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Was dem Geweikschafts-Konzre? von Nantes sein besonderes Kerräge ausdrückt, ist die Votirung des allgemeinen Streiks. Wessen Arbeit der Kongreß damit verrichtet hat, das zeigt ein Blick auf die Bourgeoispresse. Das Votum sollte ei» Schreckschuß sein, die Bourgeoisie dadurch eingeschüchtert werden.Die Drohung allein," hieß es auf dem Kongreß,sei danach angethan, uns den Sieg zu sichern." Und stehe da: Dieselbe Presse, die nicht genugGift und Galle für den Soziali st en-Kongreß hatte, weiß sich nun nicht mehrvorFreude über dasVotumdes Eewerkschafts-Kongresses zu halten. Ihre Freude schlägt geradezu in anarchistischen Lyrismus über.Die Guesdisteu," ruft sie frohlockend,sind erdrückt worden." Und jubelnd klingt es weiter:Es ist der Triumph der Partei der revolutionären Thätigkeit über die Partei der parlamentarischen Politik und der Wahlpropaganda."Indem die Eues de, Jaurös zc. den allgemeinen Streik bekämpfen, kämpfen sie im Grunde nur für sich und ihre Leitung der Arbeitermassen." Die sozialistischen Führer werden gelassen und befriedigt, sobald sie ins Palais Bourbon (Abgeordnetenhaus) eintreten."Die einfachen Soldaten merken, daß ihre Führer, seit sie galonnirt sind, viel von ihrem Feuer verloren haben":c. jc. Hätte die Bourgeoisie vor dem allgemeinen Streik nun gar einen so großen Schrecken, wie sich dies seine Anhänger einbilden, dann würden ihre Zuhälter das Votum sicherlich nicht gegen diejenigen ausspielen, deren Propaganda ihnen am Vorabend noch so gefährlich schien, daß sie stürmisch nach einerGegenpropaganda" verlangten es sei denn, daß Tempi* und Konsorlen derparlamentarischen Politik" plötzlich den lliücken gekehrt und sich derrevolutionären Thätigkeit" zugewendet haben. Und wenn dieOcdnungs"presse sich noch wenigstens mit der Freude begnügte, durch das Votum des Kongresses die Partei der Guesde und Jaurös" erdrückt zu sehe», dann ginge dies noch an. Denn dieseErdrückung" kann sich die Arbeiter- pariei um so leichter gefallen lassen, als während der Marseiller Gewerkschaftskongreß sich mit allen gegen eine Stimme für den allgemeinen Streik ausgesprochen hatte und bei einem später vor- genommenen Referendum sich von 122 Arbeiterorganisationen nicht weniger als 102 dafür erklärten, dies Mal ein volles Drittel der K on g re ß d el egi r t en gegen den allgemeinen Streik votirt hat. Was aber viel schlimmer ist, daß ihr dieses Votum so recht Wasser auf ihrer Mühle zur Erdrückuug der Gewerkschaften ist und sie auf dasselbe hinweisend, den öffentlichen Gewalten nun zurufen kann, wie dies z. B. derTemps" thut: Seht Ihr, welcher Eingebung die Arbeiter- gewerkschaften folgen und wie sehr sie von dem ihnen vom Gesetz vorgeschriebenen Wege abweichen!" Also weit entfernt, der herrschenden Klasse einen Schrecken einzujagen, kommt ihr, wie dies ihre Presse beut- lich genug zeigt, die Androhung des allgemeinen Streiks geradezu erwünscht. Was nun die Diskussion über den allgemeinen Streik an- belangt, so läßt sich über dieselbe nur wenig sagen, trotzdem sie nicht weniger als fünf Sitzungen füllte. Selbstverständlich spielte Belgien wieder eine große Rolle. Dabei vergaßen die Dele- girten, die den bekannten belgischen Streik als ein Haupt- argument für den allgemeinen Streik ins Feld führten, daß dieser Streik erstens kein allgemeiner, sondern ein nur an einzelnen, wenn auch maßgebenden Orten hervorgetretener Massenstreik war, daß er ferner einen klaren, bestimmten politischen Zweck, die Erringung des allgemeinen Stimmrechts, ver- folgte und daß was zumeist gänzlich übersehen wird ein namhafter Theil