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Nr. 257. 34. Jahrg.

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.Sozialdemokrat Berlin ".

Vorwärts

Berliner Volksblaff.

5 Pfennig

Der Anzeigenpreis beträgt f. bie fiebengespaltene Rolonel. Beile 60 fg. Kleine Anzeigen", bas fettgebrudte Wort 20 Pfg.( zu lafftg 2 fettgebrudte Worte), jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20% Familien Anzeigen 50 Pfs., politische u. gemertschaftliche Vereins. Anzeigen 40 Bfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmitt. im Hauptgeschäft, Berlin SW.68, Lindenstraße 3, abs gegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3.

Fernsprecher: Amt Moritplat, Rr. 151 90-151 97.

Mittwoch, den 19. September 1917.

Expedition: Sw. 68, Lindenstraße 3. Wernsprecher: Amt Morikplats, Nr. 151 90-151 97.

Kornilow in Mobilew interniert.

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Starke Feuerstöße zwischen Houthoulfter Wald und Lys Gesteigerte Artillerie­tätigkeit bei Laon Angriffe der Ru­mänen westlich des Sereth .

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Amtlich. Großes Hauptquartier, 18. September 1917.( 28. 2. B.)

Weftlicher Kriegsschauplah.

Seeresgruppe Aronprins apprent

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In Flandern wiederholten die Engländer auch gestern ihre ftarken Feuerstöße gegen einzelne Abschnitte zwischen dem Hout. houlster Walde und der Lys. Es fanden nur eine Infanterie­tämpfe ftatt, bei denen die angreifenden englischen Abteilungen durchweg zurückgeworfen wurden. Unsere Artillerie hat die Be­kämpfung der feindlichen Batterien mit voller Kraft wieder auf­genommen.

Zwischen La Baffée- Kanal und Lens sowie von der Somme bis an die Dise war die Gefechtstätigkeit lebhaft.

Heeresgruppe Deutscher kronprins Beiderseits der Straße Laon- Soiffons und auf bem rechten Mads- Ufer erreichte die Kampftätigkeit der Artillerien zeitweilig beträchtliche Stärke. An mehreren Stellen entwickelten sich Bor­feldgefechte, die für uns günstig verliefen.

Seeresgruppe ergsg Albret

Weftlich von Apremont brachten Sturmtrupps von einem Handstreich gegen die französischen Stellungen eine Anzahl Ge­fangene zurüd.

Oberleutnant Berthold schoß wieder zwei Gegner im Luft­tampf ab.

Ein gefährlicher Plan.

Deftlicher Kriegsschauplah.

Im Bogen um Luck, am Unterlauf des 8brucz und in den Bergen öftlich bes Bedens von Rezbivasarhely zeigte fich ber Feind rühriger als in lester Zeit. Bei der

Seeresgruppe Madenfen führten die Rumänen westlich des Sereth nach ausgiebiger Fener­vorbereitung bei Barnita und Muncelul mehrere Teilangriffe, bie verluftreich scheiterten.

An der Rimnic- Manbung wurden bei einem eigenen Unter­nehmen Gefangene gemacht.

Mazedonischen Front.

Keine größeren Gefechtshandlungen.

Der Erste General quartiermeister. Lubendorff.

Abendbericht.

Berlin , 18. September 1917, abends.

Amtlich.

In Flandern starker Artilleriekampf, östlich und füd­östlich von Yperu.

Bor Verdun nachmittags auflebende Gefechtstätigkeit öftlich der Maas .

Bom Often nichts Nenes.

Der österreichische Bericht. Bien, den 18. September 1917.( 28. B.) Amtlich wird verlautbart:

Auf der Hochfläche von Bainfizza wurden vereinzelte nach ftarker Artillerievorbereitung unternommene feindliche Borstöße abgewiesen.

Bom öftlichen und südöstlichen Kriegsschanplat ist nichts zn melden.

Der Chef bes General # abes.

Die Gesellschaft der Völker.

Bon Edgard Milhand.

Borbemerkung der Redaktion. Wir haben in den lezten drei Jahren selten die Freude gehabt, mit Ausfüh rungen der Bariser sozialistischen Humanité übereinzustimmen. Defto lieber ergreifen wir heute die Gelegenheit, einen Artikel des oben genannten Berfaffers aus der Humanité" bom 11. September wiederzugeben. Die Gedanken,' bie in ihm zum Ausdrud gebracht werden, werden auch von uns ständig vertreten und sind den Lesern des .Bor. warts längst vertraut.

Edgard Milhaud gehört zu den bekanntesten Theoretikern des französischen Sozialismus. Eines seiner Werke aus der Zeit vor dem Kriege behandelt die deutsche Sozial­demokratie und klingt in die Worte aus: Die Sache der Kultur in jeder Form ist auch die ihre."

M

Während der ersten zwei Jahre des Krieges war die Ge­sellschaft der Nationen nur eine Utopie". Später richtete man sich darauf ein, von ihr wie von einem fernliegenden Problem zu sprechen.

