GewerkschaMumung Deutsches Kcich. Ucbcr die Lage des Arbcitsmnrktcs im Mai 1317 Lencfitet das vom Kaiserlichen Stalistiichen Amie herausgegebene„Neichs-Arbeits- blatl" in seinem Juniheft, wie folgt: Die Kraft, mit der die deutsche Kriegswirtschaft seit Monaten arbeitet, um den Erfordernissen des Heeres und de-Z Inlandsmarkts gu genügen, zeigte sich auch im Mai unvermindert stark und vcr- riet mit dem Mai des Vorjahrs verglichen vielfach noch eine Steigerung. Jni Bergbau und Hüitenbcirieb macht sich dem Vormonat gegenüber teilweise eine Steigerung des Absatzes bemerkbar. Ins- besondere ist hier wie bei der Metall-- und Maschinenindustrie ver- schiedentlich eine höhere Arbeitsleistung als im Mai des Porjahres festzustellen. Die elektrische wie die chemische Industrie arbeiteten ebenso rege wie im Vormonat. Für die Nahrungsmittelindustrie ist im ganzen eine Abschwächung kennzeichnend, während das Be- klcidungsgewerbe eine Veränderung in seiner im allgemeinen be- friedigenden Lage nicht erfahren hat. Für den Baumarkt macht sich keine erhebliche Veränderung geltend. Die Nachweisungen der Krankenkassen ergeben für die am 1. Juni 1917 in Beschäftigung stehenden Mitglieder dem 1. Mai gegenüber insgesamt eine Zunahme um 130 188 Beschäftigte oder um 1,41 Proz.(gegenüber einer Zunahme der Beschäftigtenzahl um 1,42 Proz. in der entsprechenden Zeit des Vorjahrs). Das Zu- nahmevcrhältniS ist bei beiden Geschlechtern annähernd gleich. Tie Steigerung der männlichen Beschäftigung betrug 1,16 Proz. (gegenüber einer solchen um 1,26 Proz. im Vorjahre). Die Erhöhung der weiblichen Beschäftigung stellte sich am 1. Juni auf 1.64 Proz.(gegenüber einer Zunahme um 1,61 Proz. im Vorjahr). Dag die noch stärkere Zunahme des vorigen Monats nicht ganz er- reicht worden ist, erklärt sich in erster Linie daraus, das; der April infolge des Eintritts der schulentlassenen Jugend ins Erwerbsleben in der Regel eine außergewöhnlich hohe Zunahme verzeichnet. Zu berücksichtigen ist bei der Beurteilung der Bewegung der männlichen Beschäftigtenzahl, daß die Kriegsgefangenenarbeit in den Ergebnissen der Krankenkassenstatistik nicht einbegriffen ist. Die Arbeitslosigkeit war gegen den Mai der drei vorhergehenden Jahre wesentlich gesunken, da sie 1914 2,8, 1315 2,9 und 1916 2,5 Proz. betrug. Die Statistik der Arbeitsnachweise läßt im BerichtSmonat für das männliche wie das weibliche Geschlecht ein Sinken des An- drangeS der Arbeitsuchenden erkennen. Im Mai kamen auf 169 offene Stellen bei den Männern 53 Arbeitsuchende(gegen 56 im Vormonat), während beim weiblichen Geschlecht sich der Andrang von 197 auf 96 verminderte. In Berlin-Brandenburg stand der Arbeitsmarkt im Zeichen leb- haftefter Anspannung._ Ter Buchbinderverband im Jahre 191«. Wenn eine Gewerkschaft nach mehr als zweijähriger Kriegs- dauer in ihren Grundfesten nicht nur unerschüttert geblieben ist, sondern auÄ noch Fortschritte in der Mitgliederwerbung und in ihren Vermögensbeständen aufzuweisen hat, so beweist das am schlagendsten.' für wie notwendig sie von den Berufsangehörigen gehalten wird. Der Buchbinderverband ist in der glücklichen Lage, das von sich sagen zu können, wie der soeben erschienene Jahres- berilbt seines Vorstandes erkennen läßt. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1915: 6283 männliche und 19 722 weibliche, zusammen 17 995 Mitglieder; dagegen Ende 1916: 5489 männliche, 11 972 weibliche, also insgesamt 16 552 Mitglieder. Zählt man die zum Heeresdienst Einberufenen nicht als Verlust, da man doch annehmen muß, daß sie bei Entlassung ans dem Heer wieder Verbmidsmitglieder werden, so hat eine Mltgliederzunahme statt- gesunden..Die Arbeitslosigkeit ist allerdings in; Buchbinderverband auf ein nock nie in Friedenszeiten dagewesenes Mindestmaß herab- gesunken. Immerhin mußten für Arbeitslose nock 53 614 M. auf- gewandt werden. Die gesainten Einnahmen des Verbandes, aus- ichließlich der der örtlichen Kassen, betrugen 491 369 M.: 37 118 M. weniger als im Vorjahre. Die Ausgaben bcliefen sich auf 319 666 M. Der Vermögensbestand stellte sich im letzten Jahre vor dem Kriege, also Ende 1913 auf 1379 679 M., davon 369 319 M. in den ört- lickcn Kassen; dagegen Ende 1916 auf 1 423 299 M., wovon 346 192 M. sich in den Kassen der örtlichen Zahlstellen befanden. Da vom Ver- bandsvermögen aber ein erheblicher Teil für Jnvalidenunterstützung in Reserve behalten werden muß, wenn auch die Ausgaben dafür jetzt nock— 1916 nur 2649 M.— gering sind, so warnt der Verbands- voiftand doch davor, die finanzielle Lage des Verbandes allzu rosig anzusehen, zumal nach dem Kriege die überwiegende Mehrzahl der Taiisverträge ablaufen und harte Lohnkämpfe vielleicht große Summen verschlingen könnten. Bei den Lohn- bezw. Teuerungszulagebewegungen wurden für 15 481 Berufsangehörige wöchentliche Lohnerhöhungen von 36 572 M., olio für den Kopf 2,36 M. im Durchschnitt erzielt. Damit dürfte jedoch nur das erfaßt worden sein, was unmittelbar als Teuerungs- zulage gewährt wurde, nicht aber die Lohnzulagen. Im Jahresbericht rollt das ganze Leben des Verbandes vor- über, das trotz des Krieges vielseitig ist und infolge seines durchaus gesunden Kerns die beste» Hoffnungen auch für die Zukunft des Buchbinderverbandes zuläßt._
verlin und Umgegend. Verkürzung der Arbeitszeit in den Eisenbahnwerkstätten. Am Montag hatte der Arbeiterausschuß die in der Versamm- lung am Freitag angekündigte Verhandlung mit der Direktion. Das Ergebnis dieser Unterredung spricht dafür, daß das Vorgehen der Eisenbahner nicht ohne Erfolg geblieben ist. Dem Ausschuß wurde der Bescheid, daß auf Grund einer Verfügung des Ministers die Arbeitszeit in allen preußischen Eisenbahnwerkstätten vom 1. Juli ab um eine Stunde verkürzt werden soll. Das bedeutet für die Berliner Werkstätten, daß statt der bis- herigen zwei Ueberstunden nur noch eine Ueberstunde gemacht wird. Die Forderung der Berliner Eisenbahnerversammlung am Frei- tag: Neunstündige Arbeitszeit ohne Ueberstunden, ist damit aller- dings nicht erreicht. Sie haben nun statt der clfstündigen die zehn- stündige Arbeitszeit, die in einem Teil der Berliner Eisenbahn- Werkstätten schon jetzt innegehalten wird, zum anderen Teil, gemäß der Ministerialverfügung, vom 1. Juli ab eintreten soll. Der Arbeiterausschuß ließ sich in der Unterredung mit der Direktion davon überzeugen, daß wegen der hohen Anforderungen,
