Einzelbild herunterladen
 

4

Nr.459.36.Jahrg.

Bezugspreis:

Bierteljährl. 9,- ML, monatl. 8,- fret ins Haus, ooraus zahlbar. Poft bezug: Monatlich 8 ML erfl. 8u. ftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 6,25 ML, für das übrige Ausland 10.25 M., bei täglich einmal 8ustellung 8.25 Mt. Postbestellungen nehmen an Dänemart, Holland , Luremburg, Schweden u. die Schweiz . Eingetragen in die Boft- Zeitungs- Breisliste Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt u. 8eit" erscheint wochen täglich zweimal Sonntags einmal.

Telegramm- Adresse:

Sozialdemokrat Berlin ".

Abend- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

15 Pfennig

Anzeigenpreis:

Die achtgespaltene Nonpareillezeile Loftet 1,50 Mt.Kleine Anzeigen". Das fettgedruckte Wort 60 Bfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 40 Bfg. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 50 Bfg.. fedes weitere Wort 30 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwet Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien Anzeigen. politische und gewerkschaftliche Vereins Anzeigen 1,50 ML. die geile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 2hr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends.

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands ..

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morinplas, Nr. 15190-15197.

Montag, den 8. September 1919.

Parteitag der badischen Sozialdemokratie.

Vorwärts- Verlag G.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplag, Nr. 117 53-54.

Und nochmals der Osten!

-

Der im Abendblatt des Vorwärts" vom 6. September ( Eigener Drahtbericht des Vorwärts".) Organisationsstatut ist dem deutschen angepaßt und abgedruckte Bericht der Pressestelle beim Generalfommando Karlsruhe, 7. September. Am Sonnabend und tritt bereits am 1. Oktober in Kraft. Es ficht einen Partei- des 6. Armeekorps fordert durch seinen Ton und seinen In­Sonntag fand in Karlsruhe der Parteitag der ausschuß auch für Baden vor. Ueber die Tätigkeit der halt zu wiederholtem und nachhaltigem Protest heraus. Man badischen Sozialdemokratie statt. Er nahm einen Landtagsfraktion referierte Marum- Karlsruhe, denkt sich beim Lesen zurückversett in die alte herrliche Zeit guten Berlauf. Während an früheren Parteitagen 80 bis über die 23eimarer Nationalversammlung Ge- der berühmten Ludendorffschen Verlautbarungen", in denen 100 Delegierte teilnahmen, betrug ihre Anzahl diesmal 251. noise Stod aus Heidelberg . Wesentliche Einwendungen dieser General den Lauf der Weltgeschichte auf seine Art er­Vom Parteivorstand war Genosse. We Is, von der bayerischen wurden nicht erhoben, vielmehr wurde der Fraktion sowie läuterte. den sozialistischen Mitgliedern der badischen Regierung Was hat sich das Generalfommando des 6. Armeekorps Sozialdemokratie Genosse Gabler erschienen. fast einstimmig das Vertrauen des Parteitages ausge- darum zu fümmern, ob die Engländer eine ehrliche oder tückische Politif im Baltikum betreiben? Mit welchem Recht

Der Staatspräsident Geist gedachte in seiner Gröff- sprochen. nungsrede der verstorbenen Genossen Frank und Kolb Die nächsten Aufgaben der Partei besprach der Abge- glaubt er sich berufen, über den Rahmen eines militärischen und ihrer großen Verdienste um die Partei. Der Landes- ordnete Maier, die kommunalpolitische Tätigkeit Stadtrar Situationsberichtes hinaus den ganzen sehr verworrenen sekretär Hohn berichtete, daß die badische Parteiorganisation Engler. Eine Anzahl Anträge wurden dem Landesvor- Kompler der politischen Fragen des Baltikums zu erörtern, jest 40 700 Mitglieder zähle, nachdem sie im Kriege auf 5700 ft and überwiesen, der um zuei Mitglieder verstärkt wird Stellung zu ihnen zu nehmen, Aeußerungen außenpolitischen gefunken war, während sic am 21. März 1914 rund 25 000 und feinen Sig in Mannheim behält. Zu der Eini- Charakters hinauszusenden, die Triebfeder" der Inischen Mitglieder zählte. Die Partei verfügt über 36 Landtags- und gungsfrage, zu der Genosse Wels wiederholt das Wort Politik aufzudecken und dergleichen mehr? Als eine mili 5 Reichstagsmandate. nahm, erklärte der Parteitag, er fechte den Kampf aus, wenn tärische Stelle hat das Generalkommando lediglich und aus­auf feiten der Kommunisten und Unabhängigen die Angriffe schließlich die Befehle der vorgesetzten Behörde fortdauerten, sei aber auch jederzeit zur Einigung bereit. Am aus zuführen und darf sich nicht einmischen in Ange­Montag findet eine Frauenkonferenz statt. legenheiten, die nicht zu seiner Zuständigkeit gehören. Po­litik gehört aber nicht zum Tätigkeitskreis des Militärs! Dazu ist die Reichsregierung da, und gerade die jeßigen mi­litärischen Führer sollen doch den Beweis ihrer Führerquali­täten dadurch erbringen, daß sie sich die verbrecherischen Angewohnheiten der Ludendorffichen Epoche der deutschen Geschichte, die vielen von den deutschen Generalen von vorn­herein unsympathisch waren, abstreifen.

