Nr. 98.
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sht dhe ben 8. Jahrg.
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Redaktion: Beuth- Straße 2.
Mittwoch, den 29. April 1891.
Expedition: Beuth- Straße 3.
Rudolph Meyer über die Kornzölle. See wanne in dieſer Zeitſchrift geübt wird. Nicht in Geschäftspolitiker Bismarck ſich die Kastanien von den
I.
Thätigkeit des verflossenen Kanzlers und seiner Gesellen von Interessant aber ist es, zu sehen, wie der geriebene diesem dem glänzend geführten Nachweise von der Gemeinschädlich- Meyer und Genossen aus dem Feuer holen läßt, wie diese Der letzte konservative Sozialpolitiker, der diesen Namen Artikels: denn dieser Nachweis ist so oft geführt worden, zöllen die Bahn freimachen. Es verlohnt sich, auf dieses keit der Lebensmittelzölle liegt die eigentliche Bedeutung des durch Empfehlung von Industriezöllen den Lebensmittelverdient, lebt, ein Landfremder, jenseits des Weltmeeres. daß er in Fleisch und Blut der Massen übergegangen ist. Bwischenspiel näher einzugehen. Das, was Rudolph Meyer Einer nach dem anderen aus jenem Kreise ist dahingegangen: Aber was Meyer über die Vorgeschichte der Agrarzölle aus in seinem Aufsatze erzählt, ergänzen wir aus dem zweiten Robbertus starb, der alte Wagener, bei Lebzeiten bereits vergessen und abgethan, ist nun auch seit Jahr und Tag eigenem Wissen mittheilt, die Fülle der aus seiner intimen Bande der von ihm herausgegebenen Briefe und sozialKenntniß der oftelbischen Agrarier geschöpften feinen Be- politischen Aufsätze von Rodbertus. ein stiller Mann, und Rudolph Meyer ist Farmer in merkungen, die Perspektive, die er für die zukünftige Ent- Die wirthschaftlichen Reformen, berichtet Meyer, wie Canada . Er ist immer seine eigenen Wege gegangen, der wickelung der landwirthschaftlichen Zustände eröffnet, die ver- sie von den Wagener, Meyer, Rodbertus für die ArbeiterGeschichtsschreiber des Emanzipationskampfes der Arbeiter Klaffe, ein starrnadiger, ehrlicher Mensch, ein Talent und ein gleichende Darstellung der Verhältnisse im Auslande, das ist klasse geplant waren, hatten im Taumel der Gründerjahre es, was der Arbeit Meyer's ihren besonderen Werth verleiht ihre Verwirklichung nicht gefunden, und der Kazenjammer Charakter. Weil er Bismard die ungeschminkte Wahrheit zu für die Agrarier macht. Er peitscht sie mit Neffeln, und dieser Ideen. Man habe, sagt Meyer, den Lassalleanern und sie so reizvoll für den unbefangenen Leser, so peinlich des Krachs ließ auch wenig Aussicht für eine Durchführung sagen gewagt, weil er die politischen Gründer und die für die Agrarier macht. Korruption in Deutschland mit Skorpionen gegeißelt, mußte eine plebejische Wahrheitsliebe und derbe Offenherzigkeit vor und während 1870 gewisse Aussichten gemacht in der Richtung des Lassalle 'schen Programms", um fie gegen die er in's Eril gehen, und die Konservativen, denen er gleich find Gift für die zärtlichen Gemüther der Feudalen. Wagener mit seiner Arbeitskraft, seinem Wissen, seiner Großgrundbesitzer des Nordostens, war noch in den sechziger frieg den Machthabern ein Greuel war. Die preußisch- konservative Partei, die Organisation der Eisenacher auszuspielen, deren Stellung zum EroberungsFeder gedient, waren froh, daß sie des unbequemen Bundes- Jahren, bis in die Mitte der siebziger Jahre hinein stramm freilich meint, daß ohne die Lassalleaner Deutschland 1870 Wenn Meyer genossen, der ein arger Mahner und bitterer Kritiker war, freihändlerisch. Meyer erzählt, daß eine seiner ersten