blickt Abg. Dr. Stresemann sehr vertrauensvoll in die Zukunft: Bei Friedensbeginn werde eine außerordentliche Tätigkeit im deutschen Wirtschaftsleben einfegen. Dementsprechend würden viele Arbeiter verlangt werden. Zur Verfügung würden aber nur verhältnismäßig wenig Arbeiter stehen. Mithin liege gar feine Veranlassung vor, heute diese Frage mit irgendeiner

Meldung des Großen Hauptquartiers.

Amtlich. Großes Hauptquartier, den 30. Dezember 1915.( W. T. B.)

Westlicher Kriegsschauplah.

In der Nacht zum 29. Dezember mißglückten eng­ lische Versuche nordwestlich von Lille durch Ueberraschung in unsere Stellungen einzudringen.

Eine kleine nächtliche Unternehmung unserer Truppen südöstlich von Albert war erfolgreich und führte zur Ge­fangennahme von einigen Dutzend Engländern.

Am Hartmannsweilerkopf wurden gestern die in französischer Hand gebliebenen Grabenstücke zurück­

erobert.

Im übrigen fanden an vielen Stellen der Front bei günstigen Beobachtungsverhältnissen zeitweise lebhafte Feuer­fämpfe statt.

Auch die Fliegertätigkeit war beiderseits sehr rege. Ein feindliches Geschwader griff die Orte Werwicq und Menin und die dortigen Bahnanlagen an. Militärischer Schaden ist nicht angerichtet, dagegen sind 7 Einwohner verlegt und ein Kind getötet.

Ein englisches Flugzeug wurde nordwestlich von Cam­ brai im Luftkampf abgeschossen.

Deftlicher Kriegsschauplatz.

Südlich von Schick sowie an mehreren Stellen der Heeresgruppe des Generals v. Linsingen wurden Vorstöße russischer Jagdkommandos abgewiesen.

Bei der Armee des Generals Grafen v. Bothmer wiesen österreichisch- ungarische Truppen den Angriff starker russischer Kräfte gegen den Brüdenkopf von Burkanow an der Strypa ab. Neben starken blutigen Verlusten büßte der Feind etwa 900 Gefangene ein. Balkankriegsschauplak. Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Der ößerreichische Generalfabsbericht.

Wien , 30. Dezember. ( W. T. B.) Amtlich wird ver­lautbart: 30. Dezember.

Russischer Kriegsschauplas.

Die Kämpfe in Ostgalizien nahmen an Umfang und an Heftigkeit zu. Der Feind richtete gestern seine Angriffe nicht nur gegen die bessarabische Front, sondern auch gegen unsere Stellungen östlich der unteren und mittleren Strypa; sein Bor­dringen scheiterte meist schon unter dem Feuer unserer Batterien, wo dies nicht geschah, brachen die russischen Sturmkolonnen in unserem Infanterie- und Maschinengewehrfeuer zusammen. Im nördlichsten Teil seines gestrigen Angriffsfeldes vor dem Brücken­fopf von Burkanow ließ der Gegner 900 Tote und Schwer­verwundete zurück. Es ergaben sich hier drei Fähnriche und 870 Mann. Die Gesamtzahl der gestern in Ostgalizien ein­gebrachten Gefangenen übersteigt 1200. An der Jkwa und an der Butilowka kam es stellenweise zu Geschükkämpfen; am Korminbach und am Styr wiesen österreichisch- ungarische und deutsche Truppen mehrere russische Borstöße ab.

Italienischer Kriegsschauplah.

An der Tiroler Front wurden feindliche Angriffsversuche auf Torbole und gegen den Monte Carbonile durch unser Feuer zum Stehen gebracht. Auf den Hängen, nördlich des Tonale- Passes, versuchten dte Italiener unter Mißbrauch der Genfer Flagge ihre Drahthindernisse auszubauen, sie wurden beschossen. der Hochfläche von Doberdo fanden lebhafte Minenwerferkämpfe statt, die bis in die Nacht hinein anhielten.

"

Südöstlicher Kriegsschauplah.

Keine besondere Ereignisse.

Auf

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant.

*

Ereignisse zur See.

Am 29. früh hat eine Flottille von fünf Zerstörern und Kreuzer Helgoland" das französische Unterfeeboot Monge" vernichtet, zweiter Offizier und fünfzehn Mann gefangen genommen, darauf im Hafen von Durazzo einen Dampfer und einen Segler durch Geschütfeuer versenkt und das Feuer mehrerer Landbatterien zum Schweigen gebracht. Dabei stießen zwei Zerstörer auf Minen. Lika" ge­funken, Triglav " schwer beschädigt. Größter Teil der Mannschaft gerettet. Triglav " wurde ins Schlepp genommen, mußte jedoch nach einigen Stunden versentt werden, da mehrere überlegene feindliche Kreuzer und Zerstörer den Rückzug der ganzen Flotille bedrohten. Unsere Flottille ist in den Basishafen zurückgekehrt. Unter den feind­lichen Schiffen wurden nur englische Kreuzer Typ Bristol ", und Falmouth " sowie französische Zerstörer Typ Bouclier" deutlich erkannt. Flotten kommando.

Besorgnis zu betrachten; vielmehr werde gesagt werden fönnen, daß bei dem Uebergang bon der Kriegs­wirtschaft in die Friedenswirtschaft eher mit einem Arbeitermangel als mit Arbeitslosigkeit zu rechnen sein werde. Daß dieser, gerade vom Standpunkt der Arbeiter günstige Zu­stand uns möglichst lange erhalten bleibt, dazu so schließt Herr Abg. Dr. Stresemann seine Ausführungen set es auch notwendig, auf die von ihm vorgeschlagenen handelspolitischen Uebergangsbestimmungen zurückzukommen.

