Nr. 62336. Jahrgang
2. Beilage des Vorwärts
Kunst und Volksschule in Preußen.
-
-
Sonnabend, 6. Dezember 1919
tärischen Arbeitsgebietes. Die Bezirkskommandos werden zu Verforgungsstellen erster Instanz umgewandelt, über denen als zweite Instanz Versorgungsämter stehen. Bei dem Reichsarbeitsministerium ist eine große Abteilung für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene eingerichtet. Die wissenschaftlichen Einrichtungen der früheren Kaiser- Wilhelm- Akademie " bleiben erhalten und werden in den Dienst des Kriegsversorgungs- und Kriegsfürsorgewesens gestellt.
Landesdirektor v. Winterfeldt als Vorfizender des Reichsausschusses für Kriegsbeschädigtenfürsorge, wies darauf hin, daß auch in Zukunft die freiwillige Hilfsbereitschaft aller Schichten der Bevölkerung nicht werde entbehrt werden können.
Dann ergriff Reichspräsident Ebert das Wort zu Ansprache, in der er u. a. ausführte:
einer
In der preußischen Landesversammlung gab es am Freitag| machen. Es gibt kein Jahr der preußischen Geschichte, in dem die folgendes Zwiegespräch: Schulentwicklung solche Fortschritte gemacht hat, wie in diesem Abg. Hennig( U. Soz.): Wir erkennen den fortschrittlichen letzten Jahre der Republit. Auf diesem Wege muß die Regierung Geist des Ministeriums in Kunstangelegenheiten freudig an. Die fortschreiten und auch die Eltern zur Mitarbeit an der Schule tünstlerischen Bestrebungen der Arbeiterschaft, die Voltsbühne und heranziehen durch die Elternbeiräte. Dann wird die Schule die ähnliches müssen gefördert werden. Kunstbetrachtung ist der beste tatkräftige Förderin aller Volfskräfte sein.( Lebh. Beifall b. d. Soz.) Gottesdienst.( Beifall.) Deshalb berlangen wir Oeffnung der Abg. Gottschalt( Dem.): Damit sich zwischen Lehrern und Museen an Sonn- und Feiertagen in weitestem Umfange.( Beifall. Schülern ein Vertrauensverhältnis entwickelt, muß die ParteiDer Kultusminister nidt lebhaft zustimmend.- Und dann das Ge- politik aus der Schule fern bleiben. Wir berlangen von dem „ Die Fürsorge für die Opfer des Krieges betrachtet die Reichsschrei der Freiheit" über Raub der Sonntagsruhe des Personals! Minister auf das entschiedenste, daß er dafür sorgt.( Lebh. Zu regierung als ihre vornehmste Pflicht. Trotz der schwersten Red.) Die künstlerischen Kräfte der Staatsbühnen sollten im viel ftimmung.) Die Tätigkeit des Lehrers muß geachtet werden wie finanziellen Sorgen und der fast erdrückenden Lasten, die uns aufhöheren Maße den breiten Massen nukbar gemacht werden.( Bu- die selbständige Tätigkeit des Künstlers.( Beifall. Buruf: Leider gebürdet worden sind, darf das Vaterland feine Kämpfer und seine ruf des Kultusministers: Wir sind dabei! Kroll wird ausgebaut! gibt es aber viele Pfuscher! Heiterkeit.) Wir erklären uns für die Toten nicht vergeffen. Eine toblorganifierte weitherzige Fürforge, Säle werben gesucht! Beifall.) Das erkennen wir gern an. kollegiale Schulleitung, schon weil dadurch das Verantwortlichkeits- die jedem berechtigten Bedürfnis entspricht und die schwersten Wir verstehen den Wunsch nach deutscher Kunst, diese müßte aber gefühl der Lehrer gesteigert wird. Auch der höchste Vorgesezte Schäden des Krieges an Leben, Gefundheit und Arbeitskraft zu be international wirken.( Buruf des Kultusministers: Selbstverständ- nüßt dem Lehrer und den Schülern nichts, wenn der Lehrer nicht feitigen oder zu mildern sucht, ist das würdigste Dentma!, lich!) Auch die Kunst muß im Dienste der Völkerverbrüderung seinen allerhöchsten Vorgesekten hat in seinem eigenen Gewiffen. das wir für unsere Kämpfer errichten tönnen. Diese Fürsorge ift fteben; solche Bestrebungen würden wir bon ganzem Herzen unter- Lebh. Zustimmung.) Die Volksschule soll nicht zur geistigen aber nicht die nicht die Aufgabe der Reichsregierung allein. Das stützen.( Lebh. Beifall b. d. 1. Soz.) Demut erziehen. Vor allem nötig ist das wegen der Höherent- große soziale Hilfswert, an dem mitzuarbeiten Sie alle bea wicklung der Lehrerbildung.( Sehr richtig!) Bei der bisherigen rufen find, muß getragen werden bon den breitesten Lehrerausbildung fehlte die Bertiefung, obwohl wir trotzdem über Schichten unferes Volles; es muß eine Stütze finden an den Die Verschleppung wertvoller Kunstwerke ins Ausland ist ein einen Lehrerstand verfügen, auf den wir ftola fein tönnen.( Lebh. Regierungen der Länder, an den Selbstverwaltungskörperschaften, Verbrechen und soll verhindert werden. Die Preise bei der Zustimmung.) Der Lehrer darf nicht mehr von den eigentlichen den Berufsverbänden, den Kriegsbeschädigten und SinterbliebenenBalestrina- Aufführung waren zweifellos hoch. Dadurch, daß wir Bildungsquellen abgehalten werden. Deshalb verlangen wir für vereinigungen, fowie an den gemeinnüßigen Bereinigungen aller den Kriegsgewinnlern hobe Eintrittspreise für atvei Vorstellungen ihn Hochschulbildung. Frei und ungehemmt muß der Bildungs- Richtungen. Es ist dies eine Aufaabe, bei der fich alle abgenommen haben, konnten wir aber auch fünf weitere Balestrina strom dahinfließen, denen, die die Hochschule nicht besucht haben, hinten des Voltes, ohne Rüdfit auf BarteiVorstellungen zu sehr billigen Preisen stattfinden laffen.( Buruf muß sie in möglichst weitem Umfange zugänglich gemacht werden, anschauungen und politische Strömungen des Abg. Dr. Weyl( 1. Soz.): Aber die Premièren!) sie würden sich nüblicher machen als biele Studenten, die herum- fammenfinden sollen, ein Gebiet, wo sich ber einmütiae, tommt den Arbeitern zweifellos nicht auf eine gesellschaftliche bummeln und herumsumpfen.( Lebh. Beifall.) Ebenso wie vor Wille des Boltes zeigen und bewähren kann. Auf die MitSensation an, sondern auf das Kunsterlebnis.( Lebhafte Buftim- 100 Jahren ist in unserem Volk Hilfe aller Preise müssen mir auch in der Zukunft rechnen, ebenso mung) Den Wünschen auf Kommunalisierung und Dezentrali wie mir fie bisher gefunden und dankbar begrüßt baben." fierung des Theaterwesens schließe ich mich durchaus an. Die Wünsche des Abg. Hennig wares meist erfüllt, ehe sie ausgesprochen genommene Rede, gedeihen und uns den Weg zu neuem Möge das Werk", schloß Genoffe Ebert feine beifällig aufAufstieg bahnen!"
wurden.
Kultusminister Haenisch:
Es folgt das Kapitel
Volksschulwesen.
E2
Abg. König- Frankfurt( Soz.): Aufgabe der Boltsschulen ist die Wedung aller im Volte schlummernden Kräfte. Wir fordern bie Grundschule schon, weil es etwas Versöhnendes ist, wenn die Kin der aller Volksschichten in ihr zusammenleben. Dabei wird auch die Auslese der Tüchtigsten in durchaus zweckmäßiger Weise gefördert. Wenn das Biel infolge der finanziellen Notlage nicht boll erreicht werden kann, so wächst dadurch die Schuld derjenigen, die vor dem Kriege die Macht in der Hand hatten und Deutschland nicht als Volksstaat, sondern als
Staat der oberen Zehntausend
der Wunsch nach geistiger Erneuerung
entstanden. Die, die wir heute mit der Schulmappe ihren We ziehen sehen, sollen geistig und körperlich stark gerüstet für die bentsche Zukunft dastehen.( Lebh. Beifall links.)
Ein Schlußantrag wird abgelehnt. Weiterberatung Sonnabend 11 hr. Schluß gegen 8 Uhr.
Groß- Berlin
N
Hiermit endete die schlichte eier.
Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin.
Der am letzten Sonnabend unterbrochene Rednerkursus des Gen. H. Schulz wird heute fortgesetzt.
Zulagen für Unfallrentner.
