Nr. 68. 34. Jahrg.
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11911
Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3. Fernivrecher: Am Morisplas, Nr. 151 90-151 97.
Sonnabend, den 10. März 1917.
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Expedition: Sw. 68, Lindenstraße 3. Feruivrecher: Amt Morisplas, Nr. 151 90-151 97.
Die Gewerkschaften und Herr von Schorlemer.
Trommelfener und Angriff füdlich Ripont Scheiternder Vorstoß gegen Höhe 304 Höhenkamm des Magyaros erstürmt Luftkampf- Bilanz im Februar.
Der preußische Minister für Landwirtschaft. Domänen und Forsten, Dr. Frhr. v. Schorlemer, hat sich in der Eigung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 7. März d. J. gegen die Vorwürfe gewehrt, die in den beiden Eingaben der Gewerkschaften und Angestelltenberbände bom 21. Februar d. J. an den deutschen Reichskanzler und den Präsidenten des Kriegsernährungsamts gegen seine Person und sein Ressort gerichtet tvaren. Es ist selbstverständlich sein gutes Recht, sich zusu wehren, und wir nehmen ihm das auch nicht übel, so lange es sich um sachliche Auseinandersehungen handelt.
Die Entgegnungen des Ministers waren indes nichts weniger als fachlich. Er beschuldigt die Gewerkschaften, daß sie die Landwirtschaft verdächtigen; ihre Darstellung sein von jeder Sachfenntnis der tatsächlichen Verhältnisse ungetrübt. Er nennt ihre Eingabe ein Mach werf, bon dem zu beklagen sei, daß die christlichen Gewerkschaften sich zu ihrer Unterzeichnung hinreißen ließen. Das ist sicherlich keine noble Kampjesweise von einem Minister, der sonst als ein äußerst höflicher und tonzilianter Redner gilt. Sie wird noch überboten durch die Ausfälle gegen Prof. Els bacher, der fich nicht entblödet hat, in dieser Weise einen preußischen Minister anzugreifen" und der die Stirn habe, zu behaupten, daß der Minister sich durch Ressortpatriotismus leiten laffe. Solche Ausführungen lassen darauf schließen ,, daß Herr b. Schorlemer durch die Kritit seines unheilvollen Birkens erheblich aus dem zuhigen Gleichgewicht gebracht ist und die Gegner durch Berächtlichmadung und Schimpfen qu widerlegen sucht. Aber auch ein preußischer Minister ift der Deffentlichkeit verantwortlich und muß sich Angriffe gefallen lassen, und auch von ihm kann berlangt werden, daß er seine Gegner mit sachlichen Argumenten, anstatt durch Herabsetzungen widerlegt.
Amtlich. Großes Hauptquartier, den 9. März 1917.( W. T. B.)
sisi Weftlicher Kriegsschauplag. wieder war die Artillerietätigkeit in breiter Front nur in der Champagne gesteigert; wo sich sonst das Fener verdichtete, galt es der Vorbereitung eigener und feindlicher Kleiner Kampihandlungen.
Westlich von Wytschaete brangen unsere Sturmabteilungen in die englische Stellung und fchrten mit 37 Gefangenen, 2 Maschinengewehren und 1 Minenwerfer zurüd.
Im Somme - Gebiet kam es mehrfach zu Zusammenstößen von Erkundungstrupps; dort blieben 15 Engländer gefangen in unserer
Hand.
In der Champagne griffen die Franzosen die südlich von Ripont von uns am 15. 2. gewonnenen Stellungen nach Trommels feuer an. Es gelang ihnen, in einzelne Gräben auf Höhe 185 und in die Champagne Fe einzudringen; an anderen Stellen wurden sie abgewiefen. Ein Gegenstoß hat die Grabenstücke auf der beherrschenden Höhe 185 wieder in unseren Besit gebracht; das tief gelegene Gehöft hält der Gegner.
Auf dem linken Maasufer richtete sich abends ein französischer Borito genen uniere Sinien dem Sübhang der böhe 304: er jcheiterte. Ein gleichzeitig am Walde von Avoconet durchgeführtes eigenes Unternehmen brachte ohne Berlust 6 Gefangene und 2 Maschinengewehre ein. 4
Deftlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Bring Leopold von Bayern . Nichts Wesentliches. an
dal
Front des Generaloberst Erzherzog Joseph . Zwischen Trotus- und Uz- Tal stürmten unsere Truppen den Höhenkamm des Magyaros und die benachbarten starf verschanzten Stellungen der Ruffen. 4 Offiziere, 600 Mann wurden gefangen, mehrere Maschinengewehre und Minenwerfer erbeutet. Bei der
Heeresgruppe bes Generalfeldmarschalls von Madenjen mazedonischen Front
und an der
ist die Lage unverändert.
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Im Februar haben wir 24 Flugzeuge verloren. Unsere Gegner haben im Westen, Osten und auf dem Balkan 91 Flugzeuge eingebüßt, von denen 37 in unserem Besit, 49 jenseits der Linien erkennbar abgestürzt und 5 zur Landung gezwungen sind. Der Erste Generalquartiermeister.
