Nr. 144. 34. Jahrs.
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Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97.
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Dienstag, den 29. Mai 1917.
Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritplas, Nr. 151 90-151 97.
Blutige Pfingsten am Ifonzo.
Mißlingen englischer Angriffe am SenséeBach Sturmerfolg deutscher Truppen in der Champagne- 250 Franzosen ge= fangen 12 Flugzenge, 2 Feffelballons abgeschoffen Abflauen der italienischen Isonzo - Offensive 300 Italiener gefangen Die italienischen Verluste. Großes Hauptquartier, den 28. Mai 1917. Amtlich.
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Westlicher Kriegsschauplas.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zwischen Opern und Armentières, bei Hulluch) und beiderseits der Scarpe entwickelten sich bei guter Sicht heftige Artilleriekämpfe.
Um Mitternacht wurden mehrere englische Kompagnien westlich von Wytschaete durch Gegenstoß zurückgeworfen.
Zwischen Chérisy und Bullecourt spielten sich auf beiden Ufern des Sensée- Baches bis in die Nacht hinein heftige Kämpfe ab. Oft wiederholte Angriffe der Engländer sind dort an der Zähigkeit unserer Truppen blutig gescheitert.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
In der Champagne nahmen württembergische und thüringische Regimenter und Teile eines Sturm- Bataillons in frischem Draufgehen mehrere französische Grabenlinien am Bochl- Berg und Keil- Berg füdlich von Moronvilliers. Sorg same Vorbereitung und zusammengefaßte Artilleriewirkung. bahnte der Zufanterie den Weg zu dem Erfolge, der gegen mehrere starke Gegenangriffe behauptet wurde. Der Feind erlitt schwere Verluste; über 250 Franzosen wurden gefangen, einige Maschinengewehre erbeutet.
Südöstlich von Nauroy säuberten Stoßtrupps ein aus den Kämpfen am 25. 5. in unserer Stellung bisher verbliebenes Franzosennest.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Nichts Neues.
Unsere Flieger schoffen 12 feindliche Flugzeuge und 2 Feffelballons ab.
Auf dem
und an der
östlichen Kriegsschauplaz
mazedonischen Front
ist die Lage unverändert.
Der Erste Generalquartiermeister
Ludendorff.
Abendbericht..
Berlin , amtlich. 28. Mai 1917, abends. Keine wesentlichen Ereignisse.
Der österreichische Bericht. Wien , 28. Mai. Amtlich wird verlautbart: Deftlicher Kriegsschauplah. Erhöhte Artillerietätigkeit des Feindes.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Jfonzokämpfe ließen gestern wesentlich nach. Nördlich des Wippachtales blieb das Gefecht beiderseits auf Geschützfeuer beschränkt. Auf der Karsthochfläche löste sich nach den letzten vier heißen Kampftagen der italienische Angriff in örtlich und zeitlich voneinander unabhängige Einzelvorstöße auf. Zwei solcher Vorstöße ansehnlicher Stärke wurden gestern bei Jamiano abgeschlagen. Heute früh wiederholte der Feind im selben Raum dreimal den Versuch, unsere Linien zu überrennen. Tapfere steirische und küstenländische freiwillige Schüßen warfen ihn aber zurück, wobei ihm das Marburger Bataillon 6 Offiziere, 300 Mann und zwei Maschinengewehre abnahm. Zu gleicher Stunde bei Gostanjevica angesezte italienische Kolonnen brachen im Feuer unserer Batterien zusammen. Alle Beobachtungen und Nachrichten stimmen darin überein, daß die blutigen Verluste des Feindes diesmal weit über die Opfer der früheren Isonzoschlachten hinausgehen. Das Vorfeld unserer Stellungen ist von italienischen Leichen übersät. In Kärnten und an der Tiroler Front keine Ereignisse von Belang.
Südöstlicher Kriegsschauplah.
Unverändert.
Der Chef des Generalstabes.
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Vergebliche französische Angriffe bei Parguy Die Isonzofront unerschütterlich Bisher 13 000 Italiener gefangen. Großes Hauptquartier, den 27. Mai 1917.
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Amtlich.
Weftlicher Kriegsschauplah. Seeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Im Wytschaete- Bogen und auf beiden Ufern der Scarpe nahm die Feuertätigkeit wieder größeren Umfang an. Mehrfach wurden englische Erkundungsvorstöße abgewiesen, füdwestlich von Acheville und nördlich von Monchh Bereitstellungen feindlicher Sturmtruppen unter Wirkungsfeuer genommen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Bergeblich versuchten abends die Franzosen in viermaligem Angriff, uns die an den Steinbrüchen von Pargny gewonnenen Stellungen wieder zu entreißen. Auch ein nach Eintritt der Dunkelheit vorbrechender fünfter Ansturm scheiterte verlustreich.
Ein nachts bei Baugaillon nach starkem Feuerüberfall einsezender Vorstoß blich für den Feind ohne jeden Erfolg. In der Champagne war westlich der Suippes der Artilleriekampf lebhaft.
