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Nr. 568 36. Jahrgang

1. Beilage des Vorwärts

Donnerstag, 6. November 1919

Bethmann Hollwegs Schuld am U- Boot- Krieg.

( Schluß aus der Abendausgabe.) Prof. Dietrich Schäfer : An die Möglichkeit eines gewalt. samen Endes des Professor Münsterberg habe ich bis zu diesem Augenblick gar nicht gedacht. Aber ich entsinne mich jetzt der Stelle aus dem Bericht eines englischen Agenten über Münster­berg, an der es heißt, man müsse

der göttlichen Vorsehung

auch etwas überlassen.

Abg. Dr. Sinzheimer: Zimmermann hat davon gesprochen, daß die Wilsonnote unter englischem Einfluß und mit englischem Einverständnis erlassen worden ist. Stehen Sie auch auf diesem Standpunkt?

Graf Bernstorff: Nein. Aber es ist immerhin möglich, daß vorher bei England Erfundigungen eingezogen worden sind. Das halte ich für möglich. Ich hatte aber den Eindruck, daß die Friedensnote Wilsons England außerordentlich unangenehm Abg. Dr. Sinzheimer: Im Mai 1916 hat im Reichsamt des Innern mit Pressevertretern in Anwesenheit von Bernhard, Theodor Wolff und Maximilian Harden

war.

eine Besprechung über die Sussex"-Note stattgefunden, und von Teilnehmern dieser Konferenz wird be­richtet, daß Staatssekretär Zimmermann auf ihr eine sehr scharfe Aeußerung über Wilson gemacht hat. Sie soll gelautet haben: ,, Ueber die Unverschämtheit und Frechheit Wilsons ist kein Wort zu verlieren. Aber wir haben ihm die Maske vom Gesicht geriffen". Zimmermann: Das ist mir nicht erinnerlich. Ich glaube nicht, daß ich in Anwesenheit so vieler Herren von der Presse eine solche Aeußerung gemacht habe.

Abg. Dr. Sinzheimer: Dann müssen wir Harden und Theodor Wolff als 3eugen vernehmen.

Borf. Abg. Warmuth: Wir kämen nun zu den Gründen für den Nichtempfang des Grafen Bernstorff noch seiner Rückfehr, aus Amerika durch den Kaiser.

v. Bethmann Hollweg : Das ist ein Thema, das gegenüber den bisherigen hochpolitischen Feststellungen mehr episodenhaften Charakter trägt.

Vors. Abg. Warmuth: Doch nicht ganz.

v. Bethmann Hollweg : Die Rückkehr des Grafen Bernstorff wurde dem Kaiser sofort gemeldet, und der Vertreter des Aus­wärtigen Amtes im Großen Hauptquartier beauftragt, wegen des persönlichen Empfanges des Botschafters durch den Kaiser das erforderliche zu veranlassen. Außerdem habe ich dem Kaiser ein­gehend Vortrag über das gehalten, was Graf Bernstorff mir be­

richtet hatte.

Der Kaiser war also vollständig unterrichtet. Vorschläge über unser weiteres Verhalten gegenüber Anterika hatte mir Graf Bernstorff nicht gemacht und auch nicht zu machen. Infolgedessen lag auch feine politische Veranlassung vor, auf so­fortigen Empfang zu drängen. Ob infolge äußerer Umstände oder aus welchen Ursachen sonst der Empfang sich verzögert hat, darüber vermag ich abschließende Auskunft nicht zu geben. Jeden­falls stehe ich auch heute noch unter dem Eindruck, daß die Ver­

geprüft, daß man aber im Hinblick auf die Kriegslage dazu ge­fommen wäre, die Entscheidung zu vertagen, nachdem auch Generalfeldmarschall von Hindenburg erklärt habe, daß er zunächst die Entwicklung des rumänischen Feld auges abwarten müsse, bevor endgültig zu der Frage Stellung genommen würde. Weiter ist von Wichtigkeit eine Urkunde vom 23. Dezember 1916 an den Generalfeldmarschall von Hinden­burg über den U- Boot- Krieg. In dieser Urkunde bringen Sie zum Ausdruck, daß Sie die alleinige und nicht übertragbare ver fassungsmäßige Verantwortung zu tragen hätten bei der Frage des rücksichtslosen U- Boot Krieges, weil diese Frage unmittelbar in