die gegenwärtig an den Eisenbahnbetrieb, namentlich auch in mili- tärischem Interesse, gestellt werden, eine Verkürzung der Arbeits- zeit auf 3 Stunden zurzeit nicht möglich sei. Anscheinend sind auch die Arbeiter in der Mehrheit unter Berücksichtigung der Zeit- Verhältnisse mit diesem Ergebnis zufrieden. Damit dürfte also die Bewegung für Verkürzung der Arbeitszeit einstweilen abgeschlossen sein. Anders verhält es sich dagegen mit der Forderung einer Lohn- erhöhung. Zeitnngsmeldungcn zufolge soll den Arbeitern durch Ministerialverfügung eine Aufbesserung des Stundenlohnes um 6— 8 Pf. zugesichert sein, was der Triersche Eisenbahnerverband— wir wissen nicht, aus welchen Gründen— als einen Erfolg seiner Tätigkeit hinstellt. Wie dem auch sei: diese Lohnzulage befriedigt die Arbeiter, soweit sie zum Dcuischen Eiscnbahncrverband halten, durchaus nicht. Eine. Zulage von 6— 8 Pf. für die Stunde würde nur den Lohnausfall für die fortfallende Ueberstunde einbringen, also eine wirkliche Lohnerhöhung nicht darstellen. Die Löhne"der Eisenbahnarbeitcr stehen so weit hinter den Löhnen in der Privat- industrie zurück, daß sich schon aus diesem Grunde eine ange- messene Aufbesserung nötig macht. Unabweisbar ist sie jedoch im Hinblick auf die fortgesetzt steigenden Preise der Lebensmittel. Die Arbeiter wollen deshalb den Versuch, eine den Verhältnissen ent- sprechende Lohnerhöhung zu erhalten, nicht aufgeben, sondern ihre Bemühungen in dieser Richtung energisch fortsetzen.
Die Teuerungszulagen der Buchbinder. Eine Versammlung aller in Buchbindereien, Buch- dr uckereien und Geschäftsbücherfabriken be- schäftigten Buchbinder und Buchbinderei- Ar- beiterinnen nahm am Montag den Bericht über die neuen Verhandlungen entgegen, die in der Frage der Teuerungszulagen mit den beiden Uniernehmerorganisationen stattgefunden haben. N ü g e r berichtete zunächst über die Verhandlungen mit den Berliner Buchbindereibesitzern betreffend den lo- kalen Extrazuschlag für Berlin . Bei den Leipziger Verein- barungen mit den deutschen Buchbindereibesitzern, die über die Nr- gelung der Teuerungszulagen für die Buchbindereien in Berlin , Leipzig und Stuttgart getroffen sind und über die der„Vorwärts* seinerzeit berichtet hat, war die Frage des Berliner Sonderzuschlags ausgeschieden worden. Sie blieb lokaler Regelung vorbehalten. Nach schwieriger Verhandlung mit dem Verein Berliner Buchbindereibesitzer ist über den lokalen Sonderz»schlag eine Vereinbarung getroffen worden, die für diesen Zuschlag eine gegen früher abweichende Form wählte. Früher war er in Prozenten festgesetzt. Jetzt sind es feste Wochen- zuschlüge zu den Wochensätzen der in Leipzig für Berlin , Leipzig und Stuttgart vereinbarten, nach Verdiensten abgestuften Teuerungs- zulagen. Eine Umrechnung ergibt, daß es im allgemeinen 19 Proz. sind und daß nur bei Verdiensten über 79 M. der Lokalzuschlag bis auf 6 Proz. sinkt.— In Berlin sind nach der neuen Verein- barung zusammen an allgemeiner Teuerungs- zulage und lokalem Sonderzuschlag folgende Sätze zu zahlen: Arbeiter in Zeit- und Akkordlohn erhallen bei einem Wochenverdienst bis 34 M. die Verheirateten 13 M., die Ledigen 11,59 M.. bei einem Wochenverdienst über 34 bis 38 M. die Ver- heirateten 11,59 M., die Ledigen 19 M.. bei einem Wochenverdienst über 38 bis 42 M. die Verheirateten 19 M., die Ledigen 8,59 M., bei einem Wochenverdienst über 42 bis 69 M. die Verheirateten 8 M., die Ledigen 6,59 M., und bei einem Wochenverdienst von mehr als 69 M. die Verheirateten 7 M., die Ledigen 5,59 M.