Mr. 263. 33. Jahrgang.
Chronik des Weltkrieges.
24. September 1914.
Auf dem westlichen Kriegsschauplatz dauern die Operationen ohne Entscheidung fort.
Auch auf dem östlichen Kriegsschauplatz haben sich wichtige Kampfhandlungen nicht abgespielt.
24. September 1915.
Auf dem westlichen Kriegsschauplatz Artillerietätigkeit. Im Osten Kämpfe bei Dünaburg , bei denen 1000 Gefangene gemacht wurden. Auf anderen Teilen der Ostfront wurden russische Angriffe zurückgewiesen.
Dritter Tag der Reichskonferenz.
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Die Reichskonferenz mißbilligt das Sondervorgehen eines Teils der Fraktion, das zur Abspaltung von der Gesamtfrattion geführt hat und den Zusammenhalt der Partei auf das schwerste gefährdet."
( Angenommen mit 218 gegen 3 Stimmen, bei 3 Enthaltungen. Die 98 anwesenden Reichstagsabgeordneten nahmen an dieser Abstimmung über die parlamentarische Taktik nicht teil.) Robert Schmidt , Dr. Lensch, Timm, Beinert, Auer, Folgende u. a. von Heine, Schöpflin, Gradnauer, Keil, Sachse, Meerfeld , Bod, Kolb unterzeichnete Entschließung wurde ohne Gegenstimmen angenommen:
" Die Konferenz verurteilt die Ausnutzung des Kriegszustandes zur Unterdrückung politischer Meinungsäußerungen, insbesondere die Handhabung der Zensur und die Verhaftungen aus politischen Gründen. Sie bedauert die Verurteilung Liebknechts und die gegen ihn ausgesprochene Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. So entschieden sie die Gemeinschaft mit Liebknechts Anschauungen und Handlungen ablehnt, ist sie doch der Ueberzeugung, daß er keineswege aus unehrenhaften Gründen gehandelt hat.
Angenommen wurden darauf folgende Anträge: Meerfeld Berlin, 23. September 1916. und Genossen, auf Verurteilung gehässiger Kampfesweise, insbeDie am Sonnabendvormittag fortgesetzte Aussprache über die sondere durch anonyme Flugschriften der Opposition, auf VerReferate nahm den größten Teil der Vormittagssitung in An- wahrung gegen die unbefugte und ungerechtfertigte Aberkennung sprach. Es sprachen noch für die Mehrheit: Sinder- der Eigenschaft als Vertreter der sozialdemokratischen Partei gegenmann- Dresden , Dr. Quard- Frankfurt a. M., Noske - über dem Genossen Wilh. Blos durch die Braunschweiger WahlkreisChemnitz, Meerfeldt- Köln, Winnig- Hamburg, 2öbetonferenz vom 27. August dieses Jahres; diesen Zuständen gegenBreslau; Landsberg - Magdeburg ; für die Minderheit: über erinnert die Reichskonferenz an den auf Antrag August Bebels Dittmann Solingen, Ströbel- Berlin , edebour Berlin , auf dem Erfurter Parteitag 1891 einstimmig gefaßten Beschluß, Vogtherr- Stettin, daß Wahrheit, Recht und Sitte die Richtschnur für das Verhalten Stadthagen Berlin , Limberb Effen. Ein Schlußantrag beendete die Aussprache, in deren Ver- der Parteigenossen zu sein haben. lauf außer der bereits mitgeteilten Resolution David noch eine große Anzahl von Anträgen einliefen, über die am Schluß berichtet wird. Darauf begannen die Schlußworte, und zwar in um= gekehrter Reihenfolge der Referate, so daß zunächst käte Dunder das Wort erhielt. Die Nachmittagssigung begann mit dem Schlußwort Haases, dem Scheidemann folgte, während Ebert auf sein Schlußwort verzichtete. Darauf kam die Konferenz zur Abstimmung. Zunächst wurde ein Antrag Haase und Genossen:
Robert Schmidt und Genossen, auf allgemeine erab= feßung der höchstpreise und eine Organisation in der Verteilung, die das kapitalistische Interesse ausschaltet und im Intereffe des Gemeinwohls Staat und Gemeinden in den Dienst der Lebensmittelversorgung stellt, die Konferenz bekundet ihre Uebereinstimmung mit den Forderungen des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion in der Nahrungsmittelversorgung und empfiehlt energische Fortsetzung dieser Politik;
zeitung" und die„ Berliner Neuesten Nachrichten", die das Auswärtige Amt angriffen, und schreibt dann:
" Was hier von der Gefolgschaft des Auswärtigen Amtes behauptet wird, das könnte man umgekehrt mit genau demfelben Rechte von einer gewissen Clique sagen, die sich den Anschein besonders guter Beziehungen zu Herrn v. Tirpik geben wollte.... Nicht der Großadmiral ist in seinen Angaben von denen seines Nachfolgers abgewichen, selbstverständlich nicht, aber die sogenannten Tirpigianer haben mit phantastischen Zahlen und mit aller. lei sonstigen Phantasien ausgiebig um sich geworfen.... Daß der Name des Großadmirals v. Tirpik in diese Atmosphäre von Erfindungen und Entstellungen hineingezogen worden ist, bleibt tief bedauerlich. Ein Teil aber der Schuld daran tragen Leute, die sich als feine ganz besonderen Freunde ausgegeben haben."
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Unter einem anderen Gesichtspunkte geht der Zentrumspolitiker Dr. Julius Bache m im ,, Tag" an die Streitfragen heran, wobei es ihm gelingt, den Kern der Sache aus dem angehäuften Wust herauszuschälen. „ Gewiß schreibt er bei sehr vielen, welche sich an der Fronde gegen die gegenwärtige verantwortliche Leitung der Reichsgeschäfte beteiligen, ist ehrliche patriotische Besorgnis im Hinblick auf den Weltkrieg die Triebfeder; aber bei manchen spricht die Furcht vor einer den eigenen Parteiinteressen abträglichen innerpolitischen Neuorientierung nach dem Kriege erheblich mit.
Ich weiß sehr wohl, daß nicht nur in der konservativen und der nationalliberalen Partei jene Fronde besteht, sondern daß auch gewisse Kreise der Zentrumspartei der gegenwärtigen verantwortlichen Reichsleitung nicht nur skeptisch, sondern geradezu abgeneigt gegenüberstehen im Gegensatz allerdings zu der Reichstagsfraktion des Zentrums, welche eine ganz unzweideutige, wie mir scheint, vorbildliche Haltung eingenommen hat. Besonders scheint in Süddeutschland , in erster Reihe in Bayern , in gewissen Kreisen viel Verstimmung gegen den Reichskanzler zu herrschen. Ein bayerisches Zentrumsblatt hat nun neuerdings bei den bezüglichen Auseinanderseßungen die Stellung der Zen trumspartei , gewissermaßen ausgleichend, auf die Formel bringen zu können geglaubt: Nicht stürzen, aber auch nicht stützen!" Beims und Genossen, auf daß die Reichstagsfraktion in der Demgegenüber hält Dr. Bachem es für die Aufgabe des ,, Wohlverstanden: im kommenden Tagung auf Erhöhung der Reichstriegs- Zentrums, den Kanzler zu stüßen. unterstübung in notwendiger Höhe hinwirke. gegenwärtigen Augenblick, ohne daß man sich deswegen auf Dr. Quard und Genossen, auf fortschreitende De- eine spätere Zukunft festzulegen brauchte." Dazu sei keine mokratisierung der Verfassung, der inneren und äuße- Partei in der Lage; erstens, weil die künftige Politik des Verwaltung, des Steuerwesens und der Schule, Einführung Kanzlers unbekannt sei, dann aber auch weil in allen Pardes allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für teien eine starke Gärung und ein Durcheinander von AnDarauf erklärten die beiden Oppositionsgruppen, sich an den alle Bundesstaaten und Gemeinden, Befreiung des Vereins- und schauungen herrscht. weiteren Abstimmungen nicht zu beteiligen. Koalitionsrechts von allen politischen und landesgefeßlichen Fesseln. Darauf wurde mit 251 gegen 5 Stimmen folgendes von Dr. Bei der Ueberführung der Kriegs- in die Friedenswirtschaft muß David und Genoffen eingebrachtes Manifest zur Friedens entscheidende Mitwirkung der Arbeiter. und Angestelltenorgani= frage von der Konferenz beschlossen( 15 Stimmen waren un- sationen, beim Ausbau der Arbeitsvermittelung und Arbeitslosengültig): versicherung, bei volkstümlicher Umgestaltung des Vertrags- und
Da die Reichskonferenz nach dem Organisationsstatut der Bartei keine Berechtigung hat, über sachliche Anträge zu beschließen, beantragen wir: eine Beschlußfassung über sachliche Antrage ist abzulehnen",
in namentlicher Abstimmung mit 275 gegen 168 Stimmen abren
gelehnt.
