Nr. 186.
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Vorwärts
11. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Sonntag, den 12. August 1894.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier!
Polizeihilfe für den Ring.
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wiffen, in eine ähnliche ihnen von den Kapitalisten mit| getroffen. Wenn Müller u. Schulze oder Levi u. Cohn ihre Advokatenkniffen gestellte Falle zu gehen, und die gesammte Ar- Waaren nicht mehr in den Zeitungen empfehlen lassen, Ihr unablässiges Gerede von der Nutlosigkeit des beiterschaft Dresdens , Sachsens , ganz Deutschlands , soweit sie wenn keine Plakate mehr angeschlagen werden dürfen:„ Die Boykotts widerlegen die Leiter des Brauereirings und ihre ihre Klaffenlage erkannt hat, würde um so zäher, mit tiefer ein- beste Seife fauft man nur bei Schmierfett u. Co.", oder den Breßtrabanten schlagend durch ihre nicht minder eifrigen gegrabener Erbitterung den Kampf gegen die Fallensteller und besten Katao liefert Cornelius van Bott"- was soll denn Bemühungen um Mittel zur Verhütung oder Beseitigung deren Verbündete durchführen. Eine Abschwächung des Boykotts werden aus dieser besten aller Geschäftswelten? der Uebel, die der Boykott über die Ringbrauereien würde auch aus dem Gelingen der Dresdener Erpressungs- Dahin führt aber der blinde Eifer der sächsischen Polizeiund deren Kneipenvasallen verhängt. Mit freudigem klage nun und nimmer sich ergeben, nicht in Dresden und genies. Und wenn sie uns antworten: Ja, Arbeiter, das Geschnatter wird jedes Vorkommniß in der gegnerischen Presse nicht anderenorts, wo die Arbeiter in ihrer Vertheidigung ist ganz etwas anderes; was Dir verboten ist, muß begrüßt, das nur halbwegs Abhilfe verheißt. Schier außer gegen den Uebermuth des ausbeutenden Kapitals zu dieser Schmierfett u. Co. erlaubt bleiben, dafür sind das fich vor Freude und bebend in unterthänigster Erwartung Waffe zu greifen genöthigt sind. Kapitalisten, so ist das wiederum ein Beweis das der Segnungen, die ihnen obrigkeitlich bereitet werden, Aber in Sachsen ist auch die Polizei viel zu„ helle", für, daß es zweierlei Recht giebt im Klassenstaat, zeigte sich die Ringgefolgschaft, als die Nachricht kam, daß als daß sie nicht noch andere Mittel gegen den Boykott wiederum ein Sporn für die Arbeiter, sich von solchen ein höherer preußischer Beamter mit einem sächsischen eine ausfindig machen sollte, nachdem sie einmal es als ihre Zuständen zu emanzipiren und sicher keine Förderung Konferenz abgehalten habe, um sich von ihm darüber be staatsretterische Aufgabe erkannt hat, den Kapitalisten in der Kapitalistensache. Viel Erbitterung wird dadurch gefäer lehren zu lassen, durch was für Polizeimittel man im ihren Kämpfen gegen die Arbeiter beizustehen. Der mit in den Herzen der Arbeiter, aber deshalb kein Tropfen Königreich Sachsen den Arbeitern die Verwendung des Boy- Recht bei allen Polizeigenies so sehr beliebte grobe Un- Boykottbier mehr verschänkt. totts in ihren wirthschaftlichen Kämpfen erschwert. fug"-Paragraph des deutschen Reichs- Strafgesetzbuches hat Und darum: fruchten auch die sächsischen Polizeilehren auch gegen den Boykott herhalten müssen. Man hat Nte bei preußischen Beamten die Sozialdemokratie werden sie dakteure oder Redner, die die Arbeiter davor gewarnt nicht irre machen im Boykottkampf, dort wo er nöthig ist, haben, in bestimmten Geschäften ihre Einkäufe zu und nicht aufhalten in ihrem Siegeslaufe. machen, die Produkte bestimmter Unternehmer zu konsumiren, das Bier bestimmter Brauereien zu trinken, mit
Ob die königlich sächsischen Polizeilehren in den aufhorchenden Ohren des preußischen Beamten auf fruchtbaren Boden gefallen sind, wissen wir nicht. Aber das wissen wir, daß die königlich sächsischen Polizeimittel gegen den Boykott den Rechtsanschauungen Hohn sprechen, die selbst in dem von
kapitaliſtiſchen Interessen beherrschten öffentlichen Leben Strafmandaten wegen„ groben Unfug“ bedacht, froßdem Die Nothlage der Landwirthschaft.
