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Berlin S.W. 68

Sinberufs, 3, 15 M. 33. Jahrgang.

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Berliner Volksblaff.

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Am: Morisplas, Nr. 151 90-151 97.

Sonnabend, den 1. Januar 1916.

Kriegsjahr 1916.

Hoffnung und Mut!

Auch ist es unmännlich, mit Klagen über das vorhandene Uebel eine Zeit zu verlieren, die man meiser anwendete, um, soviel in unseren Kräften steht, das Gute und Schöne zu schaffen. J. Gottl. Fichte. Wann wäre Klagen mehr verständlich und mehr ver­zeihlich gewesen, als an dieser Jahreswende? Mehr als das: wann hätte es für das Versinken in stumpfe Resignation stärkere Rechtfertigungsgründe gegeben, als zu einem Zeit­punkt, wo dem Rückblickenden mit neuer erschreckender Klar­heit all das Schreckliche vor Augen tritt, das allem Wünschen und allem Hoffen zum Troß, das Jahr 1915 über die Völker Europas gebracht hat? Nur wer sich selbst von jeder An­wandlung des Verzagens frei weiß, darf einen Stein auf die jenigen werfen, die, mutlos geworden, die Waffen vor dem ehern einherschreitenden Geschid streden wollen.

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Und sagen wir es offen hat nicht der Sozialist, der alten Grundsäßen und alten dealen treu geblieben ist, am meisten Grund zu trüber Stimmung? Das Unglück des Krieges trifft ihn tiefer und schmerzlicher, weil er von jeher in der ersten Reihe der Verfechter des Friedensgedankens gestanden hat. Er hatte sich der Hoffnung hingegeben, in Gemeinschaft mit den Gleichgesinnten in allen Ländern die Gefahr des Weltkrieges bannen zu können oder doch wenig­ftens ihm ein schnelles Ende zu bereiten, wenn der Wille der internationalen Arbeiterschaft wirklich nicht ausreiche, die Schwerter in der Scheide zu halten. Wie stolz und sieges­bewußt flang nicht das Manifest, das der Baseler Kongreß bon 1912 in die Welt hinaussandte, und die, die sich zu ihm befannten, lebten der schönen Ueberzeugung, daß hier ein Wall errichtet sei, an dem die Schrecken des Krieges abprallen müßten. Und nun stehen wir am Ende eines Jahres, das pom ersten bis zum letzten Tage vom Lärm der Schlachten widerhallte, und wir schreiten über die Schwelle des Jahres 1916 ohne die Gewißheit, ja ohne eine halbwegs sichere Aus­ficht, daß dem blutigen Drama bald ein Ziel gesetzt werde.

Expedition: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 151 90-151 97.

um dem Weihnachtskongreß den Kurs der Partei, wenn

Meldung des Großen Hauptquartiers.boluția nur in geringem Maße, au beeinfluffen. Der

Amtlich. Großes Hauptquartier, den 31. Dezember 1915.( W. T. B.)

Westlicher Kriegsschauplah.

Nach erfolgreicher Sprengung wurde den Engländern nordwestlich von Halluch ein vorgeschobener Graben ents riffen. Zwei Maschinengewehre und einige Gefangene fielen in unsere Hand.

Ein feindlicher Fliegerangriff auf Ostende richtete in der Stadt erheblichen Gebäudeschaden an, besonders hat das Kloster vom Heiligen Herzen gelitten. Neunzehn belgische Einwohner sind verlegt, einer getötet. Militärischer Schaden ist nicht entstanden.

Deftlicher und Balkan - Kriegsschauplatz. Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

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Der österreichische Generalstabsbericht.

Wien , 31. Dezember. ( W. T. B.) Amtlich wird vers lautbart: 31. Dezember.

Russischer Kriegsschauplas.

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Das Borgelände unserer Strypafront war zwischen Buczacz und Wisniowzcht auch gestern der Schauplas wiederholter, mit ftarten Kräften geführter russischer Angriffe. Abermals brachen, wie an den Vortagen, die feindlichen Sturmkolonnen unter dem Feuer der kaltblütigen, tapferen Truppen der Armee Pflanzer­Baltin zusammen. An der unteren Strypa und an der bess­arabischen Front hat die Tätigkeit des durch die letzten Kämpfe start erschöpften Gegners vorläufig nachgelassen. Die Verluste, die die Russen in den vergangenen Tagen auf den ostgalizischen Gefechtsfeldern erlitten, übersteigen überall weit das gewöhnliche Maß. So lagen gestern an der Strypa vor einem Kompagnie­Abschnitt 161, vor einem anderen 325 russische Leichen.

An der Strypa, an der Jkwa und an der Putilowka gab es keine besonderen Ereignisse. Am Kormynbach und am Styr wurden abermals mehrere russische Vorstöße abgewiesen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

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In Südtirol wurden zwei Alpini- Bataillone, die unsere Stellung füdöstlich von Torbole zweimal angriffen, abgewiesen. An der Kärtner Front nahm die feindliche schwere Artillerie den Ort Wolfbach( südöstlich Malborghet) unter Feuer.

