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die AuZwanderungSfragt. Zu diesen wirischaftlichen Gründen komme ein neuer militärischer. Der Möglichkeit, daß farbige Söldner» Haufen auf europäische Kriegsschauplätze gebracht werden, könnö eine zielbewußte deutsche Politik abhelfen. Bei Betrachtung der Kolonien al- F l o t t e n st ü tz p u n k t e gedachte der Staatssekretär iir warmen Worten der Leistungen unserer Marine. Die B e- denken gegen die Verteidigungsfähigkeit über» seeischer Besitzungen wie» der Staatssekretär zurück und würdigte die Talen unserer Schutz- und Polizeitruppen in den Kolonien, deren endgültiges Schicksal jedoch auf den europäischen Kriegsschauplätzen durch Heer und Flotte entschieden werde. Er gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß in k ü n s t i g e n Kriegen auf das Durchhalten überseeischer Besitzungen gerechnet werden könne. Werde das Knegsziel:.Freiheit der Meere" erreicht, so sei eine erneute Abschneidung der Kolonien nickit zu befürchten. Nack» kurzem Ein- gehen auf die Bedeutung der Wirlschaflsgemeinichast Berlin -Bagdad faßte Dr. Solf feine Ausführungen dahin zusammen: Ohne eigene aktive Äolonialpolitik ist eine gesicherte und ruhige Weiterentwicklung Deutschlands nicht denkbar. Für die �chuharbeiter. Die sozialdemokratische ReichstagSfraktion hat im Reichstage folgende Resolution eingebracht: Ter Reichstag wolle beschließen: Die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, nachdem durch die Beschlagnahme des Leders für den Heeresbedarf eine starke Be- schränkung der Arbeitszeit in der Schuhindustrie und im Schuh- machergewerbe notwendig geworden, 1. den arbeitslos werdenden Heim-, Haus- und Fabrik- arbeitern und-arbeiterinnen, sowie den im Kleingewerbe be- schäftigten Schuhmachergehilfen, falls ihnen anderweit geeignete Arbeit nicht beschafft werden kann, aus den für Zwecke der Kriegswohlfahrtspflege bestimmten Reichsmitteln eine den der- zeitigen Lebensbedürfnissen entsprechend ausreichende Unter- stützung zu gewähren; 2. den durch die gleichen Beschränkungen in ihrem Verdienst stark geschädigten Arbeitern obengenannten Berufs eine ent- sprechende Zuschußunterstützung zu gewähren.

Kafsertelegramm an Krupp von Bohlen und Halbach. / Gfscil(Ruhr), 6. Juni. (S. T. B.) Seine Majestät der Kaiser s/ndie an Krupp von Bohlen und Halbach folgendes Telegramm: / Wilhelmshaven . 5. Juni 1916. Herrn Krupp von Bohlen und Halbach, Essen. Unter dem Eindruck der mündlichen Berichte aus der Schlacht in der Nordsee stehend, möchte ich Ihnen zu Ausdruck bringen, wie sehr wir dein vorzüglichen Artillerie- und Panzer- matcrial und im besonderen auch der vernichtend wirkenden Munition unsere Erfolge verdanken. So ist der Schlachttag auch ein Ehrentag der Krupp-Werke. Wilhelm l. R.