„ Die Reichskonferenz der Sozialdemokratischen Partei Tarifrechts zugunsten der heimkehrenden Krieger, bei Versorgung Deutschlands anerkennt die Pflicht der Landesverteidigung. In der Opfer des Krieges, zur besseren Entlohnung der Frauenarbeit der Ueberzeugung, daß nur durch entschlossenes Zusammenstehen und bei Wiederherstellung und Verbesserung des Arbeiterschutzes. in diesem Kampfe gegen eine Welt von Feinden das Deutsche Die Reichskonferenz fordert die deutsche Arbeiterklasse auf, sich zur Reich vor Zerstüdelung, vor politischer und wirtschaftlicher Knebe- Durchführung dieser Aufgaben einheitlich und unter Zurüdweisung lung bewahrt werden kann, hat die Sozialdemokratie sich zu Be- aller Zersplitterungsbestrebungen tatkräftig hinter die sozialdemoginn des Krieges in Reih und Glied mit der Gesamtheit des deut- tratische Partei zu stellen. schen Volkes gestellt. Noch immer ist dieser Krieg für Deutsch - Dem Parteivorstand überwiesen wird der Antrag land ein Verteidigungskrieg, noch immer gilt es, schwere Gefahren, die unserem Lande drohen und die die Arbeiterschaft nicht München auf Einberufung einer Konferenz mit den Landtagszuleht treffen würden, abzuwehren. und Gemeindefraktionen zur Aussprache über Erfahrungen auf dem Gebiet der Volksernährung und zur Einleitung einheitlicher Aktionen zur Besserung, sowie auf erhöhte Reichszuschüsse an die Gemeinden.
Wir danken unseren Brüdern im Felde, die auf allen Fronten dem Ansturm feindlicher Uebermacht todesmutig stand halten. Die Sozialdemokratie ist nach wie vor entschlossen, auszuharren in der Berteidigung unseres Landes, bis die Gegner zu einem Frieden
Dann aber liegt auch kein stichhaltiger Grund vor, den Kanzler wegen seiner bisherigen Haltung zu den Kriegsfragen mit offenen oder versteckten Mißtrauensvoten zu bedenken. Was hätte er denn anderes tun sollen, als er getan hat? Es gibt ja zweifellos Befferwisser; aber diese haben außer Behauptungen und starken Worten doch noch kaum etwas aufbringen können und werden stets in Verlegenheit geraten, wenn man sie ganz fonkret fragt: Wer soll denn nun an die Stelle v. Bethmanns im gegenwärtigen Augenblic treten, und welche Haltung soll dieser neue Mann in den entscheidenden Kriegsfragen einnehmen? Seid ihr eurer Sache auch so ganz sicher, und worauf beruht eventivell eure Sicherheit?" Die politischen Gruppen, an die diese Fragen gerichtet find, haben sich zu ihnen noch nicht geäußert. Wer aber die Organe der Fronde" und insbesondere ihre Denkschriftenliteratur bis in die letzte Zeit verfolgt hat, kann nicht im Zweifel sein, wie die Antwort auf diese Fragen ausfallen würde. Daran dürfte auch Herr Dr. Bachem kaum zweifeln, nachdem selbst die„ Germania " das bekümmerte Geständnis machen mußte, daß Leute, die vor dem Krieg behaupteten, im Alleinbesitz der nationalen Tugenden zu sein, es für ihre erste Sorge ansehen, daß ein Kanglerwechsel eintritt, und für ihre zweite, daß wir England niederwerfen. Diese Erscheinungen sind ein trauriges Armutszeugnis der politischen Ünreife unseres Wolfes", bemerkt hierzu das Blatt. Richtiger wäre hier freilich gewesen, von der politischen Unreife" jener Oberschichten zu sprechen, die sich noch heute anmaßen, im Namen des Volkes über seine Köpfe himveg sein Geschick zu bestimmen.
