Nr.336. 35.Jahrg.
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Sonnabend, den 7. Dezember 1918.
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Straßenkampf im Norden Berlins .
Zahlreiche Tote und. Verwundete.- Soldatenkundgebung für Ebert. Ebert.- Ein Hauptmann von Cöpenick„ verhaftet" den Vollzugsrat.
In der Chauffeestraße tam es gestern zu einem Zusammenstoß zwischen Truppen und Spartacus- Demonstranten, wobei es zahlreiche Tote und Verwundete gab.
Vor der Reichskanzlei demonstrieten Soldaten, die Ebert aufforderten, die Präsidentschaft der Republik zu übernehmen. Evert antwortete, er werde in Gemeinschaft mit jeinen Kollegen die Regierungsgeschäfte wie bisher weiter führen.
Im Abgeordnetenhaus wurde der Vollzugsrat von einem Bizefeldwebel, der sich als Beauftragter der Regierung ausgab, für verhaftet erklärt. Der Vollzugsausschus wurde freigelassen und der Vizefeldwebel verhaftet.
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Ebert hat die Präsidentschaft der Republik , die ihm von] In den Andreas- Festsälen, war der Besuch gut. Rohne den Soldaten angetragen wurde, nicht angenommen. Er bezeichnete den Groß- Berliner Soldatenrat als zu 60 Prozent aus hat damit bewiesen, daß die sozialdemokratische Partei es ab- Monofel- und Epaulettenträgern bestehend. Verherrlichte Zieblehnt, sich auf dem Wege eines Handstreichs die alleinige fnecht als ersten und unerschrockensten Vorkämpfer der RevoMacht zu verschaffen, daß sie die Verträge, die sie geschlossen lution. Dagegen verurteilte e: den Vorwärts" und die hat, hält. Auf der anderen Seite wird man aber nirgends Scheidemänner. verkennen dürfen, daß die Masse der Bevölkerung Berlins Gegen 5 Uhr wurde die Versammlung durch die Mitteilung und des ganzen Reiches eine in ihren freiheitlichen Auf- überrascht, Wolkenbuhr und Müller vom VoIIfassungen feste Regierung will, daß sie Ordnung will zugsratieien auf Geheiß der Regierung Ebert und der Sozialdemokratie die Kraft, Ordnung zu halten, au- verhaftet worden. Hierauf bildete sich ein schon vorher getraut. Der Spartakusbund verhält sich zu dieser Masse wie planter Demonstrationszug, der sich unter och rufen auf ein Sandforn gegen einen Felsen, er zählt in der Millionen- iebknecht und Niederrufen auf die Regierung stadt Berlin wenige tausend Anhänger und im übrigen Reich, bert- Scheidemann durch die belebten Straßen der von vereinzelten Gegenden abgesehen, überhaupt feine. Er Stadt nach dem Abgeordnetenhause bewegte. Den etwa muß auf Drohungen mit der Gewalt, auf bewaffnete Um- 500-600 Teilnehmern hatten sich eine Menge Neugierige angezüge verzichten, er muß sich dem Willen der ungeheuren schlossen. Um diesen den Zweck des Umzugs zu erklären, wurde Mehrheit des Volkes unterordnen. Dann werden sich so trau- am Kaiser- Wilhelm- Denkmal Halt gemacht. Robne wies auf rige Vorgänge, wie sie sich gestern in Berlin abspielten, nicht die angeblichen Verhaftungen hin und rief, es gelte, die beiden wiederholen. Häftlinge zu befreien. Unbehelligt kam der Zug nach dem Abder Forderungen der Frontsoldaten zu, nachdem bereits vorher geordnetenhaus. Ledebour fam heraus und sagte Prüfung bekannt geworden war, daß sich Müller und Molkenbuhr gar
Die Vorgänge, die sich in den gestrigen Nachmittags und Abendstunden in Berlin abspielten, sind nicht nur aufs tieffte zu beklagen, sondern auch aufs schärffte zu verurteilen. Es ist notwendig, sie restlos aufzuklären und die Schuldigen rücksichtslos zur Verantwortung zu ziehen. Noch sind die eigentlichen Drahtzieher und ihre Motive unbekannt. Aber auch wenn sich herausstellen sollte, daß die Torheiten abzuhalten, haben wir stets empfohlen, ihm den Als bestes Mittel, den Spartakusbund von weiteren rheber dieser tollen Geschichte der Meinung waren, fie lei Mehrheitswillen des Volkes so rasch und so deutlich teten damit im Interesse des Volkes ein Seldenstüd, kann wie möglich fühlbar zu machen. Dazu werden die Wahlen nicht in Haft befänden. ihnen das in feiner Weise zur Entschuldigung dienen. Der Vizefeldwebel F., der an der Spike von 150- Mann bedauern wir jeden Tag, den sie unnötigerweise hinaus zur Nationalversammlung das beste Mittel sein, und darum die„ Berhaftung" des Vollzugsrates im Abgeordnetenhause geschoben werden. Die bevorstehenden Arbeiter, und Sol- der Roten Fahne" sei militärisch besetzt. In des bornahm, behauptet steif und fest, einen Auftrag der Regie: Datenratswahlen bilden wegen ihrer Unübersichtlichkeit nur Tat fand sich, daß eine Abteilung„ Franzer" in den Geschäftstung besessen zu haben. Daß er wirklich guten Glaubens einen notdürftigen Ersak. Aber auch hier haben die Gegner räumen eine Durchsuchung vornahm. Eine weitere Abteilung war, scheint aus dem Umstand hervorzugeben, daß er in des Spartafismus Gelegenheit, für ihre Ueberzeugung fräfsperrte den Torcingang. Schließlich wurde jedoch mitgeteilt, rührender Naivität im Reichskanzlerhause erschien und mel- tig zu wirken. Der Stimmzettel, wenn er zielbewußt daß ein Irrtum vorzuliegen scheine und das Militär rückte dete, er habe seinen„ Auftrag" ausgeführt. Wer hat nun angewendet wird, ist in inneren Kämpfen schließlich doch ein gegen acht Uhr ab. den Bizefeldwebel F." beauftragt"? Es handelt sich nach besseres Mittel als das Maschinengewehr.
machen kann.
Mittlerweile tauchte das Gerücht auf, die Redaktion
Ein Straßengefecht. jeiner Aussage um drei große Unbekannte, die hoffentlich Die Regierung hat ihre Pflicht getan. Sie hat den Vollrasch gefaßt werden, und denen man beibringen wird, daß zugsrat sofort enthaften laffen, den Anführer des Putsches 800 Personen besucht. Der Referent Schulz sprach ziemlich Die Versammlung in den„ Germaniasälen" war von etwa man mit den Methoden von Cöpenick nicht Weltgeschichte in der Prinz- Albrecht- Straße festnehmen lassen und eine ruhig. Außer der für alle drei Versammlungen gemeinsamen strenge Untersuchung des Falles angeordnet. Sie hat keinen Resolution wurde hier noch eine andere vorgelegt, die eine„ rote Die Soldatenfundgebungen, in deren Verlauf sich das Zweifel daran gelassen, daß sie den durch die Revolution ge- Garde" forderte. Nach dem ersten Diskussionsredner erhielt vilde Stück abspielte, waren hervorgerufen durch die Nachschaffenen Zustand als vorläufigen Rechts zustand betrach außer der Reihe ein soeben eingetroffener Soldat richt, daß die Spartakusleute nach den drei Versammlungen, tet, dessen gewaltsame Abänderung sie weder zu ihren GunDie jie veranstalteten, einen großen Streich zu tun gedächten. ften noch zu ihrem Edhaben gestatten wieder zu ihren und das Wort. Er meldete aufgeregt, die Gegenrevolution hat Amt Nach dem Sturm auf das Polizeipräsidium, nach der Ankün übernommen mit der Barale:„ Keinen Bürgerkrieg, sondern ei auf dem Marich, soeben sei der Bollzugsrat verhaftet lung, man werde demnächst bewaffnet zum Kanzlerhaus| digung des Vorsitzenden einer früheren Spartakusverjamm- Demokratie und Ordnung! Kein unnüßes Blutvergiegen!" und Ebert zum Präsidenten ausgerufen worden. Eine gewaltige unmöglich zu machen versuchen, mögen fie von rechts nach hinein rief der Vorsitzende, man wolle die Versammlung sofort Alle diejenigen, die ihr die Ausführung ihrer Absicht Erregung bemächtigte sich der Versammelten. In den Lärnt absetzen", war eine gewisse Nervosität begreiflich. Leider ist es schieben oder von links anstürmen, richten den schwersten schließen und fich in einem Demonstrationszug nach in der Chausseestraße zu einem schweren Blutvergießen Schaden an. Sie alle müssen mit unparteilicher Gerechtigkeit dem Abgeordnetenhaus begeben. Schon seien, fügte zur Ordnung gerufen und zur Verantwortung gezogen er hinzu, von den anderen Versammlungslokalen die Züge unterNach Berichten zahlreicher Augenzeugen, die man von werden. Wenn der Spartakusbund erklärt, daß er den Mehr wegs. In schleuniger Abstimmung wurden beide Resolutionen der anderen Seite natürlich bestreiten wird, wurden die re- heitswillen des Volkes respektiert und auf alle Bläne einer angenommen. Dann leerte sich der Saal, und draußen auf der Gierungstreuen Soldaten von den ihnen entgegenziehenden Gewaltherrschaft verzichtet, dann kann die Regierung jede Straße bildete sich nach 16 Uhr aus etwa der Hälfte der VerSpartakusleuten aufgefordert, ihre Waffen abzuliefern und Garantie dafür übernehmen, daß die neue Ordnung auch ſammlungsteilnehmer ein Bug. Voran marschierten die Solihnen zu folgen. Da sich die Soldaten darauf nicht einlassen einer Gegenrevolution von rechts her unbedingt geschütt wollten, wurde auf sie geschoffen. Sie erwiderten werden und daß kein Blut mehr fließen wird. A m Bolt bun das Feuer und es fam zu einem Gefecht, bei dem es auf aber ist es zu beweisen, daß es reis zur Freiheit ist und nicht beiden Seiten Zote und Schwerverletzte gab. Da die Ueber will, daß die Errungenschaften der Revolution in einem Ueber- will, in ein legenheit der Soldaten gegen die schlechter bewaffnete Masse Chaos untergehen! jehr groß war, ist die Zahl der Opfer auf der anderen Seite größer, als auf der des Militärs. Wie es in solchen Fällen nicht anders geht, sind leider auch Unschuldige der Schießerei
gekommen.