Tie Wirkung des SeesiegeS. Die nationalliberalen Vereins Kölns haben am Sonntag eine von Tausenden besuchte Siegesfeier im Gürzenich veranstaltet. Universitätsprofessor Theobald Ziegler aus Frankfurt a. M. als Hauptredner bezweifelte,'daß uns der große Seesiegdein" Frieden nähergebracht habe, wohl aber einem deutschen Frie- den, keinem Kongreßfrieden, bei dem für Deutschland nichts herauskomme. Die Weltstellung Englands, die auf dem Prestige seiner Flotte beruhe, sei erschüttert. Ter 31. Mai bedeute einen gcevaltigen Umschwung in der Weltgeschichte, aus der deutlich das Walten Gottes spreche. Jetzt wachse uns die Zuversicht und der Mut auf einen ganzen Frieden und auf einen ganzen Sieg. Das ZielM i t t e l e u r o p a", in dem ein gut Teil groß- deutscher Romantik stecke, dürfe uns nicht genügen. Wir wollten uns nicht nur auf den Orient verweisen lassen, daS Ziel gehe nach Westen: Weltpolitit und Welthandel auf freien Meeren. Ziegler feierte vor allem den Flottenkaiser Wilhelm II. , dem das Volk Abbitte tun müsse, daß es ihn so lange verkannt und seine Worte für zu hoch und groß gehalten habe. Nun müsse es beißen: Fort mit aller Flaumacherei, fort mit aller Kritik am Großen und am Kleinen. Durchhalten bis zum vollen Siege zu Wasser und zu Lande. Tie Versammlung, an der auch die Spitzen der Behörden teilnahmen, quittierte alle Forderungen mit tosendem Beifall. Es wurden begeisterte Telegramme an den Kaiser, den Admiral Scheer und an Tirpitz gesandt, dessen Name immer wieder Beifall auslöste,(r)

Parteitag der württcmbergischen Nationalliberale«. Die Nationalliberale Partei Württemberg » hitlt in Stuttgart eine Vertreterversammlung ab, in der Reichstagsabgeordneter List über die politische Lage berichtete. Nach der Aussprache wurde folgende Entschließung angenommen: Die Vertreterversammlung der Nationalliberalen Partei Württembergs' dankt dem Zentralvorstand der Gesamtpartei des Reiches, sowie der Nationalliberalen Reichstags fraktion mit auf- richtiger Genugtuung für die entschiedene Haltung in den unser Volk augenblicklich bewegenden Fragen. Die Bertreterver- sammlung weiß sich mit der großen Mehrheit unseres Voltes eins, wenn sie die Erwartung ausspricht, daß in diesem Kampfe um daS Sein oder Nichtsein der Nation alle militärischen Macht- mittel' auch uneingeschränkt zur Anwendung kommen. Die Vertreterversammlung gibt der Zuversicht Aus- druck, daß das Ergebnis dieses furchtbaren Krieges ein Friede sein wird, der uns durch die Gestaltung unserer Grenzen militärisch, politisch und wirtschaftlich gegen neue Ueberfälle sichert."_ W Abwarten! Der freisinnige Reichktagsabgeordnete Dr. Ludwig Haas schreibt in derBerliner Voikszeituna" unter der Ueberschrift Die Partei der Schützengrabenkämpfer": Die große Zahl der Kriegsteilnehmer, die gemäß ihrer alten Ueberzeugung aus dem Felde zur Sozialdemoliatte zurückkehren, wird die Sozialdemokratie in ihrer Stellung zu den Machtfragen des Staates wesentlich beeinflussen, vielleicht von Grund aus umgestalten. Der sozialdemokratische Soldat schafft die Garantie, daß die Sozialdemolratie den Weg. den sie im Kriege beschritten, im Frieden weiter verfolgt; er sorgt dafür, daß nichi Le d eb o u r und H a a?' e, sondern Scheidemann und Heine die sozialistischen Masjen führen. Damit wird die Sozial- demokratie eine Partei praktischer Mitarbeit auch in Fragen des Heere» und der Marine. DaS wird ein Glück sür Deutschlands Zukuust sein: die Mitarbeit der Millionen sostaldemokratischer Männer, ihr bewußter Kompromiß mir unserem Staat, vielleicht mehr, die Anerkennung des Staates bei allem Festhalle» an der Weiterentwicklung in ihrem Sinne schafft neue Kräfte." Hinsichtlich der Zukunftshoffnungen deS Herrn HaaS möchten wir nur an das Wort von Wilhelm Busch erinnern: Erstens kommt es anders, Zweitens als man denkt." Zu welchen Konsequenzen die Verwirklichung dieser Er- Wartungen für die Sozialdemokratie übrigens führen würde, geht aus den letzten Bemerkungen des Herrn Haas ziemlich deutlich hervor.