Eine Stätte des Wiederaufbaus der Volkskraft. Eine monatliche Rulage von 20 Mart, rüdwirkend vom 1. DtDas bisherige militärische Versorgungs- und Satober 1919, erhalten Unfallverlette, die eine Rente von atvei Drittel nitätswesen ist an das Reichsarbeitsministerium oder mehr der Vollrente beziehen. Die Bulace ist bei der Berufsübergegangen und wird mit der sozialen Kriegsbefcha big- genossenschaft zu beantragen und kann nur verweigert werden, wenn ten und hinterbliebenen fürsorge im Haufe der der Berfeste fich als Ausländer im Auslande aufbält oder wenn früheren Kaiser- Wilhelm- Akademie vereinigt. Aus diefem Anlak Tatsachen die Annahme rechtfertigen, daß die Zulage nicht benötigt fand gestern an der neuen Wirkungsstätte des Arbeitsministeriums eine Eröffnungsfeier statt, an der auch der Reichepräsident, mehrere dürftigteit entschieden werden soll, ist um so bedauerlicher, als der Die lettere Bestimmung, nach welcher auch hier nach der BeReichsminister, Abgeordnete der Nationalversammlung und Vertreter ber Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenenfürforge teil- türliche Auslegung bätte burd näbere Definition unterbunden Begriff der Bedürftigkeit nicht näber ausgelegt ist. Eine will
auffaßten.( Lebhafte Zustimmung links.) Die Revolution hat auch endlich den Kindern der Dissidenten die Freiheit gebracht. Das Wolf verträgt die Freiheit durchaus, unser Vertrauen zur Mensch heit fann gar nicht groß genug sein. Für die Lehrerbildung in ganz Deutschland , die ja, nach der Reichsverfassung einheitlich ge ftaltet werden foll, müssen die Richtlinien des preußischen Unter- nahmen. richtsausschusses maßgebend werden. Die Vorbildung der Lehrer soll auf höheren Schulen erfolgen, die gleichzeitig auch der Vorbereitung für Juristen, Mediziner und andere Berufsarten dienen.
Die neue Schule muß im wahrsten Sinne des Wortes eine Arbeitsschule
fein, in der alle Kulturstimmungen zum Ausdrud kommen. Das Christentum hat die Aufgabe der Bölferverföhung nicht lösen fönnen, weil es fich in den Dienst des Kapitalismus gestellt hat. An feiner Stelle hat der Sozialismus die Aufgabe der Völkerverföhnung übernommen. Deshalb kann die Schule auch an dem Sozialismus nicht vorübergehen.( Große Unruhe rechts.) Wir fordern deshalb, daß die Vorkämpfer des Sozialismus im Geschichtsunterricht auch dem Kinde vor die Seele gestellt werden:
Jefus und Bebel,
( Bachen und Unruhe rechts und im Zentrum), diese beiden Männer, die aus den untersten Schichten des Volles emporgestiegen find. Der Erlah über die follegiale Schulleitung geht uns nicht weit genug. Wir wünschen weitestgehendes Vertrauen für die Lehrerschaft. Die Küfterdienste müssen unter allen Umständen abgelöst werden, ja, fie müssen dem Lehrer verboten werden. Durch die Aufbefferung der Behrergehälter ist ein altes Unrecht wieder gutzu
88]
Montrose.
Detektibroman von Sven Elvestad .
Das Gefängnisgeficht war auf dem Korridor im Vergoldeten Pfau" unmittelbar vor der Ermordung Strang' gefehen worden.
Alle diese Umstände, die fich aneinanderreihten, konnten unmöglich zufällig sein. Ferner war er vor 314 geflüchtet...( weil er ein schlechtes Gewissen hatte).
zum Husarenweg hinderte?
Jest tamen indessen die Widersprüche( so schlossen die Detektive). Sat Georges Charlie ermordet, weil er sich von der Bolizei hart bedrängt fand und weil Charlie seine Flucht Oder- batte Georges durch Zufall Charlie entdeckt und eine bestimmte Ursache gehabt, ihn niederzuschießen? Und welche besondere Ursache konnte es in diesem Fall ge
wesen sein?
Die Deteftive neigten letzterer Auffassung zu, obgleich Georges offenbar feinen Versuch gemacht hatte, den Ausgang durch das Haustor mit Gewalt zu erringen( das Hoftor war verschlossen, aber nicht verriegelt); er war geradewegs auf das geöffnete Fenster losgegangen. Charlie, der auf dem Sofa lag und las. fonnte leicht vom Hof aus gesehen werden.
