Nr.192.37.Jahrg.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt
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Donnertag, den 15. April 1920.
Putschgefahr und Abwehr.
Parteigenossen!
Die Gewerkschaftsverbände werden, wie bereits mitgeteilt, Listen auslegen, in die sich jeder organisierte Arbeiter, Angestellte oder Beamte einzeichnen kann, der bereit ist, der Republik im Kampf gegen ihre inneren Feinde gegebenfalls mit der Waffe zu dienen.
Genossen! Wir fordern Euch auf, die erste Gelegenheit wahrzunehinen, um massenhaft Eure Einzeichnung zu vollziehen. Jeder Mann, der die Waffe führen tann, ift verpflichtet, zum Schus der Republik zur
Stelle an fein.
Keiner fäume! Jeder tue seine Pflicht! Bezirksverband Groß- Berlin der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands .
Neue Putschvorbereitungen. Reifeoffiziere in Zivil.
Iber Namen darauf hin, daß sich beim Reichswehrgruppen. tommando 1 noch eine Anzahl Offiziere im Dienst befinden, beren Beteiligung am Kapp- Butsch feststeht. Die von uns Bezeich neten haben mit Ausnahme des Kapitänleutnants Canaris von ber N.W.M. gegen unsere Feststellung, daß sie an der Berschwörung aktiv mitgewirkt haben, nicht protestiert.
Als Hauptbeteiligte nannten wir Oberleutnant v. Jeschon, ned und Haupmann v. Biebahn. Auch bei diesen beiden gehen die verdächtigen Offiziere in Sivil ein und aus, um sich über den augenblicklichen Stand der" Kriegslage" ungeniert zu unterhalten. Es geht dort alles per du und wer in dienstlichen Angelegenheiten kommt, darf warten, bis diese natürlich weit wich tigeren Privatgespräche beendet find.
Unter dem Einfluß der reaktionären Sträfte halten bie Bom. merschen Landwirte seit acht Tagen offensichtlich mit den Pflichtablieferungen zurück.
Witten in Berlin , so z. B. im Bahnhof Zoologischer Garten , haben sich wieder Werbestellen aufgetan, die ganz ungescheut Frei willige für dunkle Zwede anwerben.
Vorwärts- Verlag G.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Ferusprecher: Amt Moritzplas, Nr. 117 53-54.
Der letzte Kampf, den wir gegen die Militärpufschisten zu führen hatten, wird vielleicht nicht der letzte gewesen sein, Es vielleicht kommt der nächste früher, als mancher bentt. ist darum die höchste Zeit, aus den Erfahrungen des März zu lernen.
Gegenüber dem Militärputsch hat sich der GeneralDaraus darf streit als eine überlegene Waffe erwiesen. aber nicht der Schluß gezogen werden, daß es ein nächstes mal wieder genau so gemacht werden müßte wie das legte Mal. Wir wissen ja noch nicht, wie es der Feind anstellen wird, nach seinem Verhalten müssen wir auch das unsere einrichten. Die Situation fann sich ganz anders gestalten als im März, und Fehler, die damals zu ertragen waren, könnten iegt verhängnisvoll werden.
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Zunächst: wir dürfen nicht blindlings in je dem Offizier und in jedem Uniformträger einen Feind bermuten. Allerdings: Feind ist nicht nur derjenige, der meutert, sondern auch derjenige, der dabei als Soldat mit den Händen in den Hosentaschen zusieht. Bewaffnete Neutralität" ist Aus Borpommern erfahren wir, daß die Beitfreiwil= Zu unserer Hamburger Meldung, daß zwei Bataillone an die berstedter Berrat und nicht besser als der offene. ligen dort nicht entlassen find. In Greifswald halten die pommerisch- polnische Grenze abtransportiert worden sind, fagt eine Truppen der Reichswehr oder der Sicherheitspolizei aber, die bereit sind, die Verteidigung der Republik zu überbortigen Beitfreiwilligen, Studenten, fortgzfent Uebungen zuständige Stelle, das sei nicht eine Strafversetzung verfassungs nehmen, sind Bundesgenossen und müssen als solche Scharffchießen und mit Handgranaten ab. treuer Truppenteile, sondern die überangestrengten Bataillone des behandelt werden. Bon der Entlassung der Baltikumer Baltikumer ist gar keine Grenzschutes hätten einmal der Ablösung durch Heimattrupepn beZweitens: die allgemeine Arbeitseinstellung ist im geMedc. Staatskommiffar Genoffe Krüger hat Bei- durft. Die abgelösten und nach Neustrelitz beorderten Grenzgebenen zum spiel festgestellt, daß Anfang voriger Woche eine schußtruppen wurden übrigens nicht in die dortige Reichswehrfaserne gebenen Augenblicke ein richtiges, aber noch immer kein ideales Stampfmittel. Die ideale Methode ist, die Arbeitseinstellung große Anzahl von ihnen auf dem Danholm war. Sie sind nicht hereingelassen, sie wurden in Lübecker und Eutiner Kasernen ver- so zu handhaben, daß die Aktion des Gegners erdrosselt, die eigene aber unterstütt wird. Darum ist zu überlegen, wo gestreift werden und wer streifen soll. Eine Arbeitseinstellung an verkehrter Stelle, fanh geradezu eine ungewollte Unterſtügung des Feindes bedeuten.
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entlefsen, sondern werden in Prätow gesammelt.
Der berüchtigte Oberst Bischoff hat kurz nach Ostern im Breußenhof in Greifswald mit einer großen Suite von Offizieren gefrühstückt und sich dann öffentlich über seine Pläne unterhalten. Gegen Bischoff ist ein Schuzhaftbefehl erlassen.
Aus Beeskow wird uns gemeldet, daß auch beim 2. ReserveArtillerie- Regiment 15, das in Beeskow in Garnison liegt, vor einigen Tagen Offiziere in 3ivit sich eingefunden hatten, um mit den Führern Fühlung zu nehmen. Es handelt sich um entlaffene Offiziere, bie jest von Garnison au Garnison reisen, um für eine Wiederholung des Butsches Stimmung zu machen.
In Nr. 166 des Vorwärts" vom 30. März 1920 wiesen wir unter der Ueberschrift„ Verschwörer im Amte" unter Nennung
Bestrafter Mangel an Ehrerbietung". Frankfurt a. M., 14. April. ( Eigener Drahtbericht des Borwärts".) Die angekündigte Berstärkung der franzöfifchen Garnifen durch belgische Truppen ist heute verwirklicht worden. Gegen 4 Uhr traf im Güterbahnhof ein Bataillon des 10. belgischen Linienregiments im Sonderzug ein und wurde unter großem militärischen Alimbim von der franzöfifchen Garnison, die auch in den Durchgangsstraßen Spalier bildete, empfangen und nach der Kommanbantur geleitet. Im Anschluß an den Empfang fand auf dem Opern plas eine Parade der beiden Truppen statt.
Zur höheren Ehre der Völkerbefreier verurteilte der französische General die Unterzeichner des bekannten Protestes der Frankfurter Breffe wegen mangelnder Ehrerbietung au je 1000 Mart
Geldstrafe.
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Tegi.
Immer noch„ Popanz".
Angesichts der Alarmmeldungen aus Pommern erdreiftet sich die Tägliche Rundschau" noch immer, über den. Popanz der Gegenrebolution" zu spotten und zu behaupten, daß wir unsere Reser mit dem Gespenst eines neuen Butsches gruselig machen wollen".
Genau so schrieben die alldeutschen Blätter auch am Vorabend des 18. März. Alles, was über den bevorstehenden Ausbruch des Putsches gesagt wurde, war Schwindel, Bluff, Agitationsmanöver. Und dann war der Putsch da. Die Herrschaften vergessen nur, daß selbst gegenüber der Dummheit ihrer eigenen Leser dieser Trid nicht zweimal verfangen dürfte. Bewußt machen sie sich zu Hehlern der Gegenrevolution, fie, die nachher behaupten, der Sache gänzlich fernzustehen.
