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Nr. 65. 35. Jahrs.

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands.

Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Bernfvrecher: Amt Morisplas, Str. 151 90-151 97.

Mittwoch, den 6. März 1918.

Expedition: Sw. 68, Lindenstraße 3. Nerniprecher: Amt Moritplat, Nr. 151 90-151 97.

Die letzte Sitzung von Breft- Litowsk.

Es ist der letzte Aft einer gewaltigen geschichtlichen Tra-[ mit ben Delegierten der Verbündeten, um sich über die einzelnen Be-| zustandezubringen. Sie hätten nicht auf die Rechte gepocht, bie gödie, den uns das deutsche amtliche Bureau instimmungen der Entwürfe Aufklärungen zu verschaffen. schonungsvoller Form übermittelt. Wir erleben in diesem änderungswünsche wurden russischerseits nicht geäußert. Bericht noch einmal das letzte Sichaufbäumen eines großen Bolkes, von dem uns niemals Haß getrennt hat, gegen die brückenden Bestimmungen eines Vertrages, die wir selber aufs entschiedenste mißbilligen.

Daß dieses Gefühl auch den Diplomaten des Vierber bandes nicht ganz ferngeblieben ist, beweist die Erklärung des bulgarischen Vertreters Toscheff, man sei doch nach Brest gefommen, um einen dauernden Frieden zu schließen, und nicht, um den Keim für neue Kriege zu pflanzen, die

sphäre, die mit dieser Absicht nicht übereinstimme.

So ist es in der Tat, nur daß es nicht Worte waren, die diese Atmosphäre schufen, sondern Tatsachen, aus denen die Borte entsprangen. Man hat Frieden geschlossen und sich im Gefühle tödlicher Feinschaft voneinander getrennt.

Ab- Deutschland die Eroberung feindlicher Gebiete hätte einräumen können. In dem Wunsche, den Jdealen des neuen Rußland ent gegenzukommen, fei hierauf berzichtet worden. Aber zu einer Ber ständigung gehörten zwei Parteien, die die Verständigung wünsch­ten, und den guten Willen hierzu habe die deutsche Delegation auf der russischen Seite vermißt.

Für die Unterzeichnung der Verträge wurde in gemeinfamem Einvernehmen der 3. März festgefekt. Am 3. März, um 11 Uhr vormittags, traten die Abordnungen unter dem Vorsiz des öfter­reichisch- ungarischen Botschafters von Mereh zu einer Vollversamm lung zusammen. Die Bollmachten wurden geprüft und richtig be­funden. Im allseitigen Einverständnis wurde vorbehalten, daß Staatssekretär von Kühlmann und Graf Czernin ihre Unterschriften in Bukarest nachtragen sollten.

Sodann gab der Borsigende der russischen Delegation zwei Erklärungen

Infolge eines unfeligen Berhängnisses

habe die ruffische Delegation an der Ehrlichkeit der deutschen Absichten mit den Randvölkern nicht glauben wollen. Inzwischen haben sich die Verhältnisse und naturgemäß auch bie Forderungen Deutschlands verändert. Aber auch heute noch seien die Forderungen Deutschlands weit davon entfernt,