Ludendorff.
Abendbericht.
Amtlich. Berlin , 9. März. Abeids.
Bei wechselnder Sicht war an vielen fellen der Westfront die Gefechtstätigkeit rege. Zahlreiche Luftkämpfe.
Im Osten nichts Besonderes.
*
Der österreichische Bericht.
Wien , 9. März 1917.( W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Deftlicher Kriegsschauplah. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackenfen.
Keine besonderen Ereignisse.
Seerosfront bez Genereloberst Gregerses Jofeph.
4
Zwischen dem Uz und dem Osobanyos Tale bemächtigten sich österreichisch- ungarische Regimenter, verstärkt durch) deutsche Abteilungen, der start verschanzten Grenzhöhe Magyaros im Sturm. Der Feind ließ 4 Offiziere, 600 Mann und mehrere Maschinengewehre, und Minenwerfer in unserer Hand. Besonderes Lob gebührt dem Honved- Infanterie Regiment Nr. 10.
ftört.
Deftlich von Gyimes wurde ein russisches Blockhaus zer
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Nichts zu melden.
Italienischer und füdöstlicher Kriegsschauplak. Unverändert.
6901910
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes von Hoefer, Feldmarschalleutnant.
Was hatten die Gewerkschaften und Angestelltenberbände dem preußischen Landwirtschaftsminister vorgeworfen? Sie, hatten zunächst in der Eingabe an den Reichskanzler be hauptet, daß das Kriegsernährungsamt in einer strengen Durchführung gerechter Verteilung der vorhandenen Vorräte besonders durch den Widerstand des preußischen Landwirtschaftsministers gegen alle Eingriffe in die Sonderstellung der Landwirtschaftlichen Erzeuger beengt werde. Zum Beweis dafür mögen folgende eigenen Ausführungen des Ministers im preußischen Landtag am 6. Dezember 1916 dienen:„ Die Freiwilligkeit spielt doch schließlich in diesem Kriege die größte Rolle.... So ist es auch bei der Landwirtschaft und das ist der Grund, weswegen ich immer darauf hingewiesen habe, daß es seine großen Bedenten hat, im einzelnen Falle dem Landwirt vorzuschreiben, was er für sich behalten und verzehren darf. Das schon aus dem Grunde, weil es nahezu unmöglich ist, eine derartige Rabund abgemüht habe, wenn es die Bauern dazu brächten, toffelpreise trat der Minister ein mit der Begründung: tionierung zu überwachen. Wenn Sie dem Landwirt in ihrer Mehrheit aus dieser Zeit der Not, Besser teure Startoffeln als gar feine!" Die vorschreiben, und das mus ja zweifellos in vielen Fällen ge- Sapital zu schlagen und sich an Blutgeld zu Berantwortlichkeit der Landwirte spornte man durch die Fest fchehen, was er abzuliefern hat, und ihn eventuell zwingen, bereichern! stellung: Alle Strafbestimmungen tönne niemand int diese Pflicht zu erfüllen, dann lassen Sie ihm unter allen Der Landrat von Braunsberg nannte das Zurück- Kopfe behalten, auch der kleine Landwirt nicht! Gr Umständen die Aussicht, daß er bei stärkerer Erzeugung auch halten von Lebensmitteln aus schnöder Gewinnsucht in jeßiger habe den Landivirten immer eingeschärft, sich bewußt zu sein, daß den Unterhalt für sich und seine Familie wieder verbessern Zeit ehrlos und verbrecherisch. Und so können wir sie im nationalen Interesse tätig sein müssen. Sein Widerkann. Eine derartige Maßnahme wirft unter allen Umständen Dußende von. Stundgebungen aus jenen Tagen zusammen stand gegen einzelne Maßnahmen sei nicht aus produktiv fördernd, während die Vorschrift, sich mit einer be fragen, die davon Zeugnis ablegen, daß wenigstens ein Teil Liebe zu dem größeren Verdienst der Landwirtschaft erfolgt, stimmten und verhältnismäßig fleinen Menge der eigenen der Behörden sich der ungeheuren Verantwortlichkeit sondern aus dem Willen, zu bessern und zu helfen. Das war Erzeugung begnügen zu müssen, den Landwirt, und vor allen der Stunde bewußt war und ihr auch den entsprechenden das Auftreten des Landwirtschaftsministers, von dem Prof. Dingen den fleinen Wirt, der für die Not der Zeit nicht Ausdruck gab. Damit vergleiche man die obigen Aus Eltzbacher im„ Tag" sagte: Der Minister habe sich mit immer volles Verständnis hat, sehr leicht veranlassen führungen des preußischen Landwirtschaftsministers jenem Ressort patriotismus geäußert, der alles kann, die Hände in den Schoß zu legen und zu und ermesse ihre Wirkung