Nr. 113 37.Jahrgang
Beilage des Vorwärts
Prozeß Erzberger- Helfferich.
( Schluß aus der Abendausgabe.)
euge Minister Giesberis gibt weiter an, daß er auch nach der Juliresolution im Sommer 1917 im Rheinland aufmunternde Reden gehalten hat, um die Volfsstimmung zu heben. Selffe rich: Nun zu etwas anderem. Wissen Sie nicht, daß diese Indis. fretionen mit auf Herrn Erzberger zurückzuführen sind?
-
-
-
-
3euge: Nein. Selfferich. Ich habe hier einen Brief, der an den Generalfeldmarschall v. Eichhorn von einem Fräulein Anna Rechberg, die mit Herrn Erzberger befreundet war, ge schrieben ist. In diesem heißt es u. a., daß die Resolution für später unverbindlich sei. Vors: Wir wollen hier doch nicht den politischen Wert der Resolution erörtern. R.-A. A 13 berg: Wir wollen hier zeigen, daß der Herr Nebenkläger ein unehrliches Spiel getrieben hat. Erzberger Gs fommt nun zu ( erregt auffpringend): Das verbitte ia) mir. ciner sehr heftigen Auseinandersehung zwischen den beiderseitigen Rechterertretern, die der Vorsitzende schließlich mit den Worten abtuf, die Herren möchten das doch außerhalb der Sibung erledigen. R.-A. Isberg: Warum hat der Herr Nebenkläger nicht deg Aussage des Freiherrn v. Stein widersprochen?- Erzberger : Weil für die Resolution verschiedene Gründe mitsprachen. Ich verbitte es mir, daß ich hier so sch ver beleidigt werde. Ich bin stolz auf meine Resolution.( Große Seiterfeit im Bublifum und Burufe.)- Vorf( sehr errept): Justizivachtmeister, haben Sie gehört, wer hier gerufen hat? Wenn das noch einmal vorkommt, dann werde ich mit Haftstrafen einschreiten. Wir sind doch hier nicht im Theater. R- A. Alsberg: Herr Zeuge, ist es richtig, dak am Mittwoch nach der Resolution Herr Erzberger noch gefragt bahen foll ob man Bethmann Hollweg nicht halten könne? 3euge: Jawohl.
-
-
Minister David als Zeuge.
Sierauf wird Staatsminister David als Zeuge aufgerufen. Minister Davis fact aus: Scheidemann und ich hatten den ReichsKanzler v. Beihmann Hollweg aufgesucht, um von der Regierung eine Erflärung zu fordern, die sich gegen die Annexion aussprach und für Demokratisierung im Innern. Wir führten fuäter dann weiter aus, daß wir für die Demokratisierung im Snnern weitgehende Rugeständnisse von der Regierung erwarteten. Die Situation fei deshalb fo gefährlich, weil wir deutlich sehen, daß die Stimmung der Maisen eine äußerst gebrüdte fet. Die Regierung zeigte uns aber feinerlei Entgegentommend verlangte auch, daß die Oberste HeeresIei tung na Perlin tommen und hier mit den Parlamentariern in difte Barkandlungen treten folle. Ich machte dabei darauf aufmerfiam dab es nicht anzärain fei, das zwischen dem Meistag und der Cheriton Sheersleitung fein unmittelbarer Kontott bestände. ir wünschten ftets über die Rege an der Front orientiert zu fein, anbererfeit molten mir die Oberite Secresleitung über die Stim muna im Innern auffären, mir molten sie darruf aufmerfiom cheat, daß die Stimmung derect fei bak mir bei dem geringsten naf leicht in die atastrophe hinein geraten fönnten. In der Hautausschusfikung am 3. ibrach zum erstenmal& bert über die Paae. Er sprach auferordentlich ernst und sagte, das Bolt habe das Vertrauen zur Regierung und zu allen Regierungserflärungen verloren. Um zweiten Tage forach Noste, der ausführte, die Regierung gehe dem Abgrunde entgegen, weun fie nicht unfere Vorschläge annehme. Bethmann Hollweg jei ein guter Beamter, aber ein unseliger Bauderer. Noch schärfer sprach der Abg. Soon, der die Revolution an die Wand Amalte. Wir betrachteten die Strife, wie schon gejagt, als sehr erift. Das Auftreten Erzbergers im Hautausschuß war für uns von größter Bedeutung, weil uns damit vlöblich die Ausficht eröffnet wurde, nun im Reichstage eine Mehrheit für uniere Friedenspolitik zu finden. Ebert verlangte sofort Auffebung der Shung und eine Aussprache mit der Obersten Heeresleitung. Uns war die Rede Erzbergers
120
geradezu eine Erlösung.