Erklärung der russischen Delegation schaffe jedoch eine Atmo- ab. Die erfte Erklärung beschäftigte sich mit Artikel IV Abfah 8 eine rüdsichtslose Ausnutzung der Machtverhältnisse darzustellen. bes Vertragsentwurfes, betreffend Rußlands Verzicht auf Ein- Aber wenn die russische Delegation nur die drei Tage im Auge habe, mischung in die Neuordnung der staatsrechtlichen und völkerrecht- die jetzt zur Verfügung ständen, so ergebe sich ein falsches Bild. An­lichen Berhältnisse in den ehemals türkischen Bezirken Erdehan, nähernd sechs Wochen habe der Waffenstillstand gebauert, bis am Sars und Batum. Herr Sotolnilom erklärte, daß diese Vertrage 10. Februar die Verhandlungen abgebrochen wurden. Also hätten bestimmung eine Gebietsänderung ohne Befragung der Bevölkerung der russischen Regierung nicht drei Tage, sondern sechs Wochen plus drei Tage zur Verfügung gestanden, um sich über die Annahme oder Das ist ein tief beflagenswertes Ergebnis, das wir vor barstelle und von Rußland Ablehnung der Friedensbestimmungen schlüssig zu werden. Hierzu ausgesehen und vor dem wir gewarnt haben. Der Vorsitzende| nur unter Brotest fomme, daß die Besprechungen im Januar und Februar gerade auf der russischen Delegation, Sokolnikoff, hat auch noch einmal angenommen werde. In feiner zweiten Erflärung betonte der den Gebieten, in denen die Materie kompliziert sei, bereits zu weit­bittere Vorwürfe an die Adresse der deutschen Ar- Borsisende der russischen Delegation, das deutsche Ultimatum habe gehenden Ergebnissen geführt haben. Der Friede werde Ruß beiter gerichtet, an deren Hilfe die russische Regierung ver- die russische Republit im Zustande der Demobilmachung land nicht aufgezwungen; in ber freien Entschließung des geblich appelliert habe. Diese Vorwürfe sind aus dem getroffen, Rußland sebe fich deshalb gezwungen, bas ti- russischen Wolfes stehe es, die deutschen Bedingungen anzunehmen Gefühls- und Gedankenkreis der russischen Delegation her- matum anzunehmen und die ihm jezt vorgelegten Ber- oder den Krieg fortzufezen. Die ruifische Regierung habe nicht das aus vollkommen verständlich, und Herr v. Rosenberg war träge zu unterzeichnen. Dieser Friede sei lein Berständigungs- Recht, die Aufrichtigkeit der von Deutschland verkündeten Abfichten nicht berufen, im Namen der deutschen Arbeiter auf sie zu fribe. Die ruffifchen Ranbröller würden unter dem Rormante mit der Bevölkerung der Randgebiete in Zweifel zu ziehen. Um so antworten. Die deutschen Arbeiter stehen nicht hinter Serrn bes Selbstbestimmungsrechtes dem Einfluß des Geg weniger, als während der kurzen Zeit, die sie am Ruder fei, b. Rosenberg und der von ihm vertretenen Bolitik. ners unterstellt, um die dort herrschenden Klassen gegen die Ne- zwischen ihren Worten und ihren Taten scharfe Widersprüche feft­bolution zu schüßen und die Kräfte der Gegen revolution zu stärken. zustellen waren. Gehen wir den Tatsachen ruhig ins Gesicht und erklären Auch in Finnland und der Ukraine stütze der Bierbund die Der Vorsitzende der russischen Delegation babe in feiner Gr­rir offen, daß bei diesem Frieden dem Sozialismus aller revolutions feindlichen Bestrebungen. Rußland, durch den flärung auch Richtungen der erstrebte Erfolg versagt geblieben ist. Tie Bruch des Waffenstillstandes vergewaltigt, bom deutschen Arbeiter deutsche Sozialdemokratie vermochte trop der redlichsten Ab- unterzeichne, nachdem es vergeblich an bie beutschen Arbeiter ficht durch ihre Politik nicht zu verhindern, daß ein richen appelliert habe, den Briebensvertrag, ohne in Berhandlungen bar- gefprochen. Wer glaube, daß der deutsche Arbeiter fir fein Ber­halten nach innen und außen Verhaltungsmaßregeln und In geichlorien wurde, den die Gegner als Verständigungsfrieden struktionen vom Ausland beziehe, der benne den deutschen Arbeiter nicht anerkennen fonnten, den sie vielmehr als einen Ge. Botschafter von Merey gab seinem Bedauern über die rusi nicht. Der deutsche Arbeiter sei derselbe Mann, der draußen im weltfrieden nur unter Protest unterzeichneten. Ebensowenig schen Grflärungen Ausbrud. Die Delegationen des Vierbundes Schüßengrabn seit vier Jahren mit grenzenloser Singebung bas hat der Bolichewismus, dessen schwere Fehler wir oft friti hätten gehofft und gewünscht, daß am letzten Tage der Verband Baterland verteidige. Wenn er an der Einrichtung des deutschen fiert toben, mit feinen aus der reinen Theorie gezogenen lungen Friebliche und berföhnliche Töne angeschlagen Hauses, an der bestehenden Ordnung der öffentlichen Dinge etwas Methoden das deal des demokratischen Friedens zu ber- bahan, Kare und Batum beanstande, so müsse er benen Volfsgenossen ab. Der Glaube, daß er dazu Ratschläge von Wenn die russische Delegation die Bestimmung über auszusehen habe, so mache er das im eigenen Hauje, mit den eige wirklichen vermuch. Gar nicht zu reden von unseren Un- merten, daß die russischen Herren in der Lage gewesen wären draußen gebrauche, beleidige den deutschen Arbeiter. abbangigen", die zwischen deutsch - sozialdemokratischer und und vollauf Zeit gehabt haben würden, darüber zu verhandeln bolichemistischer Politik eine goldene Mittellinie suchen, die und Abänderungswünsche geltend zu machen. Wenn sie die Eni es nicht gut und nicht geben kann. würfe ohne fachliche Durchberatung in einzelnen

über einzutreten

würden.

Der Vorsitzende der bulgarischen Delegation, Herr Lofcheff, hob hervor, daß die Vertreter des Vierbundes mit den russischen Delegierten zusammengekommen seien, um einen dauerhaften Frieden zu schließen und

Die Vorwürfe Sokolnikoffs richten sich auch nicht an die in Bausch und Bogen angenommen deutsche Sozialdemokratie, sondern an die deutsche Ar- hätten, so befäßen sie nicht das Recht, sich darüber zu beschweren, nicht, um den Reim für neue Kriege zu pflanzen, beiterfchaft schlechthin, an die Arbeiterschaft ohne Unter- fondern hätten dies allein zu verantworten. Jede Berantwortung die Sprache und die Erklärungen des Herrn Sokolnikows schüfen schied der politischen Richtung. Diese hätte, das ist der und Schuld für die jeßige Lage Rußlands müßten die Mächte des jedoch eine Atmosphäre, die mit dieser Absicht nicht übereinstimmt eigentliche Sinn seiner Vorhaltung, in Deutschland einen Vierbundes ablehnen, die Verhandlungen in Brest hätten bei voller Er müsse der unbegründeten Behauptung der russischen Delega­rebolutionären Machtkampf entfesseln müffen, Waffenruhe zwei Monate lang gebauert, bei sachgemäßer tion entgegentreten, daß der Vierbund Rußland vergewaltigen um auf diese Weise den demokratischen Frieden zu erzwingen. Verwendung dieser Frist würde die russische Delegation reichlich wolle, ein Gedante, der Bulgarien wie seinen Verbündeten fern­Zu einem solchen Machtkampf fehlten aber alle Borausseßun- Beit gehabt haben, das Friedenswert auf der zu Beginn der Ver- liege. Wenn Rußland fich in seiner heutigen Lage befinde, so fei gen, vor allem in der Mentalität der deutschen Arbeiter selbst. gedeihlichen Ende zu führen. Der größte Teil des Materials foi schauenden Politit, die Rußland geführt habe. bandlungen festgesetten Grundlage durchzuarbeiten und zu einem dies lediglich die Folge jener nicht genügend weit aus. Die deutschen Arbeiter sagen sich, daß durch den revolutionä- überdies in den früheren Verhandlungen tatsächlich eingehend ren Machtkampf nicht der demokratische Frieden, sondern der durchberaten worden. Wenn die russische Delegation fpäter diejen imperialistische Macht- und Gewaltfrieden Weg verlassen und jetzt auf abschließende Besprechungen verzichtet zugunsten der Entente berwirklicht werden würde, babe, so treffe die Schuld hieran ausschließlich sie selbst. und das ist der Frieden, den von allen denkbaren die deut­ schen Arbeiter am allerwenigsten wollen.

liches Schicial selbst zu bestimmen.

Nach einer Replit des Herrn Sokolnikow , der im wesentlichen nur die früher entwidelten Gebantengänge wiederholte, und nach einigen Gegenbemerkungen des Gesandten von Rosenberg und des Generals Hoffmann wurde die Sizung um 2 1hr auf zwei Stun den unterbrochen. Nach der Wiedereröffnung um 4 Uhr wurde zur Unterzeichnung des Friedensvertrages