Alldeutscher Jammer.
Gleichfalls dem Parteivorstand überwiesen wird der Antrag bereit sind, der die politische Unabhängigkeit, die territoriale Un- Dr. Adolf Braun- Nürnberg und Genossen auf Einsetzung einer bersehrtheit und die wirtschaftliche Entwickelungsfreiheit Deutsch lands gewährleistet. Sie weist alle gegen das Deutsche Reich und neungliedrigen Kommission unter Berücksichtigung der wichtigsten seine Verbündeten gerichteten Vernichtungs- und Goberungsziele Strömungen in der sozialdemokratischen Partei zur Ausarbeitung der feindlichen Mächte zurück. Ebenso entschlossen aber wendet von Gutachten und selbständigen Gesezentwürfen über die Maßfich die Sozialdemokratie auch gegen die Treibereien und Forde- regeln, die im Interesse der Arbeiter beim Uebergang in den rungen derer, die dem Krieg den Charakter eines deutschen Er- Friedenszustand und die Friedenswirtschaft zu treffen sind. oberungskrieges geben wollen. Sie verwirft grundsäßlich diese Vor der Abstimmung hatten die Genossen Schneider, Imhold, Politik und verurteilt sie auch deshalb aufs schärfste, weil sie den Stein, Thielmann, Scherffig, Schmidt- Meißen, Antrick, Hoch, Widerstand der gegen uns kriegführenden Mächte stärkt, die Be-. Simon, 2. Emmel, Hüttmann, Brandes, Fuchs, Albrecht, Raute, strebungen der Kriegstreiber im Auslande fördert und so zur Edm. Fischer, Mich. Hirl, Kurt Eisner , Peirotes, Limberg, Budde, Verlängerung des Krieges beiträgt. Die Sozialdemokratie stellt die Wahrnehmung der Interessen Kräßig, Dill, Trummert, Gottl. Stard, Redelmeier, Hörschmann, und Rechte des eigenen Voltes beim Friedensschluß an die Spitze Klement, Hoffmann- Kaiserslautern , Giermann, Kugel, Panzer, ihrer Kriegszielforderungen. Sie fordert aber auch die Beachtung Adolf Braun , Erdmann, Ewald die Erklärung zur Kenntnis der Lebensinteressen der anderen Völker in der Ueberzeugung, gegeben, daß Richtung gebende Beschlüsse dem Wesen der Parteidaß nur ein solcher Friede die Gewähr der Dauer in fich trägt konferenz und der Auffassung weitester Parteitreise widersprechen, Die Sozialdemokratie tritt für alles ein, was geeignet ist, die daß Resolutionen, wie die von Auer und Dr. David zur Bindung europäischen Staaten auf den Weg zu einer engeren Rechts-, neuerWirtschafts- und Kulturgemeinschaft zu führen. Das Ideal eines der Parteigenossen ausgenutzt werden können, daß fie die Partei dauernd gesicherten Weltfriedens bleibt der Leitstern ihrer Politik. Der Einheit und Geschlossenheit nicht entgegenführen würden, und Getreu dieser grundsäßlichen Auffassung, hat die deutsche daß deshalb diese Genossen trop mannigfacher Verschiedenheiten Sozialdemokratie ihre Friedensbereitschaft während des Krieges ihrer Anschauungen die Teilnahme an der Abstimmung über befundet und bestätigt. Die Reichskonferenz bedauert, daß diese diese Resolution ablehnen.
