Nr. 29. 35. Jahrg.
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Dienstag, den 29. Januar 1918.
Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. fernfbrecher: Amt Morinplan, Nr. 15190-151 97.
Die forderungen der Arbeiter.
Wege, so daß es bei gutem Willen von allen Seiten an Plan und Ordnung nicht fehlen wird.
Unter den Forderungen, die jetzt von den Arbeitermassen| Ganges selbst vollziehen. Diese Maßnahmen sind auf gutem| auteilen. Wir erwarten von Ihnen, daß Sie sich nicht provomit gesteigertem Nachdrud vertreten werden, ist auch nicht eine einzige, die nicht von der ungeheuren Mehrheit des deutschen Volfes gebilligt würde. Damit ist auch die grundsätzliche Stellung der Sozialdemokratie zu der gegenwärtigen Bewegung gegeben. Würden die Arbeiter ihre Unentbehrlichkeit im Produktionsprozeß dazu mißbrauchen wollen, um, felber eine Minderheit, der Mehrheit ihren Willen aufzudrängen, so müßten wir das verwerfen. Aber so liegen die Dinge eben nicht. Was die streikenden Arbeiter wollen, das will im Grunde mit ihnen die gewaltig überwiegende Mehrheit der ganzen Bevölkerung.
In der Anerkennung dieser Tatsache liegt auch das beste, bielleicht das einzige Mittel, aus den augenblidlichen Wirren rasch und ohne weiteren Schaden herauszukommen. Ueber die Nüßlichkeit einer Streitbewegung während des Krieges bestehen naturgemäß die allergrößten Meinungsverschiedenheiten, die ertragen werden müssen nur sollte man mit Worten wie andesverrat" nicht unnüz herumiverfen. Nach Behauptungen der bürgerlichen Bresse sollen gestern in Berlin 100 000 Arbeiter gestreift haben, nach den Feststellun gen der Streifleitung waren es 250 000, wie viele im Reich gestern gestreift haben und wieviele in Berlin und dem Reich noch dazukommen, werden, wissen wir zur Stunde noch nicht. Jedenfalls wäre es schlimm um das Deutsche Reich bestellt, wenn auf seinem Boden einige Hunderttausend Landesverräter" berumliefen; wir weisen diese Unterstellung aufs nach drücklichste zurüd.
Den guten Glauben sollen ehrliche Gegner den Arbeitern wenigstens zubilligen. Und da müssen sie zugeben: diese Arbeiter streifen in dem guten Glauben, ihrem Land und ihrem Volk dadurch einen großen Dienst zu leisten, daß sie mit Nachdruck auf der Erfüllung ihrer Forderungen bestehen. Eine reaktionäre Regierung, eine Regierung nach dem Herzen der Scharfmacher würde sich natürlich auf den Standpunkt stellen: Gleichgültig, wie diese Forderungen aussehen, mit Rebellen verhandeln wir nicht!" Eine Regierung aber, die auch nur ein wenig vom Hauch einer neuen Zeit berührt ist, pird jene Forderungen einer gewissenhaften Prüfung unterziehen und alles tun, was in ihren Kräften steht, um eine Einigung herbeizuführen.
zieren lassen, sondern ruhig nach Hause gehen und den Gang der Dinge abwarten werden." Gegen eine ganz kleine Minderheit haben die Vertrauens- Langsam und lautlos löst sich die Versammlung auf, und männer der Betriebe, die sich gestern versammelten, beschlossen, da die Sonne den Nebel vertreibt, ist das Straßenbild ganz bei de Richtungen der Sozialdemokratie zur Mitarbeit das gewöhnliche.. heranzuziehen, und beide sind zu dieser Mitarbeit bereit. Der gesunde Instinkt sagt den Arbeitermassen, daß jetzt zu gegenseitigen Befehdungen teine Seit i ft. Meinungsverschiedenheiten, die vorhanden sind, und die noch später vorhanden sein werden, können bei besserer Gelegenheit ausgetragen werden. Jetzt handelt es sich nicht darum, ob der Genosse Hinz oder der Genosse Sunz mit seinem bisherigen Verhalten recht gehabt hat, sondern es handelt sich darum, die Bewegung in geordnete Bahnen zu leiten, damit sie einem nütlichen Ziel entgegengeführt werden kann. Kleingeister, die das auch jetzt noch nicht einsehen wollen, werden ihre Rech nung ohne die Arbeiter gemacht haben.
