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Nr.47936.Jahrgang

Beilage des Vorwärts

Das Urteil im Münchener Geiselmordprozeß.

Freitag, 19. September 1919

welchen Schuldbeweisen gegen die beiden. Es wurde jedoch nichts gefunden. Danach wurde Professor Berger, der ein Blafat der Räteregierung abgerissen haben sollte, in das Gymnasium einge­liefert. Auch er wurde nicht ternommen, sondern es hieß: Gr ist auch einer von der Bande." Als dann am Nachmittag Seidl die Unter einem gewaltigen militärischen und polizeilichen Auf-| Gefangenen stets zur persönlichen Vernehmung vorführen. Es Auszahlung der Löhnung vornahm, wobei er zur Unterstüßung gebot und unter Beobachtung der denkbar schärfsten Vorsichts- ist erwiesen, daß er sie dabei fast ohne Ausnahme sofort mit Er- seiner vorher vorbereiteten Flucht bereits den dreifachen Geld­maßregeln erfolgte am Donnerstagnachmittag im Münchener schießen bedrohte, sich auf teinerlei fachliche Verhandlungen noch betrag der zur Auszahlung nötig war, zur Hand hatte, tam der Justizpalast die Verkündung des Urteils im Geiselmordprozeß. Vernehmungen einließ und ihnen jede Aussicht benahm, etwa vor Befehl vom Oberkommando, zunächst 22 Geiseln für die angeblich Mehrere Kompagnien Soldaten waren in dem Gerichtsgebäude dem Revolutions tribunal zur Entkräftung der gegen sie erhobenen in Grünwald erschossenen 11 Noten Sanitäter zu erschießen. Seidl berteilt und im Sizungssaal selbst tamen, auf jeden Angeklagten Anklagen zu erscheinen. Auch ihren Angehörigen hat er stets ver- erklärte, dazu brauche er sichert, daß sie dem Tode verfallen seien. einen schriftlichen Befehl In den letzten Tagen des April hat er dann eine Anzahl und erhielt den Bescheid, daß dieser unterwegs fet. Inzwischen dieser Gefangenen als Geiseln über Nacht ohne jeden Grund in war Eglhofer offenbar felbft ins Gymnasium gekommen und einen Keller gesperrt, der als ein durchaus menschenunwürdiges außerdem der schriftliche Befehl durch die Angeklagten Bid und Verließ bezeichnet werden muß, und in dem ein ehemaliges ürzer von Gglhofer aus dem Kriegsministerium ins Gym­Krautfaß als Retirade diente. Es stand fest, daß in diesem Ver- nasium gebracht worden. Beide haben zugestandenermaßen den ließ wiederholt 22 bis 24 Menschen zusammengepreßt worden Befehl vorher durchgelesen. Seidl und Haußmann erklärten in sind, daß man sie dauernd mit dem Tode bedrohte, daß man er- diesem Augenblick:" So, jetzt haben wir es auch schriftlich." Dann flärte, unter Umständen scheint Seidl noch eine Unterredung mit Eglhofer gehabt zu haben eine Handgranate in den Keller werfen und fagte zu Haußmann: ,, Jezt können wir's machen,

10 Soldaten.

Nach Eröffnung der Situng teilte der Vorsitzende zunächst mit, daß er die Verhandlungen noch einmal eröffnen müsse, da sich in bezug auf die Angeklagten Kid, Hesselmann, Lermer, Lanne, Huber und Riedmeyer die Rechtslage verändert habe. Es fönne bei ihnen unter Umständen nur Beihilfe angenommen wer­den und nicht mittäterschaft am Mord. Der Angeklagte Heffelmann, der sich hierzu äußert, versichert unter Tränen noch mals, daß er einer ganzen Anzahl Geiseln

das Leben gerettet

habe und deshalb unmöglich wegen Beihilfe zum Mord bestraft werden könne. Es kommt dann noch zu einer überaus heftigen Auseinandersehung zwischen den Verteidigern, die bis auf den inzwischen abgereiften Rechtsanwalt Dr. Liebknecht sämt. lich erschienen sind. Die Verteidiger Löwenfeld und Sauter be­schuldigen einer den anderen, am Schluß der Verhandlung sich Gemeinheit" vorgeworfen zu haben und ersuchen um den Schutz Gemeinheit" vorgeworfen zu haben und ersuchen um den Schuß des Gerichts. Rechtsanwalt Sauter erklärt, er habe die Aeuße­rung: Das ist eine bodenlose Gemeinheit" nicht getan. Rechts­anwalt Löwenfeld erklärt dazu, daß er die Angelegenheit der An­waltstammer unterbreiten werde. Die Beweisaufnahme wird endgültig geschlossen und der Vorsitzende, Oberlandesgerichts­

