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Gewerkschaftsbewegung

Jn revolutionärem Gewande.

Dia Bolitif des Metallarbeiterverbandes soll bekanntlich analog den auf dem letzten Verbandstag gefaßten Beschlüssen fortan auf den revolutionären Klassenkampf und auf das Rätesystem eingestellt sein. Der neu gewählte Verbandsvorstand beeilt sich, das in der Metallarbeiterzeitung" cm 15. November in einem Aufruf die Verbandsmitglieder wiffen zu lassen. Und der neue Redakteur des Blattes, der bisherige Vorsitzende des Berliner Roten Vollzugsrates, Richard Müller , veröffentlicht zum Beweis dafür, daß der Auf­ruf des Vorstandes fein bloßes Lippenbekenntnis ist, einen Die tote und die lebendige Revolution" überschriebenen Artikel von Ernst Däumig .

In einem weiteren Artikel: Der Machtkampf in der Berliner Metallindustrie" berichtet das Blatt über die Situation. In einem besonderen Lichte erscheint folgende Stelle ber redaktionellen Betrachtung:

Am 2. November nahm eine von zirka 4000 Vertrauensleuten besuchte Generalversammlung zu diesem Ergebnis der Verhand­lung Stellung. Damit eine gewisse Presse nicht wieder behaupten fann, daß die Führer an der Fortdauer des Streits die Schuld tragen, empfehlen diese den Abbruch des Streiks.

Das war wirklich sehr bescheiden von den Führern, daß sie lediglich mit Rücksicht auf eine gewisse Presse den Abbruch des Streits empfohlen haben. Von revolutionären Führern fann man schließlich auch nicht verlangen, daß sie den Vertrauensleuten fagen: Gemäß unserer, tags zubor im engeren Kreise gemachten Dar­legung harten wir die weitere Fortführung des Sampfes für aussichtslos. Wir haben den Glau ben berloren, daß durch weiteres Berharren in diefem Kampfe oder gar durch eine Berschärfung

besselben mehr zu erreichen ist.

Statt dessen empfiehlt diese revolutionäre Zeitung den Abbruch bes Streits nur mit Rüdsicht auf eine gewisse Presse. Sehr mann­haft.

Dieselbe Nummer der Metallarbeiterzeitung enthält noch einen Artikel über das Rätesystem aur wirtschaftlichen Betätigung mit einer graphischen Darstellung.

Schon diese Nummer beweist, daß überall dort, wo die hyper­radikalen Beute ans Ruder kommen, jede Rücksicht auf noch so starte Minoritäten aufhört.

Nun, wir sind der festen Ueberzeugung, daß nicht jene Müller, Toft und Rusch, sondern der eherne Gang der Entwicklung dem Pro­fetariat die Marschroute seines Kampfes zeichnen wird. Daß auch biese neuen Männer nicht über ihren Schatten springen fönnen, ist nicht erst zu beweisen. Wie wenig sie sich aber losreißen fönnen bon den Gesetzen der Logif und der Tatsachen, ist durch mannig­faltige Beispiele bereits erhärtet worden. Und daß die Müller und

Eine folche Lohntaktik bedeutet eine

Wie berechtigte Lohnforderungen der Arbeiterschaft des Artillerie fatt au effen? depots Spandau bebandelt werden. Zu dieser in der Abendausgabe Propaganda für den Bolschewismus und Kommunismus. des Vorwärts" vom 11. November veröffentlichten Notiz erhalten wir vom Bauleiter des Verbandes der Fabritarbeiter Deutschlands , Bezir! 4, Sitz Stettin , folgende Buschrift:

Aus aller Welt.