Heeresgruppe Herzog Albrecht Nichts Wesentliches.
Am 26. Mai sind 15 feindliche Flieger abgeschossen worden, Leutnant Voß blieb über den 30. Gegner Sieger im Luftkampf. Auf dem
und an der
östlichen Kriegsschauplah
mazedonischen Front
bei wechselnder Feuertätigkeit in einzelnen Abschnitten teine größeren Kampfhandlungen.
Der Erste General quartiermeister. Ludendorff.
Abendbericht.
Berlin , 27. Mai 1917, abends. Amtlich. Im Artois und in der Champagne fleinere Infanteriekämpfe mit für uns günstigem Ausgange.
Der österreichische Bericht.
Wien , 27. Mai. Amtlich wird verlautbart: Deftlicher Kriegsschauplag. Stellenweise stärkeres russisches Artilleriefeuer, das von uns entsprechend beantwortet wurde.
Italienischer Kriegsschauplas.
Das Schwergewicht der Schlacht ruhte gestern völlig auf dem Südflügel der Isonzoarmee. Nördlich des Wippach- Tales tam es, von einem durch Gegenstok rasch abgeschlagenen Angriff auf die Höhen bei Vodice abgesehen, nur zu Geschüßkämpfen wechselnder Stärke. Auf der Karsthochfläche ballte der Feind abermals gewaltige Massen zum Stoß zusammen. Auf dem Fajti Hrib und bei Constanjevica kam der Kampf ausnahmslos vor den vordersten Gräben zum Stehen. Hier brachen alle Anstürme zusammen. Zwischen Jamiano und dem Meere wogte die Schlacht bewegter. Einige Höhen wechselten mehrmals des Tages ihre Befiber. Aber ungebrochen fest blieb auch hier die Front des Verteidigers.
Die Hauptlast des Kampfes trägt, wie immer, die über alles Lob erhabene Infanterie. Die Honved- Regimenter 12 und 31 und das Honved- Bataillon III/ 20 wiefen in 48 Stunden 17 feindliche Angriffe zurück, das ungarische Heeres- Regiment Nr. 37 deren 18 an einem Tage, an dem es überdies dreimal eine Höhe stürmte. Die Regimenter 11, 55, 91 und 98, in deren Reihen zurzeit Söhne aller österreichischen Völker stehen, erkämpften bei Jamiano dauernden Ruhm.
Die Artillerie wetteifert mit der Hauptwaffe an Tapferkeit und zähem Ausharren. Artillerieleutnant Erzherzog Leopold schloß sich mit einer Handvoll Kanonieren einem Infanterieregiment an, stürmte in vorderster Linie mit und brachte zwei italienische Maschinengewehre als Beute zurück.
Land- und Seeflieger liefern nicht nur für das Erkennen der Feindlage wertvolle Erkundungsergebnisse, sie unterstützen aufopfernd die Artillerie und Infanterie in allen Phasen des Kampfes.
Die Kraftfahrtruppe führte in wirksamstem italienischen Feuer Tag und Nacht Kriegsbedarf bis knapp hinter die vordersten Linien.
Die Zahl der seit dem 23. Mai auf der Karsthochfläche eingebrachten Gefangenen ist auf 250 Offiziere und über 7000 Mann gestiegen. Insgesamt wurden seit Beginn der 10. Isonzoschlacht über 13 000 unverwundete Italiener an Gefangenen eingebracht.
Eine der wesentlichsten Vorbedingungen ficgreicher Abwehr ist reiche Ausstattung des Verteidigers mit Geschüßen, Maschinengewehren, Schießbedarf und technischem Kriegsgerät. Wenn es dem Feinde am Isonzo in 16 Schlachttagen nicht gelang, einen irgendwie in die Wagschale fallenden Vorteil zu erringen, so ge= bührt reicher Anteil an diesem Erfolge den Tausenden Männern und Frauen, die in den Rüstungswerkstätten des Hinterlandes, von vaterländischem Geist erfüllt, treu und unverdroffen schwerer, aber für das Feldheer ausschlaggebender Arbeit obliegen. Bleibender Dank des Vaterlandes ist ihnen sicher. Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Der Chef bes Generalstabes.
Von M. Beer.
Seit ungefähr hundert Jahren verlangt das englische. Volk das allgemeine Wahlrecht. Im Jahre 1817 fanden bereits öffentliche Volksversammlungen statt, die das Wahlrecht für alle erwachsenen Männer und Frauen verlangten. Und zwei Jahre später veranstalteten zu demselben Zwecke die männlichen und weiblichen Arbeiter von Lancashire auf dem Petersfelde in Manchester eine Riesendemonstration, die mit einem fürchterlichen Massaker endete. Die Wahlrechtsbewegung flammte wieder im Jahre 1830 auf und führte 1832 zur ersten Wahlreform, die den Mittelschichten das Wahlrecht gab und die Arbeiterklasse leer ausgehen ließ. Hierauf entstand die chartistische Bewegung, die zwei Jahrzehnte lang mit großer Leidenschaft für eine demokratische Wahlreform fämpfte. Aber erst im Jahre 1868 erhielt die bessergestellte städtische Arbeiterschaft das Wahlrecht, und im Jahre 1884 wurde es auch auf ländliche Arbeiter ausgedehnt.