aum Opfer gefallen.
Die ganzen überaus traurigen Vorgänge in der Chaussee
itraße erklären sich aus dem gewissenlosen Treiben der Spar
Irrtümer, Fälschungen und blutige Tragödien. Die Protestversammlungen.
daten, ihnen folgten die Zivilpersonen. An der Ede der Chauffee- und Invalidenstraße stieß der Zug auf ſtarfe Retten von Militär, das mit aufgepflanztem Dranienburger Tor versperrt wurde, zum Teil nach dem Neuen Bajonett, bastand. Der Zug bog, weil der Weg nach dem
Tor ab. Andere Teilnehmer blieben an der Ecke der Invalidenund Chausseestraße zurück und standen erregt in Gruppen umher. Es wurde der Versuch gemacht, die Soldaten zur Niederlegung der Waffen zu veranlassen. Plötzlich fiel ein Schuß und nun eröffneten die Solbaten ein heftiges Feuer.
In den Sophiensälen hatten sich, wie uns ein Augenzeuge berichtet, ungefähr 200 Mann versammelt, die den Saal nur
tafusleute und der ungeheuren Erbitterung von neun Zehnteln der Berliner Soldaten über dieses Treiben. Wenn heute die Spartakusleute mit der Beschuldigung kommen werden, Die von ihrem Truppenteil versprengten Soldaten, sowie spärlich füllten. Hier wurde die Aufputschung durch einen Herrn die Regierung laffe auf das Bolf schießen, so ist darauf zu die Urlauber und Deſerteure hatten vor etwa vierzehn Tagen im schwarzen Gebpelz, einen angeblichen Schriftsteller, besorgt, erwidern, daß in der Chausseestraße Volf auf Bolf ge- zur Vertretung ihrer Intereffen Räte gewählt, die auf Grund der plötzlich die Mitteilung machte, der Boll. schoffen hat, denn die Soldaten find doch schließlich auch ihrer Wahl Siz und Stimme im Groß- Berliner Soldatenrat augsrat jei von den Scheidemännern verhaftet Bolt. Die Soldaten haben den strengsten Befehl von der forderten. Sie wurden jedoch in der Vollversammlung vom und Ebert zum Diktator ernannt worden. Ein Commandantur, die Waffen nicht zu gebrauchen, es sei denn 30. November mit ihrem Anspruch abgewiesen. Gegen diese Ab- zweiter Zivilist forderte die Versammelten auf, zur Rettung der im Fall unvermeidlicher Notwehr. Die Soldaten versichern, weisung wandten sich die Betroffenen in den für gestern anbeDaß fie fich tatsächlich in der Notwehr befunden baben. Auf raumten drei Protestversammlungen. feinen Fall find sie blinde Werkzeuge einer höheren Macht, aminat fie, niemand erlaubt ihnen, unschuldiges Blut zu verwirte gießen.
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35.
In diesen Versammlungen wurde eine Resolution vor gelegt, in der schärffter Einspruch dagegen erhoben wurde, daß die Vertreter der Frontsoldaten zurückgewiesen worden feien, weil fie Anhänger Liebknechts wären. Es wird Gleichberechtigung Das Verhalten Eberts bei den Ereignissen vor dem aller politischen Richtungen sowie Siz und Stimme im Groß Reichskanzlerbaus zeigt, daß die Regierung entfchloffen ift, Berliner Soldatenrat gefordert und im Falle erneuter Zurück fich von ihrem Weg weder nach rechts noch nach links abbrän- weifun. die Verantwortung für die Folgen dieser Körperschaft
gen zu lassen.
aufgebürdet.
gefährdeten Revolution sofort einzugreifen. Drei Plakate mit den Aufschriften: Nieder mit Hindenburg !", Hinaus mit den Offizieren aus den Soldatenräten!"," Der Soldaterrat der Deserteure usw. verlangt sein Recht auf Anerkennung!" waren bereits zur Stelle. Der Herr im Gehpelz und die Matrosen mit den Plakaten fetten sich an die Spitze und so ging der Zug hinaus auf die Straße, bis er an der Ecke der Chaussee- und Invalidenstraße auf militärischen Widerstand stick.
( Schluß auf der 3. Geited