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Nr. 166.37.Jahrg.

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Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage, Bolt u. Reit" erscheint wochen täglich zweimal. Gonntags einmal.

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Sozialdemokrat Berlin ".

Abend- Ausgabe.

Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands

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Fernsprecher: Amt Morisplas, Nr. 15190-15197.

Dienstag, den 30. März 1920.

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Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., GW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morigplan, Nr. 117 53-54.

Generalstreik im Ruhrrevier.

Elberfeld , 30. März.( Eigener Drahtbericht des ,, Bor­wärts".) Jm Ruhrrevier hat heute entsprechend den Be­schlüssen des aus allen drei sozialistischen Parteien bestehen­den Elberfelder Aktionsausschusses der Generalstreit zum Protest gegen den angedrohten Ein­marsch des Generals Watter eingesetzt. Die lebens. wichtigen Betriebe, Gas, Wasser und Elektrizität werden von ihm zunächst nicht berührt, sie sollen aber gleichfalls stillgelegt werden, wenn der Vormarsch des Generals Watter und seiner Reichswehr fortgesezt wird. Für diesen Fall sind auch militärische Maßnahmen vorgesehen, um dem Ein­dringen der Reichswehr, die hier allgemein für tappistisch erklärt wird, mit Waffengewalt zu begegnen.

Die Arbeiterschaft gegen Watter.

P. P.

Wie die B. B. N." aus Gewerkschaftstreifen hören, hat das ultimatum Watters an die Note Armee auf die ge famte Arbeiterschaft nicht allein des Nuhrreviers, sondern auch im übrigen Deutschland , zumal an den Orten, wo schon bisher eine radikale Strömung die Oberhand gewonnen hatte, die kata trop halften Wirkungen gezeitigt. Einmütig lehnt die ge­famte Arbeiterschaft von der K. B. D. bis zur S. P. D. fowie auch die demokratische Arbeiterschaft diese anscheinend neue Militärdiftatur Watters ab. Es broht, wenn nicht im letzten Augenblick von der Regierung eingegriffen wird, ein neuer Ge. neralstreit. Soll unendliches Unheil und schwerstes Blutver­gießen vermieden werden, so ist es unbedingt nötig, daß General Watter, der für dieses Ultimatum verantwortlich ist, und eventuell auch General v. Seedt, fofern dessen Mitschulb erweislich ist, ihre Posten sofort verlassen.

Eine gewisse Entspannung dieser bis zum Aeußersten gespannten Lage ist heute in der Mittagsstunde durch die aus Berlin hierher gelangte Mitteilung eingetreten, daß die Regierung in Berlin beschlossen habe, den Vormarsch einstellen zu lassen. Der Minister des Innern, Genosse Sebering, der noch immer Abbau der Ausnahmebestimmungen. gleichzeitig Staatskommissar für den Westen ist, ist beauf­tragt, noch heute mit außerordentlicher Vollmacht nach Berlin , 30. März.( Amtlich.) Die den Militäroberbefehls. Münster zu Watter zu fahren und Verhandlungen mit den habern mündlich oder schriftlich erteilte Vollmacht, Verschärfung der Bertretern der Arbeiter zu vereinbaren. Severing wird mit auf Grund des Artikels 48 erlaffenen Ausnahmebestimmun­den Instanzen der drei sozialistischen Parteien in Sagen zu- gen nach eigenem Befinden bei Gefahr im Berzuge eintreten za jammenfommen, um auf Grundlage der Bielefelder Be- laffen, insbesondere Standgerichte einzusehen, wird zurüdge schlüsse eine Einigung zwischen der Regierung und den Ar- agen. Standgerichte bleiben nur in den Regierungs­beitern herbeizuführen. bezirken Düffelborf, Arnsberg und Münster , sowie im Bezirt der Reichswehrbrigade 11( Weft teil Thüringens usw.) bestehen. Auch hier werden diefelben, sobald es die Lage gestattet, aufgehoben werden.

Die Führer der schlimm ausgearbeten Hamborn- Duis­burger Sonderbewegung haben beschlossen, sich dem Bentral­rat in Effen zu unterwerfen. Der Zentralrat hat erklärt, daß er die Bielefelder Beschlüsse anerkennt.