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unser Verhältnis zu den Neutralen

durchweg geteilt. 3. B. Kaiser Karl und Graf Czernin haben auf dem Standpunkt gestanden, die Antwort der Entente sei in einem imperativen Ton gehalten, sie schließe aber die Fortsetzung der Ber­handlungen nicht aus. In Amerika war man der Ansicht, daß es sich um einen Bluff handle. Ihre persönliche Auffassung war aber, daß es zu diesem Zeitpunkt nicht möglich fei, sich mit der Entente an einen Tisch zu sehen, es bliebe nur die ultima ratio des rücksichtslosen U- Boot- Krieges.

v. Bethmann Hollweg : Es war meine Ansicht, daß die Friedens tür zugeschlagen worden sei, und diese Ansicht wurde vont meiten Schichten des deutschen Volkes bis weit in die Sozialdemo tratie hinein geteilt.

Dr. Sinzheimer: Hatte die große Masse des Volkes und die sozialdemokratische Partei Kenntnis davon, daß zu derselben Zeit eingreift und deshalb ein Akt der auswärtigen Politik wilson sich bereit erklärt hatte, die Friedenskonferenz zustande ist. Sie sagen in diesem Brief am Schluß, daß die Frage des zu bringen, und daß er bereits zweimal gebeten habe, ihm die rücksichtslosen U- Boot- Krieges bejahend nur beantwortet wer- Friedensbedingungen wenigstens vertraulich mitzu­den könnte, wenn unsere militärische Lage mit Sicher- teilen? heit darauf schließen lasse, daß die europäischen Neutra= Bethmann Hollweg: In seiner Gesamtheit hatte das Bolt len in den Krieg gegen uns nicht eingreifen würden. Sie er­fuchten aber, sowohl an der holländischen, wie an der dänischen Grenze Truppen zu versammeln, und es heißt am Schluß, daß bei der Entscheidung über den rücksichtslosen U- Boot- Krieg abgewogen werden müßte, ob seine Vorteile größer seien als die Nachteile, die uns durch einen Bruch mit Amerika zugefügt würden. Hier tritt also zum ersten Mal in aller Schärfe der Saz hervor, daß die Vorteile des rück fichtslosen U- Boot- Krieges größer sein könnten als seine Nachteile. Für den Ausschuß ist es nun von größter Wichtigkeit, festzustellen, welche Gründe maßgebend gewesen sind für die veränderte Stellungnahme zum U- Boot- Krieg, den Sie als verhängnis voll bezeichnet haben. Weshalb fraten Ihre ursprünglichen Be­Senken zurück gegenüber den Instanzen, die für den rücksichts­losen U- Boot- Krieg eintraten, nämlich im wrfentlichen die Oberste Heeresleitung, die Oberste Marineleitung, die Reichstagsmehrheit und die Mehrheit des Volkes?

v. Bethmann Hollweg : Die sehr umfangreichen Akten über den U- Boot- Strieg liegen dem Ausschuß vollkommen vor. Ich kann nur annehmen, daß aus diesen Akten der Ausschuß

eine flare Borstellung

von meiner Stellung zum U- Boot- Krieg in seinen verschiedenen Phasen gewonnen hat. Ich kann meine Aufgabe nicht darin er­fennen, nun meinerseits etwa aus meinem Gedächtnis diese sehr tomplizierte Materie hier zu rekonstruieren, die aften, mäßig dem Ausschuß bereits bekannt ist. Ich kann meine Aufgabe nur Sahin auffassen, daß ich die altenmäßige Kenntnis des Aus schusses in denjenigen Fragen durch Aussagen ergänze, wo der Ausschuß glaubt, eine Lücke bezüglich meiner Haltung zu finden. Der Ausschuß wird den Eindruck gehabt haben, daß die Frage des U- Boot Krieges in den verschiedenen Phasen außerordentlich tompliziert war. Nun wird eine Auskunft über meine Haltung im Winter 1916/17 verlangt. Herr v. Bethmann Hollweg verweist auf feine Aussage vom vorigen Freitag und verliest sie nochmals. Er erklärt dann weiter, die Antwort der Entente war

eine apodiktische Absage der Verhandlungsbereitschaft.

natürlich keine Kenntnis von unseren Aktionen in Washington . Es wäre auch die größte politische Unflugheit von mir gewesen, denn bei der Animosität gegen Amerika wären diese Aufklärun gen Gegenstand der Verachtung und des asses geworden. (??) Gemiz hat Graf Bernstorff uns mitgereift, wir möchten Wilson unsere Bedingungen vertraulich mitteilen. Ich habe Wilson mitteilen laffen, daß unsere Bedingungen maßvol! sind, und wir haben ausdrüdlich gesagt, wir denken nicht daran, Belgien annet fieren zu wollen. Die erste entscheidende Bekundung von Wil son, daß er mun an die Friedensarbeit gehen wolle, ist uns erst durch eine Depesche Bernstorffs am 28. Januar mitgeteilt worden. Da war es aber zu spät; wäre es früher geschehen, dann hätte vielleicht noch etwas gemacht werden können.

mann den Wortlaut des Depeschenwechsele über die Vorlegung der Dr. Sinzheimer verliest sodann auf Wunsch des Herrn v. Beth­dieser Mitteilungen es möglich gewesen wäre, noch den Versuch zu Friedensbedingungen an Wilson und fragt, ob nicht auf Grund madjen, auf anderem Wege als mit Hilfe des U- Boot- Krieges zum Frieden zu gelangen

Bethmann Hollweg : Ich hatte die Ueberzeugung, daß Wilson Frieden machen wolle. Für mich ist aber entscheidend die Stollektiv­note der Entente vom 13. Februar gewesen. Die Kongreßrede Wilsons vom 17. Januar fonnte ich nicht als einen Schritt zu einem von uns afzeptablen Frieden ansehen. ob die Oberste Geeresleitung von den Mitteilungen des Grafen Dr. Singheimer: Die Frage ist noch nicht beantwortet worden, Bernstorff Kenntnis gehabt hat.

Beethmann Hollweg: Mein Gedächtnis reicht nicht aus, um alles sagen zu können, was in den dem Untersuchungs­ausschuß im übrigen vorliegenden Atien enthalten ist.

Dr. Sinzheimer: Die Oberste Heeresleitung behauptet

dies. Bethmann Hollweg : Ueber die Behauptungen der Obersten Heeresleitung fann ich keine Aussagen machen. Jedes Wort der Kollektivnote hätte mich in meinem Innern Lügen gestraft,

schiebung des Empfanges auf den politischen Gang der Dinge Auch die nach dem 9. Januar. abgegebene Antwort der Entente auf hätte ich am 9 Januar eine andere Stellung eingenommen als ich

feine Wirkung gehabt hat.

Abg. Dr. Cohn: Welchen Eindrud hatten Sie von der Unter redung mit dem Kaiser?

wurde, waren alle diese Fragen so vollkommen erledigt, daß ich Graf Bernstorff: Als ich im Mai vom Kaiser empfangen feine Veranlassung mehr hatte, darauf besonders zu drängen. Ich fann mich daher nicht entsinnen, daß bei dieser Unterredung irgendetwas gesagt wäre, was politische Bedeutung gehabt hätte. Vors. Abg. Warmuth: Wir kommen, nunmehr zu der

die Friedensnote Wilsons hat in mir nicht die Ueberzeugung- her­borrufen können, daß ich am 9. Januar Unrecht gehabt hatte, wenn ich bei meiner Haltung davon ausging, daß ich eine Verband­könne. Abgesehen von einem Kommen des Friedens über Amerika lungsbereitschaft der Entente in absehbarer Zeit nicht vorführen konnte ich auch sonst Aussichten nicht eröffnen. Ich habe den durch­aus unsicheren Termin einer nach der Lage der russischen Verhält nije vielleicht wahrscheinlichen Revolution in Rußland angeführt. Ich wüßte nicht, was ich meinen Ausführungen vom Freitag noch hinzufügen. sollte. Ich habe ein Wort gebraucht, daß ich den Beschluß für einen verhängnisvollen gehalten hätte. Es hing ein ungeheures Verhängnis über diesem Beschluß, das mußte jedem Menschen klar fein.

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Dr. Sinzheimer: Dann waren Sie also für den U- Boot- Krieg? Bethmann Hollweg : Bitte mich nicht zu zivingen, nun noch

Widerspruchs benut trecben könnten.( Rebhafter Beifall.) mals hier sprechen zu müssen über Dinge, über die ich bereits for­mulierte Antworten gegeben habe. Die zur Konstruktion eines

Vorsitzender Warmuth: Bitte alle Aeußerungen der Zustim mung oder des Mißfallens zu unterlassen. Bethmann Hollweg : Wenn ich nach meinem besten Wissen und Gewissen die Situation fargelegt habe, jo habe ich es natürlich nur in großen Linien tun tönnen. Es kann von mir kaum er­wartet werden, daß ich darüber hinausgehe. Ich wäre wirklich außerordentlich dankbar, wenn hier nicht Fragen wiederholt würden, die ich bereits ausführlich darzulegen versucht habe. Ob die Oberste Heeresleitung von den Bernstorffschen Depeschen Kenntnis erhalten hat, muß aus den Akten hervorgehen.

Heute, nach drei Jahren, bin ich wirklich nicht imitande, unter Eid eine bestimmte Aussage zu machen. Ich weiß, daß von der Obersten Heeresleitung die Ansicht ver­treten worden ist, jie sei über die Friedensation in Washington nicht genau informiert worden. Andererseits liegt eine Depesche des Generals Ludendorff vor, die beweist, daß er Kenntnis von diesen Dingen gehabt hat. Dem Ausschuß gegen­über bin ich selbstverständlich

wichtigen Frage des rücksichtslosen U- Boot- Krieges und zu den Gründen, welche für die Reichsleitung dafür maß­gebend waren. Ich halte dem Zeugen von Bethmann Hollweg die Denkschrift vom 29. Februar 1916 vor, in der er alle wesent­lichen Gründe gegen den rücksichtslosen U- Boot- Krieg anführt. Denn wenn der U- Boot- Krieg nicht glüdte, so mußte er das u ihr kommt die Verschiedenheit der Auffassung mit der Marine, Berhängnis Deutschlands sein. namentlich mit Admiral von Holzendorff und dem Staats Aber, ich wiederhole: Der U- Boot- Krieg blieb ein Experiment. Die fetretär von Tirpitz zum Ausdrud. In der Deutschrift wird Aften darüber sind noch nicht abgeschlossen, wie weit die Wirkungen dann auf die gefährdete, in neutralen Häfen liegende deutsche des U- Boot- Krieges tatsächlich gereicht haben. Wir werden das erst Handelstonnage hingewiesen. Es wird zugegeben, daß später aus den Aften der Entente hören. Ich habe den Eindruck, England durch den U- Boot- Krieg in wirtschaftliche Schwierig day die Wirkungen weitreichende gewesen find.( Bewegung.) keiten geraten würde, aber bestritten, daß diese Schwierigkeiten Ich kann mich dem Eindruck nicht verschließen, daß im Mai/ Juni die eine zerstörende Wirkung haben könnten. Bei besseren Besorgnisse in England vor den Wirkungen des U- Boot- Krieges Dispositionen über die verfügbare Welttonnage, bei einer Gin- außerordentlich ft art gewesen sind. Diese Besorgnis ist nach dem fuhrbeschränkung, bei der Aufgabe des Saloniki- Unter- Eindruck, den ich um die Wende des Juni/ Juli gehabt habe, so stark nehmens usw. würde eine gänzliche Absperrung Englands, zu gewesen, daß ich glaube Verhandlungsmöglich feiten zu jeder Auskunft bereit, zu der mich mein Gedächtnis befähigt. mal bei der beschränkten Zahl der deutschen U- Boote und ihrem waren damals im Bege, sich anzubahnen. Wenn ich diese Behaup. Mir liegt nichts weiter am Herzen, als den Ausschuß darin zu Aktionsradium, nicht möglich sein. Das Nes, das man um tung aufstelle, so möchte ich daran erinnern, daß um jene Zeit Lloyd unterstützen, die Verhältnisse aufzuklären und zur Wahrheit zu England ziehe, werde großmaschig bleiben. Man müsse ferner in George in Paris besorgte Aussprüche getan hat. Ich glaube, Rücksicht ziehen, daß für die Ernährung Englands täglich vier man hat sich in manchen Kreisen Deutschlands die Wirkung des Dr. Sinzheimer: Dem Untersuchungsausschus liegt nicht daran, Schiffe mittlerer Größe genügten, so daß U- Boot- Krienes optimistischer dargestellt, als es an sich die Sie in Widersprüche zu verwideln. Ich gebe zu, daß Sie die politischen Realitäten erlaubt haben. Sah England, daß der erforderliche Antwort gegeben haben. Nun hat am 8. oder 9. Ja­U- Boot- Krieg ihm wirklich an die Nieren ging, so hätte es nicht nuar Staatsiekretär Helffer ich Ihnen telegraphiert, daß die Er­den bölligen Zusammenbruch abgewartet, sondern es bätte die Geöffnung des U- Boot- Strieges am 1. februar fadlich fei, wirt­legenheit gegeben. schon vorher, natürlich nicht unter Erklärung der Rapitulationsbedürftigkeit, Verhandlungen anzuknüpfen. Dieser Moment ist dagewesen, diese Wirkung des U- Boot- Krieges ift erzeugt worden.

an eine Hungersnot nicht zu denken wäre. Jedenfalls werde der U- Boot- Krieg es England bis zum Herbst nicht unmöglich machen, den Krieg fortzufeßen, zumal, wenn England alles opfere. Es bestehe aber die Gefahr, daß Amerika auf die Seite der Feinde trete. Das bedeute eine starte moralische Unterstüßung der Feinde und eine Stärkung ihrer Siegeszubersicht. Ferner verweist die Dentschrift auf die Möglich­feit einer erhöhten Spannung mit den Bundesgenossen und auf Die erhöhten Materiallieferungen, die Amerika nach dem Eintritt in den Krieg der Entente zur Verfügung stellen würde. Alle diese Bedenken ließen den rücksichtslosen U- Boot- Krieg als eine Maznahme erscheinen, vor der dringend gewarnt werden müßte. Weiter haben Sie( zu Bethmann Hollweg ) in Charleville eine Unterredung mit dem Kaiser

gehabt und dabei diese Denkschrift vorgetragen. Sie haben Ihre Bedenken gegen den U- Boot- Krieg nochmals vorgetragen im Gegen­satz zu General von Falkenhayn, der dabei war. Der Kaiser erwiderte damals, daß die Zahl unserer U- Boot- Streitkräfte nicht genüge, um England niederzuzwingen. Er verwies auch auf die Möglichkeit eines Bruches mit Amerita und auf den nach Erklärung des U- Boot- Krieges sicher gestärkten Willen Eng­lande, auch das lehte Hemd herzugeben. Wir würden also bei Fortsetzung des Krieges nichts gewinnen. Weiter hat am 31. August 1916 im Schloß zu Pleß wiederum unter Vorsiß des Kaisers eine Besprechung stattgefunden, an der alle maß gebenden Bibil, Militär- und Marinebehörden teil­genommen haben. Auch aus diesem Protokoll geht

die Gegenfählichkeit der Auffassungen

zwischen den Zivilbehörden und den Militär- und Marinestellen hervor. Sie brachten zum Ausdrud, daß sie in Aussicht genom men häften, den Reichstag einzuberufen, daß die Parteien selbst Bedenten dagegen gehabt hätten, daß sie aber nicht umhin ge­fonnt hätten, wenigstens die Führer der Partei zu sich zu berufen. Dabei würde zweifellos die Frage des rücksichtslosen U- Boot­Arieges angeschnitten werden. Sie erklärten, daß sie dabei sagen würden, die Frage sei von allen berufenen Instanzen eingehend

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tommen.

schaftlich würde England nicht bedrängt, da durch die Brotratio­nierung in Amerika England auch bei einer großen Zahl von Ver­auf dieses Telegramm in Ihrem alsbaldigen Vortrag beim Raiser fentungen genügendes Getreide geliefert werden fönne. Haben Sie Bezug genommen.

