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Vorwärts

Berliner Volksblaff.

34. Jahrgang.

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3.

Fernsprecher: Amt Morigplat, Nr. 151 90-151 97.

Sonntag, den 27. Mai 1917.

Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 151 90-151 97.

Das dritte Pfingstfeft im Kriege!

Christentum und Krieg.

Bon Pastor em. Hermann Tech.

I am deutschen, noch am englischen, noch am Hottentottenwesen, I gegen die Kriegsheberim Priesterrod, gegen sondern am christlichen Wesen die Welt genesen werde, alle die Züge verbreitenden und die Wahr­daß das Erwarten einer zukünftigen Welt, in welcher Geheit unterdrückenden Zedekias der Christen­rechtigkeit wohnt, nicht nur nicht verbietet, sondern sogar ver- heit. In der letzten Zeit sind uns zahlreiche Zuschriften von pflichtet, auch in der gegenwärtigen Welt aller ungerechtig Es ist eigenartig, daß ein Christ gerade im Vor­Geistlichen zugegangen, in denen gegen den Mißfeit zu widerstehen, daß Geburt, Reichtum, Stand, Name, Ruf, wärts" seine Religion gegen ihre Verächter verteidigt oder brauch des Christentums zu alldeutschen Zwecken Kleid, Gejek, Dogma, Zeremonie, Hurrarufen, Fahnen vielleicht ganz selbstverständlich. Die konservativen und kleri­entrüsteter Widerspruch erhoben wird. Das heutige Fest, das schwenken, Stimmung nichts ist und Ueberzeugung, Gesin- falen Blätter haben ja regelmäßige Verzeichnisse der Gottes­die chriftliche Kirche so deutlich an ihre internatio- nung, Tüchtigkeit, Tugend, Absicht, Wille, Opfer, Werk, Tat dienste und eine biblische Sonntagsbetrachtung, sprechen aber, nal- humanitäre Grundlage erinnert, scheint uns alles,- das sind ja keine Mysterien, sondern religiös- wenn es sich um Krieg und Friedensziele, um das Recht der passende Gelegenheit, eine dieser Zuschriften wiederzus sittliche Binsen wahrheiten, elementa und rudi- Völker und der Könige handelt, die Sprache der reinsten Un­geben. Denn der Pfingstgeist, der aus ihr spricht, dünft menta der christlichen Ethik und Dogmatik, die in der Bibel vernunft und des brutalsten Heidentums. Ich verarge es uns seinem geschichtlichen Ursprung näher als das meiste, auf jeder Seite stehen, die im Konfirmandenunterricht wohl ihnen nicht, wenn sie einen Prediger bitterer Wahrheiten nicht was sonst am heutigen Tage von Geistlichen auf Holzpapier noch gelehrt, in den Kirchen nur selten und teilweise und un­gepredigt werden wird. Redaktion des Vorwärts". flar gepredigt werden, von denen man aber seit den Tagen Der Unfug, den viele Geistliche, und leider auch solche des Kaisers Konstantin und nach der lutherischen Reformation in leitender Stellung, durch ihre Empfehlung eines Krieges im öffentlichen Leben nichts mehr gehört hat. bis zur Vernichtung der Gegner und eines sogenannten deut­ schen Friedens treiben, darf nicht auf das Schuldkonto der christlichen Kirche oder gar der Religion gejezt werden.

hören wollen. Der Vorwärts" ist ja nun zwar kein Freund der Schwarzröcke und hat keinen biblischen Sonntagstraftat, aber in seinen Veröffentlichungen so viel wahrhaft Christ­liches, daß ich den Mut faßte, ihn um die Verbreitung meines Protestes zu bitten, eine Erwartung, welche mich nun auch nicht getäuscht hat.

Stockholm.