Als in den letzten Dezembertagen 1916 Wilson die beiden kriegführenden Gruppen nach ihren Kriegszielen be­fragte, und ihnen dabei auseinandersette, daß nach ſeiner Meinung die welterschütternde Krise nur in einer neuen Ord­nung ihre Lösung finden könnte und daß diese Ordnung keine andere sei als die große Föderation der Völker, da waren die Mittelmächte und die Entente einig in der Erklä­rung, daß dies ein Problem der Nachkriegszeit, um nicht zu fagen der Nachfriedenszeit sei, mit dem sie sich im Augenblic nicht beschäftigen könnten.

Wir haben gegen jene Auffassung protestiert und haben uns bemüht, zu zeigen, daß die Völker Garantien brauchten und daß, wenn sie nicht dahin übereinkämen, allgemein gül­tige internationale Garantien zu schaffen, sie bis zur restlosen Erschöpfung kämpfen würden, um sich, eines gegen das andere, besondere Garantien zu schaffen, territoriale, ftra­tegische, die für die einen nur in dem Maße ein Schutz find, als sie für die anderen eine Bedrohung bilden.

fchen Antwortnote verbreitet toorben ist, so ergibt sich der Schluß, daß die beiden friegführenden Parteien sich in ihren materiellen Zielen wesentlich nähergekommen find, als Damals waren wir die einzigen, die eine solche Sprache Bon verschiedenen zuverlässigen Seiten geht uns die Mit etwa vor dreiviertel Jahren zur Zeit des Wilsonschen Ver- führten. Seitdem find Monate verstrichen, das Blut von Hun­teilung zu, daß die von den Aldeutschen geforderte Auf- mittlungsversuches. derttausenden ist geflossen, und die Idee hat ihren Weg ge­flärungsarbeit" gegen die Reichstagsmehrheit an amt- Zweifellos bewegt sich diese Annäherung nach der macht. So fanden wir sie in der gestrigen Nummer des lichen Stellen tatsächlich vorbereitet wird. Geplant ist Linie eines Verständigungsfriedens ohne Anbrud gebracht, der von Jules De strée, belgischen Gesandten An- Petit Parifien"( 10. September) in einem Artikel zum Aus­eine allgemeine Propaganda gegen den lauen Frieden" und negionen und Entschädigungen, wie er die Bedeutung parlamentarischer Beschlüsse. Geistreicher- den Sozialisten schon seit Jahr und Tag gefordert im revolutionären Rußland , unterzeichnet ist: weise soll der Staat mit dem Körper berglichen werden, der mordens bezeichnet worden ist. und als die einzige Möglichkeit einer Beendigung des Völker­Db freilich die Annäherung ja auch nicht durch den Mehrheitsbeschluß der Glieder", schon so weit gediehen ist, daß der Frieden, wie Optimisten sondern durch den einheitlichen Willen des Kopfes" regiert meinen, vor der Tür stehe, das ist die große Frage, denn bei werde. Druckschriften, Bilder und Films, die diese Theorie der Vieldeutigkeit der behutsamen Diplomatensprache ist es berbildlichen und vor dem Verzichtfrieden" graulich machen sehr wohl möglich, daß beide Parteien mit übereinstimmenden sollen, sind in Vorbereitung. Ausdrücken hie und da noch recht verschiedene Dinge meinen.

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Die Verhaftung Kornilows.

Ansprachen in diesem Sinne werden schon jetzt da und dort gehalten. In einzelnen Fällen ist es sogar vorgekommen, daß Borgefekte ihre Untergebenen aufforderten, sich zum Eintritt in die neue, Vaterlandspartei" zu melden. Die Leute sind dann genötigt, allerhand Ausflüchte zu Die aufständische Bewegung vollständig erledigt. machen ,, Reine Zeit! Kein Geld!" um es sich möglichst Petersburg , 18. September. ( Rentermeldung.) Aus mit ihren Vorgesetzten nicht zu verderben. Mohilew( Sit des Hauptquartiers. Red. d. Borw.) wird Wir glauben nicht, daß der verantwortliche telegraphiert, daß Kornilow mit 23 Generalen und Reichskanzler hinter diesem Treiben steht, nehmen viel haftet und in einem Hotel, das sehr streng bewacht wird, viel- Offizieren durch den Generalstabschef Alexejem ver­mehr an, daß er davon nichts weiß. Er wird aber, um interniert worden ist. Das Verhör Kornilows wird heute be­Schaden zu verhüten, diesen Dingen nachgehen und für Ord- endet werden. Die Garnison von Mohilew erklärte dem nung sorgen müssen. Uebergriffe von Vorgesetzten, die Regierungskommissar, daß sie an der Rebellion nicht teil­auf eine politische Beeinflussung der Untergebenen hinzielen, genommen habe und bat, wieder an die Front oder nach führen notwendigerweise zur inneren Zersegung. Auf diese Saloniki geschickt zu werden.