Die heute morgen von dem Aktionsausschuß der drei Parteien in Elberfeld gefaßten Entschließungen sehen, wie schon gesagt, zur Abwehr des Watterschen Vormarsches den Generalstreit und militärische Sicherungsmaßnahmen vor. Es wird die fofortige Durchführung ber Bielefelder Beschlüsse verlangt. Der Kampf um Wesel wird für lokalisiert erklärt, die Arbeiterschaft

Der Reichspräsident. gez. Ebert. Reichswehrminister Dr. Geler.

Aus der Werkstatt der Verschwörer. Ein meuternder General ordnet die Zerstörung der Maschinen des Brandenburger Parteiblattes an. Folgende drei Befehle, die von der Leitung des will sich ihm gegenüber paffiv verhalten, weil die Sampf- Reichswehrartillerieregiments 3 zu Potsdam während der leitung bei Wesel sich den Bielefelder Be- Rapp- Lüttwit- Beit erlaffen wurden, werden uns durch den schlüssen bisher nicht untergeordnet hat. Im Republikanischen Führerbund mitgeteilt: übrigen wird erklärt, daß dem Einmarsch der Reichswehr jeder erdenkliche Widerstand geleistet werden soll, und daß man sogar diesem den Einmarsch der Entente( 1) borziehe. Im Notfalle soll auf Beschluß des Aktionsaus­schusses die Ausgabe von Waffen erfolgen, doch nur an or­ganisierte Arbeiter. Die Abgabe von Alarmschüssen, Horn­fignalen, das Steigenlaffen von Leuchtrařeten, das Herum­fahren von Auto3 ist verboten und darf nur auf Anordnung des Aktionsausschusses erfolgen.

Biel des Kampfes find die Hagener Beschlüsse, die den Mrbeitern einen größeren Einfluß auf alle Angelegenheiten fichern follen. Es wird darin gefordert: Beschleunigung der Sozialisierung, unverzügliche Entfernung reaktionärer Be­amten, Umwandlung der Reichswehr und baldigste Vornahme der Reichstagswahlen. Der Aufruf, der diese Forderungen enthält, ist von Dröner S. P. D., Rahmann U. S. P. D. und Sauerbrey R. P. D. gemeinsam unterzeichnet.

Soweit unser Elberfelder Bericht, der den vollen Ernst der Lage erkennen läßt. Die organisierte Arbeiterschaft ohne Unterschied der Richtung ist danach bereit, die Bielefelder Be­schlüsse loyal durchzuführen und diejenigen Elemente preiszugeben, die sich ihrer Durchführung widerfeßen. Sie ist aber, wie vorauszusehen war und an dieser Stelle immer wieder vorausgefagt worden ist, einig in der Ab­ficht, sich einem Einmarsch der unter General Watter stehen­den Reichswehr zu widersetzen, da sie diefer mit dem aller­größten Mißtrauen gegenübersteht. Wir begrüßen es daher, daß sich die Regierung in letter Stunde dazu entschlossen hat, den militärischen Einmarsch, zu dem sie durch unaus­gefeßte Hilferufe der Bevölkerung von Hamborn und Duis­ burg aufgefordert worden war, zu stoppen und die Sache auf den Weg der Verhandlungen zu bringen.

Allerdings wird man sich bei diesen Verhandlungen auch auf der Seite der organisierten Arbeiterschaft des Ruhr­reviers dessen bewußt sein müssen, daß nicht mehr viel Beit zu verlieren ist. Die Zustände in der Hamborn­Duisburger Ecke sind tatsächlich für die Bevölkerung, ganz besonders auch für die Arbeiter, unerträglich, und wenn als Folge der Wirren eine Sungersnot im gesamten Ruhrrevier ausbricht, so ist das Weitere gar nicht abzusehen. Die organi­fierte Arbeiterschaft wird also zeigen müssen, daß sie imstande ist, die für das Leben der arbeitenden Bevölkerung notwen­dige Ordnung aus eigener Kraft aufs schnellste wieder her austellen.