Und wie es im Innern gilt, alle Kräfte zur Einheit zusammenzuschmieden, so gilt es, auch über die Grenzen und über die Schützengräben hinaus die Arbeitermassen zur Colidarität aufzurufen. Jett können die englischen und die französischen Arbeiter zeigen, ob es ihnen ebenso ernst um den Frieden zu tun ist wie den deutschen ! Wir verlangen und erwarten von ihnen nicht, daß fie der eigenen Landesverteidigung in den Rüden fallen, fe wenig wi wir das felber tun, ober wir verlangen und erwarten von ihnen, daß sie mit dem gleichen Nachdruck, wie wir es tun, ihre Regierung dazu auffordern, dem grauenvollen Völkerringen ein Ende zu bereiten. Wir vertrauen darauf, daß eine Bewegung, die von so großen und edlen Absichten geleitet ist, wie diese, nicht sich in Sader und Verwirrung auflösen und auch nicht zwecklos versanden kann. Wir vertrauen auf den gesunden Sinn der deut schen Arbeiterklasse, der darauf gerichtet ist, Mögliches mit den geeigneten Mitteln durchzusetzen. An den Stellen aber, die über den Gang der deutschen Politik außen und innen entscheiden und die für ihre Entscheidungen vor der Geschichte verantwortlich sind, möge man sich dessen bewußt sein, daß Bewegungen gleich der gegenwärtigen durch Gewalt höchstens für einige Zeit aufgehalten werden, daß sie aber zur Entspan Man kann nicht nach außen hin für den Verständigungs- nung und zum Ausgleich gebracht werden können nur durch frieden eintreten und seiner eigenen Bevölkerung gegenüber Gerechtigkeit! Es ist vielleicht nicht die Bewegung selbst, auf einen Gewaltfrieden hinsteuern wollen. Denn da- ficher aber ist es die gegenwärtig im Amte befindliche Regiemit wäre der Glaube an den ehrlichen Willen der Regierung, rung, die vor eine le t'te entscheidende Probe gestellt ist. nach außen einen Verständigungsfrieden zu schließen, unwider- Aber nicht nur an die Regierung, auch an die breite ste bringlich dahin. Damit würde sich die Regierung aber auch Oeffentlichkeit des deutschen Volkes ergeht der im schärfsten Gegensatz zu ihrem Bundesgenossen, der öster- Stuf, sich über das Wesen dieser Bewegung nicht täuschen, nicht reichischen Regierung stellen, die durch ruhiges Ver- zu ungerechtigkeiten verleiten zu lassen. He entschiedener sich handeln und vernünftiges Entgegenkommen der dort wie die Deffentlichfeit, gleichviel wie sie zum Streit selbst steht, für hier spontan ausgebrochenen- Bewegung ein Ziel gefekt hat. Die gerechten Forderungen, die ihm zugrunde Was wollen die Arbeiter? Unzähligentale ist das alles liegen, einsett, einen desto besseren Dienst wird sie damit der hier im Vorwärts" auseinandergesezt worden! Borbehalt Boltsgesamtheit erweisen. Denn es geht nicht nur lose und lückenlose Erklärung der Regierung für einen raschen ums Ganze", es geht für das Ganze, für eine bessere ZuFrieden ohne Annexionen und Kontributionen auf Grund des funft unseres Wolfes, für den Frieden der ganzen Welt! Selbstbestimmungsrechts der Bölfer. Aftive Teilnahme der Arbeiterschaft aller Ränder an den Friedensverhandlungen. Freies Wahlrecht zu allen Vertretungskörpern, Aufhebung des Belagerungszustandes und der Zenjur sowie der Militarifierung der Betriebe, Freilassung aller, die im Kampf für den Dider Nebel in den Straßen Berlins , aus dem alle Dinge Frieden ihre Freiheit verloren haben und ins Gefängnis ge- verändert und unförmig auf den Wandernden zutreten. Aus wandert sind. Verbesserung der Lebensmittelversorgung durch den Fabriken im Nordwesten, wo ich vorbeikomme, flirrt die schärfere, Erfassung der Produkte am Ort der Erzeugung und Arbeit; nichts ist von der Möglichkeit zu spüren, die seit den durch gerechtere Verteilung, was sofort eine Herauffeßung letzten Tagen in der Luft liegt. Kurz vor 9 Uhr habe ich der Kartoffelration ermöglichen würde. mein Biel , eine der größten Fabrifen erreicht. Su sehen ist ja nichts, aber unermüdliche Tätigkeit lärmt durch den Rebel. Dann wird es stiller.
