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Nr. 93. 34. Jahrg.

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3.

Fernivrecher: Am: Morisplas, Nr. 151 90-151 97.

Mittwoch, den 4. April 1917.

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3.

Fernivrecher: Ami Morisvlas, Nr. 151 90-151 97.

Amerika erklärt Deutschland den Krieg.

Krieg mit Amerika !

Motiven als Nation. Wir müssen uns von über.] großer Erregung frei halten. Unser Motiv ist nicht Rache oder das Prinzip brutaler Gewalt, sondern wir treten für die Menschenrechte ein.

Was seit dem 1. Februar vorauszusehen war, ist einge­treten. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika erklären Als ich im letzten Februar vor dem Kongrek sprach, an Deutschland den Krieg. Wilson forderte, daß dieser Krieg glaubte ich, daß es genügen werde, unsere neutralen Rechte in engster 3usammenwirkung mit den Verdurch Bewaffnung der Schiffe zu sichern. bündeten geführt würde, er verlangte die sofortige Bil­dung eines Heeres von 500 000 Mann und Einführung einer Aber eine bewaffnete Neutralität erscheint allgemeinen Dienstpflicht. Die Angelegenheit unterliegt zurzeit der Beschlußfassung des Kongresses, doch besteht kaum ein Zweifel daran, wie sie ausfallen wird.

Wilsons Rede wird noch Anlaß zu mancherlei Erläute­rungen geben. Besonders bemerkenswert dünft uns aber seine Auffassung, daß die russische Revolution zur Wiederher stellung des Weltfriedens beitragen könne. Danach scheint der Präsident der Meinung zu sein, der deutsch - amerikanische Krieg fönne zum Abbruch gelangen, noch ehe er sich voll­ständig entwickelt hat. Für diese Möglichkeit spricht auch der neue Konferenzvorschlag Desterreich- Ungarns , die Anwesen­heit des österreichischen Kaisers im deutschen Hauptquartier und die Reise des amerikanischen Botschafters in Wien nach Washington .

Für heute aber müssen wir mit der Tatsache rechnen, daß ein neuer Feind gegen uns aufgestanden ist, der seine großen Kräfte allerdings nur langiom entfalten kann. Wir müssen damit rechnen, daß auf der fünftigen Friedenskonferenz, deren baldigen Zusammentritt wir wünschen, auch Amerika auf der Bank unserer Gegner sißen wird. Das ist eine Situation, die nicht geeignet ist, neue Volksleidenschaften zu entzünden, der vielmehr mit Ruhe und Besonnenheit begegnet

werden muß.

gegenwärtig unnük.

Es ist unmöglich, Schiffe gegen die Angriffe der deutschen U- Boote zu verteidigen. Es entspricht der gewöhnlichen Slugheit zu versuchen, sie zu zerstören, bevor sie ihre Absicht erkennen lassen. Die deutsche Regierung leugnet das Recht der Neutralen, in der Sperrzone überhaupt Waffen anzu­wenden, um die Rechte zu verteidigen, die kein moderner Jurist jemals bestritten hat.

Des Volkes Wille.

Eine Stunde der russischen Revolution.

Es war in Petersburg am 14. März 1917. Durch die Straßen wogte die Menge. Bürger und. Soldaten, hun­gernd, doch froh in dem Gefühl, von einer ungeheuren. Last befreit zu sein. Eine Welle des Volksstroms schlug. in den Palast der Duma, wo der Kadettenführer Milju. kow vor sie hintrat. Die Leute aus dem Volk forderten Aufklärung über das große geschichtliche Schauspiel, dessen Zeugen und Mitwirkende sie gewesen waren. Das Volk fragte und Miljukow sprach:

Noch vor drei Tagen waren wir eine bescheidene Opposition, Wir sind Zeugen eines großen historischen Augenblicks. während die russische Regierung allmächtig schien. Jest liegt diese Regierung im Staube, mit dem sie Deutschland zeigt an, daß die Eskorten zum Schuße der eins geworden ist, während wir und unsere Freunde von der Schiffe wie Piraten behandelt werden würden. Angesichts Linken von der Revolution, dem Heere und dem Volke auf den solcher Anmaßung ist die bewaffnete Neutralität mehr als un- ehrenvollen Platz von Mitgliedern des neuen russischen Volks­nüß. Wenn wir uns dem unterwerfen, würden wir unsere Kabinetts gestellt worden sind.( Lebhafter Beifall.) Wie heiligsten nationalen Rechte verlegen lassen. Ohne Zaudern fonnte dies Ereignis, das noch vor ganz furzer Zeit unmöglich den Geboten meiner konstitutionellen Pflicht gehorchend, rate schien, zur Wirklichkeit werden? Wie konnte es geschehen, daß ich dem Kongreß zu erklären, daß die jüngste Handlung der die russische Revolution, die für immer das alte Regime ge­deutschen Regierung tatsächlich nichts weniger als der Krieg stürzt hat, sich fast als die fürzeste und unblutigste aller Re­gegen die Regierung und das Volk der Ver- volutionen erwies, die die Geschichte kennt? Das geschah des einigten Staaten ist, und förmlich

Das Volk im Soldaten- und Bürgerrock tut seine Pflicht. Von den leitenden Staatsmännern aber verlangt es einen weithin sichtbaren Beweis gegen die feindliche Be­hauptung, einen Beweis, daß Deutschland weder auto- ken mit den anderen Deutschland bekämpfenden Regierungen fratisch regiert wird, noch einen Eroberungs­frieg führt. Dieser Beweis ist nötig, damit das deutsche Volk seine schwere Aufgabe erfüllen fann: ungebrochen aus Hiesem Kampfe hervorzugehen, um als freies Volf unter freien Völkern zu leben!

Wilsons Rede im Kongreß.

Die ganze Kraft der Nation!" Washington , 3. März. Reutermeldung. Im Kongreß erklärte Wilson:

Ich habe den Kongres zu einer außerordentlichen Session einberufen, weil sofort ein ernster politischer Ent­schluß gefaßt werden muß, wofür ich verfassungsrechtlich die Verantwortung nicht übernehmen kann.

halb, weil die Geschichte keine andere so dumme, so ehrlose, so feige und verräterische Regierung fennt, wie diese nunmehr Wurzeln von Sympathie und Achtung verloren hat, die eine gestürzte Regierung, die sich mit Schmach bedeckt hat und alle Wurzeln von Sympathie und Achtung verloren hat, die eine jede auch nur einigermaßen starke Regierung mit dem Volke verbindet.

den Kriegszustand anzunehmen, der Amerika auferlegt ist, und sofortige Maßregeln zu er­greifen, nicht nur um das Land in den vollständigen Verteidi­gungszustand zu verseßen, sondern auch seine Hilfsquellen zu verwenden, um Deutschland zu zwingen, die Bedingungen Wir haben die Regierung leicht und rasch gestürzt. Das zur Beendigung des Krieges anzunehmen. ist noch nicht alles, was getan werden muß. Es bleibt noch, Der Kriegszustand wird ein engeszusammenwir- den größeren Teil zu tun. Es bleibt noch die Aufgabe, diesen Sieg, den wir so leicht davongetragen haben, in Händen zu herbeiführen, indem wir ihnen liberale Finanzkredite behalten. Wie kann das geschehen? Die Antwort ist klar und gewähren und ihnen die Organisation zur Mobilisierung aller einfach. Wir müssen den Sieg organisieren und materiellen Hilfsquellen des Landes zur Verfügung stellen, um Kriegsmaterial zu liefern, und auf die reichlichste, aber müssen daher in erster Linie die Einmütigkeit im Wollen und Denken bewahren, die uns zum Siege geführt hat. Zwischen sparsamste und wirksamste Art den anderen Bedürfnissen der uns, den Mitgliedern des jeßigen Kabinetts, bestanden viele Nationen zu dienen. Eine weitere Folge des Kriegszustandes alte und wichtige Streitpunkte und Differenzen. würde die sofortige vollständige Ausrüstung der Vielleicht werden diese Differenzen bald wichtig und ernst Flotte namentlich mit Mitteln sein, um die feindlichen werden, heute aber verblassen sie und treten zurück vor der U- Boote zu bekämpfen und ferner eine sofortige Heeresver- Haupt- und Gesamtaufgabe, die noch nicht völlig gelöst ist, der mehrung um mindestens Aufgabe,