— Arbeiterinnen in Zeit- und Akkordlohn erhalten 3,59 M. bei einem Wochenvcrdienst von 12 M., 6,59 M. bei einem Wochenverdienst über 12 bis 29 M., 4,59 M. bei einem Wochenverdienst über 29 bis 39 M. und 4 M. bei einem Wochenverdienst von mehr als 39 M. Die Gestaltung der Teuerungszulagen in den Berliner Buchdruckereien und Geschäftsbuch« fabriken betraf der zweite Teil des von Rilger erstattete�. JSe- tichf". Der Verein Berliner Büchdruckereibesitzer hatte, wie schon im„Vorwärts* mitgeteilt wurde, bei früheren Verhandlungen in bezuq auf die Teuerungszulagen des männlichen und weiblichen Buchbinderpersonals in Buchdruckereien und GeschästSbuchfabrikcn bestimmte Zugeständnisse gemacht, die vom 1. Mai ab in Geltung sind. Es hallen sich aber weitere Verhandlungen notwendig gemacht, namentlich im Hinblick darauf, daß den Berliner Buch- druckergehilfen neben den vom Tarifamt festgesetzten neuen Teuerungszulagen inzwischen noch ein lokaler Kriegszuschlag bewilligt worden war. Ein gleichartiger Kriegszuschlag wurde für die Buchbinder in Buchdruckereien und Geschäftsbuchfabriken eben- falls verlangt. Die Verhandlungen waren auch hier schwierig. Schließlich wurdekzwischen den Vertretern der Berliner Buchdruckerei- besitzer, vorbehaltlich der Zustimmung des Plenums des Vereins Berliner Buchdruckereibesitzer, folgendes vereinbart: Der lokale Berliner Kriegszuschlag für Buchbindergehilfen, der außer der schon früher bewilligten Teuerungszulage bewilligt wird, soll betragen: für Tischarbeiter bei einem Wochenlohn bis 32,59 M. für Verheiratete 5 M., für Ledige 3,59 M., bei höherem Wockenlohn bis zu 38,59 M. für Verheiratete 4 M., für Ledige 2,59 M. und bei einem darüber hinausgehenden Wochenlohn bis zu 49,59 M. für Verheiratete 3,59 M.. für Ledige 2 M. Gehilfen mit höheren Löhnen, die aber einschließlich der früher bewilligten Teuerungszulage im Wochenverdienst, ivenn verheiratet, unter 59 M. und, wenn ledig, unter 48,59 M. bleiben, erhalten als lokalen Kriegszuschlag soviel, daß sich ein Wochenverdienst von 59 M. für Verheiratete und ein solcher von 48,59 M. für Ledige ergibt. Für Spezialarbeiter(Presser, Hefter, Bcschneider usw.) werden als Berliner lokaler Kriegszuschlag außer der früher bewilligten Teuerungszulage gezahlt: bei einem Wochenlohn bis zu 34 M. für Verheiratete 5 M., für Ledige 3,59 M., bei höheren Wochenlöhnen bis zu 49 M. für Verheiratete 4 M., für Ledige 2,59 M. und bei Löhnen darüber hinaus bis zu 42 M. für Verheiratete 3,59 M., für Ledige 2 M. Gehilfen(Spezialarbeiter) mit höheren Löhnen, die aber einschließlich der früher bewilligten Teuerungszulage im Wochenverdienst unter 51,59 M., wenn ver- heiratet, und unter 59 M., wenn ledig, bleiben, erhalten als Kriegs- zuschlag soviel, daß sich ein Wochenverdienst von 51,59 M. für Ver- heiratete und von 59 M. für Ledige ergibt. Der besondere lokale Kriegszuschlag ist bei Leistung von Ueberstunden und Sonntags- arbeit auf den Stundenlohn zu verrechnen, die tarifliche Teuerungs« zulage dagegen nicht. Die Auszahlung des lokalen Berliner Kriegs- Zuschlags erfolgt erstmalig in der Lohnwoche vom 1. bis 8. Juli. An den Bericht knüpfte sich eine Diskussion. Wenn auch die Diskussionsredner von den mitgeteilten Resultaten nicht befriedigt
waren, so kam doch zum Ausdruck, daß die Versammlung mit der Branchenleitung der Auffassung war, daß sich unter den obwaltenden Umständen nicht mehr erreichen ließ.
