erschütterlich ständen die bulgarischen und türkischen Truppen mit den Heeren Deutschlands und Desterreichs in entschlossener Abwehr zusammen.
Ebenso feien die Siegeshoffnungen der Entente an der West- und Ostfront zusammengebrochen. Im Westen habe der tapfer anstürmende Feind einige Erfolge errungen, aber die deutsche Front sei nicht durchstoßen, sie troge unbesiegbar allen Anstürmen, ebenso wie im Osten die Heere Rußlands an der unzerbrechlichen deutsch - österreichisch - türkischen Front zerschellten.
So führe Deutschland gemeinsam mit seinen Verbündeten den Verteidigungs frieg, wie es ihn von Anbeginn an verstanden habc. Nicht Deutschland mute seinen Gegnern Unbilliges zu. Es habe seine Friedensbedingungen durch seinen, des Kanglers, Munde wiederholt ausgesprochen und habe dem nichts hinzuzufügen. Es sei keineswegs Gegner eines dauernden Friedens und bereit, diesen Frieden durch internationale Verständigungen und Abmachungen zu einem wahrhaft dauernden zu gestalten. Aber Deutschlands Gegner wünschten Deutschland militärisch, politisch und wirtschaftlich niederzuringen, führten den Krieg als Eroberungskrieg. Rußland wolle Konstantinopel erobern, Rumänien Siebenbürgen , Italien das Trentino und Dalmatien , Frankreich Elsaß- Lothringen . Demgegenüber gebe es nur den Krieg bis zum Siege, an dem Deutschland nicht zweifle. Deutschland dente auch nicht daran, in die innerpolitischen Verhältnisse anderer Länder eingreifen zu vollen: ob Rußland autokratisch oder konstitutionell regiert werde, fümmere Deutschland nicht. Wohl aber habe Deutschland die Pflicht, seinen unerbittlichsten Gegner, der seine Verbündeten zum äußersten Straftaufwand anjporne, England, mit allen Mitteln niederDer deutsche Staatsmann, dem man mit Recht zuringen. nachsagen könne, daß er aus veralteten Verständigungsrücksichten, aus Schonung für England, nicht alle Striegsmittel gegen diesen Hauptgegner schonungslos anwende, verdiene gehenft zu werden!
Diese Ausführungen des Reichskanzlers erklären zur Genüge die laue und gemischte Aufnahme seiner Rede. Es war eine Rede, von der die Parteien nicht recht wußten, was sie daraus machen sollten. Ein Programm voller Einschränkungen, Verhaltungen und Widersprüche. Halb Chamade, halb Fanfare. Halb Entgegenkommen, halb schroffe Abweisung. Eine Rede, die nichts Klares, Entscheidendes bringt, sondern alles im Nebel, im Untlaren läßt. Ganz im Stile des Nationalausschusses!
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Was Bethmann in schüchternen Andeutungen über Deutschlands Willen, einer europäischen Völkerverständigung und fünftigen internationalen Vereinbarungen nicht zu widerstreben, sagte, hätte noch einen Sinn gehabt, wenn er nicht früher Kriegsziele proklamiert gehabt hätte, die von der Post" und gleichgestimmten alldeutschen Blättern als unverfennbare Annäherung an den Standpunkt der Alldeutschen begrüßt worden waren und begrüßt werden mußten. Diesen Standpunkt fann man heute durch bloßes Schweigen unmöglich in Vergessenheit bringen. Man könnte ihn höchstens modifizieren durch ein klares, überall, im In- und Auslande, verständliches Befenntnis zu jener Politik der internationalen Ver. ständigung, das dem unabsehbaren Ringen um die„ Entscheidung" ein Ende zu bereiten vermöchte. Davon aber, daß der Reichskanzler sich auch nur einigermaßen unmißverständlich zu einem solchen Programm bekannt habe, fann ehrlicherweise gar teine Rede sein. Er ist nicht abgerückt von seinem früheren Kriegszielprogramm, hat sich mit allgemeinen, höchst vieldeutigen Wendungen begnügt.