ein unumstößliches Kriterium dieser Bergehenskategorie, die Bei einer früheren Gelegenheit haben wir flargelegt, Belästigung dritter Personen, vollständig fehlte bei den Folgende interessante Ausführungen gehen uns von einem wie der staatsanwaltschaftliche Plan, die Unterhandlungen fraglichen Ankündigungen und Aufforderungen. Die Leute, gelegentlichen Mitarbeiter zu: wegen Aufhebung des Boykotts den Arbeitervertretern an die sie gerichtet waren, wurden keineswegs belästigt bekanntlich der liebliche Kehrreim aller Nothstandsreden und Schreien wir! Schreien wir! Schreien wir!" Das ist als Erpressung auszulegen, den gesammten Geschäfts- dadurch, vielmehr erfreut und ermuthigt in ihrem brüder- bekanntlich der liebliche Kehrreim aller Nothstandsreden und verkehr lahmlegen müßte, da genau das nämliche Verfahren, lichen Zusammenhalten mit bedrängten Genossen. Und noch ihren trok dieses Nothstandes recht entwickelten Stimmmitteln Nothstandsgedanken unserer nothleidenden Agrarier. Und bei der Hinweis auf Vortheile, die der einen Seite erwachsen viel weniger konnten dadurch die Brauer und sonstige machen sie auch unstreitig Eindruck auf die maßgebenden Faktoren würden, wenn sie der anderen Zugeständnisse macht, tag- Unternehmer belästigt werden, da für sie die Aufforderung von Gesetzgebung und Verwaltung. Jedenfalls bleiben die Herren täglich im Geschäftsverkehr vorkomme. Noch haben die nicht bestimmt war. Man könnte vielmehr sagen, daß ihnen troß ihres Schreiens nach wie vor die berufenen Stüßen von sächsischen Gerichte in der Sache nicht gesprochen; noch ist eine Belästigung durch übermäßigen Kundenzuspruch fern- Thron und Altar, sie werden von den hohen und höchsten Stellen es möglich, daß der" Erpressungsversuch" eine gehalten wird. Doch ob logisch oder nicht, mit dem groben aus nach wie vor gestreichelt und gehätschelt, und wenn man Phantasieschöpfung der Dresdener Staatsanwaltschaft Unfug" suchte man dem Boykott ein Bein zu stellen. auch vernünftigerweise ihre Forderungen, die sie in naiver bleibt und schließlich als ein mißlungener Ver- Indeß auch dieser Polizeistreich blieb ein Schlag ins Weise in die Welt schreien, nicht erfüllen fann, so macht man und doch wenigstens Versprechungen das Kuriositätenkabinet Wasser. Werden die Arbeitervertreter verhindert, vor deutschen Büreaukratenthums gelegt werden muß. Doch boykottirten Waaren oder Lokalen zu warnen, so können sie auch kleine Abschlagszahlungen, um ihre bewilligungsfrohe Laune nicht zu verderben. auch der mißlungene Versuch würde uns zeigen, wessen wir doch den Zuspruch boykottfreier Lokale und die Beschaffung nicht- Ganz anders, wenn einmal die wirklich nothleidenden uns gewärtig zu halten haben, wenn einmal zur Befehdung boyfottirter Waaren e mi pfehlen. Das geschah denn auch in Proletarier, denen Arbeitslosigkeit und Hunger entgegengrinst, der Arbeitersache mit allen tauglich scheinenden Mitteln die Sachsen . Nunmehr verfielen die findigen sächsischen Polizeigenies das schöne Vorbild nachahmen und auch einmal schreien wollen! amtirenden Büreaukraten dem Kapitalismus sich zur Verfügung auf den erstaunlichen Gedanken, auch die Empfehlung bestimmter Mit ihnen verfährt man viel kürzer. Ihnen wird der Mund ftellen. Sollte aber wirklich der geplante Streich gelingen, sollten Waaren und Lokale als groben Unfug" mit Strafmandaten mit Säbel und Gummischlauch gestopst. Nach oben die SammetLand- und Reichsrichter der neuen Rechtsidee das Siegel zu berücksichtigen. Man dente sich nur einmal die Konsequenzen pfötchen, nach unten die Krallen, so läßt sich's das Volk der Denker gefallen!" aufbrücken, dann würden dadurch zwar ein paar jedweder dieser großartigen Entdeckung auf dem Gebiete der Unter- Und diesem schönen Beispiel von Regierung und Polizei Schuld unbewußte Männer ins Unglück gestürzt werden, thanenbevormundung aus! Da wird ja der Kapitalismus folgen auch die Volksvertretungen. Unser Genosse Kühn sagte ihre Genossen würden jedoch für die Zukunft sich zu hüten in einer seiner geheiligtsten Einrichtungen, dem Reklamewesen, bei der letzten Mothstandsdebatte im Reichstage, daß die Herren
such der Rechtsneubildung in
Feuilleton. Der Inde.
Deutsches Sittengemälde
aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts.