Die Arbeiterschaft vom. Artl. Depot zu Edwerin in Medl. Legalisierter Mord. Am Sonntag, den 9 November, unternahm ließ im Monat Mai 1919 durch ibren Arbeiterausschuß Lohn­forderungen einreichen. Der Arbeiterausschuß gab sich nun alle eine Gruppe Wanderrögel von Frankfurt einen Ausflug nach erdenkliche Mühe, die Sache zu regeln; aber von Berlin fam fein Selsterbach a. M., das im besetzten Gebiet liegt. Die jungen Bescheid, und die Arbeiterschaft wurde von einer zur anderen Woche Leute hatten alle Päffe. Als sie, von der Dunkelheit überrascht, sich vertröstet. Im Oftober batte die Arbeiterschaft.noch feinen Bescheid, an einem Wegweiser orientieren wollten und einer eine und nunmehr beauftragte die Arbeiterschaft die Verbandsleitung Taschenlampe anfnipſte, trachte plöblich ein Schuß und der nach Berlin zu fahren. In Berlin angekommen, wurden wir zu zwanzigjährige Alfred Birnbaum stürzte tot zu Boden. Ein nächst von einem Gehetmiat zum andern gefchickt, bis wir fchließ ich warzer Grenzposten, der in der Nähe stand, hatte ohne lich am Leipziger Plaz anlangten und man uns nunmehr mit Anruf den Schuß abgegeben. Der Ortskommandant von Kelsier­teilte, daß bereits eine Buiage vorliege, aber noch nicht abgesandt bach mußte lange gebeten werden, bis er die Leihe holen ließ und jei. Jezt händigte man uns die Antwort periönlich aus. Aber das Versprechen abgab, eine strenge Untersuchung einzuleiten. Gefängnisse schließen wegen Nahrungsmittelnot. Zahlreiche Ge auch diese Antwort enthielt noch nichts Beſtimmtes. richtsgefängnisse, darunter auch die von Treuenbrießen, Belzig Beelitz usw., müssen geschlossen werden, weil es an fohlen­Die Gefängnisinjassen und Lebensmitteln mangelt. fommen nach Boisdam und anderen Orten mit größeren Ge­fängnissen.

Wie es inzwischen geworden ist, weiß ich zur Stunde noch nicht Sie sehen aus unseren Darlegungen, wie gewissenhaft" diese Körpericbaiten im Kriegsministerium arbeiten. Es ist dies nicht der einzige Fall. Mit eisernem Besen müßte hier dazwischen ge­fahren werden.

Ueber niedrige Entlohnung der Angestellten bei der Hamburger Kaffee- Import- Firma Emil Tengelmann wird in einer an uns gerichteten zuschrift Klage geführt. Es wird in der Zuschrift betont: Diese Firma hat in Deutschland über 600 Filialen, die einen ungeheuren Umsatz bedeuten. Seit Ausbruch dieses Krieges haben einzelne Filialen nicht felten Tageseinnahmen von 600 bis 1000 m. gehabt. Als der Krieg ausbrach, erhöhte die Firma die Preise für alle Warenbestände, namentlich auf Schokolade. Da diese Bestände aber zu Friedenspreisen getauft waren, so bedeutete dies bei den ungebeuren Lagerbeständen, die es für seinen Riesenbetrieb haben mußte. Millionengewinne. Sie flossen ihr in die Tasche, nur durch die Tatsache, daß das Vaterland in einen schweren Eristenzkampf verwickelt wurde, der sich für den Handel sofort in Kriegstonjunktur" umjekte. Trokben hat die Firma ihren Filial­leiterinnen seit Ausbruch des Krieges- also feit 5% Jahren ein einzigesmal eine außerordentliche Zulage von 300 M. gege ben, darunter sind Filialleiterinnen, die 10 und 15 Jahre im Dienste der Firma stehen. Sie haben vor dem Kriege 160 M. monatlich bezogen. bis zum 1. Oftober 1919 175 M. und beziehen jetzt in Berlin 190 bis 195 M. monatlich. Im Publikum besteht der Glaube, daß die Filialleiterinnen Prozente vom Umsatz haben. Das ist nicht der Fall. Diese 190 bis 195 Mt. find das gesamte Ein­kommen eine solchen Filialleiterin. Die Teuerungszulage von 300 m. bedeutet, auf die Jahre verrechnet, noch nicht 50 m. pro Jahr. Die Gehaltssteigerung von 160 auf 190 m. bedeutet eine Steigerung von rund 20 Proz. innerhalb 5% Jahren