Helfferich: Minister David hat die eine Seite der Berhandlungen dargestellt. In der Budgetkommission bin ich den Sozialdemokraten mit größter Entschiedenheit entgegengetreten. Ebert
39]
Jan Krebsereuter.
Seine Taten Fahrten und Meinungen. Aufgezeichnes von Hans Müller- Schlößer.
-
-
Dienstag, 2. März 1920
-
Zum Fall der Kali Mineral- Delgesellschaft wird Frau Groß.pietsch( Hannover ) vernommen. Sie gibt an, der Geschäftsführer Rippel habe ihr erklärt, daß Herr Erzberger bereits 10 000 Mart Reingewinn erhalten habe. Erzberger erklärt, er habe in diese Gesellschaft kein Geld hineingesteckt und sei durchaus uninteressiert. Zum nächsten Fall„ Ein- und Ausfuhrgeschäfte" mird Generaldirektor Rotter vernommen. Generaldirektor Rotter jagt aus: Bei einer Zusammenkunft mit Vertretern der kaufmännischen und Textilfabrikantenverbände in Bern machte der Vertreter des Reichskommissars für Ein- und Ausfuhr die Mitteilung, die rätselhafte Ein- und Ausfuhr kläre sich dadurch auf, daß auf Veranlassung des Abgeord neten Erzberger das Auswärtige Amt Gin- und Ausfuhrscheine bewillige.
erklärte, wir könnten nicht mehr, und jeder Friede sei besser als die Bertschung des Krieges. Ich erwiderte, wenn wir gezwungen seien, jebt Frieden zu machen, so müßten wir einen Unterwerfung frieden annehmen, der für uns und unsere Kindeskinder Minister David: Ich möchte den mir geSklaverei bedeute. machten Vorwurf der Einseitigkeit zurüdweisen. Ich habe auf Befragen mur die Stellung der Sozialdemokratischen Partei zu den Vorgängen im Hauptausschuß geschildert. Helfferich: Wuzte der Herr Zeuge, daß Erzberger dem Reichskanzler die Absicht eines 3euge: Nein. Helfferich: Vorstoßes mitgeteilt hatte? Hierauf erfolgt die Vernehmung des inzwischen erschienenen ist in der Sozialdemokratischen Partei eine Probe abstim Der Minister sagt mung über die Nichtbewilligung der Kredite vor- württembergischen Ministers Baumann genommen worden? David: Es handelte sich um eine Sibung aus: Maßgebend war für uns, daß wir Kredite in der Schweiz des Parteiausschusses, in der man die Bewilligung der Kredite von belamen. Bei allen Verhandlungen, die wir führten, ist die Frage Vors: einer Erflärung der Regierung über ihre Uninteressiertheit an einer einer Sanierung des Dr. Dent nicht erörtert worden. Annerion abhängig machte. Helferich: Wissen Sie, dak Herr Ein Einwirken Erzbergers auf das Zustandekommen des Vertrages Beuge : Nein. Hierauf wird noch 8euge: Das ist also nicht erfolgt? Erzberger den Sturz Bethmann Hollwegs wollte? Rechtsfonnte ich nicht annehmen, da die Friedensresolution Herrn v. Beth- einmal Regierungsrat Seibold vernommen. mann, wenigstens ihrem Inhalt nach, nicht zum Sturz bringen anwalt Alsberg zum Reugen Seibold: Bei welchen Einfuhrfonnte. Die Resolution selbst ist entworfen in einer Be- geschäften hat sich Dr. Denk der Hilfe Erzbergers bedient? [ prechung der vier Parteien. Es wurde ein Unteraus- 3 euge: Es handelte sich um drei Einfuhr bewilligun= schuß gebildet, dem Gothein, Richthofen, Erzberger gen in Höhe von insgesamt 2 650 000 Frant. Ich fand diese Beund ich angehörten und dem die Formulierung der Resolution willigung sehr anormal. oblag. Der Wortlaut wurde von den vier, später drei Parteien gebildet..
-
Sierauf tritt eine furze Mittagsnaufe ein.
-
Nach der Mittagspause gibt der Vorfiende folgende Gr flärung ab: Ich möchte den Angeklagten nochmals bitten, alle periönlichen Sachen zu unterlassen. In der Oeffentlichkeit entsteht dadurch der Gindrud, als ob ich Em. Erzellenz zu viel gestatte und der Eindruck der Unparteilichkeit wird dadurch be einflußt. Daß ich nicht parteiisch bin, fann ich wohl für mich in Anspruch nehmen. Ich bitte, mich nicht zu zwingen, daß ich mit Ordnungsstrafen eingreifen muk."