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It's der Haß, der wehe thut mit seinen
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ihnen doch
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gelegentlich
so wankelmüthig, so ungleich in seinem Wollen ist der Verbindung Wallradens auf sich geladen, die sie endlich Mensch, dennoch umklammerte er jetzt mit aller Liebe nicht mehr leugnen konnte. Den Namen des Mannes, den Knaben. In ihm sah er jetzt die letzte Stüße seines der Wallradens Gatte geworden war, hatte sie genannt; Alters und seines Hauses; im nächsten Augenblicke fürchtete einen Namen, den Diether vorher nie gehört. Den Urer den Bastard in ihm zu erkennen. Aber trotz diesen sprung jener Liebe, die Begebenheiten bis zur ehelichen Zweifeln, trotz diesem Treiben zwischen Vaterliebe und der Verbindung des Paars hatte sie ziemlich genau angegeben. Angst eines Getäuschten, hätschelte und pflegte er den Ein Wetterstrahl hatte eine Scheuer auf Wallradens Gute Knaben, da er der einzige zurückgebliebne, der letzte seiner entzündet, und die Feuergefahr den Hütten der Knechte, Lieben war. Margarethen's Flucht war ihm entsetzlich, wie dem Wohnhause gedroht. Die Nothglocke auf dem und senkte einen nimmer ruhenden Stachel in seine Brust. Thürchen des einsam gelegenen Meierhofes hatte die fern Wo war sie hingeflohen? Durfte er jemals hoffen, sie wohnenden Nachbarn herbeigelockt, und einer der fernsten, wiederzusehen? Sollte er bereuen, was er gegen sie ge- gerade zu jener Zeit im anstoßenden Forste auf seinen grimmigen Streichen? Argwohn und Mißthan? Sollte er sich beruhigen mit dem Gedanken, Wildgängen verweilend, war mit den übrigen herbei trauen schmerzen tiefer, die freffenden daß er ihr gethan, wie sie verdient? Aehnliche Zweifel gekommen, und hatte durch seine entschlossene Besonnenheit Schlangen. bestürmten ihn, gedachte er Dagobert's, deffen Heim das allermeiste zur Rettung von Wallradens Habe beigetehr nach der geschehenen Ladung des heimlichen tragen. Diese Hilfeleistung hatte dem Junker von der Rhön , Das zweifelhaftefte und unschlüssigste Herz, das jemals Gerichts sich nicht erwarten ließ, da bei dem Namen einem nicht reichen, aber altadeligen schönen Manne ge geschlagen, schlug in des Altbürgers Diethers Brust. Die schon der beschlossenen Acht, der Gerechte wie der wisse Rechte auf des Fräuleins Dankbarkeit gegeben. Liebe Eröffnungen, welchen er auf dem Rathhause beigewohnt, Schuldbewußte schen das Krenz schlug, und entwich, wo ward daraus, und ein Feind dieser Liebe entstand: des hatten das Gebäude seines Argwohns bis zum Grunde er er nur entweichen konnte. Und Wallrade endlich? War Junkers Vater, der Wallradens minder adeligen Stamm schüttert, aber es nicht gänzlich niederzuwerfen vermocht. sie nicht die Beute eines Räubers, vielleicht das Opfer des verachtete, und einer Zusage zufolge, seines seligen WaffenDaß nicht Margarethe, daß nicht Dagobert den Mord gegen Mords geworden? Und, kam sie jemals auch ins Vater bruders verwaiste Tochter zur Gattin für seinen Sohn ihn gedungen, daß weder Sohn noch Gattin die geliebte haus zurück, mit welcher Stirne sollte er fie empfangen? erzog. Hingegen fand sich auch ein helfender Freund, ein Wallrade geraubt, daß der kleine Hans wirklich sein, bei Mußte er sich nicht, wie sie sich einft von seinem Hause deutscher Herr, der im nächsten Städtchen in AngelegenWillhild verpflegter Johannes sei, das war ihm völlig klar losgesagt,-lossagen von ihr, die ihm den Sohn ge- heiten seines Ordens verkehrte, und täglich auf Baldergrün geworden; die Bilder seiner Hausfrau, feines wackern Da- raubt, ihn der Hilflosigkeit Preis gegeben hatte, von ihr, zur Einkehr war. Er war es, der eines Abends einen goberts, trüb und düster umflort, bisher in dem Hinter die den Unfrieden verschwenderisch in seinem Garten gefäet Mönch zum Meierhof brachte, der das Paar, väterlichem grunde seiner Erinnerung verweilend, näherten sich ihm, hatte, während sie doch selbst auf der Bahn der Schuld Verbote zum Troy, einfegnete, zu einer Ehe, aus welcher Heller, glänzender, wie Sterne, die das dunkle Gewölb geschritten war, wie nur zu deutlich das Töchterlein bewies, ein Kind entsprang. burchbrechen, aber noch immer zweifelte er an ihrer völligen mit welchem die furchtsame Mago entkommen war, ehe Bis hierher hatte der Altbürger durch unablässiges ge= Reinheit; noch immer versagte er ihrer Unschuld die voll- man darüber völlige Auskunft hätte sammeln können. Die schicktes Forschen die Magd in ihren Geständnissen gebracht. ständige Anerkennung; noch immer fand er es möglich, Bofe hatte auf alle Fragen, die Diether an sie gerichtet, Es schien nach ihrer Verwirrung und ihrer Angst, die sie daß ein verbrecherischer Bund zwischen Beiden bestanden, mit der größten Seelenangft geantwortet, und dadurch den oft zu Thränen zwangen, noch manches Geheime aus Licht daß Johannes die Frucht desselben gewesen. Und dennoch, Berdacht einer thatkräftigen Mitwissenschaft an der aeheimen des Tages treten zu wollen, da unterbrach des Schult
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