nicht seine Kommune gehabt hätte, so gut wie Paris , dann verledig wurden. gedruckten Arbeiten Material für die Herren von Blanken- tennt er die geschichtlichen Verhältnisse, und seine Schäßung Meyer hat niemals Romödie gespielte mit fozialer burg und Wedell- Malchow enthielt, die dasselbe gegen die der damaligen Arbeiterparteien ist eine grundfalsche. Reform, mit Arbeiterschutz, mit den Fragen, die unsere Eisenzölle verwertheten. Sie beantragten deren Aufhebung Daß die Lassalleanischen Arbeiter natürlich nichts von Beit bewegen. Mit seiner Sozialpolitik war es ihm Ernst, und setzten 1873 mit Bismarc's Zustimmung ein Kompro- den Machenschaften wußten, auf die sich etwa die Schweizer und unverhohlen sprach er aus, was er für schädlich, was miß durch, wodurch die Eisenzölle zunächst ermäßigt wurden, und Konsorten eingelassen, versteht sich am Rande. Doch er für wünschenswerth hielt. Wir haben vor einiger Zeit um 1876 ganz zu fallen. Aber es kam die Milliardenära, dies nur nebenbei! Fest steht, daß von sozialpolitischen aus einer verschollenen Streitschrift Meyer's seine vor und nachdem dieses tolle Fastnachtsspiel verrauscht war, trat Reformmaßregeln nicht die Rede war trotz aller Vertreffliche Charakteristik der Bestrafung des Kontraktbruches die furchtbare Ernüchterung ein, der Aschermittwoch des sprechungen und daß die Krisis die Hoffnungen noch mehr mitgetheilt, und es leuchtet ein, daß ein Politiker, der Krachs, der die Gründer- und Schwindelperiode so sicher ab- herabftinimte. Damals haben nun Wagener und Meyer niemals sich den Wünschen seiner Partei gefügig zeigte, löfte, wie der Winter den Herbst. Wie Mary mit unerbitt ihre freihändlerische Auffassung geopfert, um den verkrachten sobald seine Ueberzeugung mit diesen Wünschen kollibirte, licher Schärfe bereits im Januar 1873 es vorausgesagt hatte, Industriellen wieder auf die Beine zu helfen dies sollte daß ein Schriftsteller, der die Regierung des größten so geschah es, die allgemeine Krise erschien, um selbst den blos Mittel zum Zweck sein und dadurch sie in den Staatsmannes aller Zeiten" rücksichtslos beurtheilte, miß- Glückspilzen des neuen heiligen, preußisch- deutschen Reiches Stand zu sehen, die Lage der Arbeiter zu verbessern, die liebig, recht mißliebig war. Sein Prozeß trieb ihn ins Dialektik einzupauten." Es ist bekannt, welche Verwüstungen Durchführung einer Sozialgesetzgebung zu tragen und Ausland, und nach manchen Kreuz- und Querfahrten siedelte im Gewerbeleben diese Krisis angerichtet hat, wie die Arbeits- zu ertragen. Wie man sieht, ein Rechenerempel, er sich in Amerika an, und auch der Sturz feines Gegners losigkeit, die Lohnknappferei, das blasse Elend dem das den einzigen sicheren Faktor, die Profitsucht des Unterscheint ihm die deutsche Luft nicht anmuthender gemacht zu Broletariat bescheert wurden, wie die industriellen nehmerthums, bei Seite ließ und mit imaginären Größen haben. Auf freier Scholle ein freier Mann, bleibt er jen- Anlagen, die Banken, die Handelshäuser zusammen- operirte, ganz nach der Art der Ideologen, welche die seits des großen Wassers. brachen. Die Industriellen, welche gemeint hatten, die Bäume vor lauter Wald nicht sehen. m
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Und ein eigenartiges Zusammentreffen ist es, daß er, fetten Jahre würden nicht aufhören, schrieen Betermordio, Die Meyer'sche Theorie des sozialen Schutzzolls" der Einsame, das Wort jetzt wieder ergriffen hat in den und obwohl wesentlich auf die Ausfuhr angewiesen, heischten mußte in der rauhen Wirklichkeit elendiglich Fiasko machen. bekannten gelben Heften, die ein anderer Eingänger des sie Schutzzölle, um den heimischen Markt sich ausschließlich Es kam so, der soziale Spiritus verflog im Nu, und das Konservatismus, der Einsiedler von der Trausnitz , heraus zu sichern; sonst sei es mit ihnen Matthäi am letzten. Phlegma des volksverwüstenden Schutzzolls ist geblieben. giebt, Jörg, einst der Führer der bayerischen Ultramontanen, Nichts war Bismarck und seiner Gefolgschaft willkommener Auf der Generalversammlung des Vereins für Sozialder sich grollend in das Landshuter Kreisarchiv verschloß, in ihrem, im agrarischen Interesse. Der freihändlerische politik, im Oktober 1875, sollte der Schlag geführt, ein Anfern vom Getöse des politischen Kampfes, als Wächter ver- Saulus machte seinen Gang nach Damaskus , die„ Edelſten trag eingebracht werden, wonach der Reichskanzler ersucht gilbter Urkunden und königlich bayrischer Schloßwart. Weil und Besten" wurden Schutzöllner. Sie wußten warum. werden sollte, in Rücksicht auf die Krisis„ der deutschen es in seiner Partei zugehe, wie in einer Matrosenkneipe, So lange Deutschland Korn ausführte, waren sie eifrigste Industrie, sowie den bei derselben betheiligten Unternehmern soll er gesagt haben, deshalb ziehe er sich zurück. Es ist bereits Freihändler gewesen. Aber 1874, statt Korn zu exportiren, und Arbeitern sowohl nach außen wie nach innen denjenigen auf den Aufsatz hingewiesen worden, den Rudolph Meyer in brauchte Deutschland bedeutende Zufuhren vom Ausland. Schutz zu gewähren respektive zu verschaffen, welcher Jörg's" Historisch- Politischen Blättern"( 107. Band, 8. Heft) Gtwa um dieselbe Zeit begann Amerika mit seinen riesigen in Anerkennung des Werthes der Arbeit und der eigenüber die Kornzölle in Deutschland nach Geschichte und Getreidevorräthen Europa zu überschwennnen, und diese gearteten Stellung der deutschen Industrie als das alleinige überseeische Konkurrenz tastete das Palladium des Junker Mittel erscheint, unsere in Frage gestellte Konkurrenzfähigkeit Statistik veröffentlicht hat. Der Aufsatz verdient es, eingehender besprochen zu thums an, die dreimal heilige Grundrente. So ward aus auf dem Weltmarkt und den sozialen Frieden auf dem werden. Deshalb weil gerade eine Kritik der agrarpolitischen Saulus ein Paulus. heimischen Markt wieder zu gewinnen." Rodbertus, der
Feuilleton.
Nachdruck verboten.]
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Die Falkner von St. Vigil. Roman aus der Zeit der bayerischen Herrschaft in Tirol von Robert Sd, weichel.
und schob den Riegel vor. Er selbst war so ergriffen, ich's bis jetzt ausgehalten und alles ertragen; aber es führt daß er nicht gleich Worte fand. Stumm führte er sie, um jetzt zu weiter nichts. Sie haben mich gemieben, als ob ich ihr den Anblick seiner verwüsteten Wohnstube zu ersparen, den Aussat hätte; mochten sie es thun: ich hatte ja Dich! durch die Küche in die Hinterstube. Lisei zwang unterdessen Gestern Abend haben sie mir angekündigt, daß ich von hier gewaltsam ihre Aufregung nieder und erzählte, daß sie vor fort müßte, und sie werden nicht eher ruhen, als bis sie ihr der Kirche von dem nächtlichen Tumult gehört hätte und Stück durchgesetzt haben." darauf gleich zu ihm gelaufen wäre. Nun aber wollte sie Aus Lisei's Gesicht entwich die Farbe, und er fuhr bes
Was können sie Dir denn anhaben?" stammelte fie. " Ich habe schon in den letzten Monaten wenig zu
Aber ich habe die schlechten Zeiten deshalb