Dazu kommt, daß er die vermeintlichen Kriegsziele der Gegner in einer Weise umschrieben hat, die zwar manchen prahlerischen Deflamationen gegnerischer Staatsmänner und Zerschmetterungspolitiker entspricht, die aber den Bekenntnissen gesunder politischer Vernunft nicht nur zahlreicher ernstzunehmender Politiker, sondern auch verantwortlicher gegnerischer Staatsmänner zuwiderläuft. Wollte man mit gleichem Maßstabe deutsche Kundgebungen von verantwortlicher und unverantwortlicher, aber einflußreicher Cette messen, so könnten jich Deutschlands Gegner mit demselbem Rechte darauf berufen, daß es gerade Deutschland sei, das eine Verständigung auf Grundlage der Vernunft, Billigkeit und des internationalen Interessenausgleichs verhindere. So kommt man jedenfalls um teinen Schritt weiter, wenn man nicht den Strieg bis zum„ bitteren Ende", sondern eine Verständigung anstrebt.
Krieg bis zum äußersten, Kampf bis zum Siege", wie jern und opferreich er immer sei oder Verständigung durch einen Ausgleich, der den vitalsten Interessen aller triegführenden Mächte Rechnung trägt- ein Drittes gibt es nicht!.
Wie der Reichstag sich dazu stellt, ist leider nicht in flare Erscheinung getreten. Bedenklich nur ist, daß der Kanzler nach einigen halben, schwer abwägbaren Bemerkungen über die deutsche Bereitwilligkeit zu internationalen Vereinbarungen, die im Reichstag eisernem Schweigen. begegneten, England als dem vermeintlichen Hauptgegner desto schonungsloseren Stampf ansagte, und damit den Alldeutschen in der bedenklichsten Weise Konzessionen machte!
Vielleicht wird die Debatte über seine Rede, die vermutlich erst in Wochenfrist folgen wird, größere Klarheit schaffen. Jedenfalls ist es die Pflicht der Sozialdemokratie, endlich einmal gründlich die ganze internationale Situation zu durchleuchten und an Stelle des unerträglichen HalbDunkels volle Klarheit zu schaffen!
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Auch über die innere Politik, die Frage der Neuorientierung, sprach der Kanzler. Aber auch hier blieb alles im Vagen und Dunklen. Herr v. Beth mann Hollweg schloß mit der Parole Freie Bahn für alle Tüchtigen, das ist die Losung." Damit ist wirklich schon garnichts gesagt. Weniger und Un deutlicheres fonnte schon gar nicht ausgesprochen werden. Auch das wird im Reichstag darzulegen sein.
Auch der 28. September bestätigt nur die in den Volksmassen lawinengleich wachsende Einsicht, daß das Schicksal der Nationen die Sache der Völker selbst sein muß, wenn nicht auch dies ungeheuerliche Geschichtserlebnis nur eine ungenügte Episode in der Entwicklung der Menschheit bleiben soll!
Meldung des Großen Hauptquartiers.
Amtlich. Großes Hauptquartier, 28. September 1916.( W. T. B.)
Weftlicher Kriegsschauplay. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. 3 wifchen Ancre und Somme haben die Engländer und Franzosen nach einem die bisherigen Erfahrungen fast noch übersteigenden Vorbereitungsfeuer ihre starten Angriffe erneuect. Auf dem größten Teile der Schlachtfront hat unsere durch die Artillerie und Flieger wirksam unterstügte unerschütterliche Infanterie unter den Befehlen der Generale Sigt von Arnim, von Huegel und von Schend den Feind siegreich abgeschlagen. Bei Thiepval und östlich von Eaucourt l'Abbaye ist der erbitterte Kampf noch nicht zum Abschluß gekommen. Besonders heftig waren die aus der Linie Morval- Voud; avesnes vorgetragenen Angriffe, die der Gegner ohne Rücksicht auf die bei einem ersten gänzlich gescheiterten Sturm erlittenen blutigen Verluste gegen Abend wiederholte; eingedrungene Abteilungen wurden sofort aus unserer Linie zurückgeworfen, in kleinen Stellungsteilen nordwestlich von Rancourt und östlich von Bouchavesnes vermochte sich der Gegner zu halten.
Unsere Flieger haben gestern sieben Flugzeuge, davon vier im Sommegebiet, abgeschossen.
Ein kleines über holländisches Gebiet angeflogenes und ebenso zurückgekehrtes feindliches Geschwader griff Aloft erfolglos an. Bei einem englischen Bombenangriff auf Brüssel wurden 15 Häuser zerstört, 13 Belgier getötet, 28 verwundet. Deftlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Schwächere russische Vorstöße an der Aa( westlich von Riga ) sowie zwischen Miadziol- und Narocz- See wurden leicht abgewiesen.