Es wurde Neugründung von Parteiblättern in Singen und Heidelberg sowie Schaffung eines Mit­teilungsblattes für Gemeindevertreter beschlossen. Das neue

Die ungenügende deutsche Antwort.

Für die Grenzmarkenflüchtlinge!

Die französische Presse kündigt an, daß die deutsche Die Flüchtlingsfürsorge des Bundes der deutschen Grenz­Antwort nicht befriedigen dürfte. Der Petit marken- Schußverbände" teilt mit: Barisien" jagt, die deutsche Antwort bemühe sich darzutun, Die Zahl der Vertriebenen und Flüchtlinge aus den Grenz daß der Absatz 2 des Artikels 51 überhaupt feine Bedeutung marten ist ständig im Wachsen. Die Hilfe des Staates allein taun mehr habe. Unter diesen Umständen wäre es erst recht na nicht diefen um ihres Festhaltens am Deutschtum, willen Verfolgten Weiß denn das Generalfommando noch nicht, daß türlich, diesen Absatz zu beseitigen. Das Journal des Débats " fo helfen, wie es die vaterländische Ehre verlangt. Deshalb Deutschland den Frieden mit seinen früheren Feinden unter fegt in einem langen Artikel auseinander, daß allerdings die werden bon der" Flüchtlingsfürsorge des Bundes deut zeichnet und sogar ratifiziert hat? Obwohl der Frieden noch Einberufung des deutschen Parlaments zur Unter- icher Grenzmarken Schußverbände" mit Genehmigung der nicht in Kraft getreten ist( England hat ihn ebenfalls rati­drückung des Artikels Zeit beanspruche. Aber es handle sich Regierung im ganzen Reiche Sammlungen veranstaltet, fiziert), ist Deutschland moralisch durch die Ratifizierung an in der gegenwärtigen Frage um eine Frage des Prestiges die Hand in Hand mit den Sammlungen der Rückwandererhilfe ihn gebunden. Sache der politischen Zeitung der Deutschen für die Friedenskonferenz. Sie müsse beweisen, daß fie entgehen. Für den 13. und 14. d. Mts. sind, wie schon berichtet. Republif ist es, in Ausführung des Friedensvertrages die schlossen ist, Deutschland zur Durchführung des Friedens- Opfertage festgelegt worden, die hoffentlich reiche Erträge Beziehungen zu den früher feindlichen Staaten zu regeln, vertrages zu zwingen. bringen werden. Alle Spenden sind an das Postscheckkonto: Berlin ihre gute und gedeihliche Entwicklng vorzubereiten. Durch 100 der Preußischen Staatsbant, Berlin W 56, Markgrafenstr. 38, Auslassungen militärischer Organe, wie die vom 6. Septem­Konto B. 100 053 Flüchtlingsfürsorge" zu senden.

Oesterreich unterzeichnet am Mittwoch.

A

Der Welteisenbahnerstreik."