zu wollen und daß man den Gefangenen jede Erleichterung rund­weg abschlug. Das hat auch insbesondere der Angeklagte Schickl- wir haben es mündlich und schriftlich." Haußmann war damit hofer bestätigen müssen. Am 26. April ist dann in das gleiche einverstanden und bestimmte Gfell, ihm mit einem Schreibblock zu Verließ die ledige Sekretärin Gräfin Hella v. We star p, ferner folgen. Stid, Bürger und Heffelmann beteiligten sich dann an der der Eisenbahnsekretär Da u menlang, die Kunstmaler Neu- Auswahl der Geiseln, und Hesselmann schrieb bei jedem Erschie aus und Deite und am nächsten Tage noch einige weitere Ben" dahinter. Die Angeklagten beteiligten fich ferner an der Mitglieder der Thulegefellfaft eingesperrt worden. Abführung der einzelnen Gruppen in den Hof. Während es nur Ohne jeden Grund wurden sie beschuldigt, Stempel gefälscht zu einer Geisel namens Donerbauer gelang, die Entlassung durchzu­haben. Ihre Vernehmung ergab nichts Belastendes. Troßdem sehen, wurden die übrigen Geiseln in der Zeit von 4 bis 6 Uhr wurden fie in Anwesenheit Leviens in der bei ihm üblichen nachmittags erschossen. Der Angeklagte Seidl weilte während die­Weise durch den Angeklagten Seidl mit dem Revolver in der Hand fer Bluttat in seinem fast unmittelbar über der Richtstätte gelege­verhört und mit dem Tode bedroht. In der darauf folgenden nen Arbeitszimmer. Dorthin wurde in der Zwischenzeit der Bring Nacht tam Seidl mit Revien, Lebiné- Nissen und einem Thurn und Taris gebracht, der um eine nochmalige Vernehmung britten, nicht mehr feststellbaren Mann in den Keller, ließ fich auf ersucht hatte. Der Angeflagte Seidl ließ ihn jedoch, obwohl der teinerlei Beschwerden ein und erklärte im Verein mit Bebien in Prinz Inhaber eines Im Namen des Freistaates Bayern erläßt das Boltsgericht ebenso roher wie zynischer Weise, daß die Gefangenen nichts mehr München folgendes Urteil: brauchten, da sie am nächsten Morgen

rat Au II verkündet

folgendes Urteil:

so wie so um die Ecke gehen ,, Die Strafverfolgung gegen den Angeklagten Studenten Betermaier ist unzulässig. würden. Die Gräfin Hella Westarp wurde dann noch in einem Die Angeklagten Schmittele und Bölt werden von besonderen Zimmer untergebracht. Am folgenden Tage wurde noch der Baron v. Teutert, der als Offizier der Weißen der Anklage des achtfachen Mordes freigesprochen. worden war, sowie zwei Weißgardisten eingeliefert. Bei dem Ver­hör dieser Weißgardisten erpreßte Seidl mit vorgehaltenem Revol­ver eine Reihe unwahrer Geständnisse, so, daß auf die Köpfe der Rotgardisten und ihrer Führer Prämien ausgesetzt seien, daß sie bei der Ermordung Liebknechts und Rosa Luxemburg dabei gewesen seien usw. Der Angeklagte Gfell führte während dieser Zeit Protokoll.

Berurteilt werden: Der Angeklagte Seidl aus Gablenz bei Chemnitz und der Angeklagte Schid Ihofer wegen je zwei Berbrechen des Mordes zweimal zum Tode.

Die Angeklagten Wiedl, Pürzer, Fehmer und Jo fef Seidl wegen je eines Berbrechens des Mordes einmal

zum Tode.

Die Angeklagten Rid, Gfell, effelmann, er mer, Hanne, Huber und Niedmayer je wegen eines Verbrechens der Beihilfe zu je 15 Jahren Zuchthaus. Soweit die Freisprechung der Angeklagten erfolgt, trägt die Kosten die Staatstaffe. In allen anderen Fällen fallen sie den Verurteilten zur Last.