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Wissen die Herren von der Direktion des Hamburger Kaffee­Import- Geschäftes Emil Tengelmann nicht, daß seit Ausbruch des Krieges die Kosten der Lebenshaltung sich vervielfältigt haben, daß sie auf das sechs bis siebenfache gestiegen sind? Daß selbst die rationierten Nahrungs- und Genußmittel bis zu 1000 Prcz. ge­stiegen sind, die Preise für Wäsche, Kleider und Schuhe auf 1500 Prozent, die Preise des Schleichhandels aber vielfach bis auf 2000 und Schuhe halten und wie ihre Angestellten es machen sollen, bei den Gehältern, die sie ihnen zahlen, sich. Wäsche, Kleider und Schuhe bei den heutigen Preisen zu laufen, ja sich nur einigermaßen

Selbst- Heimkehrer. Wie aus Lille gemeldet wird, entfliehen die deutschen Kriegsgefangenen neuerdings immer zahlreicher. Die letzte Gruppe, die aus einem Rager bei Cambrai entfloh, betrug nicht weniger als siebzig Personen.

Vorträge, Vereine und Versammlungen.

Ter Bodenreformtag. Hauptvortrag: Mittwoch, 12 Uhr im Birtus Busch. Dr. Adoli Damaichte: Bodenreform und Boltszukunft. Stoſtens freie Eintrittskarten in der Buchhandlung Deutsche Warte". Anbaltitr. 8 und Geschäftsstelle der Bodenreform", Leffingstr. 11, sowie an der Kaffe. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Bezirt 9 NO. Dienstag, 7, Ubr: Sigung in den Union- Feitsälen, Greifswalder Str. 222. Referent: Institut für Segnale Kamerad Mende. Mitgliedkarte legitimiert. wissenschaft. In den Zellen 10( Eingang Beethovenſtr. 3. Bilan

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Neukölln.

72 Uhr: Prof. Dr. St. F. Jordan: Das Liebesleben der zen mit Rüdschlüssen auf den Menschen". ( Bentrale für Emigung der Eo ialdemokratie.) Mitgliederversamm lung: Dienstag, 48 Uur, Wolffs Getellschaftsbaus Kirchhof, Ecke Wipver ftraße.- Bericht der Telegierten- Borstandswahl( nach dem neuen Statut) Stellungnahme zur öffentlichen Versammlung gegen die Deutschnationalen Organisationsfragen usw.

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Kirchenchor, heute 8 Uhr Konzert, Raiser Wilhelm Gedächtniskirche ( Sießlich).

Briefkasten der Redaktion.

Sprechzeiten der juristischen Sprechstunde: Montag, Mittwoch und Freitag 2-5 Uhr; Dienstag und Donnerstag 3-6 Uhr; Sonn­abend 3-5 Uhr.

2. Kl. 611. Wenden Sie sich an das Reichs- Finanz- Minifterium W 66, Wilhelmſfr. 60.61 und an das Preußische Finanzministerium C 2, Am R. M. 95. Wenden Sie sich zunächst an die Feftungsgraben 1. Revierpolizei, wenn da feinen Rat, an die Kriminalpolizei( Bolizei F. S. 23. Lassen Sie sich von der Buchhandlung senden. Vorwärts ein Verzeichnis fozialdemokratischer Schristen präsidium). Junie.@danibt. Solche Kurse finden dauernd statt; siebe Belanni. madungen im Boito. ". Auch in den Städt. Fortbildungsschulen. Begin Diteber, April. 2. 21. 1. Angebote und Gesuche in den Tages zeitungen. 2. Auf Wunsch muß diese Tätigkeit im Zeugnis bestätigt werden.

Toft das Proletariat nur durch methodischen und flug abwägenden und 3000 Proz. Haben Sie jemals überlegt, wie lange Kleider/ Besuchen Sie die von der Rezirisorganisation beianstalteten Unterrichtss

Kampf in das Land des Sozialismus führen können, beweisen sie am besten dadurch, daß sie fehon jetzt mit aller Energie das allent­halben vorhandene Streiffieber bannen müssen.

Sozialdem. Wahlverein Teukölln S. P. D.

Den Mitgliedern traurige Nachricht, unfer Genosse

Hugo Litge

die

daß

18. Bezirt. 2. Abtg., plöglich verstorben ist. Chre seinem Andenken!

Die Beerdigung findet Dienstag, nachm. Uhr, vom Thomasfriedhof, Herr mannstraße, aus statt. Rege Beteiligung

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