500000 Mann

eine neue Volksmacht zu schaffen

mit der Ermächtigung, die Streitmacht den Bedürfnissen ent- an Stelle der alten gestürzten. Seid daher einig in der Er­sprechend weiter zu vermehren. Nach Ansicht des Präfiden- strebung dieses Zieles, wie auch wir einig sind. Seid einig ten sollten die Soldaten nach dem Grundsatz der allgemei- in der Beseitigung politischer Streitfälle, die wichtig sein mögen, die aber heute uns um die Früchte unseres Sieges nen Wehrpflicht ausgehoben werden. Wir hatten keinen Streit mit dem deutschen bringen fönnten. Auch Ihr, Soldaten und Offiziere Ich unterbreitete Ihnen am 3. Februar eine außerordent- Volke. Die deutsche Regierung begann den Krieg ohne der großen russischen Armee, seid einig und vergesset nicht, liche Anzeige der deutschen Regierung, daß sie beabsichtige, ab Initiative, Kenntnis und Billigung des Volkes, der Krieg daß die Armee durch ihre innere Einigkeit starf ist. Geht 7. Februar alle rechtlichen und humanitären Be- wurde beschlossen von den Machthabern, provoziert und ge- diese Einigkeit verloren und zerbröckelt, so verwandelt sich das fchränkungen beiseite zu jesen, und alle Schiffe, führt im Interesse der Dynastien und einer kleinen Gruppe Heer in einen planlosen Haufen, und eine Handvoll bewaff­welche versuchten, die feindlichen Häfen zu erreichen, durch ehrgeiziger Männer, die gewohnt sind, ihre Landsleute als neter, organisierter Leute fönnen ihn mit leeren Händen U- Boote zu versenken; das schien in einer früheren Werkzeuge zu benußen. Die Empfindung der Amerikaner ist, faffen. Bewahrt diese Einheit, diese Einigkeit für Euch und Kriegsphase das Kriegsziel der deutschen U- Boote zu sein, aber daß unsere Hoffnung auf den künftigen Weltfrieden eine Be- für uns und zeigt, daß, nachdem wir so leicht die ohnmächtige feit April 1916 erlegte die deutsche Regierung den Komman- fräftigung erfahren hat durch die wunderbaren ermuti- alte Wacht gestürzt haben, es nicht so leicht sein wird, die erſte danten der U- Boote gewisse Beschränkungen auf, gemäß des genden Ereignisse in Rußland . Dort haben wir vom Volke an die Spize gestellte öffentliche Gewalt zu stürzen. uns gegebenen Versprechens. einen würdigen Teilnehmer am Ehrenbunde( wörtlich: fit( Rebhafter, andauernder Beifall.) Ich weiß, daß es Sünden Die neue deutsche Politik ließ je de Beschränkung partner for league honour). Wir stehen jetzt im Begriffe, der Vergangenheit gibt, und daß die gegenseitigen Beziehun fallen, Schiffe aller Art wurden skrupellos und ungewarnt den Kampf mit dem natürlichen Feinde der Freiheit aufzu- gen im alten Heer oftmals auf der Grundlage der Leibeigen­schaft begründet waren. Jetzt aber begreifen Eure Offiziere versenkt, ohne daß man daran dachte, den an Bord befindlichen nehmen und werden nötigenfalls die ganze Kraft der Nation zu gut, daß im gemeinen Soldaten das Bewußt. Personen zu Hilfe zu kommen, und neutrale und befreundete Schiffe wurden ebenso wie Schiffe von Kriegführenden, selbst aufwenden, um seine Machtansprüche zu vereiteln. Wir be- fein als Mensch und Bürger gebütet und geachtet Hospitalschiffe, die