Berlin , 13. April. Folgende Note ist von der deutschen Regierung an die Reparationskommission gesandt worden:
Mag es in einem Drte notwendig sein, auch das letzte Rad zum Stillstand zu bringen, so mag in einem anderen in bestimmten Berufszweigen Tag und Nachtarbeit angebracht fein, um die Abwehrattion zu fördern.
Nirgends aber darf die Abwehraktion in der eigenen Schlinge erwürgt werden. Diese Gefahr drohte im März durch den allgemein und restlos durchgeführten Buchdruckerstreit. Was die Beeinflussung der öffentlichen Meinung in einem solchen Kampf bedeutet, braucht nicht erst auseinandergesetzt werden. Es darf nicht wieder geschehen, daß denjenigen, die den Prefsetrieg gegen den Feind aufnehmen wollen, von den eigenen Genossen die Hände gebunden werden.
Dasselbe kann auch für andere Arbeiterkategorien gelten. Es muß soweit als irgend möglich der Grundsatz durchgeführt werden, jede Arbeit zu verweigern, die dem Feind nüßen fann, aber auch bis zur Erschöpfung aller Kräfte diejenige Arbeit zu leisten, die ihn zu schädigen geeignet ist.
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Nach dem Friedensvertrag und der im Memorandum angeDer Kampf muß von der Sozialdemokratischen Partei zogenen Note der Alliierten ist es der Reparationsfommission zur einheitlich und ohne Schwanken geführt werden als ein Pflicht gemacht, auf die wirtschaftliche Lage Deutschlands bei ihren Stampf für die bestehende republikanisch- demokratische Reichs. Entscheidungen Rücksicht zu nehmen, insbesondere nicht durch die verfassung. Es darf nicht wieder geschehen, daß einzelne Erzwingung der Friedensbedingungen Deutschland so weit zu Parteigenossenschaften, wie beispielsweise die Elberfelder, der zerrütten, daß seine Fähigkeit, den Wiedergutmachungsverpflich Einigkeit zuliebe das eigene Stampfziel verleugnen und die tungen zu genügen, in Frage gestellt wird. Rätediftatur als Ziel proflamieren. Eine Einigung, die auf Das von der Deutschen Regierung überreichte Memorandum Rosten des eigenen besseren Wissens und der eigenen Grundhat in kurzen Linien die wirtschaftliche Lage Deutschlands geschil säge erfolgt, schafft nicht Einigkeit, sondern Verwirrung, bert und gezeigt, wie Deutschland ohne Belaffung eines bestimmten die eine Quelle nicht der Kraft, sondern der Dhnmacht ist. Schiffsraumes wirtschaftlich zusammenbrechen muß. Der Maritime Auch in der Hize des Kampfes müssen wir über die nächsten Der stellvertretende Regierungspräsident hat an den franzöfi- Service, dem die deutsche Schiffahrtsbelegation dieses Memoran drei Tage hinausdenken und die Folgen erwägen, die sich fen Divisionsgeneral Demes folgendes Schreiben gerichtet: Sente kommt mir die Nr. 13 171 des Matin" vom 10. April dum vorgetragen und übergeben hat, hatte zugesagt, dasselbe mit aus einer politisch falschen Führung der Massen ergeben zu Gesicht, in der diefes Blatt eine Darstellung der Vorfälle vom einem entsprechenden Kommentar an die Reparationskommission müssen. 7. April in Frankfurt gibt. In berselben befindet sich ein Sag, weiterzuleiten. Dies ist geschehen. Die Reparationskommission Der erdrückende Erfolg des legten Generalstreits war Ser in deutscher Ueberfegung lautet:„ Die Verantwortung für hat das Memorandum für so wichtig gehalten, daß sie die Deutsche nur darum möglich, weil er mit einer Geschlossenheit durch biese Bertemmnisse fällt sicherlich in erster Linie auf einen ge- Schiffahrtsbelegation nach Paris gebeten hat, um in Gegenwart geführt wurde, die in der Geschichte ohne Beispiel ist. Wir wiffen Gakmann, ehemaliger Bürgermeister von Mülhausen i. E., des gleichfalls bort anwesenden Maritime Service die Sache noch- müffen uns offen eingestehen, daß