Sier fügte Asbjörn Krag, während sie darüber hin und her sprachen, folgende allgemeine Betrachtungen hinzu:
"
wird.
müssen, daß Tatsachen vorliegen, nach denen der Verlegte die Zuwerden müffen. Allerdings wird die Berufsgenossenschaft beweisen lage nicht benötigt".
bei der Berufsgenoffenfchaft zu stellen. Wir raten den in Frage kommenden Verlegten, Anträge fofort
-
ansprache die soziale und volitische Bedeutung ber jegt erfolgten Reichsarbeitsminister Slide betonte in feiner BegrüßungsBufammenfaffung der gesamten Kriegsbeicädigten und hinter Bliebenenfürforge, die Notwendigkeit der Lösung diefer Aufgabe im Geiste des sozialen Verständnisies und der Ge rechtigkeit, die nunmehr gefchaffene Möglichkeit einheitlicher Ein betrügerischer Kohlenhändler hat in Charlottenburg Leitung und einheitlicher Grundfäße. Dr. Schweber, Ministerialdirektor im Reichsarbeitsminis lieferte er einer Frau für 12.40. 3wei Zentner" Kohlen, die mehrere Familien zu schädigen versucht. In der vorigen Woche fterium, sprach über" Der wiederaufbaugebante in der er auf den Sof schüttete. Eine Zählung ergab, daß er pro„ BentWiederaufbau unserer zusammengebrochenen Boltstraft müsse mit Kriegsberiorgung und Kriegsfürsorge". Der ner" nur 71 Kohlen geliefer hatte. Jebt wurde eine Wage geholt und der geschäftetüchtige Sohlenhändler mußte sich dann dazu. Arbeitsfreude beginnen. Alle öffentlichen Einrichtungen und mann jener Frau schreibt uns: Sollte es denn kein Mittel geben. der Wiederherstellung der Arbeitsfäbigfeit und bequemen, noch eine gehörige Portion Kohlen zuzulegen. Der GheGemeinschaften. Familie, Gemeinde, Staat, Kirche, Berufsvereine, gegen diesen Betrüger erfolgreich aufzutreten? Solchen Leuten Arbeitgeber, alle Boltsgenoffen bätten an dem Wiederaufbau teil- müßte von der Kohlenstelle für immer das Handwerk gelegt wer aunebmen. Die Versorgungsgefeßgebung sei unzu- ben." Gewiß gibt es ein Mittel, das zu erreichen: es besteht in länglich und müsse auf eine vollständig neue Grundlage einer Anzeige bei der erwähnten Sohlenstelle. Sie hat gestellt werden, wobei es nicht nur auf Erhöhung der Renten, die Macht, solchen Betrügern das Handwerk zu legen. Auf eine fondern auf eine Wenderung des Systems antomme. Für die Anzeige, die nicht anonym sein darf, sondern mit Namen und Wohfoziale Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenenfürforge feien mehr nung des Anzuzeigenden unterschrieben sein muß, schreitet sie ein. als bisher Reichsmittel bereitzustellen. Der Redner sailderte ein Siermit ist übrigens auch den anständigen Kohlenhändlern gedient, gebend die jetzt durchgeführte Entmilitarisierung des bisher mili- die keineswegs Luft haben, Betrüger in ihren Reiben zu dulden.
daß der Schußmann ihm auf den Ferien folgt. Daß er troß-| ander in Verbindung stehen, daß sie sich ineinanderflechten, dem entkommt, hat er dem Zufall, nicht seiner Geschicklichkeit wie die Blätter in einem Kranz. Was aber mag es zu bezu danken. Warum hat er diesen Mord verübt?" deuten haben, daß wir nichts von dem, was fommen wird,
Keller, der in den Rapport des Gefängnispredigers und ahnen, und daß Mordtat nach Mordtat unerwartet über uns das Protokoll über Fingerabdrücke vertieft war, hatte Strag nur hereinbricht? Das bedeutet nichts anderes, lieber Krag, als mit halbem Ohr zugehört. Jetzt blidte er auf.
tritt."
wenn Sie lieber wollen
-
daß wir noch vollkommen im Dunkeln tappen. Und in dieser verflucht hoffnungslosen Situation greifen wir in der Verzweiflung nach den finnlofesten Lösungen. Wissen Sie, was ich in dem Augenblick dachte, als ich die Spuren von den Fingern des Mörders auf Charlies Hemd sah?"
Sie dachten einen Augenblick," antwortete Krag, daß es die Spuren von Abbé Montroses Finger seien." " Ja", gestand Keller und blickte auf. Seine Stimme flang erregt, er fonnte kein Wort mehr hervorbringen. Der Gedanke Kurz darauf sagte er leise: ,, Sie lachen."