Ulivttständkge Resignation und verfrühte Hoffnungen. DieDeutsche Arbeitgebcrzeitung" zitiert in ihrer Nummer vom<1. Juni unter der StichiuarkeVerständige Resignation" folgenden Passus> aus dem Maiartikel desHarburger VolksblatteS", dessen Extravaganzen auf dem Gebiete desUnilernens" wir schon mehrfach zu charakterisieren Ge- legenheit hatten: Zum zweiten Male begehen wir am 1. Mai in aller Stille den Eebimstag einer begrabenen Hoffnung... Die ganze Menschheit versinkt in Leid, weil wir das nicht erreichen und er- halten konnten, wofür wir am l. Mai demonstrierten, den un« gestörten Völlerfrieden. Für unsere Bestrebungen, die sich in der Maiseier am eindrucksvollsten verkörperlen, war der Ausbruch des Wellkrieges eine betäubende Niederlage." Hierzu bemerkt das Unternehmerorgan: Auch im übrigen zeugt der Aufsatz von einem erfreulichen Verständnis sür die vaterläudifchen Pflichien, welche Deutschland in diesem ihm ausgezwungenen Kampfe zu erfüllen hat. Das internationale Ideal ist dem Berfa ss er so ziemlich verloren gegangen, und eS scheint so, als babe er dafür ein höberes und näherliegendes Ideal entdeckt. Auch darüber ist er sich llar geworden, daß in Zukunft die internationale Friedenspropaganda keinen Sinn und Zweck haben wird.Nach dem Kriege werden die Völker auf lange Jahre hinaus keinen Wächter sür ihren Frieden brauchen." Nationale Slärkung, das ist die Aufgabe der Zukunft I" Tann gibt das Blatt der Zuschrift deS Handelkammer- slmdikus Dr. Rocke- Hannover Raum, der im Anschluß an die wiedergegebene Aeußerung desHarburger Volks- blattes" für die völlige Preisgabe der Maiseier eintritt. Freudig degrüßt das Unternehmerorgan diese An­regung: Mit Recht hat die Werkvereins- und nationale Arbeiterbewegung sich stets als Gegnerin der Maifeier bekannt; wenn jetzt notgedrungen auch die Sozialdemokratie und freien" Gewerkichaflen ihr nur noch die Bedeutung des Geburts- tages einer begrabenen Hoffnung beimessen, so ist darin zugleich das Anzeichen wachsender Einsicht in diesen Kreisen von der Wertlosigkeit gewisser klassenkämpferischer Schlagworte und Demonstrationen zu erkennen." Wir sind soeinsichtslos", die Hoffnung auf die Preis- gäbe der Maiseier als verfrüht zu bezeichnen. Uebrigens zeigt der Hinweis des Blattes auf die bisherige Gegnerschaft der Gelben " gegen die Maifeier, die sich angeblich jetzt recht- fertige, wessen Geschäfte dieumlerne"wütigen Sozial- Patrioten in der Parteipresse und in den Gewerkschaften in Wirklichkeit besorgen._

Ein Streik-Schiedsg-richtsgesetz in Norwegen . Kristiania , 6. Juni. kW. T. B.) Da? O d e l S t i n g hat heute gegen die Stimmen der Sozialisten ein zeitweiliges G e f« tz b e- treffend Einführung obligatorischer Schieds- gerichte in Arbeits st reitigkeiten angenommen. Das Gesetz kommt am Donnerstag im Lagting zur Verhandlung.