Aus Paris wird gemeldet: Die österreichische Friedens­abordnung hat dem Obersten Rat mitgeteilt, daß Staatskanzler Dr. Renner die Vollmacht zur Unterzeichnung des Von den Ortsbeamten- Ausschüssen und dem Bezirksbeamten­Friedensvertrages erhalten habe. Die Unterzeichnung findet Mitt- Ausschuß des Eisenbahn- Direktionsbezirks Bromberg geht uns woch, 10. September, 10 Uhr morgens statt. folgende Entschließung zu:

Renners Rückkehr nach St. Germain. Der Staatskanzler ist auf dem Wege nach St. Germain zur Unterzeichnung des Frie­densvertrages.

ber, wird die Arbeit der Regierung unendlich er­sch wert, dem Gerede von ihrer angeblichen Doppelzüngig. feit neue Nahrung geboten. Dabei braucht die auswärtige Politik unserer Republik iezt nur die reine Wahrheit.. Durch Aussprechen der Wahrheit und die Eindeutigkeit des Handelns stärkt sie ihre Position im Auslande wie im Inlande.

Die durch die Presse gegangene Meldung eines im Oktober zu erwartenden Welteisenbahnerstreits" zwingt uns Beamte und Am 5. September fand im Herrenhause ein von dem Hilfebeamte des Direktionsbezirks Bromberg auf einer Tagung der Bund ,, Neues Vaterland" veranstalteter Vortragsabend über Einfuhrbeschränkungen in England. Ortsbeamten- Ausschüsse und des Bezirksbeamten- Ausschusses in die Revolution und die Lage im Baltikum statt. Der ganze Schneidemühl unsere grundsägliche Stellungnahme zur Streit- Jammer der dortigen verworrenen und verwickelten Lage Bekanntlich hat Lloyd George Einfuhrbeschränkungen für frage flarzulegen. fam in den Reden und in der Debatte zum Ausdruck. Be­England angekündigt, um die englische Valuta nicht noch Wir verwerfen und verurteilen auf das Entschiedendste sonders scharf wurde der Haß der lettischen und der eſtni­weiter sinten zu lassen. Im Gegensatz hierzu erweckt die alle aus rein politischem oder materiellem Interesse inszenierten schen Bevölkerung gegen die Deutschen und die deutsche Okku­Meldung, daß England gewisse deutsche Artikel zur Einfuhr Streits. pation vorgetragen. Als ein Novum in der Geschichte der zugelassen habe, den Anschein, als ob damit Erleichterungen Für uns auch gewerkschaftlich Organisierte fommen Beziehungen zwischen den Völkern muß erwähnt werden, für den deutschen Handel verknüpft seien. Das ist keineswegs gegebenenfalls, d. h. wenn alle aufgewendeten Mittel zur Ver- daß der in Berlin anwesende offiziöse oder anderswie zu be der Fall. In der von der englischen Regierung aufgestellten ständigung versagen, nur Existenz- und Abwehrstreits zeichnende Vertreter der estnischen Republik in der Verſanim­amtlichen Liste befinden sich zum allergrößten Teil solche in Frage. lung zu Worte kam und in einundeinhalbstündiger Rede Dinge, die Deutschland überhaupt nicht aus- Wir harren wie bisher, trop besonders gefährdeter Lage, im gegen die deutschen Großgrundbesißer in Estland und im führen tann, weil es sie selbst nicht hat. So Gesamtinteresse des deutschen Volkes treu auf unseren Posten aus, Baltikum überhaupt zu Felde zog. Ueberaus scharf ging er Lebensmittel, Stolonialwaren verschiedener Art, auch Roh- erwarten aber bestimmt, sowohl von unserer Verwaltung als auch dabei gegen das deutsche Militär vor und durch seine Schilde­baumwolle, während die für unseren Export so wichtigen der Regierung, daß sie mit eiserner Energie besonders den im be- rung der Verhandlungen mit den deutschen Ministern, dem Fertigartikel zum weitaus überwiegenden Teile von der Ein- reits besezten und auch in dem zur Abtretung kommenden Parteivorstand usw. sowie der Ergebnisse dieser Verhand fuhr nach England ausgeschlossen sind. So ist diese Liste von Gebiete befindlichen Beamten und Hilfsbeamten fowie lungen kam zum Teil ein einseitig gefärbtes Bild heraus. 700 Artifeln nichts anderes als ein wertloses Blatt Papier , ihren Angehörigen ausreichenden Schutz in jeder Beziehung das höchstens besagt, daß der deutsche Exporteur so gut wie gar nichts mehr in England zu suchen hat. So bedauerlich dieser indirekte Boykott der deutschen Waren ist, glauben wir doch, daß diese Fortsetzung des Strieges als Handelskrieg sich nur so lange behaupten wird, bis die englische Arbeiterschaft selbst gegen die Ausschaltung Deutschlands am Welthandel, ohne den es nicht leben kann, Protest erhebt.

gewähren.