der Bourgeoisie in diesem Kampfe hinter den Arbeitern st a n d. Und trotz alle- dem konnte die belgische Arbeiterpartei keinen vollständigen Sieg erreichen und mußte sich schon mit einem Pluralvotum das ist statt des allgemeinen gleichen Stimmrechts mit einem' solchen begnügen, das der Stimme des ersten besten Protzen ein doppelt, drei und mehrfaches Gewicht verleiht, als der eines ein- fachen Arbeiters. Und sie begnügte sich mit diesem ungleichen Stimmrecht, weil sie wußte, daß der Streik, obwohl er kein Generalstreik war, sich über diesen ersten Sieg hinaus nicht mehr länger halten lasse und sie daruni denn auch allerdings zum Aerger der Anarchisten zum Rückzug blasen ließ. Der belgische Streik kann somit allem, nur nicht einem allgemeinen Streik als Argument dienen und am allerwenigsten in einem Lande, das wie Frankreich das allgemeine gleiche Stimmrecht besitzt. Soll die Bourgeois-Herrschaft gebrochen werden, dann giebt es ein viel einfacheres und probateres Mittel als den Generalstreik, und das ist die richtige Benützung des Stimmzettels.Ja, glaubt Ihr denn", rufen da die Ver- tdeidiger des allgemeinen Streiks ihren Gegnern zu,daß die Bourgeoisie von dem Tage an, wo sie sähe, daß ihr das all- gemeine Stimmrecht zu einer ernsten Gefahr würde, sie dasselbe noch länger aufrecht erhalten würde"? Nun, darauf sollte Dichter hätte, um die Leiden des Volks zu zeigen, vermuthlich .e.inen anderen Stoff gewählt, der auch die Kraft des Volkes besser zur Anschauung gebracht hätte jedenfalls hätte er den Stoff anders bearbeitet. Immerhin ist das Stück ein soziales Bühnenwerk von packender Gewalt, ein Spiegel, der den Machthabern vorgehalten wird, und eine Mahnung, wie sie in neuerer Zeit von der deutschen Bühne herab nicht niit annähernder Eindringlichkeit an die Reiche» und Satten gerichtet worden ist. Hier ist Wahrheit so haben die schlesischen Weber ge- hungeri, so sind sie zur Verzweiflung getrieben, so sind sie von dem Staat, der seine Aufgabe nicht begriff, über den Haufen ge- schössen worden. Und diese Wahrheit ist Vielen unangenehm. Ja, wäre es eine vergangene Wahrheit, ein Märchen aus alter Zeit durch Entfernung verliert die bitterste und stachlichste Wahrheit ihre Bitterniß und ihren Stachel. Aber solche Zustände bestehen noch beute, und die, welche bei den heutige» Zuständen sich wohl fühle» und ein Interesse an deren Erhaltung haben, lieben es narürlich nicht, daß das gesellschaftliche Elend auf die Bretter kommt,die die Welt bedeuten". Nicht jede Wahr- heit verabscheuen sie, behüte die freie Liebe, die in den modernen Ehebruchs- und Bordelldramen sich un- verhüllt spreizt, kann dieser feinen und faulen Gesellschaft nicht nackt und naturwahr genug auf die Bühne kommen, allein die Wahrheit, die als Anklägerin und Mahnerin austritt, ist ihr in den Tod verhaßt. Und diese Gesellschaft das läßt sich aus den Besprechungen ihrer journalistischen Organe heute schon ersehen wird Nichts unversucht lassen, umDie Weber" wieder von der Bühne zu verdrängen. Gestern schon wurden Oppositionsversuche gemacht; sie wurden jedoch von der allgemeine» Stimmung erdrückt. Ob- gleich das Publikum nur zuni kleinsten Theil aus Sozialdemo- kraten bestand, war der Beifall groß. Verdienlermaßen. Es wäre vielleicht noch günstiger gewesen, hätten nicht einige der Anwesenden ihre Bewunderung für den Dichter und ihre Miß- billigung der seinem Stück durch die Zensur bereiteten Hinder- nisse so übertrieben geäußert, daß der Verdacht einer Claque er- weckt wurde. Blinder Eifer schadet nur, und gut wäre es, dies würde für die weiteren Aufführungen beherzigt, denen wir das