Troß dieser Reformen besteht in Großbritannien noch bis jiegt fein allgemeines männliches Wahlrecht. Denn die an die Arbeiterklasse gemachten Konzessionen sind durch rechtliche Formalitäten und Geldbedingungen erheblich abgeschwächt.
Vor allem muß der erwachsene Mann, um wahl. berechtigt zu sein, mindestens eine selbständige Wohnung von einem Zimmer, das 200 Mark jährliche Miete wert ist, innehaben. Dann muß er ein Jahr vor der Aufstellung der Wählerliste in derselben Gemeinde gewohnt haben. Bei der Aufstellung der Wählerliste gehen förmliche juristische Schlachten vor sich. Jede politische Partei hat ihre Wahlagenten, die darüber wachen, daß die Kommission, die die Wählerlisten aufstellt, nicht diesen oder jenen Einwohner in die Listen aufnimmt, der nach ihrer Ansicht hierzu nicht berechtigt ist, wobei selbstredend jeder Wahlagent die Wähler der anderen Partei anzufechten und auszuschalten sucht. Man darf annehmen, daß durch diese Bedingungen und Formalitäten etwa 20 v. H. der erwachsenen Männer das Wahlrecht berlieren.
Dann gibt es eine fleine Schicht von reichen Leuten, die mehrere Stimmen haben. Jeder von ihnen hat dort eine Stimme, wo er ein Haus, eine Fabrik oder Grundbesitz hat. Besitzt er in mehreren Wahlkreisen Grund und Boden oder Gebäude, so hat er mehrere Wahlstimmen. Und da die englischen Wahlen sich mindestens eine Woche hinziehen, so haben diese Begünstigten die Gelegenheit, an jedem Wahltage in einer anderen Gemeinde zu stimmen. Das Automobil erleichtert es sogar so manchen dieser Leute, an einem Tage zwei Stimmen abzugeben. Die Zahl dieser Mehrstimmen beläuft sich auf ungefähr 500 000.
Schließlich kommt noch hinzu, daß die Wahlen sehr fostspielig sind. Jeder Kandidat muß dem Wahlfommissar mindestens 2500 Mark zahlen. Diese Verpflichtung hat keinen anderen Sinn, als es den Minderbemittelten unmöglich zu machen, als selbständige Kandidaten aufzutreten. Der ganze Apparat ist von altersher für reiche Beute eingerichtet worden. Er soll eine Schranke bilden gegen den Eintritt der Minderbemittelten ins Parlament, außer mit Hilfe der Reichen oder der Parteiorganisation. Und da es bis zum Jahre 1910 feine Parlamentsdiäten gab, so war die politisch- rechtliche Lage der englischen Arbeiter sehr ungünstig. Nur die großen Gewerkschaften konnten sich zuweilen eine besondere parlamentarische Vertretung von zwei oder drei ihrer Führer leisten. Jahraus, jahrein nahmen die Gewerkschaftsfongresse Entschließungen an, die die Hinwegräumung dieser undemokratischen Beschränkungen forderten. Jetzt soll ihnen endlich Folge gegeben werden.
Nach der neuen Wahlrechtsvorlage erhalten alle erwachsenen männlichen Personen im Alter von 21 Jahren das Wahlrecht. Die Wahlen sollen an ein und demselben Tage stattfinden. Die Mehrstimmen werden nicht gänzlich abgeschafft, wohl aber die Zahl dieser Begünstigten herabgesetzt und auf das Abgeben von zwei Stimmen beschränkt. Auch die Arbeiter können zwei Stimmen haben: eine im Wahlkreise ihres Wohnortes, die zweite im Wahlfreise ihrer Beschäftigung. Uebrigens verliert diese Einrichtung an Bedeutung durch die Verlegung der Wahlen auf einen Tag. Die Seßhaftigkeit wird auf sechs Monate herabgefeßt. Die Kosten der Aufstellung der Wählerlisten und der Wahlen werden auf Staat und Gemeinde abgewälzt.
Auch die Einführung der Verhältnis. wahlen wird erwogen, ebenso die Gewährung des Wahlrechts an weibliche Personen im Alter von 30 Jahren. Aber die beiden letzteren Punkte bilden feinen festen Bestandteil der Vorlage. Die Regierung erklärte dem Parlamente, daß sie es ihm überlasse, über diese Fragen zu entscheiden.
Mit jeder englischen Wahlreform war stets eine Neuberteilung der Wahlkreise verbunden. Auch diesmal wird nach Annahme der Vorlage eine Neuberteilung vor genommen werden. Höchstwahrscheinlich zugunsten der dicht bevölkerten Distrikte.