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ZH. Jahrgang

1. Heilage öes vorwärts

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ver öerliner Staötharshalt. Der Stcrdthaushattsplan für ISIS wurde gestern der Stadt- verordnetenverfammlung vorgelegt. Stadtkämmerer Boß nannte thn ein Spiegelbild der überaus schwierig gewordenen Wirtschaft- lichen Lage Deutschlands , das naturgemäß in der Reich-Z Hauptstadt sich am schärfsten darbietet. Die schwebende Schuld Berlins ist infolge der Ausgaben für die Kriegswohlfahrtspflege zu einer märchenhaften Höhe angeschwollen, und man weiß noch nicht, wie weit Staat und Reich die für sie verauslagten Beträge zurücker- statten werden. Dabei harren wichtige soziale Aufgaben der- sung. zu der die Stadt, wie der Kämmerer sagte, Geld und wieder Geld und abermals Geld braucht. Einstweilen soll zur Bilanzierung des neuen Haushalts die Einkommensteuer auf 260 Proz. erhöht werden, aber für die Zukunft müssen selbstverständlich zur Deckung der gesteigerten Ausgaben andere Einnahmequellen ergiebiger ge- macht und neue erschlossen werden. Der Kämmerer sprach sich für Ausgestaltung und Vermehrung der städtischen Werke ans, er er- wartet aber von einer Kommunalisierung privater Betriebe nur dann einen Erfolg, wenn die von der Stadt übernommenen Unter- nehmungen auf wirtschaftlich gesunder Grundlage Wetter bestehen können.

Beide sozialdemokratische Fraktionen haben beantragt, durch Ortsstatut zu bestimmen, daß alle jugendliche Personen unter 18 Jahren, die seit Ostern 15313 die Volksschule ver­lassen haben und kein« weitergehende wissenschaftliche und künst- lcrische Ausbildung genießen, verpflichtet werden, die Fort- bildnngsschule zu besuchen. Für die U. Soz. tritt Frau Stadtv. Wurm als Befürworterin des Antraas auf, der toenigstens einen Leinen Schritt vorwärts auf dem Wege der Schulreform bedeute. Stadtv. Rektor Troll (Bg. Agg.) erklärt für seine Fraktion, dem Antrag beitreten zu wollen. Stadtv. Lehrer Hübner(Soz.) regt an. ob man nicht aus den KriegSerfahvungen die Lehre ziehen tollte, die Volksschulpflicht um ein Jahr zu verlängern, wie es in Hamburg bereits geschehen. Die FortbildungSsckml« müsse in Zukunft auch für die Geistes- und GemütSbtldung etwas tun und sich nickst auf die reine Fachaus- bildung beschränken. Stadtv. Merten(Dem.) steht alz Facbmann der letzteren Forderung ablehnend gegenüber. Dem Antrag stimme die demokratische Fraktion zu. Stadtschulrat Dr. Rcimann: Berlin kann auf sein« vorbildliche FortbildungZsckule stolz sein. Die Verlängerung um ein Schuljahr kostet 214 Millionen jährlich laufende Ausgaben; die Baukosten sind zurzeit auf das 4--Sfache der Friedenspreis« gestieaen. Dennoch wird der Magistrat sich an- gelegen sein lassen� den Wünschen der Versammlung zu entsprechen. Der Antrag gelangt fast einstimmig zur Annahme Hierauf bringt Kämmerer Böß den Stadthaushaltsplan für 191? «in. AuS 1917 wende«in Ueberschuß von 25 Millionen erwartet; 1918 werde mit einem Fehlbetrag von 29 Millionen Mark ab- schließen. Di« schwebende Schuld der Stadt sei durch den Krieg bis Ende September 1918 von 39 auf 739 Millionen angeschwollen und belaufe sich zurzeit auf 775 Millionen. Während des Krieges seien 259 Millionen langfristige Anleihen aufgenommen und fort- laufend Teile der schwebenden Schuld abgestoßen worden. Das Vermögen der Stadtgemeinde sei auf 114 Milliarde zu schätzen.! Di« St«u«rkraft der Einwohner wende sich gleichfalls kräftig entwickeln, wenn erst die Wirren der Jetztzeit über- wunden sein werden. Diese Steuerkraft sei Jahrzehnte lang aeschont worden; jetzt müsse sie schärfer herangezogen werden. In ser schwebenden Schuld steckten 210 Millionen Kriegswohlfahrts- auSgaben, die vom Reich und Staat zu ersetzen seien. Kämen diese ehren Verpflichtungen auch im übrigen nach, so reduzier« sich die schwebende Schuld auf 194 Millionen. Das Kriegskostenkonto habe Ende März 1919 die Höhe von 614 Millionen erreicht. Der Haus- baltSplan für 1919 sei trotz seiner hohen Mnchlußzifser von 719 Mil- lionen durchaus mit Vertrauen zu betrachten, denn angesichts des starken Sinkens des Geldwertes sei die Steigerung von 487 auf 719 Millionen relativ mäßig. Der Einkommen steuerzuschlag müsse auf 269 Proz. erhöht werden. Hoffentlich sei dieser Hanshalts- plan der letzte für das engere Berlin , da der Eingemeiudungsge- danke jetzt marschiere und bald Wirklichkeit werden durfte. Nur die Arbeit werde auch Berlin wieder auf die Höhe bringen,(lgeifall.) Die erste Lesung deS StadthauShaltS wird in der nächsten Sitzung erfolgen.