Jenem Teil der Presse, der jetzt gegen die Arbeiter tobt, möchten wir zu bedenken geben, daß die Arbeiter mit ihren Forderungen ganz besonders auch für die Freiheit der Preise eintreten. Die Presse selbst hat sich diese Freiheit nicht schaffen können. Abgesehen von jenem ihrem reaktionärften Teil, der immer nur Freiheit für sich verlangt, aber Unterdrückung für die anderen, sollte die Presse Anerkennung dafür finden, daß die Arbeiter auch für ihre besonderen Intereffen und Forderungen eintreten und ihr Verlangen wie in den andern Punkten so auch besonders in diefem nachdrücklich unterstütcn.
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Der Streik.
Frühstücspause? Streif?
Da wird das Tor geöffnet. Drei Arbeiter treten beraus, gleichmütig, den Kaffeetrug unterm Arm. Einer gibt dem andern Feuer für die Zigarette. Das Tor bat fich unwillig hinter ihnen geschlossen, nicht lange und es biegt sich wieder zurück. Jetzt kommt schon ein ganzer Trupp. Das Tor schließt sich nicht wieder.
Immer dichter wachsen die Scharen aus dem Nebel, gleich mütige ernste Männer, Frauen, die zuweilen ein wenig lächeln. Ein Haufen bildet sich, läßt aber eine Gaffe. Einer fagt:" Es kommen alle."
Gruppen lösen fich stetig und wandern in den Nebel hinein. Ich folge der Nichtung.
Aus den Reihen der Arbeiter ist wieder eine Streifbewegung entstanden, ohne daß von irgendeiner leitenden Stelle Anregung oder gar Anweisung dazu gegeben wurde. Wie im April vorigen Jahres aus Anlaß der Herabsetzung der Brotration die Bewegung spontan entstanden ist, so war es auch bei dem ant gestrigen Montag ausgebrochenen Streif. Erst nachdem die Arbeiter in großer 3Zahl die Betriebe verlaffen hatten, schritten sie zur Einfegung einer Streifleitung. Das geschah in einer Versammlung, die gestern nachmittag im Gewerkschaftshause tagte. In dieser Versammlung erschien auch ein Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands , um einige Worte an die Streikenden zu richten. Das wurde ihm sowie einem Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratie bereitwillig gestattet.
Dann wählte die Versammlung eine Streifleitung. bestehend aus Delegierten der Streifenden und Vertretern der beiden jozialdemokratischen Parteien.
Die Versammlung stellte folgende Forderungen auf: 1. Schleunige Herbeiführung des Friedens ohne Annerion, ohne Kriegsentschädigung, auf Grund des Gelbstbestimmungsrechts der Bölfer entsprechend den Ausführungsbestimmungen, die dafür von den russischen Bellsbeauftragten in Brest - Litowst formuliert wurden.
2. Zuziehung von Arbeitervertretern aller Bänder zu den Friedensverhandlungen.
Besonders für Deutschland wird gefordert:
3. Ausgiebigere Nahrungsversorgung durch Erfassung der Lebensmittelbestände in den Produktionsbetrieben wie in den Handelslagern zweds gleichmäßiger Zuführung an alle Bevölkerungsfreise.