Die im Tagesbericht vom 22. September erwähnten verloren gegangenen Teile unserer Stellung bei Korytnica sind gestern durch einen voll gelungenen Gegenangriff der Truppen des Generals von der Marwis nach schwerem Kampfe wiedererobert und darüber hinaus noch Vorteile errungen. Alle Versuche des Feindes, uns wieder zurückzuwerfen, sind gescheitert. Das russische IV. Sib. Armeetorps hat nach den Meldungen unserer Truppen Verlufte erlitten, die einer Vernichtung des Korps nahetommen. 41 Offiziere, 2800 Mann sind gefangen in unsere Hand gefallen, ein Geschütz und 17 Maschinengewehre erbeutet.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Carl .
Zur Verbesserung der Stellung schoben wir westlich von Folw. Krasuolesie( zwischen Zlota Lipa und Narajowka) unsere Linien vor, nahmen 130 Ruffen gefangen und erbueteten 4 Maschinengewehre. Gegenstöße blieben ergebnislos.
In den Karpathen griff der Feind an verschiedenen Stellen an und ist zum Teil erst nach Nahkampf zurückgeschlagen. Nordöstlich von Kirlibaba sind Gegenangriffe noch im Gange.
An den Fronten keine Ereignisse von besonderer Bedeutung. Unsere Flieger warfen auf das von den letzten Angriffen noch au mehreren Stellen brennende Bukarest erneut eine große Zahl Bomben.
Der Erste Generalquartiermeister.
Ludendorff.
Der österreichische Generalstabsbericht.
Wien , 28. September 1916.( W. T. B.) Amtlich wird berlautbart:
Deftlicher Kriegsschauplah. Front gegen Rumänien .
Auf dem Bergrücken Tulisini westlich von Petroseny erbitterte Kämpfe. Lage bei Nagy Szeben ( Herannstadt) günstig. Rumänische Gegenstöße blieben ohne Erfolg.
An der siebenbürgischen Ostfront dauern im Raume von Szekely- Udvarhely ( Oderkellen) und südlich der Bistricioara- Höhe die Borpostengefechte an.
Front des Generals der Kavallerie Erz herzog Karl .
Südöstlich der Dreiländerecke, nördlich von Kirlibaba, im Ludowagebiet und nördlich des Tartarenpasses unternahm der Feind abermals vergebliche Angriffe. Südlich von Lipfica Dolna stießen deutsche Truppen erfolgreich vor; es wurden hundertdreißig Nuffen und vier Maschinengewehre eingebracht. Bei der Armee des Generalobersten von Tersztyanszky gewannen die Streitkräfte des Generals v. d. Marwitz den noch in Feindeshand gebliebenen lekten Teil der vor einer Woche verloren gegangenen Stellungen in erbitterten Kämpfen zurück. Der Feind erlitt außerordentlich schwere Verluste; er büßte einundvierzig Offiziere und zweitausendachthundert Mann an Gefangenen und ein Geschütz und siebzehn Maschinengewehre ein.
Italienischer Kriegsschauplatz. Reine besonderen Ereignisse.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
In Albanien nichts von Belang.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschalleutnant.
Ereignisse zur See.
Am 26. vormittags haben fünf feindliche Flugzeuge über Durz zahlreiche Bomben abgeworfen, ohne nennenswerten Schaden anzurichten. Zwei unserer Flugzeuge stiegen sofort zur Abwehr auf. Eines davon, Beobachter Seekadett Bartha, Führer Fliegerquartiermeister Haschke, zwang im Luftkampf ein feindliches Wasserflugzeug zum Niedergehen aufs Wasser, wo es von einem italienischen Zerstörer geborgen wurde, verfolgte ein zweites gegen Brindisi fliegendes Flugzeug, schoß es vierzig Meilen von der Küste ab und ließ sich neben dem zertrümmerten Flugzeug nieder. Der Beobachter, ein italienischer Seeoffizier, war tot, der Pilot durch Kopfschuß schwer verwundet. Letzterer wurde aus dem sinkenden Flugzeug in das eigene herübergerettet und nach Durz eingebracht.
Flottenkommando.
Zur Kriegslage.
Von Richard Gädke.
Berlin , 27. September. Berglichen mit den ersten achtzehn Tagen des Monats September, ist die Woche vom 18. bis 25. verhältnismäßig ruhig berlaufen. Die Kriegserklärung Rumäniens schien unsere Gegner zu neuen großen Anstrengungen aufzufordern, um dem Ginsaze beträchtlicher neuer Kräfte im Südosten seine volle Wirkung zu ermöglichen. Von allen Seiten gleichzeitig follte sich die Woge gegen die Mittelmächte heranwälzen, die Heranführung von Verstärkungen nach feiner Seite hin gestatten und dem rumänischen Heere freie Bahn auf dem Ballan verschaffen, unt Bulgarien rasch niederzuwerfen und die vor elf Monaten eröffnete Verbindung BerlinKonstantinopel erneut zu unterbrechen.
Am 3. September begann nach tagelangem Trommelfeuer die neue Sommeschlacht, die von kurzen Atempausen unterbrochen bis zum 18. September dauerte und erst vom 14. September an ihrem Höhepunkt zustrebte. In den letzten vier Tagen dieser Schlacht wurde der Angriff so erbittert wie nie zubor; die neuen Aushebungen der Engländer flossen immer reichlicher der vorderen Linie zu; die Franzosen , deren Versuche Hingebenden Heldenmutes nicht entbehrten, führten wahllos heran, was an Jünglingen und Greifen, an Schwächlingen und Farbigen irgend auf die Beine zu bringen war; immer mehr schwere Geschüße sandten immer stärkeren Eisenregen gegen die zerschossenen deutschen Schühengräben. Offenbar lag der entschlossene Wille vor, den Durchbruch um den Preis jeden Opfers zu erzwingen.
Nicht ganz die gleiche Stärke des Angriffes vermochten die Rufsen Brussilows im Südosten zu erreichen. Sie, deren Offensive bekanntlich einen Monat früher begonnen hatte als die der Engländer und Franzosen im Westen, litten augenscheinlich unter den furchtbaren Verlusten, mit denen sie ihre Anfangserfolge erkauft hatten. Weder die ausgeleierten Geschüzrohre, noch die ver schwenderisch vergeudeten Geschosse, noch die verhältnismäßig gut ausgebildeten Soldaten der Juniangriffe vermochten sie im September in genügendem Maße zu ersetzen. Wohl brachten sie noch Maffen genug auf die Beine, aber ihr triegerischer Schwung, ihre berufsmäßige Tüchtigkeit hatten sich sichtlich vermindert. Im September zeigte es sich, daß die Einheitlichkeit der Handlung sich bei unseren Gegnern doch nicht so hatte durchsetzen fönnen, wie sie es offenbar angestrebt hatten. Der, vielleicht mit Rücksicht auf die italienischen Hilferufe, um einen Monat verfrühte Angriff Brussilows ließ seine Kraft auch um einen Monat früher erlahmen.
Immerhin gingen seine Heere noch an den verschiedensten Stellen, westlich von Luck, zwischen oberer Strypa und Sereth , zwischen Zlota- Lipa und Nawajovska, in den Karpathen, mit breiten Angriffswellen und stellenweise mit großer Wucht gegen die Linien der verbündeten Heere vor. Oertliche und zeitliche Erfolge blieben ihnen nicht ganz versagt, aber sie waren ihnen so spärlich zugemessen und so wenig endgültig, daß sie, gegen die Siege der ersten Junihälfte gehalten, schon rein äußerlich als volle Mißerfolge erschienen. Die doppelte Absicht, einmal in Richtung auf Lemberg durchzustoßen und zweitens den Karpathenwall zu überwältigen, um den Rumänen die Hand zu reichen, Ungarn und Siebenbürgen zu überfluten, erwies sich als eine Selbsttäuschung. Indem sie ihren Heeren diese Doppelaufgabe stellten, überschätzten fie deren Kraft gegenüber der gründlich geänderten allgemeinen Lage ganz gewaltig.
Denn die Rechnung unserer Gegner, die am Ende des Sommers eine große Entscheidung erzwingen wollten, wies noch verschiedene andere Fehler auf. Die Rumänen, deren Beteiligung die Wendung des Krieges beschleunigen sollte, waren noch feines wegs ganz friegsbereit. Sie wandten sich außerdem mit der größeren Hälfte ihrer Streitfräfte nach Norden, um sich vor allen Dingen den Landgewinn zu sichern, der ihnen für ihren Abfall von der Sache der Mittelmächte versprochen war, verzettelten einen erheblichen anderen Teil zur Verteidigung der Donaugrenze und warfen mur 55 000 Mann in die Dobrudscha für den Angriffskrieg gegen Bulgarien , der ihren neuen Genossen als die Hauptsache erschienen war.