Stadtv. Egner(Bg. Vgg.) begründet darauf einen Antrag, in Zukunft Gebäude der Gemeindeschulen nicht mehr zur Einrichtung fiir Familienwohn räume oder für andere Zwecke herzugeben und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dafür Sorge tragen zu wollen, daß die jetzt noch den Sckulzwecken entzogenen Schulgebäude umgehend ihrer ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben werden. Stadtv. Alex Wurm<Ü. Soz.) verlangt im Sinne eines snt- sprechenden Antrags Auskunft über das Ergebnis der Bemühungen des Magistrats, die Zurückziehung der Truppen auS den Schulen herbeizuführen. Stadtschulrat Dr. Rcimann» gibt zu, daß die Zustände sehr unerfteulich waren, sie hätten sich aber doch gebessert. Zurzeit seien nur noch 12 Gemeindeschulen und einige andere Schulgebäude mit Militär belegt. Leider hätten 21 Schulen für Zwecke der Enoerbslosenfürsorge in Anspruch genommen wer- den müssen. Der Magistrat tue, was er irgend könne, um von dem militärischen Druck loszukommen. Nach weiterer Debatte, an der sich Stadtvv. Merten(Dem.), Lehrerin Frau Nicker(Soz.) und Cassel beteiligen, wird der Antrag Egner abgelehnt. Der Antrag Wehl wird als erledigt zurückgezogen. Die Aufhebung der veralteten Vorschriften über die R e- sidenzpflicht der städtischen Beamten, Lehrer und Angestellten bezweckt ein weiterer von den beiden sozialdemokratischen Fraktionen gestellter Antrag. Derselbe wird einstimmig zum Beschluß erhoben. Schluß 9 llhr. GroßlSerlln Karfreitag. Volk, dein blasses Geficht von denen, die für dich starben, von denen, die dich verdarben, von deinem Golgatha spricht. Volk, daß dn nntergehst, ist hohe» Schicksals richtende Hand, daß du im neuen Weltvaterland in heller Schönheit auferstehst! _ A. Z. Vollzugsrat G?-Ser!in. Der VollzugSrat beschäftigt« sich am Donnerstag mit Diffe- renzen, die unter der Arbeiterschaft der Firma R. ausgebrochen waren. Der Dreber W. war im Januar in einem Werbebureau tätig. Als er später zurück in den Betrieb kam, beschloß eine Funktionärkonfereirz und sväter die in Frage stehend« Abteilung, es abzulehnen, mit W. zusammenzuarbeiten. Der Vorsitzende schlug zunächst vor, die Angelegenheit durch einen Vergleich zu erledigen. Dem wurde von den Mitgliedern der S. P. D. widersprochen, sie verlangten eine Entscheidung. Nach langer Debatte wurde von der U. S. P. D. folgender Antrag vorgelegt: .Der VollzugSrat erachtet eS für die heiligste Pflicht eines jeden sozialistisch denkenden Arbeiters, für die Einigkeit der Proletarier zu wirken und besonders unter seinen Arbeitsgenossen alleS zu tun, was zur Auftechterhaltung der Ruh« und Ord- nung i m Betriebe notwendig ist. Sollten sich in einem Betriebs die aus den politischen Verhältnissen entstehenden Gegen- sätze scharf zuspitzen und dadurch ein ersprießliches Zusammen- arbeiten gefährden oder gar die Mehrheit der Arbeiterschaft Anstoß an der Tätigkeit irgendwelcher Arbeiter nehmen, so hält os der VollzugSrat für ganz selbstverständlich, daß die davon Be- troffencn das tun, was die Auftechterhaltung der Einigkeit der im Betriebe beschäftigten Arbeiterschaft erfordert. Unterlassen dies die Betroffenen, so beweisen sie, daß sie nicht die Einigkeit der Arbeiterschaft wollen, sondern bewußt und mit Ueberzeugung der Reaktion in die Hände arbeiten." Die S. P. D. schloß sich dem Antrage an, verlangte aber die Worte:Sollten sich in einem iSetriebe die auS den politischen Ver. Hältnissen entstehenden Gegensätze scharf zuspitzen und dadurch ein ersprießliches Zusammenarbeiten gefährden oder gar die Mehrheit der Arbeiterschaft Anstoß an der Tätigkeit irgendwelcher Arbeiter nehmen" zu st r e i ch e n und dafür die Wort«ausgenommen sind politische Meinungen und Handlungen" in den Antrag aufzunehmen. Den, wurde entgegengehalten, daß c'ne solche Stellungnahme des Vollzugsrats dem klaren Beschluß der letzten Vollversammlung widerspricht. Der Antrag der U. S. P. D. wurde o h n e d« von der S. P. D. vorgeschlagene Aendevung angenommen.