sich von ihm nichts verhehlen lassen und stieß, ehe er es wegt fort:" Es ist hart, Lisei. Aber Du bist flug und hindern konnte, die Thür zur Wohnstube auf. Die Kälte muthig, und wir dürfen nicht, wie die Kinder die Augen hier und die Dämmerung, welche die geschlossenen Läden Da es Sonntag war, so wurde es vor und nach dem verursachten, ließen den verwüsteten Raum noch um- vor dem zumachen, was uns droht." Betroffen stand Lisei auf der Gottesdienste vor der Schmiede nicht von Neugierigen leer heimlicher erscheinen. und zu den Leuten aus St. Vigil gefellten sich die Kirchen- Schwelle. gänger aus Monthan und den zerstreuten Hütten und Ge- Nun, nun, es hätte noch schlimmer werden können", thun gehabt," antwortete er und nahm ihre Hand sanft in höften an den Thalabhängen und auf dem Jöchl. Die tröstete Wolf und zog sie sanft zurück. Wenn jetzt der die seinigen. Leute betrachteten die Schutthaufen vor der Schmiede, deren Zufall nur den Hartwanger herführte, damit er die Fenster beschuldigt. Seit gestern Abend kenn ich die Ursach. Gie Thür und Fenster geschlossen waren, die Steine, die zerbrochenen einsetzt", fügte er hinzu und nöthigte Liſei, sich hinzusetzen. werden mir die Arbeit ganz entziehen, mich in meinem GeSchindeln, die nackten Dachsparren, und machten laut ihreGloffen. Es ist ganz schrecklich", murmelte Lifei.„ Aber die werbe zu Grunde richten, mich aushungern. Das werden Sie fielen schadenfroh genug aus. Der Haß gegen die Natio- Leut" werden ihrer Strafe nicht entgehen. Wer sie nur sie thun, wenn ich nicht gutwillig fortgehe." nalität Wolfs erstickte die angeborene Gutmüthigkeit der Leute. Wolf hielt sich in seiner Hinterstube auf. Er hatte gegen Dich aufgehetzt hat?" Es ist der Haß Wolf die Hand und hielt sich die Schürze vor das Gesicht. Du weißt es ja", entgegnete er. seinem Lehrling einen freien Tag gegeben, nachdem sie das gegen meine Landsleute, den ich hab' entgelten müssen. Wolf strich sich mit beiden Händen das dicke Haar- aus Frühstück verzehrt hatten.
"
Lisei stürzten die Thränen aus den Augen. Sie entzog
Sein Entschluß war gefaßt und er wartete nur noch Darum wird auch die Straf', wenn sie eine kriegen, die der Stirn und sagte:„ Wenn Du meinst, daß ich's darauf auf das dritte Geläute, um so unbeachtet wie möglich das Leute noch mehr gegen mich aufbringen. Das Eisen ist ankommen lassen soll, dann will ich hierbleiben.-
brüchig; daraus läßt sich nichts Gutes schmieden."
Aber schau," fügte er hinzu, wenn ich mein bischen Ersparnisse zusetze und ich komme an den Bettelstab, nachher haben wir Beide verspielt, Du und ich."
Haus verlassen zu können. Noch aber hatte die Glocke nicht um Gotteswillen, was meinst Du?" fragte sie ängstlich. angeschlagen, als er an den Läden der Borderstube ein leises " Ja, Lisei", seufzte er und legte seine Hand beBochen vernahm. Er fragte, wer da wäre und die Stimme, die ihm antwortete, war Lisei's. Er öffnete die Thür der schwichtigend auf die ihrige, es müßt alles nichts. Statt Eisen Schmiede, und Lisei fiel ihm um den Hals und brach in giebts nur noch Schlacken. Ich kann mich nicht länger in Thränen aus. Die ruhige Besonnenheit, die ihr sonst eigen St. Vigil halten. Ich habs kommen sehen, wie Du weißt, kann," sagte er aus tiefem Herzen. und jetzt bin ich vogelfrei. Um Deinetwillen, Lisei, hab
war, hatte sie ganz verlassen. Wolf zog sie schnell herein
" Freilich," seufzte Lisei und ließ die Schürze sinken. " Und von Dir lassen, das thu' ich nicht, weil ich's nicht Sie sah ihn traurig an und sagte: w. Du Armer!