vollste Gelingen wünschen. Es handelt sich hierbei nicht um eine Parteisache das habe» wir bereits festgestellt sondern um die Würde und Freiheit der deutschen Schaubühne, und um die Vereülung eines unzweifelhaft geplanten Komplottes aus den Reihen der vereinten Reaklionsparteien. OrneZa. man es erst ankommen lassen, ehe man sich zum General- streik wendet, und man würde sehen, daß an dem Tage, wo die Bourgeoisie einen solchen Staatsstreich wagte, wie es die Abschaffung des allgemeinen Wahlrechts wäre, sich die Steine sozusagen von selbst zu Barrikaden erheben würden. Und dann, welche Logik. Würde die Bourgeoisie es sich nicht ruhig gefallen lassen, wenn das allgemeine Stimmrecht gegen sie ausschlüge, würde sie in diesem Falle schon einen Ge- waltstreich verüben und diese Möglichkeit möchte ich nicht bestreilen, ja wie kann man dann annehmen, daß sie sich einem allgemeinen Streik gegenüber ruhig verhalten würde?... Uebrigens würde man Unrecht haben, der Votirnng des allgemeinen Streiks ein besonderes Gewicht beizulegen. Das muß den Bourgeois-Blättern überlassen werden. Der allgemeine Streik ist blosim Prinzip" votirt worden und beimPrinzip" wird es wohl auch bleiben. Schade nur, daß so viel Zeit damit verloren wurde. Doch, genau bedacht, kann man auch das nicht sagen, denn die Diskussion hat ein gutes Stück Klarheit in die Köpfe gebracht, und dazu haben, wie noch nachträglich bemerkt sei, unsere Freunde L a v i g n e und D e l c l u z e, die beide den Standpunkt der Arbeiterpartei in glänzendster Weise vertraten, ganz wesentlich beigetragen. Zur Kamerunschande. Als Ergebniß der Unter suchung gegen den Kanzler Leist theilt der oft zu offiziösen Mittheilungcn benutzteHamb. Korr." mit, daß dessen Kameruner Verhalten sichdurchaus nicht als tadellos" herausgestellt habe, andererseits seien die Hauptpunkte der Beschuldigungen erfunden oder stark übertrieben. Das Schlimmste sei die Verwendung vollPfandweibern" während ihrer Hast zu Belustigungen und Tänzen. Trotz dem sei an eine Weiterverwendung Leist's nicht zu denken. Die Frage, ob die Verhandlung in'Potsdam geheim gehalten werden soll, ist noch offen. Die Tyrannei der frauzösische» Fachvereine, (Syndikate) wird, nach Ansicht der kapitalistischen Blätter, dadurch bewiesen, daß einiges Streikbrecher in Rive-de-Gier die ihre Haltung bereuten, auf Anrathen des sozialistischen Abgeordneten Toussaint sich der Gewerkschaft der Glas arbeiter wieder anschlössen und nachstehenden Brief an die Gewerkschaft richteten: An die Miiglieder des Fachvereins der Glasflaschen- Ar beiter von Rive-de-Gier . Bürger! Ich bedaure tief die unüber- legte Handlung, die ich anläßlich des allgemeinen Ausstandes der Glasarbeiter-Genossenschaft beging, indem ich feige zur Arbeit zurückkehrte im Gegensatz zu allen Kameraden, die einmnlhig feierten bis zum Tage der Besserung und des Triumphs der in der Folge erzielten Rückforderungen, und von Gewissens- bissen geplagt seit dem Tage meiner unqualifizirbaren Haltung wende ich mich an Euch, um den großen Fehler gut zu machen, den ich unter dem Drucke der Arbeitgeber beging, und bitte den Fachverein, mir zu verzeihen und mich später in seiiien Schooß auszunehmen. Zugleich verpflichte ich mich, stets seine Satzungen und Beschlüsse zu beobachten und nie mehr die Rolle des Rene- gaten zu spielen. Meine Haltung seit jenem Tage schmerzt mich ungeheuer, nicht nur mich, sondern auch meine Kinder, die keine Achtung mehr vor einem Vater haben, der ihnen ein so schlechtes Beispiel gegeben hat. In der Hoffnung, Bürger, daß ihr mein Gesuch günstig aufnehmen werdet, bitte ich Euch, an meine