auf denjenigen Teil der Land- außerhalb des eigenen Ressorts als Ansland betrachtet. jagen: was nügt mir alle Erzeugung; ich mag wirtschaft, die in erster Linie an sich denft, amd man wird Wofür ihm der Landwirtschaftsminister mit Ausdrücken allerso viel erzeugen, wie ich will, ich mußja doch den Vorwurf der Gewerkschaften gerechtfertigt finden. gröbsten Stalibers entgegnet. alles bis auf einen kleinen Rest abliefern." Weiterhin erklärten die Gewerkschaftsgruppen in der Ein- Daß die Art und Weise, wie der Landwirtschaftsminister Als der preußische Landwirtschaftsminister jene Rede hielt, gabe an das Striegsernährungsamt: Der Landwirtschafts - die Landwirte als Erzeuger wie als Selbstwirtschafter deckt, hatte die öffentliche Entrüstung über das eigenfüchtige Ver- minister stelle sich schüßend vor die Ansprüche der Landwirte eine Verschärfung der Lebensmittelnot in den Städten and In halten eines Teils der Landwirte einen solchen Höhepunkt und sichere diesen eine Ausnußung der Lebensmittelnot des duſtriebezirken zur Folge haben muß, weil jie von durchgreifenden erreicht, daß die Presse Tag für Tag Sundgebungen deutschen Volfes, die das Reich in die größten Gefahren Maßnahmen zugunsten einer gerechten Verteilung abhält, steht von Behörden brachten, die den Bauern ins Gewissen bringen muß. Dieser Vorwurf ist zum Teil bereits durch die für die Gewerkschaften aller Richtungen unzweifelhaft feſt. redeten. Wir nennen, um bloß einige herauszugreifen, die vorerwähnten Ausführungen des Landwirtschaftsministers gegen Welche Gefahren daraus für das Reich erwachsen fönnen, Landräte der Kreise Teltow , Beeskow - Storfow, Schlüchtern , die Rationierung und den Ablieferungszwang der Er- das ergibt sich aus den bekannten Verhältnissen in einer ganzen Schlochau, Braunsberg und Insterburg . Der Stellvertretende zeuger begründet.$ 3 ist weiter hinzuzufügen, daß Reihe von Großstädten und aus einer Reihe von Arbeitstommandierende General v. d. Zann in Bayern schrieb in der Landwirtschaftsminister in der gleichen Rede für eine einstellungen in großen Betrieben, deren Ursache unmittelbar einem Auiruf:„ Unwürdig wäre es, den Leuten Getreide, Erhöhung der Buderpreise von 30 bis auf die unzureichende Lebensmittelversorgung zurückzuführen Milch, Kartoffeln. Eier und Fett vorzuenthalten, nur weil 32 Pf. auf 38 bis 40 Bf eingetreten ist und dieses ist. auf 38 bis 40 Pf. eingetreten ist und dieses ist. Der Hindenburg - Aufruf ist eine Folge diefer die Erzeuger auf höhere Preise hoffen und sich nicht Opfer der fonsumierenden Bevölkerung mit der Weigerung der Gefährdung der Ernährung der Striegsarbeiterschaft, und nicht einschränken wollen Sie sollten sich scheuen Rübenbauer, die Anbaufläche zu verringern, motivierte. Auch unit Unrecht erhebt der Generalfeldmarschall darin den Vor vor der furchtbaren Verantwortung, den in der Staatshaushalts fommissionsfigung vom 9. Februar wurf: In den Kreifen der Landeszentratbehörden Krieg zu berlängern, denn sie allein d. 3. ließ er die Gelegenheit nicht vorübergehen, sich für eine und den diesen unterstellten Behörden scheine nicht überall erhalten dem Feinde die Hoffnung, uns stärkere Eröhung des 8nderrübenpreises einzu- ausreichend erkannt zu sein, daß es um Sein oder doch noch, und zwar durch die eigenen fezen. Am 20. Februar erklärte sich der Minister im gleichen Nichtsein unseres Volkes und Reiches gehe! Landsleute auszuhungern." Der bayerische Ausschuß gegen eine Herabsetzung der Schlacht vieh Sodann hatten wir dem Landwirtschaftsminister vorBauernbundführer Dr. Heim richtete aus Anlaß einer preise. Er müsse dent Striegsernährungsamt geworfen, daß er den Städten verboten habe, sich durch den Striegstagung bayerischer Bauern in Regensburg einen flam- gegenüber auf die großen Schwierigkeiten der Durch- Abschluß von Maftverträgen billiges Vieh zu beschaffen. menden Aufruf an die Bauernschaft, in dem er erklärte, daß führung des Programms der Fleisch, Fett- und Milchberfor- Man erwäge folgendes: Im Januar dieses Jahres gab das es schade wäre um jede Stunde, die er sich für den Bauern gung hinweisen. Auch für eine Erhöhung der Star- Rachrichtenamt des Berliner Magistrats befannt: