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Reichstag.

F. 168. Gißung, Donnerstag, den 6. Juni, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Baher, Wallraf.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die Wahl des Bräsidenten. Der Beginn der Sizung verzögert sich bis gegen% 42 Uhr in folge emner Sigung des Seniorenkonvents.

Erster Bizepräsident Dr. Paasche eröffnet die Sigung mit folgender Mitteilung: Ich habe Ihnen im Auftrage des Weltesten­ausschusses den Vorschlag zu machen. heute

die Wahl des Präsidenten auszufezen,

mit Rücksicht auf eine Neuregelung, auch der Frage der Wahl der Bizepräsidenten. Es handelt sich um einen einstimmigen Be­schluß des Aeltestenausschusses. Es wird noch heute von der Mehrheit des Reichstags ein Antrag zur Geschäftsord nung eingebracht werden. Ich würde vorschlagen, diesen Antrag der verstärkten Geschäftsordnungsfommission zu überweisen, so daß dann die Wahl erst stattfinden würde, nachdem diese Geschäfts­ordnungskommission ihren Bericht erstattet haben wird. Das Haus stimmt diesem Vorschlag zu. Hierauf wird die Debatte über

fortgesetzt.

Zensur und Belagerungszustand.

Kapitän zur See Boy- Ed wendet sich gegen einige Behauptun­gen Gotheins in seiner gestrigen Rede.

Abg. Herzfeld( U. Soz.):

Der Belagerungszustand besteht zu Unrecht, er stellt einen Bruch der Verfassung dar. Aber der Reichstag denkt nicht daran, dagegen aufzuiceten, weil er den Belagerungszustand für notwendig zur Bedrohung der Arbeiterklasse hält. Liebknecht, der die bürgerlichen Rechte des Reichstags nachdrücklich vertreten wollte, wurde der Militärdiktatur ausgeliefert. Der Drud der militärischen Gewalt ist mit der Zeit nur noch stärker gewor­den. Fast alle Mitglieder meiner Fraktion stehen unter Redeverbot. Mir selbst ist es unmöglich gemacht worden, mit den Wählern meines Wahlfreises in Fühlung zu treten. Auf eine Beschwerde an das zuständige Generalkommando ist mir gar keine Ant­wort autcil geworden. In Treptow an der Tollense wurde einer meiner Parteifreunde durch einen Polizeibeamten mit Gewalt aus der Stadtverordnetensiyang entfernt. Auf einen Strafantrag unseres Genoffen hin wurde der Beamte freige prochen, weil er nicht das Bewußtsein einer strafbaren Hand­fung gehabt habe. Es liegt ein Antrag vor, den Reichskanzler als Bibitbehörde über die Militärbehörde zu stellen. Herr Wallraf bezeichnete das als unannehmbar, auch wir finden diese Idee un­praftisch Der einzige Weg nach aufwärts ist die Aufhebung des Belagerungszustandes. General Wrisberg behauptete geitern, daß in den Monaten Dezember 1917 und Januar dieses Jahres in ganz Deutschland nur 99 Versammlungen verboten worden seien. Dem stelle ich gegenüber, daß allein in den Tagen des Streifs Ende Januar in Deutschland nicht nur hunderte, sondern tausende ron Versammlungen allein meiner Partei verboten wor­den sind.( Abg. Albrecht[ U. Soz.]: Die ganze Statistik ist Schwindel! Ordnungsruf des Präsidenten!) Wie einem Ge­werkschaftler von einem Vertreter des Generalfommandos zuge­geben wurde, besteht ein ist en system, in dem über verdächtige Perionen auf das genaueste Buch geführt wird. Auch das

Spigelwesen

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Tagesordnung gefeht und ohne Debatte an die Geschäftsordnungs­fommission verwiesen. Hierauf bertagt sich das Haus auf Freitag 1 Uhr.( Kleine An­fragen. Besprechung der Fragen der Schutzhaft.) Schluß 7%

hr.

Abgeordnetenhaus.