Aus- richtigkeit zu glauben. Gezeichnet: N. N." Das ist doch sehr natürlich und sehr vernünftig. Die Tyrannei" besteht offenbar darin, daß die Arbeiter sich von den Herren Geldsäcken nicht länger haben tyrannisiren lassen. Eine Reform der Erbschaftssteuer, deren Mehr- betrag auf 20 Millionen Mark geschätzt wird, beabsichtigt die französische Regierung vorzuschlagen. Die Steuer soll progressiv nach dem Grade der Erbfolge und nach der Höhe der Erbsumme sein. Man hofft mit Hilfe dieser neuen Steuer den nächsten Etat ohne Defizit abzuschließen, für später, so verlautet offiziös, solluntersucht werden, ob die- felbe nicht zur Dotirung einer Arbeiter-Pensionskasse benutzt werden kann". Von diesem Wechsel auf die Zukunft wird kein Arbeiterinvatide satt werden. Uebrigens tst die Ver- wendung der Summe für neue Kanonen wahrscheinlicher, als die für Arbeiterpensionen. Tante Bost und Casimir Perier. Es ist erstaun- lich, mit welcher Verbissenheit Radikale und Sozialisten Herrn Casimir Perier verfolgen", läßt dieVossische Zeitung" sich aus Paris schreiben. Die gute Tante er- staunt bekanntlich auch, daß die italienischen Radikalen und Sozialisten dem Renegat und Standrechts«Diktator Crispi nicht als Charakter bewundern und nicht als Ar- beiterfreund verehren. Auch die Portugiesen haben in Afrika wieder die Leiden der Kolonialpolitik gespürt. Wie nämlich demReuter'schen Bureau" aus Lourenyo Marques gemeldet wird, ist die Lage dort kritisch. Die zurück- berufenen portugiesischen Truppen wurden von den Eingeborenen unter Mahazula bis zur Stadl verfolgt und ließen Kanonen und Munition im Stich. Der Gouverneur sandte nach Lissabon einen Protest gegen die Landung der englischen Marine- Infanterie. Die gesammte portugiesische Streitmacht besteht aus 120 euro- päischeu Soldaten und 200 Schwarzen, dre Streitmacht Mahazula's ans 7000 Manu. Es ist ungewiß, ob der Maputa -Stamm die Portugiesen unterstützen wird. Man befürchtet, daß Gungunhama sich erheben werde. Ueber die bulgarischen Wahlen, bei denen unsere Parteigenoffcn sehr thätig waren und auch Erfolge davon- trugen, werden wir in den nächsten Tagen einen ausführ- lichen Bericht bringen. Daß die Regierung eine Majorität bekommen würde, verstand sich von selbst. Stambulow's Anhang hat sich als sehr schwach erwiesen. Die Sozialisten haben zum mindesten einen ihrer ltandidaten, vielleicht mehrere, durchgebracht. Jedenfalls wird der Sozialismus in der Sobranje von nun an vertreten sein. Rnstlands Einstuft in Bulgarien ist im Wachsen begriffen. Die nicht russophilen Mitglieder des Kabinets haben infolge des Wahlergebnisses ihre Demission gegeben. Die Japanese « holen für Andere die Kastanien aus dem Feuer" sagt, mit Hinsicht auf die Kämpfe um Korea , die Londoner Saturday Review", das Haupt- Wochenorgan der englischen Konservativen. DieSaturday Review" dürfte recht haben. In aller Stille ziehen die Engländer eine gewaltige Flotte in den chinesischen Ge- wässern zusammen, auch eine russische Flotte sammelt sich dort, und gelegentlich wird wohl zwischen die kämpfen- den Parteien ein Blitz niederfallen. VarketttsÄlvtbsIken. Alö Delegirter zum Parteitag in Frankfurt a. M. wurde für Stettin Genosse Storch gewählt. In derselben Versammlung wurden 10 Dclegirte für den pommerschen Parteitag gewählt. Ter Kieler Wahlkreis wird aus dem Parteitag durch Genossen Stich- Rendsburg vertreten sein. Auf Antrag eines Redners hatte man von der Wahl eines Kieler Parteigenossen Abstand genommen, um diesmal einem kleineren Ort das Recht zu überlassen. In einer öffentliche» Partei-Versammknng in Hannover , in welcher der Reichstags-Abgeordneie Gen. Meister über die Thätigkeit des deutschen Reichstags referirte, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:Die heute im großen Saale des Vallhofs tagende öffentliche Partei-Versammlung er- klärt sich mit der Haltung der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage während der letzten Session einverstanden und ist der Ueberzeugung, daß die Vertreter der Sozialdemokratie auch in Zukunft die Interessen der Allgemeinheit nach bestem Wissen und Gewissen fördern und wahren werden." Sodann fand die Wahl der Delegirten zum Parteitag statt; gewählt wurden die Genossen S i t t i g und W i e h l e. » m * Die Parteikonferenz für den 9. hannoverschen Wahlkreis Hameln -Springe fand am 23. d. M. in Springe statt. Anwesend waren 92 Vertreter. Aus der Abrechnung, die von dem Ver- trauensmann Genossen Sievers vorgelegt wurde, geht hervor, daß die Einnahmen 1003,41 M., die Ausgaben 705,47 M. betragen, so daß ein Kassenbestand von 302,94 M. besteht. Besondere Klage wurde von mehreren Rednern geführt über Lokal- abtreiberei, wie sie von Behörden und Privaten geübt wird. Schuld seien vielfach auch die Genossen selbst, da sie die Wirthe, die ihnen die Lokale frei geben, nicht ge- nügend unterstützen. Als Delegirter zum Frankfurter Parteitag wurde Genosse Brey-Hannöver gewählt. Eine längere Debatte entspann sich über die Presse. Die Genossen von Hammeln beantragen, den Verlag desVolkswille"(Hannover ) zu ersuchen, den Abonnementspreis von 80 auf 60 Pf. herab zu setzen. Ein anderer Vorschlag ging dahin, eine Wochenausgabe desVolkswille" heraus zu geben. Es wurde beschlossen, die Angelegenheit einer Kreiskonfercnz zu unterbreiten. »» Ein Kartell mit de» Sozialdemokraten versucht, wie aus Kopenhagen berichtet wird, die radikale Linke, welche ihrer bisherigen Führer verlustig gegangen ist, zu schließen. Unsere Genossen sind jedoch nicht geneigt, darauf einzugehen. Im KopenhagenerLinkenverein", der fast ausschließlich aus Radi- kalen besteht, erklärte der Hauptredner, die radikale Linke und die Sozialdemokraten hätten dieselben Aufgaben und ein gemein- sames Ziel und sie sollten daher bei den bevorstehenden Folke- thingswahlen zusammengehen, um ihre Kandidatur durchzusetzen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Holm erwiderte darauf, daß die Sozialdemokraten ihr Ziel ohne fremde Hilfe erreichen und ihre Ausgabe selbst bewältigen könnten. Die Opposition werde künftig den Sozialdemokraten ausschließlich angehören, und wenn die Radikalen an dieser Opposition als Untergeordnete theil- nehmen wollten, fei es ihnen erlaubt; ivenn sie aber mit dieser Rolle nicht zufrieden wären, könnten sie ihre eigenen Wege gehen. Die Linke sei doch nur eine Partei der oberen Klassen, die es mit dem allgemeinen Wahlrecht nicht ehrlich meine, und die Arbeiter sollten sich daher nicht von den Radikalen am Gängel« bände führen lassen.. - 9 DaS Verbot einer Arbeitslosen- Versammlung in Dresden beantwortet unser dortiges Parteiorgan, dieSächs. Arb.-Ztg.", am Kopfe des Blattes in großen Lettern, wie folgt: Zahlreich sind die Schaaren der Arbeitslosen auch in der jetzigen Jahreszeit. Die Reichen und Mächtigen prunken stets, daß sie es gut meinen mit den Arbeitern, mit denen, d,e in Kummer und Elend schmachten. Aber nichts thun sie, um den Kummer und das Elend der Arbeitslosen zu beseitigen. Jedoch, wenn die Arbeiter selbst daran gehen wollen, die Mittel zur Beseitigung des Arbeitslosenjammers zu besprechen, dann kommt die Behörde und verbietet, unter dem blöden Jubel der Besitzenden und Satten, das Stattfinden der Arbeitslosenversammlung! Die Behörde befürchtetGefahr- dung der öffentlichen Ordnung"! Demnach scheint Elend und Roth und Verzweiflung die öffentliche Ordnung nicht zu stören! Wehe aber, wenn die Arbeiter und die Arbeitslosen den Umfang ihrer Leidensschaaren statistisch feststellen, wenn sie sich über das Elend, die Roth, die Verzweiflung berathen wollen, dann wackelt Dresden , das ganze liebe Sachsenland droht zusammenzupurzeln!! Hoch lebe das sächsische Versammlungsgesetz, niit dem Elend und Roth im Handumdrehen aus der Welt geschafft werden. Hoch lebe das sächsischeJuwel"! Neber die Thätigkeit nnserer Genossen im Reichstags- Wahllreise Stendal -Osterburg , über die ivir kürzlich an dieser Stelle berichteten, möge noch Folgendes nachgetragen sein: Auch die hier immer mehr an Ausbreitung gewinnende Gewerk- schaftsbewegung liegt den Behörden so schwer im Magen, daß sie ihr Möglichstes versucht, dieselbe einzudämmen. Wir schreiben ausdrücklich versucht, denn bei Versuchen bleibt eS; erreicht ist noch nichts dabei geworden. Eine öffentliche Schuh- macherversammlung verfiel z. B. der Auflösung. Gründe dafür gab der bewachende Diener der Gerechtigkeit aber nicht an. Auf Befragen wegen der Ursachen der Auflösung erwiderte derselbe höchst geistreich:Das habe ich nicht nöthig zu sagen." Trotz- dem fand bald darauf die Gründung einer Zahlstelle Vbs Schuh- macherverbandes statt. Auch die Maler haben stch jetzt in Stendal gewerkschaftlich organistrt. Am Mittwoch traten in einer konstituirenden Versammlung nach einem Vortrage des Genossen Theiß über die Nothwendigkeit der Gewerkschaftsbewegung fünf- zehn Mann dem Verbände dieses Berufes bei. In Osterburg sind die Arbeiter leider arg von Furcht beherrscht, sonst würden dort längst bessere Verhältnisse hinsichtlich der Organisation und der Partei erlangt sein. Belustigend ist es nun, zu beobachten, mit welchem Eifer die gegnerische Presse sich bemüht, über die im Wahlkreise abgehaltenen Volksversammlungen lügnerische Be- richte zu verbreiten. Besonders dasAltmärkische Intelligenz- und Leseblatt" thnt sich darin hervor, unseren Rednern Ausführungen in den Mund zu legen, die sie nie ge- macht haben, wie auch alles zu verkleinern und zu verdächtigen, was wir thun. Wir haben dieferhalb' den Redakteur dieses Welt"blattes zu der am Sonnabend in Stendal stattfindenden Volksversammlung speziell eingeladen, damit er sich über seine löblichen Handlungsweisen rechtfertigen kann. Damit, daß uns derartig die verschiedensten Hindernisse bereitet werden, lassen wir uns aber weder in unserer Agitation stören, noch fällt es uns ein, darob den Muth zu verliere». Vielmehr sind wir der Ueberzeugung, daß diese Reichstagswahl einen gehörigen Zuwachs unserer Partei konstatirt. Unter allen Genosstn im Kreise herrscht nämlich die größte Zuversicht, was den Gegner» nicht nachgesagt werden kann. Trotz aller kleinlichen Chikane wird früher oder später doch der Sieg unser sein. Bei den am 25. ds. Mts. in Erfnrt stattgehabten G e- werbe-Gerichts wählen siegten in der I., IL und III. Gruppe der Arbeitnehmer die Liste des Gewerkschaftskartells. Dieselbe vereinigte 449 Stimmen gegen 46 der Hirsch-Dunkerschen und 31 Stimmen des evangelischen Arbeitervereins. Die IV. und V. Gruppe hat noch nicht gewählt. » Die goldne Freiheit d. h. was man so in Deutsch - l a n d darunter versteht erlangte am Montag Abend der Genosse A. D i e h l in Burgstädt (früher in Würzen) wieder, nachdem er sieben Monate im Gesängniß zugebracht. Parteipresse. Das neue' Leipziger Partei- Organ, die Leipziger Volkszeitung", welche, wie bekannt, am 1. Oktober an Stelle desWähler" tritt, soll am 29. September in 90 000