Industrie und Handel. Wiedereröffnung des Börsenverkehrs. Der Verein für die Interessen der Fondsbörse zu Verlin hat an den preußischen Minister für Handel und Gewerbe eine Eingabe gerichtet, in der die Wiedereröffnung der Börse beantragt wird, d» durch manche Erfahrungen der letzten Jahre die volkswirtschaftlich« Notwendigkeit eines börsenamtlich geregelten Wertpapierverkehr» von neuem dargetan worden sei. Die Eröffnung der Börse hätte den Vorteil, daß die will« Hausse, dte sich jetzt im Dunkeln austobt, ans helle Licht der Kritik gezogen würde. Nachteilig ist die Erleichterung der Spekulation für das Publikum. Sicher wäre in diesem Zusammenhang auch die Stellung der Banken und Bankiers nachzuprüfen, die jetzt atS Eigenhändler, nicht als Kommissionäre den Kunden gegenübertreten und daher in wahrhaft unverschämter Weise den höchsten bzw. nie- drigstcn Tageskurs berechnen können, auch wenn sie zum nie» drigsten bzw. höchsten Tageskurs gekauft oder verkaust haben.
Die ewigen Äapitalscrhöhungen. Es wird schon wieder eine neue Kapitalserhöhung gemeldet. Tie Fahrzeugfabrik Eisenach, die sowohl in ihrem Stammbetriebe große Erweiterungen durchgeführt, wie auch eine Fabrik bei Hanau erworben hat, erhöht ihr Kapital um VA auf VA Million Mark. Nach einem hiesigen Börsenblatte beabsichtigt die Daimler Motoren- Akt.- Ges. auf je eine alte Aktie zwei neue Aktien zum Nennwerte auszugeben. Begründet wird diese große Kapitals- Verbesserung— es handelt sich um eine Kapitalserhöhung von 8 auf 24 Millionen Mark— damit, daß neue große Aufträge vorliegen. Aber erstens hat die Gesellschaft ein sehr großes Bankguthaben, zweitens schließen die hohen Preise der Rüstungslieferungcn auch die Kosten von Neuanlagen ein, und drittens könnte sich die Gesell- schaft die 16 Millionen Mark sehr leicht durch Ausgabe von Schuld- verschreibungen oder durch Prioritätsaktien beschaffen, die auf den Gewinn vorweg 5 Proz. oder 6 Proz. erhalten, deren Anteil am Gewinn aber auch darauf beschränkt bleibt. Angeblich soll diese Kapitalserhöhung recht bald in einer außerordentlichen General- Versammlung erfolgen. Man darf immerhin mit Spannung ab- warten, ob sich der preußische Handclsminister und der Rcichsbank- Präsident diesen Wünschen fügen und ruhig zusehen werden, wie nicht nur Kapital überflüssigerweise der Anlage in Kriegsanleihe entzogen wird, sondern wie, was noch schlimmer wiegt, das Kapital durch die Chancen solcher Kapitalserhöhungen überhaupt von dem Rentenmarkt ab und dem Aktienmarkte zugeleitet wird.
