Nr. 94. 37. Jahrg.
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Sozialdemofrat Berlin".
Abend- Ausgabe.
Vorwärts
Berliner Volksblatt
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Freitag, den 20. Februar 1920.
Zur Revision des Friedensvertrages.
Eine offfziöse englische Stimme.
Somogyis Ermordung.
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Berlin , 20. februar.( WTB.) Die mitunter offiziös Wie in der heutigen Morgenausgabe des Vorwärts" bereits inspirierte, e ft minster Gazette" vom 11. Februar 1920 er gemeldet wurde, ist der ungarische Genosse Béla Somogyis, klärt in der Frage der Revision des Friedensvertrages u. a.: Der verantwortlicher Redakteur unseres Parteiorgans" Népzawa", in Bertrag enthalte viele Borkehrungen, besonders solche, die Ungarn als Opfer eines Meuchelmorbes, verübt von weißen Terrofich auf den Schadenersas beziehen, die zugestandenermaßen nicht risten, erlegen. Genosse Somogyi diente jahrzehntelang mit burchgeführt werben können. Er wird wieder burchgefehen großem Eifer der Sache der Arbeiterschaft; mit ausgezeichnetem werden müssen, und je cher diese Arbeit begonnen wird, defto beffer Wissen und mit bedeutenden schriftstellerischen Fähigkeiten führte für Europa ... Die Sache ist einfach bie, bas das wirtschaftliche er den Stampf gegen jede Art von Unterdrückung in Ungarn . Den Die Sache ist einfach die, daß das wirtschaftliche kommunistischen Methoden abhold, nahm er in der Kommunisten Leben Europas wieder auf eine gesunde Basis zurüdgeführt werden wirtschaft in Ungarn feinen Teil; er zog sich in jener Beit vom muß. Die wirtschaftlichen Bestimmungen des Bertrages stehen nicht Barteileben gänglich zurüd. auf berselben.
Frankreich und die Kohlenfrage. Baris, 19. Februar. ( W. T. B.) Sea mmer. Bei der Debatte über die Koblenfrage erklärte der Minister für öffentliche Arbeiten, Deutschland habe im Januar mur 497 000 Tonnen geliefert, im Februar durchschnittlich nur 28 000 Tonnen pro Tag. Deutschland reipettiere die Berpflichtungen nicht, bie es eingegangen fei. Es schulde Frankreich monatlich 1889 000 Tonnen. Er erklärte, daß er mit dem Ministerpräsidenten einig sei, daß man in dieser Frage Deutschland nicht nachgeben werde. Der Antrag eines fozialistischen Abgeordneten, eine Enquete Commission über die Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter, über den Rußen der Bergwerksbefizer und über die Frage der Nationalisierung der Bergwerfe einzufegen, tourde mit 442 gegen 187 Stimmen abgelehnt und fchließlich eine Tagesordnung an
genommen, die Kenntnis nimmt von den Erklärungen der Regierung, aber auch gleichzeitig verlangt, daß Deutschland feine Berpflichtungen hinsichtlich der Kohlenlieferungen restlos erfüllt.
wurden.
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Die Betriebsrätewahlen.
Der Kampf um das Betriebsrätegeset, gegen die Unternehmer, die ihre Diftatur im Betriebe aufrechterhalten wollten, und gegen die linksradikalen Parteien, die die ,, revolutionäre" Räte diktatur vertreten, ist durch Annahme des Gesetzes beendet. Auch wir Sozialdemokraten, die wir grundfäglich auf dem Boden des Betriebsrätegedankens stehen, find feineswegs von diesem Gesetz voll befriedigt und erfennen klar feine Fehler und Mängel. Gerade deshalb aber müssen wir mit verdoppelter Kraft an der Durchführung des Gesepes arbeiten, um die gegebenen Rechte bis zum letzten Rest auszunuzen und mit dieser restlosen Durchfüh rung gleichzeitig den Kampf um den Ausbau des Gefeges aufzunehmen.