es nicht nur die Arbeiterzurzeit stellvertretender Regierungspräsident für Frankfurt a. M." mals zu vertreten. schaft war so sehr auch ihre Leistungen zu bewundern Im Misdeutungen, zu denen dieser Sas Veranlassung geben Das eingangs erwähnte Schreiben der Reparationskommission find die den Sieg errang, sondern daß die Beteiligung fönate, von vornherein vorzubeugen, erkläre ich die darin ent- lehnt jedoch nunmehr den deutschen Antrag ab mit dem Bemerken, der Beamtenschaft und die Sympathie eines sehr großen Teils haltene Behauptung für eine durch nichts gerechtfertigte nie= daß des Bürgertums wesentlich zum Gelingen mit beitrug. Eine ,, keine genügenden Gründe" solche Geschlossenheit ist aber nur möglich, wo ein flares, vorgebracht seien. Die Deutsche Regierung kann diese Entscheidung allen gemeinsames Ziel vorhanden ist. nicht stillschweigend hinnehmen. Dieses Ziel fann nur die Wiederherstellung der von Obwohl nach ihrer Ansicht die bereits vorgelegte Denkschrift Gewalttätern geftörten Rechtsordnung fein. Basel , 14, April. ( Eigener Drahtbericht des„ Borwärts".) fayon eine mehr als eindringliche Sprache führt, wird die Deutsche Jedes andere Ziel eint nicht, sondern spaltet, wirkt nicht Der Bariser Korrespondent der Basler Nationalzeitung" bezeich- Regierung gleichwohl weiteres zahlenmäßiges Material der Repa- aufklärend, sondern verwirrend. Sprengung der gemeinsamen net als das praktische Ergebnis der Meinungsverschiedenheiten und rationsfommission unterbreiten. Sie wird zu gleicher Zeit nunmehr Stampfesfront fann aber den Sieg des Gegners bedeuten, des Meinungsaustausches zivischen England und Frankreich , daß einen bestimmt formulierten Antrag dahin stellen, wieviel Schiffs- den selbst die Kommunisten nicht wollen können, der nur von Frankfurt und Darmstadt geräumt werden, sobald die deutschen raum, welcher Art Schiffe und für welche Zeit die Reparations- bezahlten Spigeln der Gegenrevolution gefördert werden kann. Verstärkung& truppen das Ruhrgebiet geräumt hätten, also tommission Deutschland überlassen möge. Wir wissen nicht, wie lang die Zeit ist, die uns der nicht erst, wenn die deutsche Regierung sämtliche Truppen über Die Deutsech Regierung wird sich erlauben, in einer zweiten Gegner läßt, jedenfalls muß sie bis zum letzten ausgenügt baupt aus dem Stuhrgebiet zurüdgezogen habe. Deutschland Note demnächst in diesem Sinne auf die Angelegenheit zurückzu- werden. Aufgabe der Regierung ist es, mit größter Gile befönne weitere brei Monate Bolizeitruppen im Stuhrgebiet fommen. waffnete Formationen aufzuftellen, die gegen eidbrüchige und stehen haben und sobald diese Truppen wieder auf die normalen Der Vorsitzende der Deutschen Schiffahrtedelegation ist wegen ehrbergessene Uniformträger verwendungsfähig sind und diein Bestände im Rahmen des Abkommens bom August 1919 reduziert der Fortsekung der bisher in London geführten Verhandlungen der Bevölkerung Vertrauen genießen. In die Reihen derer, die seien, würden auch die Franzosen die Besetzung von Frankfurt und betreffend die Ablieferung der Schiffe inzwischen unmittelbar mit jest schon im militärischen oder polizeilichen Dienst stehen, muß Darmstadt wieder rüdgängig machen.( Das heißt doch, daß die dem Vorsitzenden des Maritime Service in London in Verbindung Auftlärung getragen werden, die man niemals als einen Besehung noch monabelang bleibt! Neb .) getreten, Versuch am untauglichen Objekt betrachten darf. Selbst die
brige Berleumdung. Von diesem Schreiben habe ich der Breffe Renntnis gegeben. Genehmigen Sie usw. Caßmann. Was foftet mangelnde Ehrerbietung gegen das Pariser Sch
blatt?
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