Die sozialistische Bewegung in Südafrika . Ter Sekretär der in Südafrika gegründeten Internationalen Sozialistenliga, Genosse Jvon Jones, sendet der Berner I. S. K. folgenden Bericht über die sozialistische Bewegung in Südafrika : Was die antikriegcrische Stimmung betrifft, so muß ich kon- statieren, daß die Opposition gegen uns in der letzten Zeit stark abgenommen hat. Die Südafrikanische Arbeiterpartei, die zu unserem Bedauern die Mitglieder der Liga aus ihren Reihen aus- geschlossen hat, ist durch den Gang der Enttvickelung dem Zu­sammenbruch nahe, obwohl sie gegenüber dem Kriege einen Stand- Punkt bezog, der mit den Gefühlen der Volksmassen übereinstimmte. Das mutzte so kommen, nicht nur weil sie die Sozialisten aus ihren Reihen entfernte, sondern auch deshalb, weil ihr jetzt die größten Gewerkschaften den Rücken gekehrt haben. Wir finden für diesen Zusammenbruch keine andere Erklärung als die, daß eine Ar- beiterpartei, die die revolutionären Elemente aus ihren Reihen ausschließt, selbst während einer patriotischen Verseuchung der Massen diesen nichts mehr zu bieten imstande ist. Ein anderer Grund liegt in dem wachsenden JndiffeventiSmuS der Mittelklassen, den unser Ausschluß unter ihnen hervorgerufen hatte. Nach den großen politischen Erfolgen der Partei(1914) hatten sich ihr diese Elements massenhaft angeschlossen. Diese Demoralisation auf politischem Gebiete erklärt sich durch den niederen Entwickelungsgrad der gewerkschaftlichen Solidarität in Südafrika . Viel Mühe wird uns der Kampf gegen die Rassen» und Farbenunterschiede und für die Organi- sation der Arbeiter nach Industriezweigen kosten. Einig« Erfolge hatten wir zwar in den letzten zwei Jahren zu verzeichnen gehabt; der weiße Arbeiter beginnt die Klassensolidarität mit den Einge- borenen anzuerkennen. Diese gewannen Vertrauen zu den weißen Arbeitern, besonders während der großen Streiks von 1913 und 1914, und die Vorurteile beginnen zu schwinden. Derselbe Einfluß ging von dem eben beendigten Streik der Kaffern aus, wobei diese sich europäische Kampfmethoden angeeignet haben. Aber es bleibt noch viel zu tun. Der aristokratische Dünkel der weißen Arbeiterschaft trug viel dazu bei. daß die patriotischen Schreier einen ihnen so günstigen Boden gesunden haben. Ich erwähne das alles nur flüchtig, um zu zeigen, was für schwere Probleme unS im Klassenkampfe hindern und ebenso, um der europäischen Arbeiterklasse zu zeigen, daß wir vor nichts zurück- schrecken, um der Solidarität der Arbeiterklasse eine feste Grund- läge zu geben._

Das tägliche örot. Die Ernährungsfragen im preustischen Landtag. Der verstärkte Staatshaushaltsausschuß des preußischen Ab» geordlietenhauseS hat die Beratung über die Ernährungsfragen be- endet und unter anderem beschlossen, daß der Ueberschuß an Hinter- korn den Ablieferungskommunalverbänden zur Verteilung überlassen, daß die Gewinnung von Torfstreu möglichst gefördert werden soll, daß die Kriegsgesellschaften mit möglichst niedrigen verwaltungs- ausgaben zu arbeiten haben. Ein weiterer Beschluß geht dahin, daß in den TeuemngSauSschllssen und PreiSprüfungSstellen der größeren Gemeinden die Verbraucher stärker vertreten sein sollen und daß bei der Genehmigung von Hausschlachtungen auf die vor­handenen Fleischbestände Rücksicht zu nehmen ist. Abgelehnt wurden Anträge, wonach daS Kriegsernährungsamt alle ErnährUngS- Verordnungen allein und ausschließlich bearbeiten, die Bestands- aufnahm« der Fleischvorräte sich auch auf die lediglich für den Haushalt des Eigentümers bestimmten Mengen erstrecken und bei ihrer Heranziehung auf die jeweiligen wirtschaftlichen Bedürfnisse volle Rücksicht genommen werden soll. DaS Plenum des Abgeordnetenhauses wird sich am Donnerstag mit den Ernährungsfragen zu beschäftigen haben. Anfrage»ach verdorbenem Roggen. Die ZentrumSsraktion hat in der bayerischen Kammer der Ab- geordneten folgende Interpellation eingebracht: Ist dem KriegSmimsterium bekannt, daß im Laufe der letzten Monate durch die ReichSgetreidestclle für die Bedürfnisse der Militär-