An der Küstenländischen Front dauern die Geschütz- und Minenwerferkämpfe stellenweise fort.

Südöstlicher Kriegsschauplak.

Nichts Neues.

Widerspruch gegen die Kreditbewilligung in der deutsche: Reichstagsfraktion ist dem Willen entsprungen, dem Frieden und der Verständigung zu dienen, und am Ende verraten gerade die in den jüngsten Tagen angewandten Kampfes­methoden einzelner Anhänger der Mehrheit, die mit ihrem Umlernen an der Grenze des sozialistisch Möglichen ange­langt sind, daß sie den Boden unter ihren Füßen schwinden fühlen.

Es ist also Grund zur Hoffnung vorhanden.

Jedoch es genügt nicht, am Beginn des neuen Jahres neue Hoffnung zu fassen, und vor allem wäre nichts ver­fehlter als Hoffnungsseligkeit zu predigen. Sol sich die Wandlung vollziehen, so ist es nicht damit getan, daß wir nicht klagen. Wir müssen, wie Fichte, der Philosoph, dem das Erkennen viel, das Handeln aber mehr galt, fordert, die Zeit anwenden, um so viel in unseren Kräften steht, das Gute und Schöne zu schaffen."

Wir vertrauen als Schüler von Mary und Engels den wirkenden Kräften der Entwickelung, aber niemals fann dieser Glaube uns zum Verzicht auf eigenes Eingreisen be­stimmen. Die Menschen sind nicht nur das Objekt der Ge­schichte, sie sind auch ihre Diener und Helfer, und wehe der Klasse, bei der die materialistische Geschichtsauffassung in eine fatalistische umschlüge.

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Das Jahr 1916 wird man braucht kein Prophet zu sein, um das zu verkünden in jeder Beziehung ein Jahr des Kampfes werden. Drinnen so gut wie draußen wird es Ansprüche an unsere Entschlossenheit, an unsere Opfer­willigkeit und an unsere Treue stellen. Fragen sind auf­getaucht und andere werden folgen, deren Lösung hoffnungs­freudiger aber auch arbeitsbereiter und mutiger Männer und Frauen bedarf. Um aber Mut zu zeigen, so lehrt uns ebenfalls Fichte, bedürfe es nicht, daß man die Waffen er­greife, weit höher sei oft genug der Mut: treu zu bleiben seiner Ueberzeugung.

Gefechte an der Westgrenze Aegyptens .

Kairo , 28. Dezember. ( W. T. B.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Eine starke Abteilung aller Waffengattungen marschierte am Sonnabend früh von Meria Matruh aus, um die tripolitanischen Truppen, die feit einiger Zeit in einem acht Meilen westlich von Meria Matrub gelegenen Tale lagerten, zu vertreiben. Unsere Ver­Iuste waren gering. Eine Aufklärungsabteilung war bereits am 11. und 13. Dezember auf den Feind gestoßen und hatte ihm schwere Verluste beigebracht.

Der Sozialismus sieht sich aufs neue zu dem Ein­geständnis genötigt, daß er seine Kraft überschätzt hat. Aber das ist am Ende nicht das schlimmste. Er muß auch er­fennen, daß es an dem Willen gebrach, den Einfluß aus­zuüben, über den er trotz aller im Wege stehenden Schwierig. feiten noch hätte verfügen können. Einige Ansätze sind ge­macht worden, um die im August 1914 zerstörten Bande wiederzufnüpfen. Die Sozialisten der neutralen Länder haben sich bemüht, Vermittler vor allem zwischen den deutschen und den französischen Genossen zu werden. Die Versuche blieben ohne Ergebnis. Das Jahr 1915 hat die Inter­nationale nicht wiederbelebt. Die Kräfte, die für den Frieden wirken könnten, entbehren jener zusammen- es, auszuhalten und nicht müde zu werden. Bittere Ent- stände fei nicht ausgeschloffen. In einem großen Teil der isla fassenden Organisation, die ihnen erst Leben einzuhauchen täuschungen der Vergangenheit dürfen uns nicht daran mitischen Bevölkerung glaube man nicht mehr, daß die Türkei ein imstande wäre. Sie liegen brach, und die, die zu gemeinsamer hindern, auf die Zukunft neue Hoffnung zu der islamitischen Welt fei. Es wäre ein gefährlicher Jrrtum, wenn abgestorbener Störper und England der unbestreitbare Beherrscher Arbeit berufen wären, verzehren sich in gegenseitigen An- segen, und trotz alledem und alledem fehlt es zum Glück man leugnen wollte, daß die Mohammedaner an vielen Orten un­flagen und Vorwürfen über das Maß ihrer Schuld. ja nicht ganz an Anzeichen, die eine Besserung verheißen. ficher und zweifelnd geworden seien. Der Vierverband müsse da­

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant.

Tribuna" über den Heiligen Krieg.