Gefahr rechtzeitig hinzuweisen, scheint uns Pflicht. Man Amsterdam , 18. September. Nach einem hiesigen Blatt meldet soll sich auch nirgends dem geringsten Zweifel darüber hin- die Times" aus Petersburg : Am Donnerstag wurden alle Truppen geben, daß die Ausführung jenes Planes auf entschiedene Kornilows an die Front geschickt. Die verhafteten Generale Gegenwehr in der Presse und besonders auch im Reichs- Denitin, Erdelli und Marlow wurden nach Petersburg tag stoßen würde. gebracht. Petersburg, 17. September. ( Meldung der Petersburger Tele­lag des Aufstandes Kornilows gebildeten öffentlichen Wohl. London , 17. September. Das Reutersche Bureau erfahrtsausschüssen für ihre Dienste und fordert fie auf, ihre fährt, daß die Alliierten den Friedensvorschlag des Papstes Tätigkeit einzustellen und sich aufzulösen, da die aufständische Be­nicht eher beantworten wollen, als bis die Mittel- wegung vollkommen erledigt sei. Er verfügt ferner, daß alle nicht mächte ihre Antwort an den Papst abgeschickt haben. Die ermächtigten Bersonen sich aller Handlungen zu enthalten haben, Haltung Englands stimmt im allgemeinen vollständig für die ausschließlich die gefeßlich eingefeßten Gerichte zuständig mit der Antwort überein, die Präsident Wilson dem find. Diejenigen, die sich in dieser Hinsicht vergehen, würden wegen Bapst gab. angemaßte Rechte streng bestraft werden.

Die Entente- Antwort auf die Papstnote. graphen- Agentur.) Ein Erlaß Kerenstis dankt den aus An­

Die Meldung, daß die englische Antwort sich im wesent­

lichen mit der des Präsidenten deden würde, ist schon einmal Eine weitere Meldung der Petersburger Telegraphenagentur be bor einigen Tagen verbreitet worden. Trifft sie zu und trifft fagt, daß General Kaledin, der unverhüllt gegenrevolutionär auftritt, weiter zu, was über den voraussichtlichen Inhalt der deut von seinem Boften als Setman der Dontojaten zurüdgetreten ift.

Wenn der Plan der Gesellschaft der Völker, so schreibt er, wirklich Gestalt gewinnt, wenn man eine. Möglichkeit entdeckt, anders als durch Verträge die Sicherheit der großen und Heinen Völker zu garantieren, die Möglichkeit, eine Rechtsprechung der Welt zu schaffen, um die Konflikte zwischen den Völkern zu prüfen und mit wirksamer Kraft die Ausführung der Richter­sprüche zu überwachen, wenn man im internationalen Leben den Fortschritt verwirklicht, der im bürgerlichen Leben schon vollzogen ist und allen Bürgern durch das Mittel der organisierten Staats­gewalt die persönliche Sicherheit verleiht, wer sieht nicht ein, daß dann die Kriegsziele außerordentlich verändert, die Ver­handlungen und Zugeständnisse erleichtert, die 2ösungen be­schleunigt würden? Wenn wir gewiß wären, nach dem Kriege vollkommene Einrichtung zur Regelung internationaler Streitigkeiten zu besitzen, wäre der Fortschritt so gewaltig, daß alles Uebrige nebensächlich würde und daß man sogar vorläufig den Statusquo wieder annehmen könnte, da ja die neue Orga­nisation es gestatten würde, das, was an der Karte von 1914 strittig war, später zu ordnen.

eine

Anderseits: solange diese verlockende Verheißung das Sta­dium unbestimmter wünschenswerter Möglichkeiten nicht verlassen hat, kann man den einzelnen Ländern nicht die Berechtigung des Bestrebens bestreiten, die Grundlagen ihrer Verteidigung in der Zukunft zu verbessern. Und so werden sich mit mathematischer Sicherheit die Kriegszielprogramme eines jeden Landes in dem Maße vergrößern oder verkleinern, wie die Aussichten der Völker­gesellschaft sich verschlechtern oder verbessern. Je nachdem wird das Ziel der Biszuende- Krieger" näher kommen oder sich ent­fernen. Und so ist das Kriegsende durch diese große Vorfrage bedingt.

Aehnlich schrieb fürzlich( 26. August) Gustave Téry in einem Artikel Der höllische Kreislauf" in L'Oeuvre":

Man darf nicht sagen: Erst Frieden, dann wollen wir sehen, ob man Muße findet, die Gesellschaft der Völker aufzurichten." Das Problem so umstellen heißt es unlösbar machen. Man muß im Gegenteil fagen:" Die Gesellschaft der Völker zu= erst, der Frieden, der einzig mögliche Frieden wird daraus not­wendig und endgültig hervorgehen. Spannen wir nicht die Pferde hinter den Wagen und das Prinzip hinter die Konsequenz!" Ist das eine Utopie der Ideologien? Nein doch, die einzigen Utopisten in diesem Falle sind jene, die sich einbilden, daß dieser Krieg ein Krieg wie andere Striege sei. Die Logik der Tatsachen, muß