4. Der Belagerungszustand ist sofort aufzuheben. Das Vereinsrecht tritt vollständig wieder in Straft, ebenso das Recht der freien Meiungsäußerung in der Presse und in Versammlungen. Die Schußgesche für Arbeiterinnen und Jugendliche sind schleunigst wieder in Kraft zu sehen. Alle Eingriffe der Militärverwaltung in die gewerkschaftliche Tätigkeit find rückgängig zu machen und neue zu verhindern.
5. Die Militarisierung der Betriebe ist gleichfalls aufzu heben.
6. Alle wegen politischer angen Berurteilte und Verhaftete find sofort freizulassen.
7. Durchgreifende Demokratisierung der gesamten Staatseinrichtungen in Deutschland , und zwar zunächst die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle Männer und Frauen im Alter von mehr als 20 Jahren für den preußischen Landtag. Ferner nahm die Versammlung die Versammlung folgende Entschließung an:
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„ Da nur unbedingte Solidarität Erfolg verheißt, geloben tir, jede Maßregelung unserer Führer, Vertreter und Beauf tragten mit aller Macht abzuwehren. Wir richten aber auch an die Proletarier Deutschlands wie der anderen friegführenden Länder insgesamt die dringende Aufforderung, wie schon die Arbeitskollegen in Oesterreich- Ungarn erfolgreich uns borangegangen sind, so nunmehr gleichfalls in Massenstreits einzutreten, denn erst der gemeinsame internationale Slaffenkampf schafft uns endgültig Frieden, Freiheit und Brot."
Nach den Feststellungen der Streifleitung find bis gestern nachmittag rund 250 000 Streitende gezählt worden. Man rechnet bestimmt damit, daß auch von den Arbeitern der noch nicht an der Zählung beteiligten Nachtschicht etwa 50 000 hinzukommen werden, so daß sich die Gesamtzahl der Streifenden auf 300 000 beläuft. Der Streit erstreckt sich auf fast alle Betriebe der Rüstungsindustrie sowie auch anderer Branchen.
Die Zahlen der Streifenden verteilen fich bis jetzt auf die größeren Betriebe etwa folgendermaßen: Schwarzkopff 4500, Flugplatz Johannisthal - Adlershof 3500, A. E. G. Turbine 2500, A. E. G. Acer - und Gerichtstraße 5000-6000, SamsonWerf 1500, Merkur - Flugzeugbau 1200, Zwietusch- Charlottenburg 1500, Bergmann Hennigsdorfer Straße 2000, bei Goerz, Daimler und Auer ruht der gesamte Betrieb, Rumpler Jobannisthal 1000, Lorenz 2000, J. Berliner 2500, BergmannRosenthal 4000, Erich u. Graetz 2000.
Heute ist nicht mehr die Frage, ob der Streit gut oder schlecht ist. Heute ist er da, und das Augenmerk ist darauf zu richten, was er will. Das aber steht, um es wieder und wieder zu fagen, im Einklang mit den Wünschen einer gewaltigen Boltsmehrheit, und wenn diese erfüllt sind, dann wird auch der In dem Garten vor einem Brauereifaale ftant fich die Streit zu Ende sein. Masse und wartet geduldig. Der, Saal ist geschlossen. EndDie Bewegung hat sich aut geftrigen Tage mit bewunlich steht einer auf einer Bank und ruft: berusmerter Ruhe vollzogen, und alle Welt erwartet... ollegen, ich spreche im Namen des Arbeiterausschusses. Gestern abend sollte im Gewerkschaftshause eine Bernichts anderes, als daß es so bleibt. Da sie von feiner leiten. Ich brauche feinem zu fagen, warum wir die Arbeit niedersammlung der Eisenbahner abgehalten werden, die in den Stelle inszeniert wurde, sondern aus den Massen selbst gelegt haben, das weiß ein jeder selbst. Der Ausschuß wird feiner Beziehung zu dem Streit stand. Die Tagesordnung hervorgewachsen ist, müssen sich die organisatorischen Maß- mit den Vertretern aller ausständigen Betriebe Fühlung lautete: Die Arbeitszeit der Eisenbahner". In letter Stunde nahmen, die zu ihrer Führung notwendig sind, während ihres nehmen, um dann der Regierung unsere Forderungen mit- list die Bersammlung durch die Polizei verboten worden.
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