Wir bitten, uns durch Taten Wohlwollen zu bezeugen, und dadurch vor aller Welt die Richtigkeit des Spruches: Treue um Treue" zu erhärten.

Kriegsgefangenenklagen.

"

Die zum größten Teil aus Unabhängigen und Kommunisten bestehende Versammlung unterstrich durch Beifall und Zu­rufe die Ausführungen dieses und der anderen Redner. Zu­rufe, wie: Das ist doch keine Regierung!" oder Die hat ja feine Macht!" hagelten in einem fort, ohne daß die Herren Unabhängigen sich bewußt wurden, daß sie durch diese Zu­rufe das Urteil über sich selbst und ihre Politik gesprochen haben.

Fortgesetzt gehen uns Briefe aus Gefangenenkreisen zu, die von der trostlosen Lage in den französchen Gefangenen- Es ist ein gutes Zeichen, daß in der deutschen demokrati­Englische Wolle für Deutschland . lagern ein grauenhaftes Bild entwerfen. So schreibt ein Gefan­Amtlich wird aus London gemeldet, daß das gener, daß er mit 300 Mann in sedan eingemauert sei, ohne schen Republik sogar amtliche Vertreter anderer Staaten frei von der Leber reden und die Regierung, bei der sie sozusagen Kriegshandelsamt die Absicht habe, die Genehmigung einen Quadratmeter zur Erholung, die Fenster bis unters Dach afkreditiert sind, frei und bissig angreifen können. Wir haben zur Ausfuhr von Wolle nach dem Auslande zu erteilen. mit Draht überzogen. Aus einem anderen Briefe geht hervor, auch die volle und ungeteilte Sympathie für die beiden klei­Diese aus den britischen Kolonien stammende Wolle ist daß nicht alle Gefangenen unbekannt ist, wem sie die wiederholten nen baltischen Völker, die das vielhundertjährige Joch der Eigentum der Regierung und durch die Transportschwierig. Aeußerungen der Ententeregierungen, die deutsche Re- deutschen Junker gründlich und endgültig von sich abwerfen feiten in England selbst, die Beschränkungen in der Textil- gierung wolle sie nicht zurückhaben, zu danken haben. Die Hand- wollen. Wir erkennen voll und ganz an, daß diese Ausbeuter­industrie, durch die Berringerung der Kohlenerze- in- Sand- Arbeit der all deutschen Presse mit den feindlichen klasse durch die an der unterdrückten Bauernschaft, bei der gung besteht eine so große Anhäufung von Rohbaumwolle Regierungen hat Ergebnisse gezeitigt, die unseren Gefangenen teuer Niederwerfung der Revolution 1905/1906 begangenen un­in England, das England jest Deutschland Gelegenheit geben zu stehen kommen. Was aber sagt die französische Regie: menschlichen Grausamkeiten und Greuel ihr Recht auf Scho­möchte, feine Vorräte zu ergänzen. rung zu diesen Anklagen? Will die kultivierteste aller Nationen" nicht endlich die Schmach von sich schütteln, wehrlosen Gefangenen nung als lasje- natürlich nicht als Menschen gegenüber, die nur ihre Pflicht für ihr Land getan haben, bar- berwirkt hat. Wir sympathisieren mit den Letten und Esten um so mehr, als wir für Deutschland selbst den Tag der barischite Quälereien anzuwenden? großen Agrarreform herbeisehnen!

Steigerung ber deutschen Ausfuhr nach Schweben. Wegen der itarf gesteigerten Einfuhr aus Deutschland soll eine beson­bere Güterfähre Eagnik- relleborg in Verkehr ge­febt werden. In letter Zeit hat die deutsche Militärverwal Ratifizierung in Kanada . Wie aus Paris gemeldet wird, tung fehr viele Automobile nach Schweden verkauft. Die hat der kan a difche Senat am 5. September den Frie Preise schwanken zwischen 20 000 bis 40 000 Mart. densvertrag von Versailles ratifiziert.

-

Aber bei aller Sympathie müssen wir gestehen, daß der Saß gegen die Deutschen , der aus den Worten der nichtdaut­schen Balten spricht, über das erträgliche Maß hin­