R. B. b. 12. 3. 20. Z. 1.

stört worden ist. Wie mögen Generäle, die folche Befehle gegen Bolfsgenossen geben, erst in Feindesland gehauft

haben!

Appell an die Landwirtschaft.

Ernste Worte an die Arbeitgeber.

Nachdem der Generalstreit erledigt ist, richtet die Reichs. arbeitsgemeinschaft land- und forstwirtschaftlicher Ar. beitgeber- und Arbeitnehmerbereinigungen die dringende Mahnung an die landwirtschaftliche Arbeiterschaft, die Arbeit unverzüglich wieder aufzunehmen. Der der Arbeiterschaft aufgezwungene Generalstreit fiel in eine Beit der dringendsten Bestellungsarbeiten. Wenn das deutsche Volt bestehen will, muß alles geschehen, um bie versäumte Arbeit nachzuholen. Dies ist notwendig zur Sicherung der Boltsernährung.

Daher ersuchen wir die landwirtschaftliche Arbeiterschaft, fo­weit nur irgend möglich, in den nächsten Wochen Ueberstun­ben zu leisten. Es handelt sich nicht um eine Verlängerung der üblichen Arbeitszeit, sondern darum, daß über die vertraglich fest. gelegten Arbeitsstunden hinaus soviel Ueberstunden geleistet wer­den, als erforderlich sind, um die rüdständigen Bestellarbeiten nachzuholen. Daß diese über die vertraglich festgelegte Arbeitszeit hinaus geleisteten Stunden als Ueberstunden bezahlt werden, steht außer allem Zweifel.

Wie berichtet wird, sind im Anschluß an die politische Bewe gung auch Teilstreife wegen tariflicher Streitigtei. ten ausgebrochen. Wir ersuchen, wegen tariflicher Streitigteiten nicht in wilde Streits einzutreten. Diefe tariflichen Strei­tigkeiten müssen auf dem Verhandlungswege erledigt mer. den. Wo die Verhandlungen durch die politischen Greigniffe eine Unterbrechung erfahren haben, ersuchen wir dieselben im gegen­feitigen Vertrauen unverzüglich wieder aufzunehmen. The zu wirtschaftlichen Kämpfen geschritten wird, die auch nur im Ein­verständnis mit der Leitung der Arbeitnehmerverbände erfolgen dürfen, müssen erst alle Verhandlungsmöglichkeiten er schöpft sein.

An die Arbeitgeber richten wir bie Mahnung, in An­betracht der gespannten Lage Verhandlungen mit der Ar­beiterschaft und deren Organisationen nicht abzulehnen. Ferner ersuchen wir die Arbeitgeber, teine Kündigungen und Ent­Iaffungen wegen politischer oder gewerkschaftlicher Betätigung. borzunehmen. Die in einzelnen Bezirken Deutschlands aus vor­Auf Befehl der Reichsw.- Brig. III find die Truppen vom genannten Grünben, auch dann, wenn dies nicht offen ausge Eintreffen dieses Befehls ab bis auf weiteres a I armbereit prochen wurde, vollzogenen Kündigungen sollten rüdgängta zu halten. Befehle über Bersendung von Truppen erfolgen lediglich durch die Brigade bzw. Artilleriefübrer. gemacht werden, weil dies dazu beiträgt, in jenen Bezirlen eine Andere Befehle, von welcher Seite fie auch kommen mögen, finberuhigung unter der Arbeiterschaft herbeizuführen. nicht auszuführen, sondern dem Regiment schriftlich zu melden. Reichsarbeitsgemeinschaft land- und forstwirtschaftlicher Arbeit. geber- und Arbeitnehmervereinigungen: Reichsverband der Deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgebervereinigungen.

Fernspruch.

Der Reichstanzler hat unterm 14. 8. verordnet: Betr. Bu Tagen bzw. Entschädigungen bei Verwundungen pp.