So sieht denn auch das Christentum in der Praxis und im Staatsleben recht eigenartig aus, und unsere Konjer­Die Orthodoxie des Verfassers dieser Zeilen wird vativen und Zentrumsleute, die Stüßen des Altars, sind recht Wenn die Washingtoner Parlamentssitung, welche wunderliche Heilige. Sie sind jetzt in ihrer ganzen Glorie niemand in Zweifel ziehen, hoffentlich auch nicht seinen den Krieg gegen Deutschland erklärt, mit dem Gebet eines erkannt. Als sie, die Vertreter von Pietät, Ordnung und Ge- Patriotismus! Geistlichen eingeleitet wird, wenn der Bischof von fittung, den Krieg mit Freuden begrüßten und Kraft und Manchester jeden Krieg als Gottesordnung und den gegen- Macht über die Gerechtigkeit stellten, als Adlige( das Gegen­wärtigen als heilig und gottgewollt bezeichnet, wenn der Erz- teil von edel, menschlich, hilfreich und gut) sich in der bischof von Paris den Revanchekrieg janttioniert und Allüren des Raubrittertums gefielen und Aestheten und Ge­Pastor Soulier die Vernichtung unseres Volkes für den bildete das Geheul der Gasse und Gosse überschrien, als die Die finnische Abordnung über die Zukunft einzig möglichen Weg zum ewigen Frieden hält, wenn ein Hochmoralischen ein Gezeter anstimmten, weil eine Regie­Finnlands. preußisches Konsistorium eine Gemeinde jahrelang rung und der Leiter der Politik ethische Grundsäze Stockholm , 26. Mai. ( Meldung des Svenska Telegrambyran.) ohne Pastor und am ersten Ostertag ohne jegliche Andacht läßt und Begriffe in eine Welt und eine Zeit einführen aus Furcht, das Vaterland fönne ins Wanfen geraten und wollten, in welcher der Triumph des Vaterlandes und die Der Holländisch skandinavische Ausschuß hat am 23. adlige Eisenfresser im Weiberrod könnten Migräne bekommen, Berschmetterung der Feinde die einzige Moral ist, als man und 24. Mai die finnländische Abordnung, die aus den Genossen weil ein Geistlicher amtierte, der sich in dem europäischen ein Wort der Aufrichtigkeit und Billigkeit. als eine zehnfache Vrjö Sirola und Karl Wiit besteht, empfangen. Diese Ver­Narrenhause vom Eroberungskoller frei gehalten hat, wenn Niederlage einschätzte, haben wir Christen uns ja zunächst treter des finnländischen Parteivorstandes und der finnländischen deutsche katholische Bischöfe mit Annerionisten entsegt. Heute aber wundern wir uns über nichts mehr und sozialdemokratischen Parlamentsfraktion trugen ihre Auffassung über und Länderverschluckern Hand in Hand gehen, wenn Riz. bersehen uns alles möglichen Dummen und Schlechten von die Art und Weise vor, wie die rechtliche Stellung Finn­Mumm den Aldeutschen im Zirkus Busch präsidiert und diesen eigenartigen Gläubigen. lands am besten zu ordnen sei. Ihrer Meinung nach wird diese D. Seeberg oder die von ihm angeregte Arbeiterver- Der Kaiser wollte gewiß diesen Krieg nicht. Er sträubte Auffassung von den politisch gereisten Elementen unter den Finn­sammlung" Friedensgarantien und Erweiterung der Landes- sich nach Kräften und zögerte, den ersten Schlag zu tun. So ländern geteilt. Dieser Auffassung gemäß müsse die erwähnte Frage grenzen als Lohn der blutigen Opfer verlangt, so sind das kam der Feind ins Land und verwüstete die Ostmart. Reinem als eine Frage völkerrechtlicher Natur betrachtet werden betrübliche und in Reformationsjubeljahr doppelt be- vernünftigen Menschen fiel es ein, der Regierung einen Vor- und ihre Behandlung da finden, wo internationale Fragen über­flagenswerte Erscheinungen. wurf zu machen, die Christen dankten es ihr, aber unsere haupt besprochen werden, also auf dem kommenden Frie Man verstehe mich recht. Ich halte es für unflug, nach Thron- und Altarstützen haben schließlich doch den Landes- benstongre B. Diese Forderung sei durch die schutzlose Lage vollendeter Vernichtung des Gegners fremdvölkisches Gebiet verrat und die Blutschuld der Regierung entdeckt. Der Kaiser begründet, in der sich