Darauf erklärten die Mitglieder der S. P. D., daß sie nunmehr für heute kein Interesse an den weiteren Verhandlungen de« voll- zugsrats haben und verließe» den Sitzungssaal. Die Vollversammlung der Arbeiter- und Sokdatenräte vom 26. März hatte beschlossen, das preußische StaatSmiiristerium zu ersuchen, den über Berlin verhängten Belagerungszustand aufzuheben, und beauftragten den VollzugSrat, dies dem Mi- nisterium des Innern zur Kenntnis zu bringen Auf das am 27. März an das Staatsministerium gerichtete Schreiben erhielt der VollzugSrat folgende Antwort: Dem Antrag aus Aufhebung de? Belagerungszustandes kann zurzeit nicht entsprochen werden, da die Voraussetzungen hier- für noch nicht vorliegen, zumal eS neuerdings in Magdeburg und Dresden zu Ausschreitungen gekommen ist, wie sie ähnlich bei Aufhebung der durch den Belagerungszustand er­möglichten schärferen Ueberwachung auch für Groß-Berlm nicht ausgeschlossen wären. Berlin , den 14. April 1919. Die preußische Staat Svegternng. _(gez.) Hirsch. Amerikanisches Büchsenfleisch im Schleichhandel? Zu der unter obiger lleberschrift am 11. April ersckneneneu Notiz schreibt uns das ReichSernährungSamt: Die angebliche Be­hauptung, daß im Osten Berlins bereits amerikanisches B ü ch s« n f l e i s ch im Schleichhandel zu haben ist, ist nach amt> lichen Feststellungen nicht zutreffend. ES ist biS heut« ameri- kanisches Büchsenfleisch überhaupt noch nicht nach Berlin eingeführt worden, kann also auch nicht gehandelt worden sein. Anscheinend liegt hier ein« Verwechslung mit Konservenfleisch auS HeereS - beständen vor, das an die Mannschaften ausgegeben und von diesen, wie angenommen wird, nicht verzehrt, sondern an privat« Abnehmer verkauft worden ist. Jedenfalls darf ausdrücklich festgesteM werden, daß bei der Fleischverteilung der Stadt Berlin , der amtlichen Stelle, welche die amerikanischen Lebensmitteleingänge zu vereinnahmen und zu ver- teilen hat. und welche bereits heute z. B. im Besitz von amerika­ nischen Schweineprodukten, wie Speck und Vorderschinken, ist. die denkbar schärfsten Konftoll- und SicherheitSeinrichtungen getroffen worden sind, um jede Unregelmäßigkeit zu verhindern. Da» dort arbeitende Versonal steht nicht nur unter strengster Aussicht, son- denn die gesamten Vorrät« auch unter militärischer Bewachung, so daß damit gerechnet werden darf, daß auf unrechtmäßige Weise nichts abhanden kommen kann. Am Sonnabend, den 13. Aprfl, fällt dte snrsflische Sprechstunde auS._ Keine anonymen Anzeigen. DaS Polizeipräsidium schreibt unS: Das Ueberhandnehmen de? Wucher- und SchleichhändlerweseenS erfordert ein scharfe» Zufassen der zuständigen Behörden. Mit Erfolg kann sedoch nur dagegen ! angekämpft werden, wenn die Polizei vom Publikum lebhast unter- stützt wird und nicht, wie eS leider öfter vorkommt daß das Publi- ! kum beim Einschreiten der Polizei gegen die Beamten Stellung ' nimmt. ES laufen täglich ein« groß« Anzahl von Anzeigen hier ein, l davon sind jedoch mindestens die Hälft« anonym. Di« Erfahrung i hat gezeigt, daß bei 99 Prozent dieser anonymen Anzeigen kein ! Erfolg zu verheichnen war. In Zukunft werden anonym« Anzeigen in keinem Falle mehr beachtet. Ich bitte die Eimwohnerschost bei allen Anzeigen die volle Adresse anzugeben, die natürlich stren" geheim geheckten wird._

