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Erhaltung oder Abschaffung der Heimarbeit.

Bon H. Stühmer.

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In der Nummer 323 des Vorwärts" fordert Herr Dr. Wil brandt, daß veraltete Produktionsmethoden im Handwerk und Hausindustrie beseitigt werden. Man hätte kaum erwartet, daß diese milde Form der Verurteilung in der jetzigen Zeit noch Gegner gefunden hätte. Trotzdem wird bereits in einer Buschrift an den Borwärts" eine Lange für die Erhaltung der Heimarbeit ge­brochen, und zwar angeblich aus voltamirtschaftlichen Gründen. Wenn solche Ausführungen unwidersprochen bleiben, fönnte der Anschein erweckt werden, als wären die gewerkschaftlichen Organisationen, die die Heimarbeit seit einem Menschen­after bekämpfen, nun auch mit fleinen Reformen auf diesem Ge biet zufrieden. Wir möchten aus diesem Grunde folgendes darauf

erwidern:

Wer Jahrzehnte im praktischen Leben steht, weiß sehr gut, daß alte Produktionsmethoden nicht mit einem Schlage zu be­seitigen sind, wenn dies auch noch so dringend notwendig ist. Es wäre aber doch ein vollständiges Fiasko der Revolution auf wirt schaftlichem Gebiet, wenn die Heimarbeit in dem neuen verbesserten Staatsiresen verewigt werden sollte.

Gewerkschaftsbewegung

Heimkehrende! Hinein in die Gewerkschaften!

An die Mitglieder des Verbandes der Schneider! Die allgemeine Mitgliederversammlung findet nicht am Frei tag, den 29. November, im Gewerkschaftshaus, sondern am Mon tag, den 2. Dezember, im Deutschen Hof", Ludauer Straße, ftait.

Parteinachrichten.

Um die ,, Rote Fahne".

Die Umwandlung Deutschlands in einen freien Boltsstaat mag vielleicht unter den heimkehrenden Volksgenossen der Auffassung Raum geben, als ob die gewerkschaftliche Organisation nunmehr überflüssig sei. Die so denken, meinen, daß in Zukunft die zwischen Unternehmern und Arbeitern zutage tretenden Konflikte in anderer als der bisherigen Art ausgefämpft und entschieden werden. Selbst wenn diese Annahme boll und ganz zuträfe, so wäre die Notwen- Partei Hamburgs gelangten Leitfäße zur Annahme, in In einer Mitgliederversammlung der Links radikale digkeit der gewerkschaftlichen Organisation auch für die Zukunft denen unter Befundung bolshevistischer Forderungen die Einbe nicht widerlegt. Solange nicht die restlose Umwandlung der kapi- rufung der Nationalversammlung abgelehnt wird. Auf eine talistischen Produktionsipeise in eine sozialistiche eerfolgt ist, werden Kazbalgerei in der Pressefrage zwischen Unabhängigen und Spat die Gewerkschaften die wirtschaftlichen Interessenvertretungen der takusleuten deutet die Annahme folgender Resolution hin: Arbeiterklasse bleiben. Aus den im Borwärts" wiederholt dar­gelegten Gründen kann vorläufig an eine Sozialisierung unseres völlig danieterliegenden Wirtschaftslebens nicht gedacht werden. Es erwächst unseren Gewertschaftsorganisationen daher icht und in Zukunft ein ungeheures Gebiet sozialer Tätigkeit.

Diese gewaltige Arbeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaues und der sozialen Fürsorge fann aber nur restlos und schnell erfüllt werden, wenn die Heimkehrenden wieder in die Reihen ihrer Or= ganisationen treten, aus denen sie bei Ausbruch des Krieges ge= riffen, wurden.

Unsere in der Heimat verbliebenen Gewerkschaftsgenossen er­warten nun aber auch, daß sie die Heimkehrenden Kameraden wieder begrüßen fönnen als Mitstreiter für ihre Ziele.

Die technische Rückständigkeit der Hausindustrie ist durch Reformen, die doch immer nur Flickwerk bleiben, nicht dauer ihren Stolz und ihre höchste Aufgabe darin erblickt, die Ge­Die Daheimgebliebenen baben während der ganzen Kriegs­zu beseitigen. Ebenso ist das Zwischenmeistersystem fast unlöslich wertschaftsbewegung aktionsfähig zu erhalten. Und das ist ihnen, mit der Heimarbeit berbunden. Es ist wohl nicht notwendig, alle wie wir wiederholt an dem erfreulichen Erstarken der Gewerk­damit verbundenen llebelſtände, die seit dem großen Konfektionsschaftsbewegung in den letzten 1% Jahren zeigen konnten, ge= arbeiterstreit im Jahre 1896 immer wieder öffentlich gegeißelt und Iungen. durch wiederholte Heimarbeiterfongresse und Heimarbeitsausstel­lungen der gesamten Bevölkerung vor Augen geführt worden sind, hier im einzelnen aufzuführen. Ge handelt sich nicht nur um die geringen Löhne, die meistenteils den Heimarbeitern und insbe= sondere den Heimarbeiterinnen bezahlt werden, sondern auch um die miserablen Wohnungsverhältnisse, unter denen fie Heimkehrende Gewerkschaftsfreunde Guer erster Weg führt namentlich in der Großstadt zu leben gezwungen find. Wir ver- Euch zu Euren Lieben. Der nächste Weg aber gelte Gurer Or weisen hierbei auf die diesbezüglichen Veröffentlichungen der Ber- ganisation. Stellt Euch ihr zur Verfügung und zeigt Euch liner Allgemeinen Ortstranfenfase. Wir bestreiten ganz entfchie würdig der Errungenschaften unserer Zeit. den, daß durch die Heimarbeit das Familienleben gebessert und die Säuglingssterblichkeit gehindert wird. Wenn das richtig wäre, dann müßte die Heimarbeit ja derart erweitert werden, daß alle verheirateten Frauen die Erwerbsarbeit in ihrem eigenen Heim verrichten könnten, um nur nicht in die Fabrik gehen zu brauchen.

Wenn der neue Staat mit seinen wirtschaftlichen Maß­nahmen Erfolg haben wird, dann wird er es auch ermöglichen, daß die Arbeitszeit für erwerbstätige verheiratete Frauen auf ein solches Maß beschränkt wird, daß diese nebenbei ihre Wirtschaft führen und ihre Kinder erziehen können, ohne übermäßig belastet zu werden. Ferner werden Einrichtungen getroffen werden müssen, daß die Mütter ihre Kinder während der Arbeitszeit in gut geleitete Kinderheime unterbringen können, die den Schu­len gleichzustellen sind.

Für Verschmelzung der Technikerverbände. Kundgebung des Borstandes des Bundes der technisch­industriellen Beamten.

redaktionellen Haltung nach wie vor den Grundsatz der sozialey Die Versammlung fordert, daß die ,, Note Fahne" in ihrer eine andere Richtung zu geben und sie in den Dienst der Konter Revolution zu vertreten hat. Alle Versuche, der Roten Fahne revolution zu stellen, sind entschieden abzuweisen. Die Rote Fahne" soll die Revolution weiter treiben und soll dahin wirken, sie vollständig in bolschewistisches Fahrwasser zu

lenfen.

Dem ausschließlichen Anspruch der Unabhängigen auf die ,, Note Chebündnis zwischen den Hamburger Unabhängigen und Spar Fahne" widerspricht die Versammlung mit allem Nachdrud." Diese Resolution läßt die Vermutung aufkommen, daß das tabuffen eines schönen Tages in die Brüche gehen wird.

Erwiderung. Seilmann tonn meine Angaben über meine Be tämpfung des Vorwärts" nicht widerlegen, beruft sich vielmehr nur auf einen aus dem Zusammenhang gerissenen, noch dazu hypo­thetischen Sah meines Artikels. Auf diese Methode reagiere ich nicht, muß aber neue unwahrheiten Heilmanns berichtigen. Den von ihm sogar in Anführungsstriche gesezten Ausdruck ,, Prinzipien verräter" habe ich nie gebraucht, er ist meinem Sprachschak fremd. Noch krasser ist die unwahrheit, daß ich mich vergeblich um die Zu­laffung zur Mitarbeit an der Glode" und an der J. K." beworben hätte. Daß Helmann, mit dem ich vor zehn Jahren ständiger Mit­arbeiter de Bernsteinschen Montageblattes war, hier bewußt die Unwahrheit sagt, möchte ich nicht gern glauben. Auf alle Fälle schließe ich meinerseits hiermit die Diskussion. Dr. Broh.

Der Ernst der Stunde macht es der deutschen Technikerschaft Herr Dr. Broh will sich nicht vergeblich um Mitarbeit an der werkschaftlichen Bewegung zu vereinigen. Die Mitgliedschaften des veröffentlichten Artikel von ihm, die wir liegen haben? Sein voll­zur Pflicht, ihre organisatorischen Kräfte zu einer geschlossenen ge-.." und der Glocke" beworben haben. Woher rühren die un Bundes der technisch- industriellen Beamten und des Deutschen Tech ständiger Auffah, um den es sich hier handelt, liegt in unserem nikerverbandes drängen deshalb mit erhöhtem Hochdruck auf die Bureau zu jedermanns Einsicht aus. Ihn ganz abzubruden, würde balbige Verschmelzung dieser beiden Organisationen. Es der Vorwärts" wohl ablehnen. Broh macht darin im Gegenjas wird mit Recht betont, daß durch die revolutionären zum Borwärts" für den Sonderfrieden mit Rußland Propaganda. orgänge im November 1918 der wesentliche Streit- Aus welchen Gründen dieser Brest - Litowsker Sozialist" plöhlich punkt beider Verbände als behoben angesehen werden im vierten Kriegsjahr Unabhängiger getrorden ist, darüber darf sich tann, da der bisher vom Deutschen Techniterverband für die öffent- jeder seine zollfreien Gedanken machen. Schwamm drüber! Heute sind aber nicht nur Frauen, sondern noch 3 ehntau- lichen Betriebe ausgesprochene Verzicht auf das Streif­Ernst Heilmann. sende von Männern in der Heimarbeit beschäftigt. recht in der Republik Deutschland hinfällig geworden ist. Wie sollen diefe der achtstündigen Arbeitszeit teilhaftig werden? Wir können uns dieser Auffassung voll und ganz anschließen, Welche Garantie ist dafür gegeben, daß diese nicht nach wie vor und sehen daher jetzt den Weg geebnet, um die beiden Verbände auf 10 bis 12 Stunden arbeiten? Warum soll in allen diesen Fällen streng gewerkschaftlicher Grundlage d. h. der Inanspruch­den Unternehmern, die sich Fabrikanten nennen, die Errichtung von na hm aller gewertschaftlichen Rampfmitte! Werkstätten oder Fabriken abgenommen werden, damit sie die zu vereinigen. Der Vorstand des Bundes technisch- industrieller ihnen dadurch entstehenden Infosten sparen? Bahllose Zwerg­Beamten hat heute dem Vorstand des Deutschen Technikerverbandes betriebe würden verschwinden, wenn sie verpflichtet würden, nur den Vorschlag unterbreitet, unverzüglich in Verhandlungen über in eigenen Werfstätten und Fabriken arbeiten zu lassen. Das ist aber doch auch wohl ein Weg, der mit zur Sozialisierung eine baldige Verschmelzung beider Organisationen einzutreten.

Der Gesellschaft führt.

Berlin den 25. November 1918.

*

Der Vorstand. Behauptet wird, daß die Seeresverwaltung angefan­Zwischen dem Bund der technisch- industriellen gen hat, die Heimarbeitsprobleme zu lösen. Diese Lösung, deren gute Wirkung wir nicht verkennen, hat darin bestanden, daß dem Beamten und dem Deutschen Werkmeisterverband Ichten Arbeiter bei den Heeresnäharbeitern ein bestimmter Lohn ist ebenfalls insofern eine nähere Fühlungnahme erfolgt, als der garantiert war, den der Unternehmer von Heeresaufträgen oder der Werkmeisterberband mit der Arbeitsgemeinschaft freier Angestellten Zwischenmeister zu zahlen bertraglich verpflichtet war. Diese Maß- verbände zwecks Aufnahme in das Kartell bereits in Berhandlungen nahme war gewiß ein Schub gegen Lohndrud, wie er bisher von eingetreten ist. der Gesetzgebung nicht erreicht werden konnte. Sie hat aber trob Die Arbeitszeit in den Bäckereien und Konditoreien der für die Uebertretung dieser Vorschrift angedrohten Strafe nicht verhindern fönnen, daß den Arbeitern und namentlich den darf nach einer Verordnung für die Gefellen, Gehilfen, Lehrlinge Arbeiterinnen, Millionen Mart an Arbeitslohn ver- und sonstige Arbeiter 8 Stunden nicht überschreiten. Den Arbeite­loren gegangen sind, von denen allerdings einige Hundert- rinnen und jugendlichen Arbeitern( Lehrlingen) müssen an jedem tausende durch die Einrichtung der Schlichtungsfommissionen wie- Arbeitstag, an dem sie länger als vier Stunden beschäftigt werden, der eingebracht wurden. Wissentlich und unwissentlich wurde von Bausen von einer Gesamtdauer von mindestens einer halten Unternehmern, Zwischenmeistern und Arbeiterinnen gegen diese Be Stunde gewährt werden. Werden sie länger als sechs Stunden be­stimmungen zuungunsten der letzteren verstoßen. Der Sintve's schäftigt, so muß die Gesamtdauer der Pausen mindestens eine auf einen eventuellen Verzicht der Uebernahme weiterer Seeres- Stunde und eine der Pausen mindestens eine halbe Stunde be­aufträge seitens des Unternehmers oder Zwischenmeisters gegen- tragen. Unterbredningen der Arbeit von weniger als einer Viertel­über den Arbeiterinnen genügte meistens fchon, um lettere davon stunde kommen auf die Pausen nicht in Anrechnung. In den Be­abzuhalten, den ihnen zustehenden Lohn zu fordern, und meistens trieben müssen an den Werktagen alle Arbeiten mindestens von wurden die Klagen erst eingereicht, wenn das Arbeitsverhältnis 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens vollständig vuhen. bereits gelöst war. Wenn die Durchführungen dieser für die Ar­beiter äußerst günstigen Bestimmungen bei den Heereslieferungen schon äußerst schwierig war um wieviel schwieriger ist es nicht, solche Bestimmungen bei Privataufträgen durchzuführen, wo es fich nicht um gleichmäßige, sondern um stets wechselnde Arbeit terschiedener Auftraggeber handelt.

Gewiß fann und muß die Gesetzgebung auf diesem Gebiet zu nächst scharfe Bestimmungen erlassen, die aber nur mit Silfe der Gewerkschaften durchgeführt werden fönnen; aber das weitere Biel muß die vollständige Beseitigung der Heimarbeit bleiben.

Die Wahlen der Bankbeamten zum Betriebsrat. Wie in allen Betrieben. so gehen auch jetzt in den Banken die Wahlen zum Betriebsrat, vor sich.

In der Dresdener Bank ist der Liste des Allgemeinen Verban­des der Deutschen Bankbeamten eine gegnerische, hauptsächlich von Profuristen und Depofitentassenvorstehern protegierte, gegenüber­geftellt worden. Im gegen diesen Versuch, die organisierte An­gestelltenschaft au spalten und zu bevormunden, Front zu machen, lädt der Verband alle Angestellten der Dresdener Banf zu einer im Sigungssaal der Bank, 3 Treppen, am 27. d. M., abends 7 Uhr, stattfindenden Versammlung ein. Es ist Pflicht aller Angestellten, in dieser Versammlung zu erscheinen.

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Wir schließen hiermit biese Diskussion.

Neb. d. Vorw.".]

Industrie und Handel.

Die Börse.

Die Börse war am Dienstag wieder eher fest", was bei dem minimalen Geschäft allerdings nicht viel sagen will. Diese Festig teit bedeutet nur, daß die Aktionäre bei den jezigen Tieftursen nicht mehr verkaufen wollen und zum Durchhalten entschlossen sind, und daß auf der anderen Seite eine ziemliche Deckungsnachfrage besteht. Der Kassamarkt war Dienstag im Gegensatz zu den Vortagen fefter. Das Charakteristikum der jezigen Börsen ist die evidente a pital flucht. Groten haben eine märchenhafte Höhe erreicht. Die 4½prozentige rumänische Staatsanleihe hat keine höhere Ren­tabilität mehr als die 5prozentige Kriegsanleihe. Sogar ungarische Renten sind gesucht.

Gefährdung der Zuckerindustrie.

Durch die plötzlich eingetretene Demobilisierung befindet sich die Zuckerindustrie in einer sehr ernſten Krise, die leicht zu einem bölligen Zusammenbruch der Zuckerkampagne führen kann. Es fehlt vor allem an Stohle und an Transportmitteln für die Rüben, die durch die plöblich eingetretene falte Witterung dem Verderben aus gesetzt sind. Die Herausziehung der Kriegsgefangenen aus den Betrieben ruft einen Arbeitermangel hervor, der bisher durch die Neuheranführung von demobilisierten Arbeitern bei weitem nicht ausgeglichen werden konnte.

Eine Arbeitsgemeinschaft des deutschen Einzelhandels wurde gestern unter Mitwirkung von 43 Verbänden des Einzelhandels, die in Berlin Siz oder Geschäftsstelle haben, in einer auf Einladung des Verbandes Berliner Spezialgeschäfte im großen Saal der Handelskammer tagenden Versammlung gegründet. Bum Borsiken den wurde Herr Heinrich Grünfeld gewählt. Die Geschäftsstelle befindet sich in den Geschäftsräumen des Textilreichsbundes, Char lottenstraße 96.

Berantwortlich für Politif: Erich Ruttner, Berlin : für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Schola, Neukölln; für Anzeigen. Theodor Glode, Perlin. Verlag: Borwärts- Verlag G. in. b. S., Berlin . Drud. Borwärts- Puchbruceret und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin , Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage.

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