Erzellenz Selfferich erklärt hierauf, daß er sich gern den Anordnungen des Vorfißenden fügen wolle und daß sein Temperament ihn nur manchmal zu Heftigkeiten hinreiße.
Erzbergers Vorentschädigungen.
Es wird hierauf nochmals in die Grörterung des Falles Dele und Fette" eingetreten. Es wird daher zunächst Reichsernährungsminister Schmidt vernommen. Auf Befragen des Vorfizen den erklärt der Minister, er babe nicht das Gefühl gehabt, daß es sich um eine Sonderzuwendung für die Firma Denk handelte. elffericht dem Serrn Pergen bielleicht beannt, daß die Vorentschädigung für die Reeder in Höhe von anderthalb Millionen von Serrn Erzberger unterzeichnet worden ist?- 8euge: Ob Herr Graberger unterzeichnet bat, Selfferid: Ich möchte den Herrn Nebenweiß ich nicht. fläger fragen, ob es richtig ist, daß noch, während dieser Prozeß hier schwebt, zu Sänden des Herrn Generaldirektors Rabes bom Thyssen- Konzern der Betrag von 400 millionen Mart als Vorentschädigung für den Ausfall der Lothringischen Gruben vom Reichsminister Grzberger gezahlt worden ist, obwohl die Verhandlungen mit der Regierung darüber noch nicht zum Abschluß gelangt sind? Erzberger: Ich glaube nicht als Reichsfinanzminister darüber Auskunft geben zu müssen. Zu welchem Thema soll denn diese Frage gehören? Rechtsanwalt Alsberg : Rum Thema„ Bevorzugung". Erzberger: Ich erkläre, daß ich nie irgendeine Bevorzugung ausgeübt habe. Ueber Ginzelheiten kann ich nicht aussagen. Es handelt sich nicht um die Firma Thyssen allein, sondern um alle lothringischen Firmen. Das zuständige Reffort ist das Reichsamt des Innern.- Selfferich: Warum sind diese 400 Millionen ganz plöblich und überraschend an Direktor Rabes gezahlt worden, der gar keinen Auftrag hatte,| fie entgegenzunehmen? Die Verhandlungen zwischen den-lothringischen Interessenten und der Regierung sind ja noch gar nicht abgeschlossen. Erzberger: Es handelt sich um etwa 16 Firmen, die ein Konsortium gebildet haben. Das Gesamtkabinett hat sich mit der Frage beschäftigt und hat die Aftion bewilligt.
-
-
-
-
-
He, Fräuke!" rief er ihr zu und hielt das Waschblau. Rügelchen hoch ,,, he, ich hab' mich selber bedient. Ich wollt Euch dat bloß fagen, dat Ihr es wißt, wenn Ihr es vermißt!" Die Frau sah ihn dumm an, drehte sich langsam um und schlürfte wieder in den Laden.
Der Junge riß sich los und verfekte Krebsereuter bli brummte er, stellte sich in einen Torweg und zog sich den Mariajosef, wat sind die Leut' hier harthörig!" schnell einen Schlag auf die Nase und rannte hohnlachend Strumpf bom rechten Fuß, nahm das Blaufügelchen und bemalte das Fußgelenk. Dann zog er den Strumpf wieder an und ging weiter.
davon.
Krebierenter taumelte zurück und fing heftig an zu niesen. Wie er aber seinen Gegner laufen jah, jette er ihm nach und schimpfte erbost:
Du, Knickstiefel! Du, Schinder- Nas! Du, Satans. fnoch'! Du, dreckiger Holländer!"
Als er ihn eingeholt hatte, schvang er das Martinez und ließ es dem schreienden Jungen auf den Kopf niederjausen. Im selben Augenblide aber dachte er daran, daß er Eier im Netz hatte, doch der Schlag ließ sich nicht mehr aufhalten. Ein Klatsch- und der gelbe Dotter lief dem Jungen an beiden Seiten des Kopfes herunter.
Strebiereuter bejah verblüfft abwechselnd das Martinez mit den zerbrochenen Giern und den Jungen, der sich hohu lachend die gelbe Brühe mit dem Rodärmel aus dem Gesicht puzte und davonlief.
Arebiereuters But verflog augenblicklich.
Gott o Gott , o Gott!" murmelte er betrübt. ,, Dat wird einen schönen Empfang geben beim Schiffer! Der reißt mir den Kopp ab!"