Bemühungen bei den Gegnern nicht den erhofften Widerhall ge= Die Konferenz beschließt, daß der Parteipresse der vom Bureau funden haben. Nicht nur daß die leitenden Staatsmänner der hergestellte Bericht zuzustellen ist. feindlichen Mächte jeden Gedanken an Frieden bis jetzt schroff In seiner Schlußrede mahnte Ebert zur Einigkeit. Die zurückgewiesen und mit Zerschmetterungs- und Eroberungs- Meinungsverschiedenheiten seien nicht so groß, um die Einigkeit brohungen beantwortet haben, auch die offiziellen Vertreter der französischen Sozialdemokratie und der englischen Arbeiterpartei unmöglich zu machen. haben sich in dem gleichen friedensfeindlichen Sinne immer wieder ausgesprochen. Den für die Weigerung eines Zusammenkommens mit uns angeführten Grund, die deutsche Sozialdemokratie mache sich dadurch, daß sie zu ihrem Lande steht, zur Mitschuldigen an einem angeblichen Ueberfall Deutschlands auf Rußland und Frankreich ", weisen wir mit aller Entschiedenheit zurüd, denn Deutschland war infolge der allgemeinen Mobilmachung Ruß lands vom 31. Juli 1914 aufs schwerste bedroht.
Politische Uebersicht.
Vom inneren Kriegsschauplah.
Der gestern von uns gekennzeichnete innerpolitische Rampf geht unverdrossen weiter. Während die rechtsstehende Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß die gemeinsamen Bresse über die„ Giftmischer" loszieht und auch sonst alle wirtschaftlichen und kulturellen Interessen der arbeitenden Volks- Minen springen läßt, versucht der zum Reichskanzler haltende masse aller Länder auch in Zukunft den Kampf gegen kapita- Teil der freisinnigen, nationalliberalen und Zentrumslistische Ausbeutung und Unterdrückung in enger Fühlungnahme miteinander führen müssen, halten wir den Wiederaufbau einer Presse die blindwütige Fronde zur Vernunft zu bringen. So arbeits- und kampfstarken sozialistischen Internationale für not- schreibt die Magdeburgische Zeitung", ein früheres wendig. Die Reichskonferenz billigt darum das Bestreben der nationalliberales Blatt, dem enge Beziehungen zur Wilhelmdeutschen Parteileitung, die zerrissenen Fäden wieder zu knüpfen. straße nachgesagt werden: Indem die deutsche Sozialdemokratie die Verantwortung für die Verlängerung dieses Krieges mit seinen unermeßlichen Opfern an Menschenleben und Kulturgütern denen zuschiebt, die sich einem baldigen Frieden widerseßen, spricht sie die Hoffnung aus, daß in allen beteiligten Ländern ein wachsender Wille der breiten Boltsmassen auf Beendigung des furchtbaren Blutvergießens sich durchsetzt.
Von der deutschen Regierung aber fordert fie, daß sie unausgesetzt bemüht ist, dem Kriege ein Ende zu machen und dem Volte den langerjehnten Frieden wiederzugeben."
Es folgte die Abstimmung über den Antrag Auer. München und Genossen:
" Die Reichskonferens billigt die Bewilligung der Kriegskredite durch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion.