Im Anschluß an diefe Vernehmung fertigten Seidl und Lerien unwahre Plakate

an, daß die Weißen Garden einen 68 Jahre alten Mann an einen Baum gebunden und erschossen hätten, daß Sanitäter der Noten Armee niedergeschossen seien, daß die Weißen Garden von Noste vorgeschickt seien, um in München ein politisches Blutbad zu ver­anstalten, bei dem die Münchener Arbeiterschaft daran glauben müsse, und forderten schließlich die Arbeiterschaft zur Abwehr der Preußischen Blutherrschaft" auf. Dieses Flugblatt ließ Seidl noch nachts druden, und sein Inhalt wirfte am folgenden Morgen in hohem Maße aufreizend, vor allem auf die Mannschaften der Roten Garde. So kam es, daß, als am 30. April Seidl den Befehl dieser Grschießung auch

Schutscheines des Revolutions- Tribunals

tar, wieder abführen und erklärte hinterher, er habe jetzt teine Zeit. Auch bei dieser zweiten Erschießung hat der Angeklagte Schickhofer die Soldaten ausgesucht. Auch diesmal wurde es ihm nicht leicht, da von den mehreren hundert Soldaten sich die meisten weigerben. Er mußte schließlich an eine eben von der Front zu rückkehrende Gruppe herantreten, doch haben auch einige der An­getlagten mitgewirkt. Fest steht vor allem, daß die Angeklagten Zermer, Hanne, Huber, Riedmeher, Josef Seidl, Fehmer und Bürzer erbarmungslos ihre graufige Freude an der gräßlichen Bluttat zur Schau getragen und, wie der Fall des greifen Malers Berger und der Gräfin Westarp zeigt, die Opfer zum Schafott haben schleppen helfen.

Den Angeklagten anne, Suber und Niedmeyer fonnte eine Beteiligung an den erschießungen nicht nachgewiesen werden. Ihre späteren Erzählungen lassen aber wohl erkennen, daß fie

Den zum Tode verurteilten Angeklagten werden die bür­gerlichen Ehrenrechte dauernd, allen anderen, fo­weit sie verurteilt sind, auf die Dauer von 10 Jahren ab­erkannt. Ferner wird ihre Stellung unten Polizei­aufsicht für zulässig erklärt. Die freigesprochenen Angeklag­ten Schmittele und Bältl find sofort auf freien Fuß zu sehen. Der freigesprochene Angeklagte Betermaier ist in die von glhofer zum Erschießen der Weißgardisten erhielt, sich autoria beseelt, um die wankende Herrschaft der Räteregie.

Festungshaft zurückzuführen.

Leute bereit fanden.

In der Begründung des Urteils wird ausgeführt: Während Seidl beauftragte seinen Adjutanten Kammerstädter mit der der Räterepublik war das Luitpold- Gymnasium in München Erschießung und sagte, er fäme gleich nach. Schidlhofer, der eine Kaserne der Roten Armee. Zu Ostern wurde der Haupt- bereits die Augenbinden angefertigt hatte, ging nunmehr von angeklagte Seidl hier Kommandant und war Obmann der Set- 3immer zu Zimmer, um, bie Soldaten für die Erschießung zu­tion 4 der K. P. D. Gr unterstand als solcher dem Oberkomman- sammenzubringen. Es steht fest, daß verschiedene Mannschaften banten Eglhofer, während ihm andererseits der Angeklagte sich weigerten, daß aber die Angeklagten Wiedl und Josef Seid! Schicklhofer als Vertreter untergeben war. Während Seidl sich zu den Erschießungen bereit erklärten und dabei auch mitge­und Schickhofer Kommandantendienste ausführten, haben die wirft haben, unmittelbar nach den Erschießungen der beiden übrigen Angeklagten als Schreiber und Telephongehilfen sich be- Weißgardisten tamen Seidl, und Haußmann ins Kommandanten tätigt. Daneben diente der Angeklagte Josef Seidl als Kantinen- zimmer. Auf den Vorhalt eines Dritten gab Schickthofer zu, daß er wirt. In seiner Eigenschaft als Kommandant des Luitpold­Gymnasiums sind dem Angeklagten Seidl von der

Kommiffion zur Bekämpfung der Gegenrevolution wiederholt Gefangene zur Unterbringung im Gymnasium über­mittelt worden. Aber Seidl hat auch selbständig auf Denun­ziationen hin Berhaftungen vorgenommen, und ließ sich alle

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Erleuchtung.

die Erschießungen angeordnet

das Borgehen gegen die Geiseln gebilligt haben. Heffelmann und Gsell übten die Kontrolle der zur Er­schießenden, waren also auch nicht dagegen. Damit ist die Be­teiligung aller Angeklagten bis auf Betermaier, Bölkl und Schmittele erwiesen. Zur Aburteilung dieser Sache ist das Volks. gericht zuständig. Es haben in beiden Fällen der Erschießung die Angeklagten Seidl und Schicklhofer durch gemeinsames Zusammen wirken die gleichzeitige Tötung der 10 Menschen herbeigeführt. Seidl und Schickthofer waren von vornherein von dem Tötungs­rung dadurch zu stützen. Beide setzten die von Eglhofer, Bebien und Leviné- Nissen verfügte Erschießung der Geiseln mit Vorjah und Ueberlegung durch. Sie können sich auch nicht darauf hinaus­reden, daß fie von ihren hochgestellten Hintermännern dermaßen beeinflußt worden seien, daß sie feinen eigenen Willen mehr hatten, sondern sie führten die Tötungen auch durch zur Befriedigung ihrer eigenen Rachegelüfte. Auch die anderen Angeklagten sind bei den Grschießungen mit Vorfah und Ueberlegung dabei gewesen. Die Tötung der 10 Geifeln erfolgte ohne den Schatten irgendeines. Rechts. Sogar unter Verlegung derjenigen Regeln, die sonst bei der Räteregierung üblich waren und in Formen, wie man sie fich schrecklicher und abscheulicher nicht denken kann, da eine Tat der Herrschsucht, der niedrigsten Nachsucht und gemeinsten Verbrecher­instinkte vorliegt. Es werden deshalb die genannten Urteile gefällt.

Bei der kaum zu übertreffenden Echeußlichkeit der Tat gegen über unschuldigen Menschen, darunter einer harmlofen Frau und einem ehrwürdigen Greise, hält das Gericht für Kick und Genossen die Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus und die Aberkennung

habe, weil er ja auch mal früher oder später erfchoffen werden würde, während Seidl zynisch äußerte, man fönne die Leute doch nicht wieder lebendig machen. Erst auf einen Vorhalt eines Dritten hin hat er dann auch in den Taschen der Erschoffenen nach Noste Ausweisen suchen lassen, bzw. nach irgend­diese verlassenen und schon baufälligen Scheunen. Ich stoße Augen von Tränen gerötet seien. Ich aber denke an da sogar auf Erinnerungen, die sich in den winzigen Gehegen Krankenhausleben, das ich eben berlasse, und ich denke an di der Chausseesteine versteckt halten. graue Straße, und ich denke an die Schlichtheit, die in allen Dingen ruht.

Aber Maria beobachtet mich mit einer unerklärlichen Spannung.

Plötzlich fährt sie zusammen und sagt: Du bist ja so eisig!".

Ich erwidere: Nein, nein!"

Wir machen halt, um uns auszuruhen. Wir effen etwas in einem Wirtshaus und als wir in die heimischen Straßen einbiegen, ist es schon Abend geworden.

Maria deutet auf einen Mann, der an uns vorbeigeht: Herr Rampaille ist im Striege ordentlich reich geworden." Dann schwebt eine Frau vorbei, die in weiß und blau gekleidet ist. Sie verschwindet an einer Hausecke.

Schon ist ein Tag dahingegangen.

An einem Tage hat sich die ganze Vergangenheit wieder aufgebaut. Ich bin wieder geworden, was ich einmal ge­wesen bin. Ich bin nur nicht mehr so stark und so ruhig, wie ich einstmals gewesen bin. Es ist, als wenn sich gar nichts begeben hätte.

Aber die Wahrheit ist schlichter als sie früher gewesen ist. Ich erkundige mich bei Maria nach dem einen und dem anderen, und ich frage sie aus.

Roman von Henri Barbusse . Verdeutscht von Mar Hochdorf. Endlich holt mich Maria eines Morgens ab. Ich soll in­zwischen nach Hause gehen und warten. Sie findet mich im Krankenhaushof; das Krankenhaus ist früher eine Schule gewesen. Ich size auf einer Bank unter der Stundenuhr. Das ist nämlich der einzige Winkel, bis zu dem ein Sonnenstrahl bordringen kann. Während ich unter einer Gesellschaft von humpelnden Krüppeln und von Menschen, deren Stirne und Arme verbunden sind, herumsize, gehe ich meinen Gedanken nach. Die Kameraden sind bunt ausstaffiert und zerfekt; auch ihre Kleidungsstücke sind frank. Ich verlasse diesen Hof, in dem mir so viele Wunder zugestoßen sind. Ich danke dem Krankenwärter, ich sage ihm Lebewohl und folge Marien. Der Bifar in unserer Kirche ist Sanitätsunteroffizier. Jetzt stehen wir vor unserem Haus. Die Entfernung, Angst vor meiner Schweigfamteit. Da ich lange vor ihr da­Er sagt uns wiederholt, daß er die Leiden der Soldaten wie die zwischen der Straßenbahn und unserem Hause liegt, size, ohne ein Wort herauszubringen, sehe ich, wie sie ihr Ge­alle übrigen Geistlichen heilen will. Maria fragt:" Du fagit tommt mir viel geringer vor als es gewöhnlich der Fall war. ficht in den Händen begräbt. Dann schluchzt sie auf, und sie ihm nicht Lebewohl?"" Nein!" antworte ich. Der Platz verläuft sich plöglich. Er scheint enger und fürzer fragt: Was hast Du denn?" Ich zaudere mit der Ant­ au sein als früher. Ebenso scheinen alle Erinnerungen an mein einstiges Leben zusammengeschrumpft.