Ratlos blidte er umher und bemerkte, daß es schon anfing, dunkel zu werden. Langsam, sehr langsam ging er zurück und dachte nach, was er feinem Schiffsherrn als Aus rede für sein Busrätkommen und für die zerbrochenen Eier jagen sollte. In tiefem Nachfinnen blieb er vor einem Flei nen Spezereilädchen stehen und stierte durch die bleigefaßten grünen Scheiben. Plöblich hab er die Augenbrauen bis an Sen Kappenrand und pfiff leise. Darauf trat er in das Lädchen.
Niemand war drinnen.
Krebiereuter machte ein baarmal ,, ehö hm", aber keiner fam. Gr florfte auf den Tisch, aber nichts rührte sich. ,, Oh," dachte er ,,, menn hier fein Mensch ist, dann muß man sich selber bedienen."
Naam aus einem Glase, das auf der Theke stand, ein Rügelchen Waschblau und ging wieder. Sinter fich hörte er jemand heranschlürfen, und als er schon fünf Schritte auf der Straße mar, sah er in der Tür eine rundliche und ältliche Frau stehen, die suchend umherblickte.
Als er wieder onder de Boomjes tam, brannten schon die in langer Reihe stehenden Dellaternen. Krebsereuter holte tiel Atem und fing an, auf dem rechten Fuße ganz täuschend zu hinken.
Der Schiffer stand auf Ded und erwartete ihn. ,, Du, Saujung!" rief er Krebsereuter entgegen, wie der über das Gangbord humpelte, du, Saujung, wo bist du geblieben?? Han ich dir nit gesagt, du sollit in' ner Stund wieder an Bord sein?! Du Bommel ! Wo hast du dich herumgetrieben? Wart', ich werd' dich!- Wat, du Lotterbub, du willst mir auch noch Spirenzkes bormachen?!"
,, Och, leewe Schiffer," antwortete Krebsereuter mit fläglicher Stimme und stöhnte zum Gotterbarmen, leewe Schif fer, dat sin tein' Spirenztes, wahrhaftig als Gott nit!"
,, Wat hast du denn da an dem Bein, dat du so hömpeln mußt, fag'!"
Och, leewe Schiffer, da ist mir hinten an der Ed', nit weit von dem Faus mit der großen Tür und den Stockbiölchen auf der Fensterbank, ein schmerer Bolderwagen über den Fuß gefehren, o jömmich! O jömmich! Auch hier dat Martines ift drunter gefommen. Alle Gier faputt! O fömmich, o jömmich!"
,, Gott verdamm' mich, wie ist denn dat passiert?" Och, leewe Schiffer, wenn ich dat wüßt'! Ich stund da und dacht' an nir und auf einmal war ich drunter- mitjamt dem Marktnet! Alle Eier kaputt!"
..Sast du dir wat zerbrochen?" Ojömmich, o jömmich, dat kann schon möglich sein! Hä, au wich! Der Fuß, der Fuß!"
Tred' dir mal den Strumpf aus. Ich will seh'n, mat ist." Buversichtlich og Krebiereuter den Strumpf herunter und hielt dem Schiffer das Bein hin.
..Seht, Schiffer, es ist als ganz blau angelaufen!" Der Schiffer holte raich eine Raterne, faßte den Fuß, sog ihn an fich und beleuchtete ihn.
-
-
-
-
Die nächsten Zeugen Dr. Wassermann und württembergischer Gesandter Hildebrand bringen nichts Neues. Zum Fall Viehhandelsverband" erklärt der nächste Peuge. Generaldirektor Rotter, daß der Viehhandelsverband Herrn Erzberger einen
"
Buschuß von 12 000 Mark
für die Verwaltung des Bureaus angeboten habe. Erzberger habe sich sehr für den Verband interessiert, fei jedoch nicht in Aftion getreten, da er bald darauf zum Staatssekretär ernannt wurde.
Der nächste Zeuge, Abgeordneter Sermann( Reutlingen ), hat beim Reichsfinanzminister für die süddeutsche, Einkaufsgenossenschaft interveniert. Es handelte sich um die Zahlung der Sälfte des johnldigen Betrages in Kriegsanleihe zum Barikurse. Helfferich bringt die Bewilligung dieses Antrages in Zusammenhang mit dem Reichsnotopfer und erweckt den Anschein, als habe Erzberger die Stimme des Abgeordneten Hermann kaufen wollen. Hermann und Graberger weisen diesen Vorwurf sehr errent zurück. Es wird hierauf Dr. Endemann von der Reichs- Textil- A G. vernommen.