„ Es scheint, daß alle jene jetzt so sehr empörten Herrschaften gar kein Gedächtnis dafür haben, daß wir dasselbe schon einmal erlebt haben und daß sie damals abgelehnt haben, sich zu entrüsten. Die, die heute mit lebhafter Zustimmung von der Flucht des Herrn v. Tirpitz in die Oeffentlichkeit reden, haben seinerzeit bei der Flucht des Reichskanzlers in die Oeffentlichkeit verlegen oder frostig erklärt, die Sache sei ja aufgebauscht. Wer damals auf das inner- und außerpolitische Gefährliche solcher Vorgänge hinwies, der wurde bekämpft oder ermahnt, sich doch nicht über Dinge aufzuregen, die eigentlich ganz natürlich und nur in einzelnen Auswüchsen vielleicht verwerflich wären. Es handelte fich ja eben nur" um den Kanzler des Deutschen Reiches , was lag baran! Tirpit aber, ja das ist ganz etwas anderes!" Das Blatt wendet sich dann gegen die Deutsche Tages-.
Die Berliner Neuesten Nachrichten" bringen unter der bezeichnenden Ueberschrift, Wer stößt in RoIands Horn?" einen Hilferuf vor dem zwölften Glockenschlag", der sich schon durch seine Verstiegenheit von selbst erledigt. Immerhin ist sein Inhalt bezeichnend für die Stimmung jener alldeutsch - konservativen Kreise, die neuerdings wieder eine fieberhafte Tätigkeit entfalten. Der Artikel lagt die deutsche Diplomatie der Untätigkeit an und richtet folgenden Appell an den Reichskanzler:
" Ratlos fragen wir noch einmal bei dem Herrn Reichs. tanzler an: Db das Deutsche Reich und Volt nicht zu schade ist, daß man dergestalt mit sehenden Augen das Schiff feiner Zukunft in einen vernichtenden Taifun treiben lassen darf. Denn das Zweite ist ja auch klar: daß, wenn erst einmal alle neutralen Staaten um uns herum wirtschaftlich dent englischen Konzern zwangeweise angeschlossen sein würden, der politische Anschluß zum Zweck beschleunigter Beendigung des verzehrenden Weltkriegs iehr nabe läge. Die„ Norddeutsche Allgemeine Beitung" folgerte gestern abend aus dem bekannten haßerfüllten Aufsatz der englischen„ National Review" des Herrn Magse mit seinen Büchtigungs" Plänen wider das friegführende Deutschland : Daß wir durch halten müßten bis zum bitteren Ende". Der Aufsatz war offenbar vor allem für die Beratungen der sozialdemokratischen Reichs. tonferenz und zur Unterstützung der Scheide mann Gruppe geschrieben.(!) Obwohl auch wir der Scheidemann - Gruppe von Herzen den Sieg wünschen, müssen wir doch hervorheben, daß zu Zwecken der inneren Bolitik die Nordd. Allg. 8tg." wohl einmal sich en g lischer Haß Artikel annimmt. Wo bleiben aber die drängenden Interessen der auswärtigen Politik? Und daneben werfen wir die Frage auf: Ist es denn nicht die Pflicht der deutschen Reichsregierung, nachdem ihr das deutsche Volk Gaben und Opfer, fast über Menschenverstehen, zum Kampf gegen den Feind dargereicht hat, dics tapfere, treue, opfer- und todesfrohe, vom Herrn Reichskanzler felber in einer innerpolitischen Debatte hoch gelobte Wolf aufzurufen zu einem, fiegreichen Ende", anstatt zu einem, bitteren Ende"? Nach einem weiteren Appell an den Kaiser und die deutschen Bundesfürsten, an die Minister aller Bundesstaaten, an die Generalität und Admiralität" schließt der Artikel:
280 immer in deutschen Landen auswärtige Bolitik ber ftanden, erkannt, mit geidbultem Blid verfolgt oder mit natür licher Empfindung ergriffen wird, da steigt zu jeder Stunde, bei Tage und bei Nacht, aus Hunderttausenden von vaterlandstreuen