Finnland befinden würde, wenn in Zukunft und gegen dessen Willen zu anneftieren, aber für ich mach- bietet die Hand zum Frieden. Vielleicht hätte er ein Jahr nationalistische oder sogar imperialistische Strömungen in Rußland boll, die eigenen Brüder und Landeskinder zu opfern und früher es tun sollen und können, aber auch so freuen sich alle die Oberhand bekommen sollten. Die Dankbarkeit, die das finn­den Krieg fortzusetzen, nicht um der Freiheit und Selbständig. Freunde der Gerechtigkeit, sie aber weimern und ländische Volt den revolutionären Elementen in Rußland schulde feit willen, sondern zur Vernichtung des Feindes und zur wüten. Der Wahnsinn und die Wut der geschlagenen Feinde als denjenigen, durch die auch Finnland von dem Zarismus und dem Vergrößerung des Vaterlandes. Wenn nun einzelne sich zu erwählt die Fortsetzung der Menschenschlächterei: Alle Welt reaktionären Elemente der russischen Reichsduma befreit worden sei, solchen Wünschen, wie sie ja auch unsere westlichen Feinde trauert, sie aber atmen auf und frohloden. Sie könne durchaus nicht das finnländische Volk der Pflicht überheben, hegen, versteigen, so ist damit nicht erwiesen, daß die christ- träumen von einem deutschen Frieden und von deutscher Welt liche Religion Lüge sei, sondern nur, daß Gott mit dem Amt herrschaft und haben den Mut, diesem Traum die Blüte und nicht immer den Verstand und durch die Handauflegung nicht die Kraft der Nation zu opfern. immer den Geist der Weisheit und der Erkenntnis gibt. Im Osten ist die Nacht der Tyrannei und der wüste Diese Berserker im Priesterkleid haben unbedingt ihren Traum von Macht und Verknechtung vergangen, und die Beruf verfehlt. Sie stehen, wenigstens in Kriegsläuften, an Morgenröte des Tages der Gerechtigkeit und Freiheit bricht falscher Stelle. Sie gehören in den Schüßengraben, an das an. Der Kaiser will dem Volke geben, was des Volfes ist, Maschinengewehr, neben die Kanonen, jedenfalls an die Front, sie aberscheuendas Licht und möchten der kommenden Die autonome Stellung Finnlands ermöglichte wo sie diejenigen Soldaten ermuntern und anfeuern mögen, Sonne wie Josua, doch in gegenteiliger Absicht, gebieten. bisher trotz aller Mängel eine beträchtliche kulturelle Entwicklung welche noch nicht genug Mut und Kraft zum Kriegshandwerk Sie wollen nicht das gleiche Recht für alle, welche die des Landes. Der größte dieser Mängel sei gewesen, daß die spüren. Wir im Lande brauchen keine Schwäßer und Hezer, gleiche Arbeit, nämlich ihre Pflicht erfüllen, wahrhaftig: Entscheidung über finnländische Angelegen sondern Arbeiter. Maul- und Federhelden sollen in den Krieg äußerst kläglich und kleinlich und wenig vornehm von denen, heiten in Petersburg gelegen habe. Dadurch sei es ge­ziehen, hier aber ihr unnötiges, ja schädliches Bramarbasieren welche so manches Jahrhundert so manches Vorrecht geschehen, daß den Interessen des finnländischen Volkes entgegen­einstellen. Nach drei Jahren eines Krieges und solch eines nossen haben. Aber das Schämenswerteste ist, daß die so ge- gesetzte Interessen die Entscheidung der finnländischen Fragen be­Krieges wirkt das nicht mehr erhebend, sondern fläglich nannten Geistlichen mit diesen Dunfelmännern und einflußt hätten. Eine solche Ordnung habe bisweilen zu einer rüd­( wenigstens vor vernünftigen Menschen). Unbedingt gehören Kriegshebern gehen, mit ihnen in dasselbe Horn blasen, Traf- fichtslosen Vernachlässigung der Interessen des finnländischen solche Leute nicht auf Kanzel und Katheder, sondern auf die tate, Predigten und Sonntagsblätter ganz im Stil der all- Volfes geführt und müsse auf jeden Fall von einem natio Schüler-, Konfirmanden- und Laienbänke. Diese Meister in deutschen, konservativen und nationalen Zeitungen schreiben. nalen Selbstbewußtsein als Demütigung emp Ifrael und Säulen der Kirche haben sich als Kinder am Ver- Es ist immer