Ich habe mir immer borgestellt," fagte er, daß ein Wahnsinniger mit Mordmanie genau auf solche Weise aufEin Wahnsinniger," murmelte Strag, damit würde ja die Annahme, daß Georges an der Tragödie Montrose beteiligt ist, fortfallen. Außerdem ist es ein alter Aberglaube, daß Wahnsinnige mit Mordmanie auf solche Weise auftreten. Wenn es Georges Absicht oder instinkt gewesen ist, des Mordes wegen zu töten, dann wäre allein ließ sein Blut erſtarren. fein es wahrscheinlicher gewesen, daß er mit dem Nevolver in der Hand dem Schußmann entgegengetreten wäre, der ihn verfolgte. Nein, ich glaube bestimmt, daß Georges die ganze Zeit bei vollem Verstand gewesen ist. Anfangs ist es nur seine Ab- aus er den Sinterhof von Arnold Singers Haus erreichte, hat er sicht gewesen, dem Schußmann zu entkommen; dann aber, als durch das offene Fenster Charlie gesehen und von einer momentanen Eingebung getrieben, hat er gehandelt." Welche Eingebung?" fragte Seller.
-
" Die Eingebung, die einen Menschen ergreift, wenn er fieht, daß er endlich am Ziel ist."
Meinen Sie, daß Charlie das Ziel war?" ,, Charlie zu ermorden war Georges Ziel." ,, Warum hat er ihn dann nicht früher getötet?" ,, Weil er ihn früher noch nicht gefunden hatte." Meinen Sie, daß er sich in unserer Nähe herumgeschlichen weil er glaubte, Charlie in unserer Gesellschaft zu finden?" Darauf antwortete ng nicht. Er zuckte nur die Achseln eine Geste, die bedeuten lann, daß man nichts weiß und daß man sehr viel weiß.
Alles deutet darauf, daß Georges durch eine Reihe von Bufälligkeiten auf den Hof von Arnold Singer gelangt ist. Da er die ganze Zeit vom Schußmann verfolgt wurde, hat er sich von Straße zu Straße und schließlich von Hinterhof zu Hinter- bat, hof geschlichen. Er fannte natürlich die Schleichwege durch das alte Viertel, das die Himmelsgaffe bom Husarenweg trennt. Er wußte, daß er durch das Tor von Arnold Singers Haus auf den Husarenweg gelangen fonnte. Als er aber auf den Hof fam, erblickte er durch das offene Fenster Charlie, der im Bimmer auf dem Sofa lag. Er vergißt seine eigene gefähr- ,, Es ist sonderbar," fuhr Keller fort, während wir uns liche Bage, vergißt, daß er sich durch das Tor retten tann, er mit der ursprünglichen Affäre beschäftigen, Abbé Montroses wird von einer plöglich auftauchenden, alles beherrschenden rätselhaftes Bersamvinden, dringt das eine unerwartete ErzigIdee erfaßt, daß er nämlich den Mann, der dort liegt, er- nis nach dem andern auf uns ein. Kaum aber find die Ermorden will. Und er führt seine Absicht aus, obgleich er weiß, eignisse eingetroffen, so zeigt es sich, daß fie allesamt mitein
Warum aber mußte Charlie fterben?" Dieselbe vielfagende oder nichtssagende Geste.
"
Krag wurde wieder ernst. Er fuhr zusammen, als ob er tiefen Grübeleien geweckt worden sei.
XXVII. Die Jagd.
Dies Gespräch fand in Sellers privatem Stontor in der Detektivabteilung statt: Während der letzten Minuten hatten elektrische Gloden unaufhörlich in den angrenzenden Zimmern geläutet.
Krag ging zur Tür.
Die Polizeibehörden fangen an zu telephonieren, wie es scheint", sagte er, indem er seine Uhr zu Rate zog.„ Wir können jetzt die ersten Berichte erwarten."
Er nickte und schickte sich zum Gehen an, befann sich aber wieder.
Nein, ich habe nicht gelacht", sagte er. ,, Das fam mir doch so vor," antwortete Keller, es war aber auch ein wilder Gedanke von mir."
Sie haben recht", sagte Strag. n einet Bage wie dieser verfällt man auf die merkwürdigsten Ideen, und es war nicht meine Meinung, Sie mit Hohn zurückzuweisen. Ich muß gestehen, ich wußte nicht einmal, was Sie sagten; ich hörte nur den Klang Ihrer Worte. Und wenn ich den Mund ein wenig berzog, bedeutete es nur, daß ich in Betrachtungen vertieft vor mich hinlachte, so zerstreut, als ob ich ferne Musik hörte." Borts. folgt.)