Nach dem Gesez und der Wahlordnung müssen die Wahlen Nach dem Stura der Rätediftatur, als die fiegreiche Reaktion fpätestens am 24. März 1920 vorgenommen werden. Sollen ihren Einzug feierte, trat Genosse Somogyi tapfer für die Ar- diese Wahlen einen vollen Erfolg der auf freigewerkschaftbeiterschaft, zu deren Unterbrückung der abgewirtschaftete Rommu- lichem Boden stehenden Arbeitnehmer bringen, so muß nismus nur einen guten Bortvanb geliefert hatte, ein. Er wurde ohne Beitverlust an die Vorbereitungen herangegangen berhaftet, im Gefängnis arg mißhandelt, und als man ihn freiließ, werden. Auch die Unabhängigen und Kommunisten fand er sich aus seiner Wohnung inzwischen durch Weißgardisten haben inzwischen ihre zuerst scheinbar undersöhnliche besetzt-verdrängt. Und nun ist er eben diesen Kreaturen der Gegnerschaft fallen gelassen und beschließen überall, sich mit christlichen Moral" zum Opfer gefallen. bollster Kraft an den Wahlen zu beteiligen. Insofern haben Die ungarische Regierung sah sich veranlaßt, ihrer Ent- sie die alte sozialdemokratische Taktik noch nicht ganz verrüstung" über den Fall Ausdrud zu geben. Aber auch wenn diese Entrüstung aufrichtig sein sollte, wäre es bei den' heute in Ungarn herrschenden Machtverhältnissen nicht möglich, die Mörder zu verfolgen und zur Verantwortung zu ziehen. Die militärische Schredensherrschaft ist unbeschränkt, und ihr Herrschaftsmittel ist der Mord.
Die serbische Ministerkrise.
lernt, daß man bei der Schaffung gefeßlicher Organisationen zur Vertretung von Arbeitnehmerinteressen um ihre möglichste Ausgestaltung aufs äußerste kämpfen, wenn sie aber geschaffen find, in ihnen mitarbeiten muß. Und es sind weifellos nicht nur agitatorische Gründe, welche die Unabhängigen und Kommunisten zu einer Beteiligung an den Wahlen beranlassen. In erster Linie werden sie sicher ver fuchen, burch eine möglichst starte Vertretung in den BeBaris, 19. Februar.( 3. T. B.) Nach einer Sabasmelbung aus triebsräten eine fachliche aufbauende Arbeit derfelben zu Belgrab ift es Besnitich nicht gelungen, ein Rabinett au bilden. berhindern, so die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer zu Der Bringregent hat Stoyan Protits mit der Kabinettsteigern und ihnen das Eintreten für die Rätebiktatur zu bildung beauftragt. fuggerieren. Gelingt das aber nicht, so haben sie auf jeden Fall den Wunsch, einen möglichst erheblichen Teil der Macht der Betriebsräte für sich zu gewinnen. Jedenfalls liegt in der Wahlbeteiligung der Unabhängigen und Kommunisten ein flares Anerkenntnis der Bedeutung dieser Organisation.
Friedensschluß im russischen Bürgerkrieg hält er für eine Piychologische und politische Unmöglichkeit.
welche Folgerungen er aus ihr zieht. Daß eine militärische Intervention nicht mehr in Frage komme, gibt er selber zu. Hamburg , 20. Februar.( Eigener Drahtbericht des„ Borwärts".) Dafür, daß er die Fortsetzung der Drahtzaunpolitik Cle Nachdem der Reichswehrminister Noste Donnerstag nach menceaus wünscht, bietet sich fein Anhaltspunkt, es wäre mittag mit dem Senat über die politische Lage beraten ja auch unmöglich, daß ein nationaler russischer Politiker für hatte, sprach er am Abend vor 3000 Funktionären und Betriebs- bie Blockade feines eigenen Vaterlandes einträte. Für räten der Sozialdemokratischen Partei. Seine fast aweistündigen Aus- möglich und dringlich erforderlich" hält er aber die reich führungen waren eine ausführliche Begründung der heutigen fiche finanzielle und moralische liche finanzielle und moralische Unter Politik der Regierung, die von den Versammelten oft zustimmend stü ung der russischen antibolschewistischen Bewegung durch unterrbochen und zum Schluß von stürmischem Beifall begleitet die Silfsmittel der abendländischen Demokratien". Den 3ur inner politischen Lage sagte Noste, daß der Ge. fundungsprozeß erst am Anfang stehe, und wenn er über. Herr Hessen fordert also die finanzielle und moralische haupt noch gelinge, nur ganz allmählich vor sich gehen würde. Biele Unterstüßung einer fämpfenden Bartei im russischen Bürger Menschen seien sich noch nicht flar, daß wir an einem Abgrund Menschen seien sich noch nicht klar, daß wir an einem Abgrund stehen, der uns jeden Augenblid verschlingen tann. Demgegenüber triege. Würden wir diese gewähren, so würden wir aber fei natürlich auch eine völlige Umstellung der Politik nötig, und auch genau dasselbe tun, was wir der Sowjetregierung bis. die Parteigenoffen müßten sich damit abfinden. Ich selbst habe, her vorgeworfen haben und was wir uns nicht gefallen lassen wollen. Fördern wir die antibolschewistische Erhebung in jagte Noste, im Holzarbeiterverband viele Streits ge- Rußland , so wird Rußland selbstverständlich die boliche leitet, um bessere Löhne und fürzere Arbeitszeit zu erzielen. Wer aber heute in diefer Not bei achtstündiger wistische Erhebung bei uns fördern und dann ist der beitnehmerorganisationen grundfäßlich als gleichberechtig Arbeitszeit nicht fleißig die Hände rührt, der verdient hin- Motor des Wagens angekurbelt, der uns in sausender Fahrt ausgeworfen zu werden. Noste sprach hier von bitteren Erfahrun in neuen Bürgrfrieg und Völkerkrieg führt. gen, die er gerade auf den Werften gemacht habe. Er habe auf Das Berliner Tageblatt" bemerkt dazu auch, daß der Reichswerft Leute mit den Händen in den Taschen herumstehen Deutschland die von Heffen geforderte Unterstützung nicht fehen und dem verantwortlichen Leiter gesagt, daß er ihm befehle, gewähren könne, zumal es das russische Problem im Rahmen wer nicht die acht Stunden arbeite, sofort zu entiassen. der Gesamtpolitik betrachten müsse. Es bleibt danach also Zum Aufbau bez republikanischen Heeres fagte gar nichts anderes übrig als der Versuch, Nußland wie Roste, er toerde am 1. April das erstemal 15 000 bis 16 000 Mann, jeden anderen Staat zu behandeln, den Frieden mit ihm neue junge Leute, einstellen fönnen. Da follten die Parteigenossen auf die Basis der gegenseitigen Nichteinmischung zu stellen dafür sorgen, daß nicht nur wieder die Söhne der Gutsbesiger und den wirtschaftlichen Verkehr mit ihm wieder aufzuneh. und Rapitalisten fämen, sondern sie sollten auch ihre Söhne hinschicken. Das Privileg der besitzenden Klasse auf die Offi. aiersposten werde ich ausrotten. Ich werde keinen Mann als Offizieraspiranten annehmen, sondern nur Leute befördern aus Rücksicht auf ihre Tüchtigkeit, gleichviel aus welchen Streifen sie
stammen.
Wir und Sowjetrußland.
Heffen und Kopp.
men. Dann bleibt die Soffnung, daß sich auf dem Wege friedlicher Entwicklung ein allmählicher Ausgleich der Ggenfäße einstellen wird.
Deutschland kann dem bolfchemistischen Rußland gegenüber keine andere Politik treiben als die, die es auch einem menschemistischen oder kadettistischen Rußland gegenüber treiben würde. Wir wollen mit dem ruffifchen Bolf in Frieden und Freundschaft leben und müssen es ihm überlassen, jeine Regierungsformen selber zu bestimmen, so wie wir die unseren selber zu bestimmen wünschen.