Bethmann Hollweg : Ich habe dieses Telegramm nicht unmittel Der Beschluß ist troßdem verhängnisvoll geblieben, weil diese Möglichkeiten nicht zu einem Ziele geführt wurden, wie auch bar verwertet, weil der Vortrag beim Staiser bereits am 9. Januar spätere Möglichkeiten nicht. Er hat uns schließlich vor abends stattgefunden hat. Der Obersten Heeresleitung lag die be­das Ergebnis gestellt, daß Amerita eine inmenge von Truppen stimmte Ansicht der Marine vor, daß der U- Boot Krieg ant nach Eurova geworfen hat und wir einer erbrückenden Uebermacht. Februar beginnen müsse. Der Einwand Helfferichs ent­gegenüberstanden, welche beim gleichzeitigen Zusammenbruch behrte der durchschlagenden Kraft. Mit Ansichten konnten im Herbst 1918 war. unserer Bundesgenossen die militärische Lage so gestaltet hat, wie sie wir nicht operieren, denn den wirtschaftlichen Ansichten konnten jederzeit die Ansichten von Heer und Marine entgegengestellt autorität auf wirtschaftlichem Gebiete, lag es nicht nahe, werden.(!?) Sinzheimer: Staatssekretär Helfferich galt doch als eine daraufhin weitere Autoritäten zu befragen, um seine Berechnungen

stellung ich die 3 wangslage, in die der 9. Januar nicht nur Also ausammenfassend: Ich wüßte nicht, durch welche Feit die politische Leitung, sondern auch die militärische gestellt hat, er. gängen follte. G3 lag damals die Ueberzeugung der mitt tärischen Stellen vor:

Ohne den rücksichtslosen U- Boot- Krieg können wir den Krieg nicht zu einem guten Ende führen! und für mich lag die Ueberzeugung vor: Ich kann nicht in Aussicht stellen, daß ich den Krieg in anderer Weise beenden werde.( Mit erhobener Stimme:) Da mußte eine Entscheidung gefällt wer­den. Gegenüber der Saltung der Mehrheit des Parlaments, gegen. über einer vom chrlichen Glauben getragenen Ueberzeugung der weitesten Volfeschichten. daß die Unterlassung des U- Boot- Krieges bedeuten würde, die Zukunft der Nation dem Teinmut zu obfern. in diefer Lage und ich bin noch heute der Ansicht, daß ich richtig gehandelt habe habe ich gesagt: Euer Majestät, ich fann Ihnen nicht raten, sich in Widerspruch mit dem Votum Ihrer militärischen Ratgeber zu sehen!" Gin Gehen meiner Berson würde an der Sache nichts geändert haben.

Vorsitzender Warmuth: Die Ansicht Euer Grzellenz über die Bewertung der Antwortnote auf unser Friedensangebot wurde nicht

nachupiüfen?

Bethmann- Hollweg : Jh bitte die Herren, au erwägen, vor welcher Entscheidung ich stand, wenn die Oberste Heeresleitung sagte, fie sei der innersten lleberzeugung, daß der Krieg ohne rüd­fichtslosen U- Boot- Strieg verloren gehe, und wenn der Reichskanzler dem nicht entgegenhalten kann, er habe eine Möglichkeit, den Krieg anders als auf den Kriegsschauplägen zu beenden. Da lag eine gewaltige Zwangslage bor , der gegenüber Einwürfe mit statistischen und volkswirtschaftlichen Berechnungen nicht durch fchlaggebend sein konnten. Die großen politischen Fragen, die zur Entscheidung standen, überwucherten und überschatteten diefe an sich bedeutungsvollen Ansichten, in diesem Moment mußten sie voll­kommen zurüdtreten.

Minister David: Herr v. Bethmann hat sich also in einer 3 wangslage befunden gegenüber der Machtstellung der Obersten Heeresleitung und der Marine. Er war der Ueberzeugung, daß der U- Boot- Krieg uns die Neutralität Ameritas fofte, und daß wir zum Striege mit Amerifa fommen müßten, Hätte er nun nicht sich