mit einem Freigeleit von der deutschen Re- absichtigen keine Groberungen, wir sind nur einer der Vor- werden muß. Und die Soldaten, die den Sieg davongetragen gierung versehen waren, mit derselben Mitleids- und kämpfer der Menschenrechte und werden zufrieden sein, wenn haben, wissen ebenso gut, daß sie diesen Sieg vervollständigen und zu einem dauernden nur machen können, wenn sie die Be­Prinzipienlosigkeit versenkt. Das Völkerrecht hat diese Rechte gesichert sind. fich mühsam entwickelt mit Resultaten, die dürftig genug Wilson fügte noch hinzu, daß Desterreich- Ungarn tatsäch- ziehungen zu dem Offiziersförper bewahren.( Lebhafter Bei­fall.) waren. Aber die deutsche Regierung hat auch dieses Minimum lich nicht im Seekrieg gegen amerikanische Bürger begriffen Ich höre die Frage: Wer hat Euch gewählt? Uns an Recht unter dem Vorwande der Wiedervergeltung und ist. Er wolle die Erörterung über die Beziehungen mit Wien Notwendigkeit aufgehoben, weil sie keine Waffen besaß, die aufschieben. Wilson schloß, Amerika werde für die teuersten hat niemand gewählt, denn hätten wir erst auf die Resultate auf der See verwendet werden können, außer denjenigen, die Güter kämpfen, nämlich für die Demokratie, die der Volkswahlen gewartet, so hätten wir unserem Feinde nicht nicht angewendet werden dürfen, wie Deutschland Rechte und die Freiheiten der kleinen die Macht entreißen können. Während wir darüber gestritten hätten, wer gewählt werden soll, hätte der Feind Zeit gehabt; fie jetzt anwendet, nämlich ohne Berücksichtigung aller Erwä- Nationen. sich zu organisieren und Euch und uns zu besiegen. gungen der Menschlichkeit oder Abmachungen, auf denen der Sobald Wilson nach seiner Ansprache den Kongreß ver­Uns hat die russische Revolution gewählt. Weltverkehr begründet ist. lassen hatte, brachte der Vorsitzende der Kommission für aus­Ich denke jetzt nicht an die materiellen Verluste, so ernst wärtige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses, Flood.( Lebhafter andauernder Beifall.) Wir hatten das Glück, daß sie sind, sondern nur an den allgemeinen Untergang von eine Resolution ein, die den Kommissionen für auswärtige in einem Augenblick, wo nicht gezögert werden durfte, sich eine Nichtkämpfern, Männern, Frauen und Kindern. Der Angelegenheiten beider Häuser überwiesen wurde. Die Handvoll Leute fand, die durch ihre politische Vergangenheit gegenwärtige deutsche Krieg gegen den Handel ist ein Krieg Sizung wurde darauf vertagt. Während der Sitzung des dem Volke genügend bekannt waren und gegen die auch nicht gegen die Menschlichkeit und gegen alle Nationen. Jede Kongresses traf die Nachricht von der Versenkung des ameri- ein Schatten jener Einwendungen erhoben werden kann. unter Nation muß sich selbst entscheiden, wie sie dieser Herausforde- kanischen Ozeandampfers Aztee ein. deren Schlägen die alte Regierungsgemalt fiel. Aber wir missen zu genau, daß wir selbst noch vor kurzem die Pflicht der Verantwortlichkeit der Regierung gegen

rung begegnen will. Unsere Wahl muß mit Mäßigung ge­

troffen werden, entsprechend unserem Charakter und unseren