Preise für Frühkartoffeln. Die Höckstpreiie für den Verkauf von Fiübkartosseln durch den Erzeuger in der Zeit vom 1. Juli bis 14 September sind ab Ver­ladestelle, einsitiließlich der Kosten des Einladen», auf 169 Wl. für die Tonne(Zentner 8 M.) festgeietzt. Die LandeSbebörden können für die Zeit vom 1. bi« 81. Juli den Preis pro Tonne aui 249 M. (Zentner 12 M.) erhöben, für die Zeit vom 1. August bi« 14. Sep- tember den Preis bis auf den vom 15. September geltenden Preis herabsetzen..... Für den Kleinverkauf durch den Erzeuger können durch dt« Landesbehörden andere Preise festgesetzt oder zugelassen werden. Einmalige Zulage für Zkriegsbeschädigte. Die ReichSregierung hat verfügt, daß den infolge KriegSbefchöbi- gung vor dem 9. November 19l8 entlassen«, Unteroffizieren und Mannschaften mit Rücksicht auf die Verteuerung aller Gegenstände des täglichen Bedarfs eine einmalige Zulage von ftmfzig Mark ge- zahlt wird. Die Zahlung erfolgt durch die Bezirkskommandos.

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Ein Doppelgänger. Erzählung von Theodor Storrn.

Sie sah mich an, und ich erwiderte nur:Sie würden viel verändert finden!" Der Oberförster aber faßte ihre beiden Hände und schüttelte sie ein wenig. Wach auf, Christel!" rief er.Was wolltest du dort? Selbst unser Gastfreund hat sich ausgebaut I Bleib bei mir, wo du zu Haus bist und um acht Tage kommt dein Junge in die Sommerferien!" Sie sah mlt glücklichen Augen zu ihm auf.Es war ja nicht so ernst gemeint, Franz Adolf!" sagte sie leise. Als es auf der Hausühr vom Flur aus zehn schlug. brachen wir auf; der Oberförster zündete eine Kerze an und begleitete mich, wie am Nachmittage, die Treppe hinauf nach meinem Gastzimmer.' Nun," saijte er, nachdem er daS Licht auf den Tisch gesetzt hatte,nicht wahr, wir sind jetzt einig? Sie verstehen mich?" Ich nickte.Gewiß: ich weiß nun freilich, wer John Hansen ist." Ja, ja," rief er,aus dem Staube des Weges haben meine lieben Eltern dies Kind für mich aufgesammelt: ich dank es ihnen jeden Morgen, wenn ich beim Aufftehen dies friedliche Antlitz noch neben mir im Schlummer sehe, oder wenn sie mir vom Kisten ihren Morgengruß zunickt. Doch gute Nacht! Auch die Vergangenheit soll schlafen!" Wir reichten uns die Hände, und ich hörte ihn den Korridor entlang und die Treppe hinabgehen. Aber bei niir wollte die Vergangenheit nicht schlafen; ich trat an das offene Fenster und sah auf den Teich und auf die Wasser- lilien, die wie Mondflimmer auf seinem dunkeln Spiegel lagen; die Linden am Ufer hatten zu blühen begonnen, und ihr Duft wehte im Nachthauch zu mir herüber: eine mir un- bekannte Vogelstimme scholl in Pausen vom Wald herüber. Aber die reiche Sommernacht nahm mich nicht gefangen; vor mein inneres Auge drängten abwechselnd sich zwei öde Orte: ein verlastener Brunnen mit vermorschtem Plankiverk, der in der Nähe meiner Vaterstadt auf einem weiten Felde lag, wo vorzeiten ein Haus, eine Schinderkate, sollte gestan- den haben: als Knabe, auf einer einsamen Schmetterlings- jagd, hatte ich einst erschrocken vor ihm haltgemacht; was