Kultusetat.

wird befchuldigt, mit den Bolschewifis planmäßig zusammenzu­arbeiten. Die Zensur merkt davon nichts. Durch die Oberaufsicht der Obermilitärbefehlshaber ist der Rechtsschutz für die Presse ledig­lich zu einem Schutz für die Zensur geworden. Die angebliche Er­rungenschaft, daß Beitungen zunächst nur auf drei Tage verboten werden können, wird von der Militärbehörde dahin ausgelegt, daß das Verbot nur dann aufgehoben wird, wenn der Redakteur pater peccavi sagt. Das ist eine Verhöhnung des Reichstagsbeschlusses, ein glatter Bruch des gegebenen Versprechens. Der Begriff des militärischen Interesses wird maßlos erweitert. Ein Flugblatt der Nur feine Neuordnung in Preußen, weder auf allgemein Guttempler gegen die Verwendung von Gerste zur Bierbereitung wurde verboten. Das Drama Walter politischem, noch auf firchen- und schulpolitischem Gebiete! Hafenclevers Der Sohn" darf in Berlin nur in geschlossener Ge- Diese Forderung zog sich wie ein roter Faden durch die von sellschaft vorgeführt werden, und zwar mit der Begründung, daß sich den Vertretern der konservativ- flerifalen Mehrheit des Ab­bei den Ausschreitungen des lekten Streifs die Arbeiter geordnetenhauses in der Generaldebatte zum Stultusetat ge­jugend in hervorragendem Maße beteiligt habe. Die unerträgliche haltenen Reden. Es soll alles so bleiben, wie es zu Reifen Schulmeisterei der Zensur geht sogar so weit, sich in die Auffüb- des seligen Trott zu Solz gewesen ist, der den Wort­rung des Dramas Seeschlach t" bon Reinhardt führern des Dreiflassenparlaments als Muster eines Ministers Göhring einzumischen Der Verfasser soll wahrscheinlich dafür des Geistes vorschwebt und dessen Scheiden vom Amte sie bestraft werden, daß er sich nicht mit Kriegsdichtungen vom Schlage garnicht genug bedauern können. Vor allem will man die der Leistungen Mar Bewers beschäftigt. Herr Wallraf machte uns fürzlich auf die scharfe Zensur in Frankreich , England und den tonfessionelle Fachschule auf ewige Zeiten fest­Vereinigten Staaten aufmerksam; dazu ist nur zu bemerken, daß legen und Sicherungen gegen etwaige Reformen in wir die französischen und englischen Zustände gern mit dem eisernen einem freiheitlicher zusammengesetzten Parlament schaffen. Ring der deutschen Unfreiheit vertauschen möchten. Wie bei der Wahlrechtsvorlage so hat auch hier das Zentrum die Führung übernommen, dessen Vertreter Abg. Kaufmann aufs schärfste gegen die Trennung von Staat und Kirche wetterte.

Der Belagerungszustand ist ungeseglich.

Er ist nur zulässig für Gebiete, die unmittelbar vom Feinde bedroht find, täme also nich für ganz Deutschland , sondern nur für einen Leider schwächte Abg. Adolf Soffmann von den fleinen Teil Elsaß- Lothringens' n Frage. Der jebige Zustand Unabhängigen, der der Reaktion entgegentreten zu können traffer Willfür läßt sich nicht mehr aufrechterhalten. Er führt zu meinte, die Wirkung seiner Ausführungen selbst ab dadurch, geistiger Versumpfung, Abstumpfung und Schematisierung. Durch die Kurzsichtigkeit der obersten Behörder wird ein großer Fonds daß er einen großen Teil seiner Rede einer ebenso über­von Staatsgefühl verwirtschaftet. Gerade weil wir wissen, daß flüssigen wie törichten Polemit gegen die Sozialdemokratie unsere Soldaten im Fe'de für die äußere Freiheit des Reiches widmete. Diese Angriffe nehmen wir nicht tragisch, sie ge­fämpfen, fühlen wir uns beiß verpflichtet, dafür zu forgen, daß hören nun einmal zum ständigen Repertoir der Unabhängigen. die Heimat nicht im ödeften Militarismus veriflabt. Uns ärgern sie damit nicht, den bürgerlichen Parteien aber Hände weg von der Freiheit des deutschen Staatsbürgers und ein bereiten sie große Freude. Ende gemacht mit der vormärzlichen Bevormundung eines mündigen Boltes!( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Dr. Müller- Meiningen ( Wp.): Man schämt sich wirklich bald, im Reichstag über diese Dinge noch zu sprechen.( Sehr wahr!) Was helfen all die schönen Worte über das Vertrauen zum Volte, wenn die Taten das Gegenteil beweisen? Die meisten Kommandierenden Genes räle pfeifen auf die Gesetze, die wir hier beschließen.( Schr wahr!) Die Statistit des Generals v. Wriesberg ist feinen Schuß Bulber wert. Was soll der Vergleich zwischen der famosen Vaterlandspartei und der Niesenbewegung der deutschen Gewerkschaften?( Sehr wahr! links.) Mit den militärischen Interessen haben 992 der Bensurfchitanen überhaupt nichts zu tun.( Sehr richtig! links.) Was uns so tränkt, ist der

Mißbrauch der militärischen Gewalt za einseitig konservativen Zweden.

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( Lebhafte Zustimmung links.) Die Vaterlandspartei ist nichts als eine Kulisse der konservativen Partei.( Sehr wahr! links.) Die Liberale Korrespondenz" hat einen Brief veröffentlicht, woraus klar hervorgeht, daß die konservativen die ganze Ge schichte mit der Vaterlandspartei nur ins Werk gefeßt haben, um nachher bessere Wahlen zu erzielen. Darauf wurde gegen fie vorgegangen wegen Berrats militärischer Interessen.( Stür­misches hört! hört! links.) Die Leute, die am Ende des vierten Striegesjahres die öffentliche Meinung des deutschen Volkes so be handeln wie die kommandierenden Generäle, verfündigen sich an der Stimmung des Voltes. Die Führung der Armee ist angewiesen auf freudige entfagungsvolle Mitarbeit des ganzen deutschen Vol­tes und vor allem der Vertreter der öffentlichen Meinung. Darum: fort mit der Zensur!( Lebhafter Beifall links.)

Staatssekretär Wallraf:

Im übrigen ist aus der Debatte nur hervorzuheben die Forderung des Nationalliberalen Dr. Blankenburg auf Regelung des Religionsunterrichts der Dissidenten­tinder und das Eintreten des ehemaligen Fortschrittlers Traub nicht gegen die Trennung von Kirche und Staat, sondern auch für den Stampf gegen firchliche Seftierer, in denen er lediglich Agenten des feindlichen Auslandes zu er­blicken scheint.

Kultusministers Dr. Schmidt, die sich auf eine Reihe von Die Generaldebatte endete mit einer Rede des neuen Einzelfragen erstreckte, aber alles andere eher als ein Pro­gramm war. Am Freitag beginnt die Spezialberatung.

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Die Ludendorff- Spende.

Eus Metallarbeitertreisen wird uns geschrieben:

In der Nummer vom Sonnabend, den 1. Juni, bringt der Vorwärts" eine Notiz aus Bielefeld , wonach die dortigen Arbeiters organisationen es abgelehnt haben, sich an der Ludendorff- Spende zu beteiligen und zwar mit Rücksicht auf die gesamte Situation, in der wir uns befinden. Die Redaktion des Vorwärts zeigt durch die Ueberschrift dieser Notiz, daß sie sich im Zweifel darüber ist, ob das wohl die richtige Taktik sei.

Hierzu möchten wir bemerken, daß auch die Berliner Metallarbeiter in ihrer Verwaltungssigung erklärt haben. daß sie mit der Beteiligung an der Ludendorff- Spende wie auch mit der Unterschrift der Generalfommission für den Aufruf zur Ludendorff- Spende nicht einverstanden find. Die Gründe

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steht in voller Blüte. So wurde in Gelsenkirchen ein Arbeiter zum Polizeirat bestellt, der ihn mit allen Mitteln zu bewegen suchte. eine Vertrauensst ung" in Polizeidiensten anzunehmen. Sogar Geld wurde ihm angeboten. Als der Arbeiter sich weigerte, wurden Haussuchungen bei ihm veranstaltet, auch wurde versucht, ihn an seiner Arbeitsstelle unmöglich zu machen. Das Generalfommando in Münster hat in Gemeinschaft mit Redakteuren der regierungs­sozialistischen Presse eine Broschüre herausgegeben, in der die Ar­beiter zum Durchhalten aufgefordert und vor den Bestrebungen des Auslandes, im Innern Unruhen anzuzetteln, gewarnt werden. Ich Ich habe die Bensur durchaus nicht gelobt, wie Herr für diese Haltung sind nicht etwa Abgeneigtheit dagegen, daß fann nicht umhin, die Angestellten der Sozialdemokratie, die fich an Gothein sagte, sondern sie nur als Kriegsnotwendigkeit für die Kriegsbeschädigten etwas getan werden soll, dieser Broschüre beteiligt haben, als Verräter an der Arbeiterklasse bezeichnet. Die pazifistische Literatur geht gewiß aus von idealem Gegenteil. Die Berwaltung der Metallarbeiter hält es für zu bezeichnen( Ordnungsruf des Präsidenten.- Stürmische Un- Streben. Aber sie tann jetzt nicht in Massen verbreitet werden, dringend erforderlich, daß in weitgehendstem Maße ruhe bei den Sozialdemokraten. Buruf des Abg. Noste: Hans- mo der Kriegsmille der Feinde uns zu äußerster Anstrengung ber für die Kriegsbeschädigten gesorgt wird. Die Meinung der Ver­wurscht!) Die Vorzenfur geht darauf aus, unsere wenigen Blätter pflichtet. Die Zensur besteht auch in allen anderen Bändern, auch waltung geht dahin, daß die Arbeiter selbst auch materiell und zu ruinieren. Seit heute steht die Leipziger Volkszeitung" wieder die Bolschewitt kommen nicht ohne sie aus.- Dem Abg. Meerfeld unter Vorzenjur. Das Wort:" Ich kenne nur noch Deutsche !" gebe ich zu, daß in der Redaktion der Rheinischen Zeitung " sehr moralisch den Kriegsbeschädigten beispringen, soweit es irgend an­muß heute lauten: Ich kenne nur noch Alldeutsche und eine kluge Beute fißen und daß sie in der Lebensmittelversorgung den gängig ist. Woran Anstoß genommen wird, ist vielmehr die Form, Bartei, die außerhalb des Gesetzes steht, das ist die Unabhängige Behörden in Köln gute Dienste geleistet hat. Aber manchmal fom- in der hier für die Kriegsbeschädigten gesorgt werden soll. Schon die Sozialdemokratie!"( Sehr gut! bei den Unabhängigen Sozialdemo- men in ihr doch so elementare Ausbrüche des Klassen. Aufbringung freiwilliger Mittel zur Unterstützung der Seriegsbeschädigten haises vor, die in dieser Zeit Anstoß erregen müssen. Ich bes entspricht nicht dem, was alle Arbeitervertreter bislang erklärt tone, daß, wenn ich die Zensur zu handhaben hätte, ich keine diefer haben, daß nämlich die weitgehendste Hilfe durch Mittel Stellen beanstandet hätte. Die vom Abg. Müller- Meiningen ange des Reiches erfolgen soll. Sodann wird diese Sammlung mit führten Fälle werden geprüft werden. Ich würde aber wünschen, daß wir einen Weg der Berständigung finden, denn diese Benfurdebatten sind der Reichsleitung gewiß nicht erwünscht. Die Reichsleitung wird gern soweit entgegenkommen, wie ihr Berant. wortlichkeitsgefühl und die Lage des Vaterlandes zuläßt.

traten.)

Ags Werner- Gießen( Dt. Fr.): Der Andeutsche Verband tft Herrn Gothein dankbar für die Reklame, die er für ihn gemacht hat. Die Papierverteilung ist eine ungerechte.

Abg. Pospiech( Pole) protestiert gegen die Unterdrüdung der

polnischen Vereinstätigkeit.

Abg. Meerfeld ( Soz.):

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Oberst von dem Bergh legt dar, daß Beschwerden über Militär. befehlshaber, z. B. Generalfommandos, dem Obermilitärbefehls­haber durch den Militärbefehlshaber vorgelegt werden müssen.

Abg. Haafe( 1. Soz.): Von der Regierung ist keine Abhilfe in den Benfurfragen zu erwarten.( Sehr wahr! b. d. 1. Soz.) Gs offenbart fich hier die ganze Ohnmacht des Reichstags. Die Mißstände werden weiter bestehen, solange der Reichstag nicht von feinen Machtmitteln Gebrauch macht. Wir verlangen nach wie vor die Aufhebung des Belagerungszustandes. Es existiert

ein schwarzes Kabinett,

Bunächst einige Worte zu den Angriffen des Abg. Herzfeld. Ich möchte die Tribüne dieses Hauses nicht herabwürdigen und will des halb nur folgendes erklären. Zu der Konferenz des 7. Armeekorps waren auch Unabhängige geladen, haben sich aber ausge schwiegen. Das Protokoll war lediglich ein Manschetten erzeugnis intereffierter Freunde der Unabhängigen. Unsere Redakteure, die daran teilgenommen haben, haben in der Oeffent­lichkeit die Behauptungen der unabhängigen Bresse über diese Kon­ferenz als Verleumdung bezeichnet. Eine Erwiderung ist darauf nicht erfolgt.( Sört! hört! b. d. Soz.) Gegen die unerhört maßlosen Beschimpfungen der beteiligten Arbeitervertreter durch den Abg. Herzfeld brauche ich die Angegriffenen nicht in Schulz zu das eine geheime Brieffontrolle ausübt. Ich behaupte, daß nicht nehmen. Solche polemischen Ausschreitungen gegen verdiente nur Briefe von Mitgliedern dieses Hauses geöffnet und wieder ge­Arbeiterführer von einem Manne wie Herzfeld richten schlossen worden sind, die den beiden sozialdemokratischen Parteien sich von selbst.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten, Unruhe bei angehören, sondern auch von Herren anderer Parteien.( Hört! den Unabh. Soz.) Die Art, wie die Regierung unsere hört!) Das Briefgeheimnis, das verfassungsrechtlich ge= Forderung, die Generalfommandos einer Zivilgewalt zu unter­stellen, ablehnt, verrät wenig politischen Geist. Die Me- hübt ist, wird täglich in vielen Fällen verlegt. Die Oeffnung thoden ser Generalfommandos erinnern zu fehr an das Wort jenes der Briefe von Reichstagsabgeordneten stellt obendrein einen Bruch des Artikels 31 der Reichsverfaffung dar. italienischen Staatsmannes, daß mit dem Belagerungszustand Auch bei Wahlen ist die Versammlungsgelegenheit von den jeder Giel regieren fann.( Sehr wahr! bei den Sozialdemo- Militärbehörden abhängig. Ein geheimer Grlaß, der die fraten.) Der Reichskanzler hat zugesagt, der freien Meinungs- aus Feindesland zurückkehrenden Kriegsgefangenen betrifft, teilt äußerung freien Naum zu gewähren. Zwischen diesen entgegen kommenden Worten und der tatsächlichen Bragis flafft ein großer Widerspruch. Einen besonderen Kampf gegen die Zensur hat die Mülhauser Volts- 3tg" durchzufämpfen. Die Bevormundung geht fomeit, daß der Zeitung verboten wird, schweizerische Blätter ein zuführen. Das erinnert an das Verbot der Wiener Ar­ beiterzeitung ", die nicht einmal hier im Hause von den Stetch stigsabgeordneten gelesen werden darf. Die Boffeftimme" in Mannheim wurde wegen eines Artikels über die Citfragen auf drei Tage verboten, der in vielen anderen Zeitungen anitandeles erschienen war. Wie die Vorzenfur gehandhabt wird, beweist das Beispiel, daß unser Kölner Parteiblatt über einen fraffen Grpreifungsfall zweier Polizeibeamter nicht eine fachgemäße Darstellung geben durfte. Alle Artikel des Prof Förster sind wegen seiner Friedenspropaganda unter Vor­zenfur geftelt. Der Kampf für den Frieden ist den Herren vom Militär evenis wenig genehm wie der Kampf für die Freiheit. General Brberg i falsch unterrichtet, wenn er nichts weiß

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von der

Unterdrückung des Vorwärts" beim Militär.

diese in zuverlässige und unzuverlässige Elemente ein, die voneinander getrennt werden follen. Die Namen der unzuverlässigen" Elemente sollen den heimischen Polizeibehörden mitgeteilt werden. Das ist der Dank an diejenigen, die das Schwerste geduldet und geopfert haben.( Beifall b. d. U. Soz.)

General v. Wrisberg: Den vaterländischen Unterricht über die aus Rußland zurückkehrenden Kriegsgefangenen hält die Militär­verwaltung für ihre Sicht, nachdem die Leute vier Jahre lang von der Entente beeinflußt worden find. Damit schließt die Debatte.

Abg. Spiegel( Soz.)[ persönlich] weist die Behauptungen des Abg. Herzfeld über die Konferenz im 7. Armeekorps als Verdächti­gungen zurück. Die an der Konferenz beilnehmenden Gewerk­fchaftsbeamten haben sich frei und offen über die Broschüre aus­gesprochen. Ich erwarte, daß der Abg. Berzfeld den unerhörten Vorwurf des Berrats econwerten Männern gegenüber nicht aufrechterhält.

Abg. Hersfeld( 1. Sos.): Ich habe nicht behauptet, daß Gewerk­schaftsbeamte an der Broschüre mitgearbeitet haben, sondern daß Redakteure fich dazu bereit erklärt hätten.

Bei einem Landsturmbataillon wurden 10 Bezieher des Vor- Die Anträge der Kommission zu den Fragen der Zensur und wärts" aufgefordert, die Zeitung abzubeftellen. Als einer fich des Belagerungszustandes werden angenommen. weigerte, wurde er mit harter Strafe bedroht.( Hört! hört! bei den Auf Antrag des Abg. Haußmann( V.) wird der im Beginn Sozialdemokraten.) Die Reichstagsmehrheit darf unter den Augen der Sizung angekündigte Antrag auf Abänderung der Geschäfts­der Benjur auf das Unflätigste bekämpft werden. Scheidemann lordnung in der Frage der Bizepräsidenten noch auf die

einem Namen verbunden, der infolge des Mißbrauchs, den die reaktionären Kreise mit ihm treiben, durchaus teinen an. ziehenden Klang in der Arbeiterschaft hat. Auch protestiert die Verwaltung dagegen, daß die Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands gemeinsam mit solchen Personen einen Aufruf unterzeichnet, die gerade jegt wieder am Werte sind, um ihrer alten Gewohnheit entsprechend, die Behörden scharf zu machen gegen die Arbeiter, und die unablässig darauf aus sind, die wenigen Rechte, die dem Arbeiter während des Krieges noch geblieben find, burch Maßregelung und Denunziation Auch die gesamte Situation auf illuforisch zu machen. politischem Gebiet hat start zu dieser Stellungnahme bei­getragen. Ein entsprechender Protest ist auch der General tommiffion zugegangen.

Wenn noch etwas fehlt, um die Abneigung gegen diese Samm­lung vollkommen zu machen, dann ist es die Art, in der die meisten Arbeitgeber mit den Sammellisten an die Arbeiter heran­treten."

Nachschrift der Redaktion: Die von der Leitung der Ludendorff- Spende begangenen groben Fehler sind auch von und rüdhaltlos fritisiert worden. Bezüglich der Stellungnahme der Ge­wertschaften aber darf eines nicht übersehen werden: Hätten die Bertreter der Arbeiterschaft die Mitarbeit verweigert, fo hätte ausschließlich das Unternehmertum über die Ver­wendung und Verteilung der gesammelten Gelder zu bestimmen gehabt. Was daraus entstanden wäre es handelt sich um einen Fonds, der bald 100 Millionen überschreiten wird, kann sich jeder leicht ausmalen. Daß es hauptsächlich die verfehlte Aufmachung der Sache ist, die die Arbeiter mit Abneigung er­füllt, erhellt daraus, daß an der Mitarbeit der Gewerkschaften im Reichsausschuß für Kriegsbeschädigtenjärjorge" lein Mensch Anstoß nimmt.

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Alldeutsche und Neichstag. Die Deutsche Zeitung", das Schimpforgan der Andeutschen, spricht ihren Unmut darüber aus, daß keiner unserer Minister dem Reichstag mit den Worten Thiers entgegentrete: Meine Herren! Das Land befindet sich allemal dann am wohlsten, wenn Sie nicht beisammen sind." Weiter erklärt das Blatt, das deutsche Ball habe die Faircht vor der lebergal ser Feinde gegen die ftete ng berbem Reichs. tag eingetauscht, der wie ein auf late. In dieser Lenart wir zwei Spalten long auf den Reichssag geschimpft.- Die Weiß­achtung gegenüber der Vertretung des deutschen Bolles ist ein Symptom dafür, wie viel Achtung die Alldeutschen vor dem deutschen Volt selber haben. Denn die Behauptung der Deutschen Zeitung", die Mehrheit des Volkes stehe nicht hinter der Mehrheit des Reichstages, ist ja durch die sozialdemokra. tischen Wahlsiege bei den Neuwahlen zur Genüge ala Schwindel gelenngeichnet.

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