-
-
Selfferich: ft es Ihnen bekannt, daß auf Veranlassung des Abg. Hermann durch den Reichefinanzminister in einem Falle die Gewohnheit durchbrochen wurde, dek Zahlungen an die ReichsTertil- A G nur in Mark und nicht in Kriegsanleihe zu erfolgen Reuge: Tomohl. Der Verband der Schneider in Nürn haben. bera. der von une are in Söhe von 400 000 art bctommen hatte, richtete den Munich an uns, einen Teil der Schuld in Kriegsanleihe sablen zu dürfen. Wir antworteten ablehnend und verwiesen den Verband an das Reichsich bminifterium unter Hir. meis auf die bestehenden Bestimmungen. Am 30. Dezember erhielten wir vom Finanzministerium, dem wir über den Fall Nürnberg berichtet hatten, den Bescheid, daß Ausnahmen nicht zugelassen werden dürften und daß Zahlungen in Kriegsanleihe nicht möglich seien. Am 19. Januar bekamen wir dagegen abermals ein Schreiben des Reichsfinanzministeriums, in welchem aum Ausdruck gebracht wurde, daß der Abgeordnete Hermann( Reutlingen ) für den Nürnberger Verband interveniert habe und daß ausnahmsweise einmal eine Ausnahme gemacht werden solle, daß aber keinesfalls dieje Ausnahme wiederholt werden dürfe. Mir fiel auf, daß die Entscheidung über diesen Ausnahmefall sehr schnell gegangen sein muß. Am 17. Januar vormittags fand die Unterredung zwischen dem Abgeordneten Hermann und dem Reichsfinanzminister statt; am 19. Januar hatten wir bereits den Brief. Am 17. Januar fand auch die Abstimmung über das Reichs- Notopfer statt. Geheimrat v. Gordon: Salten Sie es für möglich, daß Ihre Fraktion durch diesen Entscheid des Reichsfinanz ministers beeinflußt worden ist?- Beuge: Nein, die Entschei
-
,, Au, au!" schrie Krebsereuter und verzog schmerzherchelnd das Gesicht. Nit so hart anpaden! Dat tut meh! Au! Sä!"
,, Donnerteil, dat sieht verdammt gefährlich aus! Ganz did und blau! Hm! Ich will mal drüber reiben!" fagte ſchügend seine Sände über den gefärbten Fuß. der Schiffer und wollte es tun, aber Krebsereuter deckte
aushalten!"
,, Nee, nee, leewe Schiffer, nit tun! Dat fann ich nit ,, Och wat, halb so schlimm! Nit so pingelich! Komm her!" Ich bitt' Euch, feewe Schiffer, nit drüber reiben! Wat anders! Mit reiben!" ,, Dann wollen wir' nen falten Umschlag machen. Dat hilft und tut nit weh."
. Damit lief der Schiffer in die Kajüte, um ein Tuch zu holen.
,, Schiffer, es ist nit nötig! Der Fuß ist schon beigeschlagen!" rief ihm Krebsereuter nach, aber vergebens.
Der Schiffer fam wieder mit einem weißen, nassen Tuch und wollte es um den überfahrenen Fuß wideln, aber Krebsereuter sagte schnell:
,, Es ist wahrhaftig nit nötig, Schiffer! Ich fühl als gar nit mehr, Schiffer! Wahrhaftig nit!"
,, Rubig! Dat Tuch muß drum!"
Aber dat könnt am End' gar nicht gut sein auf den glühdig heißen Fuß dat falte. naffe Tuch!"
,, Dabon berstehst du nir! Ruhig! Dat Tuch muß drum! Den Fuß her!"
Ich hol mir aber den Schnupps und den Pipps und Gott weiß wat für' ne Krankheit!"
Der Schiffer aber nahm ohne weiteres den Fuß und wickelte das Tuch fest darum.
,, So. Und jetzt einen Augenblick still sizen geblieben und nit gerührt, verstanden!"
Krebsereuter antwortete nichts. Er dachte mit Angst und Schrecken an das dide Tauende, das ohne Zweifel fommen mußte.
Der Schiffer widelte nach einiger Zeit das Tuch von dem Fuße ab und als er die Paterne hob, fab er zu seinem grenzerlefen Staunen, daß es sich blou gefärbt hatte.
,, Se, wat soll dot bedeuten, Jung?" fragte er und blickte rebiereuter ins Gesicht, denn es war ihm ein Licht aufge
gangen.
Bald färbten fich bei Krebsereuter noch andere Körperteile braun und blau, diesmal aber waschecht! Forts. folgt.)