Ein Königlichrs Gcncralvcrkchrsamt. Am 1. Juli d. I. wird die von der Staatseisenbahnverwaltung eingevichtete Generalbetriebsleitung Ost aufgehoben und die von dieser bisher bearbeiteten Betriebsangelegenheitcn gehen auf die Betriebsabteilung des Eisenbahnmimsteriums über. Die bisher von der Generalbetriebsleitung Ost bearbeiteten Verkehrsange- legenheiten hat der Minister der öffentlichen Arbeiten vom gleichen Zeitpunkte ab dem Kgl. Eisenbahn-Zentralamt mit der Maßgabe übertragen, daß die einheitliche Leitung dieser Angelegenheiten nicht nur für den Bereich der bisherigen Generalbetriebslcitung Ost, sondern für den Bereich aller nicht zur Generalbetricbsleitung West gehörender Eisenbahndircktionsbezirke auf das Eisenbahn- Zentralamt in einer besonderen Gruppe vereinigt und unter der Firma„Königliches Generalverkehrsamt" erledigt werden. Dem Generalverkehrsamt obliegt somit in Zukunft die Ueberwachung der gesamten Verkehrsbewegung innerhalb seines Bezirks. Es hat zur Frachtraumersparnis und zur Entlastung des Betriebes dahin zu wirken, daß unnötige Transporte unterbleiben, unzweckmäßige sachgemäß geregelt werden. Zu diesem Zwecke hat es insbesondere auf eine Entlastung der Eisenbahnen duxch die Wasserstraßen, jrnf ein Zusa mmen fass en des Verkehrs— insbesondere des Massenverkehrs— in geschlossenen Zügen, auf eine zweckentsprechende Regelung des Stückgutverkehrs und Ausgestaltung der Lcitungs- und Ladevorschriften planmäßig hinzuwirken. Der Eisenbahn- minister legt Wert darauf, daß die Eisenbahndirektionen die Tätig- keit des Generalverkehrsamts in jeder Weise, insbesondere auch durch Anregungen, unterstützen.
Gerichtszeitung. AuS dem Posener Getreideschiebungsprozcß. Im Laufe� des ersten Verhandlungstages gab der landwirtschailliche Sach- verständige Carell ein Gutachten ab über die Gersten- und Saatgerstenpreise vor und während des Krieges, über den normalen Friedensverdienst, den Kriegsverdienst, die hohen Spesen in Kriegs- zeiten usw. Im Frieden habe der Getreidehändler an der Tonne Gerste 5—6 M. Verdienst gehabt, im Kriege müsse er das Doppelte haben. Der Sachverständige sagt aus, daß der Angeklagte durch die Angabe, er habe Saatgerste gekauft, wahrscheinlich bloß eine Verschleierung des Geschäfts habe vornehmen wollen. Posten von 3999 Zentner Saatgerstc, wie sie der Angeklagte gehandelt hat, kämen gar nicht vor. Tie Saatgerste sei ein so diffiziler Artikel, daß man höchstens 299 bis 399 Zentner in Friedenszeiten gekauft und verkauft hätte.— Beim Beginn des zweiten Verhandlungstages äußerte sich der Angeklagte über seine Vermögensverhältnisse und bemerkte dabei, daß ihn die„Wechsel- reiterei* der Gutsbesitzer in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht habe. Seine Geschäfte mit beschlagnahmter Gerste, Mischfutter, Saatroggen usw. hat der Angeklagte mit den Rittergutsbesitzern v. Lossow und Plucinski gemacht. Als ihm die Ungenauig- ketten in seiner Buchführung vorgehalten werden, entgegnet er: „Um die Bücher habe ich mich niemals gekümmert. Ich verstehe auch nichts davon!"