Kein Freiwilliger der Reichswehr und der Freiwilligenber bände wird entlaffen werden, dessen Butunft nicht sichergestellt ist. Ausgenommen sind nur diejenigen, bie wegen unehrlichem Bers halten gegen bie neue Regierung oder als ungeeignet gemäß den Bestimmungen über die vorläufige Reichswehr entlassen werden müssen. gez. Lüttwig.

Busab der Brigade .

Der Befehl ist so schnell wie möglich an die Truppen bekannt­zugeben. Rw.-Br. III. Garn.-do. I b. 633. Siehe Rm- Art.- Rgt. 3 Nr. 11 025 b. 14. 3. 20.

*

Brigadebefehl n. 14. 3. 20. Ia 1839. Betrifft Beseßung der Brandenburgischen Zeitung: P. P.

Durch beunruhigende Bekanntmachung ist unter Heran. ziehung des Oberbürgermeister? die Bevölkerung dahin aufgu flären, daß die bisherige Regierung durch Broffamation des Generalstreiks fich selbst auf spartafiftischen Boden gestellt hat. Alle Gerüchte über Einsesen einer Militäreiftatur oder der Mon­archie sind unwahr. Wird die Anwendung der Waffe notwendig, so ist auf das schärfste durchzugreifen. Sat die Branden burgische Zeitung am 15. 8. früh erneut den Ge­neralstreif proflamiert oder gegen die neue Regierung gebett, fo find ihre Maschinen zu zerstören. Sezer sind festzunehmen.

Riv.- Art.- Ngt. 8. b. 15. 8. 20. r.-Nr. 11 045.

Tatsächlich sind die Räume unseres Brandenburger Barteiorgans vandalisch verwüstet worden. Wir ver langen, daß der Urheber dieses Befehls mit allen straf. gefeßlichen Mitteln zur Rechenfchaft gezogen wird. Der Offizier, der diesen Befehl erlassen hat, ist nicht anders zu behandeln, als der Führer einer Räuberbande. Bur moralischen Beurteilung feines Vorgebens erinnern wir nur daran, daß im Vorwärts" während der spartakistischen Besetzung nicht eine einzige Maschine mutwillig zer­

Deutscher Bandarbeiterverband. Zentralverband der Forst, Land- und Weinbagsarbeiter.- Reichsverband land. und forst­wirtschaftlicher Fach- und Körperschaftsbeamten. Verband der

land und forstwirtschaftlichen Angestellten

Immer noch!

So unglaublich es flingt, immer noch irren in Berlin Soldaten obbach und mittellos umber, deren Verbrechen darin besteht, daß ste am 13. März der Regierung die Treue gehalten haben. Die Hoch­berräterischen Offiziere, die die Leute wegen ihrer Treue aus den Rafernen hinausgeworfen haben, weigern sich unter den fader scheinigsten Vorwänden, sie wieder einzustellen, ja, fie magen noch. jene des Hodperrats und militärischer Verbrechen zu bezichtigen, weil sie ihnen den Gehorsam verweigert haben.

Besonderes leistet darin der Oberingenieur Stechern von der Nachrichten kompagnie der Technischen Abteilung, Kaiser- Franz­Grenadier- Platz. Dieser Mann, der bie Stapp- Büttwig- Regierung bor bersammelter Mannschaft hat hoch leben lassen, ließ vor wenigen Tagen einen Soldaten M., der wegen Treue aufs Pflaster gefekt worden war und mit einem Ausweis des Reichswehr­ministeriums zurüdfam, der ihm Betreten und Verlassen der Kaserne gestattete, bei seinem Eintritt in die Kaserne mir nichts, dir nichts verhaften. M. gelang es nach einigen Tagen zu ent fliehen, aber er hat seine gesamte Kleidung, sowie fein Sparguthaben in der Kaserne zurüdlasen müssen. Wie lange läßt sich der sichswehrminister solche Rebellenfred heit gefallen?

Eine amerikanische Note.

Paris , 29. März.( Savas.) Der Regierung soll von den Ver. einigten Staaten eine Note über die Besetzung bes Stuhrbedens zugegangen feir, die heute vormittag von dem Gesandten der Vereinigten Staaten Hughes Wallace dem Ministerpräsidenten Millerand überreicht worden ist.