Klage bes Revolvermannes. Serr Generalleutnant
Wir sozialdemokratischen Gewerkschaft. Ier gehen mit ehrlicheren Absichten an die ersten Wahlen ber Betriebsräte heran. Für uns kommt es darauf an, alle Rechte, die das Gesetz den Betriebsräten einräumt, nicht nur restlos auszunuzen, sondern sie überall da, wo die Stärke der Organisation das möglich macht, auf dem Wege tariflicher und sonstiger vertraglicher Vereinbarungen weiter auszudehnen. Die Betiebsräte werden den Arbeitnehmern einen bisher nicht vorhandenen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Betriebe und einen erheblichen Ueberblick über die Produktion geben. Nur wenn fie mit dem ernsten Willen, sich in diese Verhältnisse hinein. auarbeiten, an ihre Arbeit herangehen, werden sie dadurch bie Grundlage schaffen fönnen für einen weiteren Ausbau der Betriebsräteorganisation und für die Soziali. sierung unserer Wirtschaft. Daneben erkennt das Gesetz die Betriebsräte in Gemeinschaft mit den Arten Faktor bei der Regelung der Arbeitsbedingungen an. Wenn an einzelnen Stellen diefe Gleichberechtigung nicht mit der wünschenswerten Eindeutigkeit zum Ausdruck gefommen ist, so dürfen wir nicht vergessen, daß die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Arbeitnehmer weniger von der Form solcher Gefeßesbestimmungen als vielmehr von der tatsächlichen Macht abbängig ist, die sie durch ihre Wenn aber der Organisationen ausüben fönnen. Einfluß der Betriebsräte nur auf dem festen und breiten Fundament der starken gewerkschaftlichen Einigkeit aller Arbeitnehmer sicher aufgebaut werden fann, so beweist diese Tatsache wieder am Klarsten die Arbeiterfeindlichkeit der parteipolitischen Bersplitterung, wie sie von den Anhängern der u. S. P. und K. P. in den Gewerkschaften betrieben wird.
Sollen die Betriebsräte zu einem mächtigen Bollwerk im Kampf der Arbeitnehmer um angemessene Lohn- und Arbeitsbedingungen, um den Ausbau und die Durchführung der Sozialpolitik und weiterhin um die Sozialisierung der wirtschaft werden, so muß die auf wirklich gewerkschaftlichem Boden stehende Arbeitnehmerschaft ihre ganzen Kräfte anDer Zufall fügt es, daß das Berliner Tageblatt" heute spannen und zusammenfassen, um in ihrer Hand die ganze morgen eine Unterredung seines Mitarbeiters Hans Vorst Macht der Betriebsräte zu fonzentrieren. Der Kampf gegen mit dem bekannten Kadettenführer J. V. Seffen ber- be a Chevallerie, der gedroht bat, jeden niederauschicken, Gelbe und Harmonie- Verbände, gegen Organisationen, die öffentlicht, die ein interessantes Gegenstück zu unserer Unter- fo ihn der Entente ausliefern wolle, läkt es vorläufig beim Kabi nur eine Schustruppe der Unternehmer sind, auch dann, redung mit dem hiesigen Sowjet- Bertreter Wigdor Kopp Bortvärts" Privatffage erhoben habe, weil wir sein Heldentum legen( wie zum Beispiel die bürgerlichen Handlungsgehilfenbewenden und verkündet in der Kreuz- Reitung", daß er gegen den menn fie fich fälschlicherweise den Namen Gewerkschaft" beinicht gebührend ernit genommen haben. Herr Seffen erblickt in den Versicherungen des Sowjetberbände), ebenso aber auch der Kampf gegen die syndika. Maifeier in Frankfurt . Der Parteivorstand der Sozialdemolistischen Bertreters Rußland wolle auf die bolichewiftische Auslands- fratischen Bartei Grok- Frankfurts beſchloß, ben 1. mai 1920 nach liftischen und fommunistischen Betriebs, Industrie- und fon propaganda verzichten, weiter nichts als eine diplomatische den Vorschlägen des Parteivorstandes durch völlige Arbeitsruhe auftigen Organisationen muß daber bei diesen Wahlen für die Finte und eine Berhüllung der ungeheuren Gefahr, mit der feiern. Bormittags finden Massendemonstrationen statt, nachmit. freien Gewerkschaften in erster Linie stehen. Maßgebend für der Bolichewismus ganz Europa bedrohe. Angenommen, tags follen im gesamten Stadtgebiet und in den Vororten Feftver- die Auswahl eines Kandidaten soll nicht seine politische Gediese Voraussetzung fei richtig, so ist es interessant, au sehen, anstaltungen abgehalten werden. finnung sein, sondern seine Fähigkeit und sein Wille, im Be
bildet.
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