das alte Lied von der Zermalmung der Feinde, funden werden. Die Bestrebungen Finnlands , zu einem größeren ständnis entpuppt und müssen beim Abc der christlichen Kate- von dem Lohn der Opfer, von den Garantien des Friedens Selbstbestimmungsrecht zu kommen, seien durch seine ganze ge chismusfibel wieder anfangen. oder anders und vernünftig ausgedrückt: von der Verwendung schichtliche Entwicklung, die derjenigen Rußlands niemals ähnlich Daß jeder Krieg ein Gottversuchen und darum das der ungelegten Eier, von der Geringschätzung der Menschen gewesen sei, begründet. Die Gesellschaftsordnung, Finnlands Ge legte, ungewisseste, verzweifeltste, schlechteste, unchristlichste seele, von der Verkennung des Naturgesetzes der Welt- fete, Kulturform, Sprache usw. seien auch denjenigen des russischen Mittel ist, Recht und Gerechtigkeit und Freiheit zu erlangen, geschichte, daß nur Gerechtigkeit ein Volk erhöht und erhält, Boltes ungleich. Infolgedessen strebe das fimmländische Volf nach daß das Pochen auf die eigene Macht Gotteslästerung, Ein- und mer das Schwert nimmt, auch durchs Schwert umkommt. Erlangung der größtmöglichen Selbständigkeit. verleibung fremder widerstrebender Völker der Grund zu Mir kommen diese friegs- und eroberungssüchtigen Pfaffen Die Träger der russischen Revolution hätter die Freiheit der neuen Kriegen ist, daß nur jenes Land und Volk den Ehren- immer vor. wie jene vierhundert falschen Pro Wölfer auf ihre Fahne geschrieben. Dieser Umstand habe im fim­namen des Vaterlandes verdient, in welchem alle das gleiche pheten, welche Sieg schreien und Fürsten und Volk der ländischen Volfe die Ueberzeugung bestärkt, daß der Zeitpunkt jetzt Recht haben, daß nur jene Obrigkeit eine gottverordnete ist, fraeliten durch ihre Lügen ins Verderben stürzen, und wie da sei, den Wunsch des finnländischen Volkes nach die den sogenannten Untertanen dient, welche sie bestellt und ihr Führer, der, ein richtiger Faustpatriot, den Propheten völliger Unabhängigkeit zu verwirklichen, was als ein­bezahlt haben, daß alle Stände an und für sich und im Urteil Micha ohrfeigt und der sich zwei eiserne Hörner an der Stirn sige zuverlässige Weise aufgefaßt werde, die nationalen Forderungen der Menschen vollkommen gleich sind und gleich sein müssen, befestigt, gewiß nicht bloß als Zeichen der Kraft und der Ge- des finnländischen Volkes zu fördern und Konflikte zu vermeiden, weil einer des anderen bedarf, daß förperliche Arbeit und wißheit des Sieges, sondern auch als Symbol der eigenen die einer dauernden Vereinigung mit Rußland entspringen fönnten. Geschicklichkeit ebenso wichtig ist wie geistige Arbeit, ja in unentwegten ochsenmäßigen Dummheit. Bedefia, Knaenas Die Sozialdemokraten Finnlands huldigten vollständig dem von der internationalen Sozialdemokratie behaupteten Grundsatze vom Seiten der Not und des Krieges wohl noch wichtiger, daß es Sohn, ist der Name des Maul- und Faustgewaltigen. männlich und christlich ist, sein Recht zu verlangen und seine Kurz und gut: Wir Christen und Geistliche Selbst bestimmungsrechte aller Völker und fordern, persönliche Ehre zu verteidigen, wie es kläglich und jämmer- protestieren im Namen der christlichen Reli- daß auch das finnländische Volk selbst über seine Stellung entscheiden lich ist, auf Bevorzugung und Vorrecht zu pochen, daß weder gion gegen ihre Verfälscher und Verhöhner, darf. Sie appellieren an die Genossen der anderen Länder und

feine eigene Zukunft auf festestem Grunde zu sichern. Die Stellung Finnlands müsse auf einem Grunde, der Finnland volle Möglich­feit einer freien Entwicklung gewährleiste, gebaut werden, und das finnländische Volf Hege die innige Hoffnung, daß die russische Demo­tratie diese Forderung anerkennen werde und durchsetzen könne, daß von russischer Seite der Verwirklichung der finnländischen Forderung keine Hindernisse bereitet würden.