Damit fonnten fie freilich der Heeresleitung des Feldmarschalls Madensen ihren Willen nicht aufzwingen. Er ging seinerseits mit starten Kräften nach Norden vor, wie er gegen Ende des August bereits im Süden, an der mazedonischen Front, zum Angriff geschritten war und damit die Pläne des Generals Sarrail empfindlich durchkreuzt hatte. Dieser wurde auf beiden Flanken, im Osten an der Struma, im Westen bei Florina und am Ostrowo - See bedroht, und es ist seinen Gegenstößen bisher nicht gelungen, die volle Ellenbogenfreiheit zurückzugewinnen. Endlich waren die Griechen immer noch nicht genügend vergewaltigt; solange sie aber nicht ganz in der Hand des Vierverbandes waren, schien ein entschlossener Vorstoß nach Norden dem französischen Feldherrn allzu gewagt.
Demgegenüber gewann die deutsche Strategie den freien Ge brauch starker Streitkräfte, die bisher durch die zweifelhafte Haltung Rumäniens stille gelegt waren. Vielleicht erwies sich dieses Land in des Wortes vollster Bedeutung für uns als einen Teil bon jener Kraft", die stets das Böse wollte, aber diesmal das Gute schaffte. Der schlimmste Rechenfehler unserer Gegner war wohl der, daß sie unsere Heere durch ihren gemeinsamen Angriff von Westen, Südwesten, Südosten und Süden völlig gefesselt und überall dem Angriffe weit überlegener Kräfte ausgesetzt wähnten. Während ein Teil der deutschen Streitmacht den gewaltigen, immer erbitterter werdenden Anprall der Engländer und Franzosen aushielt, konnten die Heere des Südostens und Südens derart aus dem Born unerschöpfter Wolfstraft verstärkt werden, daß Brussilom jede Hoffnung auf Erfolg fahren lassen mußte, daß die Rumänen auf bescheidenen Raumgewinn in den Randgebieten Siebenbürgens beschränkt blieben und ihren Westflügel auf den Heimatboden zurückgeworfen sahen, und daß sie in der Dobrudscha nach verlustreichen Schlappen bis an den Trajanswall weichen mußten.
So tam es, daß sich in der vergangenen Woche die Lage der Mittelmächte günstig ausgestaltete. Schon sehen sich Engländer und Franzosen verlegen nach neuen Verstärkungen um, und noch zweifelhafter erscheint den Russen die Möglichkeit, ihr angriffs weises Verfahren durchzuhalten, auf dem doch nach ihrer eigenen Auffassung die Möglichkeit des Enderfolges beruht.
Allerdings ist die Sommeschlacht auch diesmal wieder am 19. September nur auf einige Tage abgeflaut. Schon am 22. begann das wütende Trommelfeuer sein altes Lied, und am 23. und 24. erfolgten neue Versuche gegen unsere Linien zwischen Ancre und Somme. Aber sie entbehrten bei aller Tapferkeit der Truppen bisher des fortreißenden Schwunges, der sie in der ersten Septemberhälfte beseelt hatte, und konnten leicht abgewiesen werden. Die Fortdauer des harten Geschüßlampjes läßt allerdings nicht die Erwartung aufkommen, daß die Schlacht an der Somme bereits be= endet sei. Damit würden unsere Gegner den Mißerfolg der ganzen, mit so großen Hoffnungen begonnenen Unternehmung eingestehen. Die moralische Rückwirkung aber solchen Bekenntnisses auf die breiten Schichten ihrer Völker würde eine verheerende sein. Der Kampf wird also noch geraume Zeit fortgehen, solange Menschen und Geschosse in genügender Menge zur Stelle geschafft werden fönnen. Wir aber dürfen der Annahme Ausdruck geben, daß ihrer erlahmenden Kraft auch in Zukunft nicht gelingen wird, was ihre frischen, unaufhörlich genährten Anstrengungen in mehr als zwölfwöchigen Kämpfen ohne gleichen in der Kriegsgeschichte nicht erreichen konnten.
Noch vorteilhafter hat sich die Kriegslage in der vergangenen Woche auf allen anderen Fronten entwickelt. Die Offensive der Italiener auf dem Karst hat noch nicht wieder aufgenommen werden können, die dort stehenden Truppen unserer Verbündeten haben also vollständig genügt, die ein wenig aurüdverlegte Grenze auch gegen die neuaufgefüllten Streitkräfte Cadornas zu schüßen. Im Osten sind die Stürme der Russen immer mehr zu örtlich begrenzten Kampfeshandlungen geworden, die von den überall eingereihten deutschen Truppen meist mühelos abgeschlagen wurden, Sem Gegner aber nach wie vor gewaltige Verluste eingetragen haben. Die Gesamteinbuße der Russen seit Beginn ihrer Sommer.