berwaliung bayerischen Mühlen inländischer Mahlroggen aus der- schiedenen norddeutschen Erzeugungsgebieten überwiesen wurde, der vollständig verdorben und sür Zwecke der menschlichen Ernährung gänzlich untauglich war? Sind diese Roggcnmcngen der Reichs- getreidestelle wieder zur Verfügung gestellt worden, oder wurden sie trotzdem den Mühlen zur Vermahlung überwiesen?" Kommunale Maffenspeisung. Ter Gedanke, der Massenspeisung den Charakter der Kriegs. Wohltätigkeit zu nehmen und sie zu einer Waffe im Aushungerungs- krieg umzuschmieden, wird bereits von einzelnen Gemeinden in die Tat umgesetzt. So hat die Stadtverwaltung von Hannover beschlossen, in Schulen und anderen geeigneten Räumen Großküchen einzu- richten, in denen jeder Speisen gegen angemessene Bezahlung er- halten kann. Mit der Errichtung der Großküchen ist bereits be- gönnen worden. Düsseldorf plant die Vergrößerung seiner ebenfalls schon seit Kriegsbeginn bestehenden Schul- und Kriegsküchen. Im August 1914 wurden diese stark benutzt. Ter Besuch ließ aber bald wieder nach und stieg erst in der letzten Zeit, so daß setzt werktäglich etwa 5000 Dreiviertelliterportionen Gerichte abgegeben werden, den Schulküchen werden die Kinder, die bedürftigen unentgeltlich, an Ort und stelle gespeist. Eine erhebliche Erweiterung dieser Speise- gelegenheiten soll nun durchgeführt werden. Man hofft in drei bis vier Wochen das Drei, bis Vierfache und nach Bedarf mehr leisten zu können. Der Bezug der Speisen soll aber vorläufig noch auf den bedürftigen Teil der Bevölkerung beschränkt bleiben, da erst abgewartet werden soll, ob die technischen Voraussetzungen für eine allgemeine Massenspeisung durchführbar sein werden. In- folgedessen betont der Düsseldorfer Magistrat, daß die bestehenden Speiseanstalten der industriellen Werke usw., wie auch die Einkaufs- und Verkaussgenossenschaften auf alle Fälle ihren Betrieb aufrecht- erhalten und erweitern sollen.