In längeren Ausführungen und unter Beibringung reichen gefchichtlichen, ethnographischen und geographischen Materials trat Unter diesen Umständen fonnte die deutsche Arbeiter. hierauf der Vorfibende der ottomanischen Delegation, Sakti Pafcha , ber ersten Erklärung Sokolnikoms entgegen, er erinnerte daran, chaft gar feine autere Bolitik treiben als die der deutschen daß die fraglichen drei Bezirke vier Jahrhunderte lang zur Türkei geschritten. die um 5 Uhr beendet war. Sodann folgte die Unter­Sozialdemokratie. Sie mußte ihr Aeußerstes aufbieten, um gehört hätten, daß Rußland sie als Ersas für eine von der Türkei zeichnung der Rechtsverträge, die bis 6 Uhr dauerte. Nunmehr Macht zu erwerben, Einfluß zu gewinnen, in der Hoffnung, nicht gezahlte Kriegsentschädigung an sich gerissen und daß die ergriff Botschafter von Mereh das Wort und erklärte: es werde ihr dadurch gelingen eine Entwicklung aufzuhalten, Türkei , folange fie Serrin der Bezirke gewesen sei, von dort aus Ich möchte den feierlichen Att, den wir soeben vollzogen haben, die sie für verhängnisvoll hielt. Es ist ihr nicht gelungen. Rußland niemals bedroht habe. Den Vorwurf, daß eine An- nicht vorübergehen lassen, ohne der aufrichtigen Hoffnung Aus­Aber denen, die ihr deswegen Vorwürfe machen, fann sie ent- negion borliege, entkräftete er durch Hinweis auf den Wortlaut drud zu geben, daß der heute unterzeichnete Friede es den Bölkera gegenhalten, daß die einzig konsequente Methode, die es der von den Verbündeten vorgeschlagenen Vertragsbestimmung, unserer Mächtegruppe sowie Rußlands , die sich länger als Jahre außer der deutsch - sozialdemokratischen gibt, nämlich die wonach die Bevölkerung das Recht haben solle, ihr künftiges staat- im Striege gegenüberstanden, ermöglichen wird, doch allmäy­bolichemist if d) e, nicht einmal den Gewaltfrieden ber­Iich( 1) die früheren freundschaftlichen Beziehungen wieder auf­hindern kann, der ouf Kosten des eigenen Bandes geschlossen retung des Waffenstillstandes durch Deutschland Ver. Dolmetscher erklärte Botschafter von Mereh die Friedensverhand­General Hoffmann Teabe gegen den Vorwurf einer Verzunehmen. Nach Worten des Dankes an das Bureau und an die wird. Wir geben uns über die Haltung und den Einfluß wahrung ein, indem er auf die Erklärungen des Staatssekretärs lungen für beendet. der englischen und der franzöfifchen Arbeiterschaft im Falle v. Kühlmann in der Vollversammlung vom 10. Februar verwies. einer deutschen Niederloge feinen Illusionen hin und möchten Serr v. Kühlmann habe damals dem Volkskommissar für auswär nicht den Tag erleben, an dem fich die Hoffnung Deutschlands tige Angelegenheiten flipp und flar gesagt, daß mit einem einsei. nur noch on ihre Storfe und ihren guten Willen flammert... tigen Abbruch der Friedensverbandlungen der Waffenstillstand London , 5. März.( Reuter.) Daily Mail" meldet, daß Sokolnikoff verlangt von uns etwas mas mir nicht leiften automatisch außer Kraft trete. Herr Trotki habe das wider- cis Verhandlungen über die Intervention Japans fonnten was iedes vond nur für sich selber leisten machung babe nicht erit intolae des Befehls vom 10. Februar be­spruchslos aur Menntnis genommen. Die ruffische Demobil inibirien vermutlich in den nächsten vierund­fonn. Nur Mußlant fonnte Rußland belfen...! gonnen. In Wirklichkeit fei fie schon lange Mochen vorker im wanzig Stunden beendet sein werden. Die Bot­Gange gewefen. Schon Wochen vorher babe die beutiche Seeres. after Groß- Britanniens, Frankreichs und Italiens in To­leitung gewußt, daß und mieniel Kilometer der ruffifchen Steffun- fio beabsichtigten gestern, gemeinsame Borstellungen zu Breft- Litowst, 4. März. Nachdem die russische Delegation am gen nicht mehr von russischen Truppen besetzt waren. Diese tatsäch inachen und zu ersuchen, daß Schritte zu Schutz der Inter­1. März die Entwürfe zum Friedensvertrag nebst Anlagen und Zu- lichen Verhältnisse seien der ruffischen Regierung natürlich genau, effen der Alliierten in Sibirien unternommen werden. Man fabverträgen entgegengenommen hatte, erklärte der Vorsitzende So fo gut bekannt gewesen, wie der deutschen Heeresleitung. glaubt nicht, daß der Botschafter der. Vereinigten tolnilow, daß er von einer Durchberatung in Rom - Gesandter v. Rofenberg, ber hierauf das Wort ergriff, führte Staaten in Tofio an diesen gemeinsamen Vorstellungen miffionen abfeben wolle. Am 2. März nahmen der Vor- aus, die deutschen Delegierten hätten fich im Dezember und Ja teilnehmen wird. Es ist aber von seiten der Vereinigten hende und einzelne Mitalieber der ruffischen Delegation Fühlung. muar ehrlich bemüht, einen Frieden der Berständigung Staater feine Opposition zu erwarten.

Japans Intervention.