"

Bern , 31. Dezember. ( W. Z. B.) Tribuna" behandelt in einem Leitartikel die Aussichten des heiligen Krieges, die heute bedeutend gewachsen seien. Die Möglichkeit großer Auf­

Der letzte Grund für die Krisis der Internationale ist Der Krieg tobt noch mit ungeminderter Kraft. Aber der geger arbeiten, damit diese vereinzelten Bewegungen, besonders im aber die Krisis innerhalb ihrer einzelnen unbestreitbare militärische Erfolg der Mittelmächte hat im Hinblicke auf einen deutsch - türkischen Versuch gegen Aegypten , nicht an Kraft zunähmen. Es liege klar zutage, daß ein feindlicher Era Sektionen. Das Jahr war allenthalben und nicht zuletzt Verein mit mancherlei anderen Momenten allenthalben eine folg am Suezkanal die unliebsamsten Folgen für die Alliierten, be­in Deutschland angefüllt mit inneren Kämpfen und Aus- star ke Sehnsucht nach dem Frieden auf- fonders aber für Italien haben würde. Zum Nachteile des Vier­einandersetzungen, aus denen sich erkennen ließ, wie der Welt- teimen und in die Salme schießen lassen. Die verbandes lebe jedoch unter allen Muielmanen die Erinnerung an frieg nicht nur die Nationen voneinander getrennt hat, son- Lobredner des Krieges um des Krieges willen, die in den die widersprechenden Interessen und an die Politik erbitterter Reben­buhlerschaft zwischen England, Frankreich , Rußland und Italien fort. dern eine Kluft aufreißt zwischen Männern, die bis dahin ersten Monaten eine mächtige und verhängnisvolle Rolle Der Artikel verlangt zum Schluß die politische und mili in denselben Reihen gestritten haben. Mit wachsender Heftig- spielten, sind zu einem berschwindend kleinen Häuflein zu- tärische guíammenarbeit des Vierverbandes in keit befehdeten die, die alte Prinzipien der Partei durch das fammengeschmolzen. Die Anhänger utopistischer Erobe- feiner Politit gegenüber dem Islam . Argument der plaßenden Granaten widerlegt glaubten, oder rungspläne sind überall in eine Minderheit gedrängt, die die in der Meinung, es handle sich hier nur um eine Frage fich des Gegensages, in dem sie zu der Masse des Volkes steht,] der Taktik, den vorläufigen Verzicht auf selbständige politische immer stärker bewußt werden muß. Alle Bemühungen, der Cetinje , 28. Dezember. ( W. Z. B.) Amtlicher Bericht. Orientierung predigten, die anderen, die von derselben heißen öffentlichen Meinung Schranken anzulegen, können nicht Auf der ganzen Front der Sandschakarmee herrschte lebhaftes Liebe zum eigenen Volte erfüllt, Bedenken hegten, Wege zu verhindern, daß vom Frieden, von einem vernünftigen beiderseitiges Geschüßfeuer. Der Feind fährt mit seinen Angriffen beschreiten, die ihrer Ansicht nach naturnotwendig immer Frieden, gesprochen wird. Daß aus den Worten Taten auf die Front am Lowtichen in der Gegend von Rastovogore fort. weiter von der bis dahin innegehaltenen Linie hinweg- werden, verhindert einstweilen in der Hauptsache nur die Nach treitägigen hartnädigen Kämpfen und Tausenden von Kanonen­führten. Gerade die letzten Tage vor Jahresschluß haben in Sorge, allzu stark betonter Friedenswille fönne vom Gegner schüssen aus dem Fort und von den Kriegsschiffen von Cattaro dieser Beziehung die unerfreulichsten Blüten gezeitigt, und als Schwäche ausgelegt werden.

Der montenegrinische Bericht.

zogen sich die Desterreicher, von unseren Truppen verfolgt, zurück.

Der serbische Staatsschatz nach Frankreich

übergeführt.

wir erleben das betrübende Schauspiel, wie mitten im Kriege Besonders in den Kreisen der Sozialisten regt es zur Freude der bürgerlichen Welt, Männer, deren ehrlicher sich. Die Unabhängige Arbeiterpartei Englands macht trot Wille und deren Ueberzeugungstreue auch bei den Gegnern aller Fehlschläge immer neue Anstrengungen, die Arbeiter Marseille , 31. Dezember. ( W. T. B.) Meldung der Agence ihrer Anschauungen über jeden Zweifel erhaben sein müßten, Großbritanniens auf die. Bahn der Vernunft zurückzuführen. von den eigenen Barteigenossen aufs gehässigste angegriffen Der französischen Parteileitung, die in allzu enge Beziehun- Savas. Der serbische Staatsias ist von einem Kreuzer hierher gebracht worden, er wird nach Paris weitergeleitet werden. gen zu den nationalistischen Elementen des Landes trat, ist mit demselben Kreuzer sind die Mitglieder der russischen Gesandt­Wahrlich ein trauriges. Neujahrsfest! Und dennoch gilt eine Opposition erwachsen, die immerhin stark genug war, schaft in Serbien eingetroffen.

perden.