damit wechselte, war das äußerste der kleinen Stadthäuser am Ende der Norderstraße, mit einem Strohdach, auf dem allezeit ein großer Hauslauch wuchs, so niedrig, daß mans mit der Hand erreichen konnte: das Ganze zum Einstürzen verfallen und so winzig, daß kaum mehr als eine Kammer und der engste Küchenherd darin Platz haben konnten. Als Junge hatte ich manchmal, von Feldstreifereien heimkehrend, davor stillgestanden und mir vorphantasiert, wie hübsch es sich in diesem Liliputer-Hause ohne Eltern und ohne Lehrer würde wohnen lassen. Später, als ich schon Sekundaner war, kam noch ein anderes hinzu: es gab oft einen Lärm in diesen engen Räumen, der die Vorübergehenden davor haltmachen ließ, und zu diesen gehörte auch ich ein paarmal. Eine kräftige Männerstimme fluchte und schalt in sich über- stürzenden Worten: dröhnende Schläge, das Zerschellen von Gefäßen wurde hörbar: dazwischen, kaum vernehmbar, das Wimmern einer Frauenstimme, doch nie ein Hilferuf. Eines Abends trat danach ein junger, wilder Kerl aus dem Innern in die offene Haustür, mit erhitztem Antlitz, über das ein paar dunkle Haarlocken ihm in die Stirn hingen. Er warf den Kopf mit der starken Adlernase zurück und musterte schweigend die Umstehenden: mich blitzte er mit ein paar Augen an, mir war, als hörte ich ihn schreien:Mach, daß du fortkommst, du mit dem feinen Rock! Was gehtS dich an, wenn ich mein Weib zerhaue!" Das war John Glückstadt, der Vater meiner edlen Wirtin, von dem ich heute erfahren hatte, daß er eigentlich John Hansen geheißen habe.

-- John Hansen war von einem Nachbardorfe und hatte seine Militärzeit als tüchtiger Soldat bestanden, wenn auch zu Anfang nur der kräftigere Arm eines Kameraden schuld gewesen war, daß er den dänischen Kapitän, der ihn tyske Hund" geheißen hatte, nicht mit dem kuxzen Seiten- gewehr niederstach. Als aber die Dienstzeit aus und er ent- lassen war, da wollte die müßige, aber wilde Kraft in ihm etwas zu schaffen baben: ein Dienst als Knecht war nicht sogleich zur Hand, so ging er in die Stadt und gab sich vorerst bei einem Kellerwirte in die Kost. Aber dort verkehrte allerlei fremdes und hergelaufenes Volk: eine Menge Ar­beiter, die bei einem Schleusenbau beschäftigt waren, hatten dort ihre Schlafstelle.

Einer davon, der wegen Trunkfälligkeit aus der Arbeit gejagt war, blieb trotzdem und verzehrte und vertrank seine letzten Schillinge. Er und John hatten beide nichts au tun; so waren sie stets zusammen, lagen draußen am Deich oder saßen allein in der dämmerigen Kellerstube, und der Fremde erzählte allerlei lustige Spitzbuben- und Gewaltsgeschichten: er wußte genug davon, und bei den meisten war er selber mit dabei gewesen: aber alles war immer lustig ausgegangen. Bei solcher Gelegenheit, da sie wieder einmal weit draußen am Haffdeich miteinander im Gras« lagen, wo nur der West- wind pfiff und die Möwen schrien, überfiel den jungen Burschen die Lust, auch seinerseits«imnal den Hals zu wagen; er streckte seine straffen Arme auS und schüttelte die Fäuste, ein wüstes Feuer brach aus seinen Augen.Zum Satan!" rief er,hätt' man so was auch nur zu schaffen, da ehrliche Arbeit nicht zu baben ist!" Der alte.Halunke, der neben ihm lag und beim Erzählen nur über sich Wolken hatte ziehen sehen, blickte ihn von der Seite an.Meinst du?" sagte er heimlichmm, Spaß würd' schon dabei sein!" John antwortete nicht: ein Trupp Arbeiter kam von draußen auf dem Deich daher. Der Fremde stand auf und sagte:Komm, John, die kennen uns; wir wollen mit ihnen heimgehen!" -- Am anderen Nachmittage, da sich für John aber- mals die Aussicht auf einen Dienst zerschlagen hatte, lagen die beiden wieder an derselben Stelle. Der Fremde sprach nicht: John riß Grasbüschel aus dem Boden und warf damit nach vorbeisftei senden Schwalben. Du ruinierst doch den Deich, da du sonst nicht? zu km hast!" sagte der andere lachend. John stieß einen Fluch auS.Du wolltest mir gestern was erzählen, Wenzel!" sagte er. Wenzel sah wie abwesend auf die See. wo draußen eben ein Segel vorbeizog.Ich?" sagte er.WaS sollte das ge- Wesen sein?" DaS mußt du selber wissen; aber Spaß sollte dabei sein. So sagtest du." Ja so! Ich weiß schon; aber es ist noch mehr Gefahr als Spaß dabei. John lachte. BfotL folat)