Dann brechen wir wieder auf, um dem Leben entgegen­zugehen. Wir durchschreiten einen schattigen Weg. Dann kommt die Hauptstraße. Wir marschieren langjam. Maria trägt mein Kleiderbündel. Himmel und Erde strömen zu sammen. Eben und schweigsam ist die Erde. An dem Himmel dröhnt es nicht mehr wie von Kirchenglocken. Die Felder sind leer und abgeschnitten bis auf den Grund. Denn es ist ja Krieg. Und die Weglinie erstreckt sich geradeaus und nach Urbäterweise. Und ich, ich bin ja geläutert, ich bin ja schlichter und hellsichtiger geworden. Und trotzdem verwundert mich dieses Schweigen, und die Stille erregt mich. Aber ich sehe alles in seiner falten Nüchternheit. Dhne Hülle und Nebel sehe ich alles. Es ist mir, als trüge ich in mir eine große, un­geahnte Vernunft, die noch ausgenügt werden muß.

Das ist Antonia Véron. Sie ist beim Roten Kreuz gewesen. Sie hat im Striege eine Auszeichnung erhalten." Und ich sage:" Ja, alles ist anders geworden."

Dann das Haus selber, dann die einzelnen Räume. Ich steige hinauf, ich steige wieder hinunter. Maria verläßt mich nicht wieder mit ihrem Blick. Ich erkenne alle Dinge. Ich ertenne selbst Dinge wieder, die ich früher gar nicht gesehen habe. Niemand außer uns Beiden weilt in diesem Hause. Und die Nacht sinkt nieder, als wenn die Menschen sich ver­einigt hätten, um noch die Begegnung mit diesem Manne zu vermeiden, der nun zurückkehrt.

Endlich sagt Maria:" So, nun sind wir wieder daheim." Wir sehen uns hin, wir blicken uns an.

"

Was werden wir tun?" so fragt einer.

"

Die Antwort: Wir werden leben."

Wir werden leben.

Maria sagt: Du fragst immer: warum? Wie ein Kind fregit Du immer!"

port.

Doch ich spreche nicht viel Eigenes.

-

Maria müht sich eifrig um mich. Sie hat ersichtlich

Dann antworte ich, um doch wenigstens etwas zu sagen: Es bedünkt mich, ich sehe alle Dinge nur so, wie sie in Wirklichkeit sind."

" 1

Maria sagt: Armer Junge!" Und sie weint weiter. Diese verwirrende Kümmernis rührt mich.

Es ist wahr, alles ist förperlich sichtbar, was hier vor mir steht und liegt. Aber es ist doch, als wenn man die Wirklichkeit davon abgeschält hätte. Ich habe das Geheimnis berloren, das dem Leben seinen besonderen Schein gewährt. Vor mir hält keine Täuschung mehr Stand, die nur entstellt, die nur verhüllt. Mich spornen nur diese innere Glut und dieses blinde, unüberlegte Aufbäumen, die den Menschen von Stunde zu Stunde und von Tag zu Tag weiterhegen. Und dennoch, ich werde das Leben, dorten wieder auf­

Wir wohnen nicht weit. Bald sind wir wieder schritt­weis bei alledem, was einstmals gewesen ist. Da wir näher Ich denke nach. Maria blickt mich verstohlen an. Auf nehmen, wo ich es liegen gelassen habe. Ich stehe wieder fest tommen, zeigen und benennen sich die Einzelheiten vor ihrem Geficht liegt dieser geheimnisvolle, ängstliche Ausdruck, auf den Beinen. Ich werde stärker und stärker. Ich bin noch unseren Augen mehr und mehr. Da, diesen Baum, der von unter den ich mich beugen muß. Ich bemerke die Vorsicht, teiner, mit dem es schon zu Ende ist. Ich bin noch einer, Steinen umrahmt wird, ich kenne ihn ja. Ich kenne auch mit der sie mich betrachtet. Dann bedünkt es mich, daß ihre der von neuem beginnen muß. ( Forts. folgt.)