-

Hier hören wir genau denselben Lockruf, mit dem noch stets die Unternehmer es versucht haben, auf ihre Seite sogar die Arbeiter zu ziehen, wenn es galt, den Unternehmergewinn durch Schutzölle zu steigern. Unter dem ,, Schuß der nationalen Arbeit" sollten die Arbeiter nach den Versprechungen der Unternehmer glänzende Verdienste haben; in Wahrheit war ihre Lebenslage nicht gebessert. Nach diesem Muster vertröstet Abg. Dr. Stresemann die Arbeiter auf eine be sonders günstige Lage des Arbeitsmarktes infolge einer Maß: nahme, die in erster Linie ihnen die Lebenshaltung erschweren fann.

leberdies können sich nach dem Kriege tatsächlich die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkte ganz anders gestalten, als Herr Abg. Dr. Stresemann jetzt so schön ausmalt. Die Arbeiter haben vielmehr an die Gefahr zu denken, daß so mancher Unternehmer die Löhne zu drücken sucht in der Hoff­nung, daß die aus dem Felde zurückkehrenden Arbeiter nicht lange nach einer besser bezahlten Arbeit suchen können, Gegen biese Gefahr ist erforderlich, daß überall Arbeitsnachweise vor handen sind, in deren Zeitung auch die Arbeiter vertreten find, und daß überall eine angemessene Arbeitslosen­unterstützung durchgeführt wird. Leider sind wir noch nicht so weit. An, Anregungen hat es die Reichsverwaltung nicht fehlen lassen; aber ste will sich noch immer nicht dazu ver­stehen, den nötigen Zwang da eintreten zu lassen, wo alle bisherigen Mahnungen erfolglos geblieben sind.

Darum muß hierauf die allgemeine Aufmerksamkeit stets von neuem gelenft werden. Die Arbeiter müssen verlangen, daß die zum Schuge gegen Lohndrückerei erforderlichen Maß­nahmen nicht länger verzögert werden. Bei allen anderen Borbereitungen haben sie auf die Beseitigung der gegen­wärtigen Zeuerung hinzuwirken.

Griechenland bleibt neutral.

Athen , 29. Dezember. Vom Sonderberichterstatter des W. T. B. Wie ich erfahre, pird Griechenland während der bevorstehenden Kämpfe der europäischen Mächte­gruppen bei Saloniti neutral bleiben.

Die Trümmer der serbischen Armee sind in Elbassan und Stutari angelangt. Ihre Gesamtstärke beträgt 40 000 Mann. Sie besigen weder Artillerie noch Munition. Aus der rumänischen Kammer.

Bukarest , 29. Dezember. ( W. Z. B.) Kammer. Der libe rale: Abgeordnete Diamandi bekämpfte die Ansichten Carps, Deutschland habe die Kultur der Kraft. Alle Kultur sei im Gegens fab zu den Ansichten Garps von Frankreich ausgegangen.( Beifall) Bei Deutschland , wo die Junker allmächtig seien, müsse man die Ursache des Krieges fuchen, da es nach 1870 feine Macht auch auf maritimnem Gebiete entwickelt habe. Nach der Katastrophe von Sarajewo habe Deutschland von seinem militärischen leber­gewicht Gebrauch machen wollen. Redner bezweifelte die Richtig keit der Ansicht Carps, daß Rußland die Donaumündungen mit Galak nehmen wolle.( Carp hatte auf den Zwischenruf, woher. er wisse, daß Rußland einen Teil der Moldau, die Meerengen und Donaumündungen haben wolle, erwidert, daß der russische Minister­präsident es selbst gesagt habe.) Diamandi besprach hierauf cin­zelne angeblich günstige Gelegenheiten für Rumänien , in den Krieg einzugreifen, und fand, daß auch Lemberg fetne solche Gelegenheit gewesen sei. Ebenso sei der Eintritt Bulgariens in den Krieg teine günstige Gelegenheit gewesen. Auf eine Frage, wohin sich Rumänien wenden solle, antwortete der Redner: Keines­wegs gegen Bessarabien , wie Garp es meine. Diamandi gab schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß Rumänien , mit dem Verband gehen werde, denn dort lägen die Lebensinteressen Rumäniens . Der liberale Abgeordnete Stere erklärte, vielfach unterbrochen, er fühle sich verpflichtet, an Bessarabien zu denken, denn er sei der einzige Abgeordnete, der dort geboren sei. die rumänische Nation sei ihr Interesse der höchste Zweck, für Ru­ mänien gebe es nur eine Politik.( Beifall und Zwischenrufe.) Abgeordneter Miclesco vief: Auch ich bin ein Moldauer, dente aber nicht so wie Stere!( 3wischenrufe und Beifall. Der Lärm bauert einige Zeit.) Nach, türzer Unterbrechung der Sitzung fette Stere feine Rede fort und sagte, für den rumänischen Staat zeige sich die Lage nach dem Kriege wie folgt: Gin jiegreiches Rußland bedeute die Angliedering Galiziens , Konstantinopels , der Meerengen und der Donau bis zum Eisernen Tore; Rumänien bleibe inmitten des russischen Reiches, mit dem Westen nur durch Ungarn verbunden. Stere wendete sich gegen die, die bezweifeln, daz Rußland den Befik der Meerengen anstrebe sowie gegen jene, die da glauben, daß es für Rumänien gleichgültig sei, wer dort: herrsche. Wenn Rußland dorthin gelange, so bedeute das für

Für