Laub als Viehfutter. Der KriegSausschuß für Konsumenteninteressen bringt in der neuesten Nummer seinerVerbrauchswirtschaft im Kriege" folgende Mahnung: Em Hintermann derNordd. Allg. Ztg." erktärt, daß die Re« gicrung nicht imstande sei. die vaterländischen Nahrungsmengen zu vermehren. Wir verweisen demgegenüber auf die Lcrubfütterung! Eine Ernte von Viebfutter, größtenteils Kraftfutter, hängt an den Bäumen: ihre Masse ist über alle Schätzbarkeit groß. Wir bemühen unS seit langem, die Einbringung dieser Ernte zu sichern. Der Erfolg ist bisher ausgeblieben, denn es handelt sich darum, das Schneiden des Laubes zu befehlen. Ohne staatlichen Zwang wird nur hier und da Laub geerntet werden. Dem Haushaltungsausschuß hat die Re- gierung zwar erklärt, daßdie Laubfütterung organisiert wird". Aber wir fürchten, daß man nur die Förderung der Freiwilligkeit und Ein- ficht zur Laubfütterung organisiert. Das wäre ganz unzulänglich. Bei der vorgerückten Jahreszeit ist es dringend nötig, daß endlich die Regierungsverordnung zum schneiden des Laubes erlassen wird. Das Laub ist ja außerordentlich nahrhaft, ein Baum ist eine drei- dimensionale Wiese, welche Eitveißnahrung und ftickstoffreie Nahrung in Menge bietet. Manches Banmlaub ist als Kleefutter anzusprechen. z. B. das der sogenannten Akazie, der Robinie, welche jetzt mit weißen Blütentranben behangen ist. Gerade dieses Laub ist auch ein kräf­tiges Hühnerfutter. Die abgefallenen Blüten werden vom Geflügel mit Eifer aufgepickt, sie schmecken den Tieren wahrscheinlich süß, wie uns die Blüten riechen; sie sind ein Kükensutter. Und so fort! So ist das ganze Reich der Laubhölzer. Es wäre ein Fehler, der nicht gut zu machen und zu verzeihen ist, wenn die Regierung das einzig wirk- same Mittel zur Benutzung der Futtermenge, welche der Mai uns geschenkt hat, nicht anwenden wollte, nämlich die z Iv i n g c n d c Verordnung: jeden Baum zu scheren!" Tabak statt Nahrungsmittel. DerBadischs Beobachter" berichtet im Handelsteil seiner Nr. 2S5 unter der Ueberschrift..Tabak":Das Auspflanzen der Tabaksetzlinge auf das Feld ist fast überall beendet, und es zeigt sich nun, daß der Anbau zum Teil wesentlich zunahm. Die Aus- nahmcfähigkeit des Marktes war gut, das Angebot sehr begrenzt. Für Hardter 1915er Umblätter wurden 250 M. der Zentner tranjit verlangt. Für Rippen forderte man 125 135 M. sür den Zentner, je nach Beschaffenheit bzw. Herkunft." Lebensmittelaufkanf durch Soldaten. Es war vor einiger Zeit im Bereiche des VII. Armeslorps viel darüber geklagt worden, daß sich die LebenSmittelaufläufer oft der Vermittlung von Militärpcrsonen bedienten und so leicht zu ihrem Ziel kämen. Das Generalkommando zu Münster hat nun den Heeres- angehörigen verboten, über ihren eigenen Bedarf hinaus LebenS- mittel zu kaufen.__ Letzte Nachrichten. Zum Tode Kitcheners. London , ff. Juni.(W. T. B.)(Akeldung des Reuterschen Bureaus.) Amtlich. Kitchener hatte nur den ihm Person- lich zugeteilten Stab mit sich, sowie einen Beamten des AuS- wärtigen Amts und zwei Vertreter des Munitions- Ministeriums. ch London , 6. Juni. (W.T.B.) Am t l i ch e Me I d u n g. Lord Kitchener befand sich auf Einladung des Zaren und im Auftrage der britischen Regierung auf dem Wege nach Ruß- land, um Gelegenheit zu nehmen, wichtige militärische und Finanzfragen zu besprechen. Der Tod Kitcheners verursachte in den Kreisen der City große Sensation, hatte aber keine besondere Wirkung aus die Börse. Die baltische Börse wurde beim Empfang der Nach- richt für den Rest des Tages geschlossen.

Generalstreik in Norwegen . Kristiania , 6. Juni. lW. T. B.) Nachdem im Cdelstinz cm Bormittag die Regierungsvorlage über das obligatorische SchicdS- gericht in dem bestehenden großen Arbeiterkonflikt mit alle» Stim- men gegen die der Sozialdemokraten angenommen war, haben die Vertreter sämtlicher Gewerkschaften und daS Sekretariat als P r o- te st gegen die Gefetzesvorlage die Arbeitsein- st e l l u n g in allen von dem Arbcitgeberverband am 18. Mai mit Sperre bedrohten Betrieben im ganzen Lande beschlossen. Tie Einstellung der Arbeit erfolgt heute abend. Ferner ist beschlossen worden, daß alle ohne Kündigungsfrist eingestellten Arbeiter heute abend gleichfalls die Arbeit einstellen. In den Betrieben, wo mit Kündigungsfrist gearbeitet wird, sollen die der Landcsorganisation angehörenden Arbeiter das ArbeitSver- hältnis sofort kündigen. Die Einstellung der Arbeit gilt auch sür staatliche und kommunale Betriebe.

Gesunkcuer Dampfer. London , 6. Juni. (W. T. B.) Lloyds meldet, daß der vor- wegische DampferS i g r u n o n e", der von London nach Amster- dam unterwegs war, dicht bei der Themsemünduna gesunken ist. Die Besatzung wurde in Sheerneß gelandet. Der Koch ist ertrunken,