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Gewerkschaftsbewegung

Außerordentlicher Verbandstag der Zimmerer.

In den Tagen vom 23. bis infl. 25. April d. J. hat in am­burg ein außerordentlicher Verbandstag des Zentralverbandes der Zimmerer und verw. Berufsgenossen Deutschlands getagt, um sich mit der Tarifbewegung im Zimmergewerbe sowie mit der Beitrags­leistung und den Unterstützungseinrichtungen innerhalb des Ber­bandes zu beschäftigen. Den Bericht über den Stand der Tarifbetwegung erstattete der Zentralvorsitzende Schrader Hamburg, wobei er besonders die Schwierigkeit der borjährigen Lohnbewegung erörterte. Das Unter­nehmertum im Zimmergewerbe hat trotz der fortschreitenden Leue­ung jegliche Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen durch feine Organisation, den Deutschen Arbeitgeberbund für das Bau­gewerbe" abgelehnt und immer wieder seinen örtlichen bzw. bezirt lichen Verbänden verboten, irgendeine Lohnregelung mit den Ar­beitern zu treffen, und solche Regelung durch zentrale Berhand lungen zu verschleppen versucht. Die am 14. April und den, nach folgenden Tagen in Berlin zivecs Schaffung eines neuen Reichs­tarifvertrages gebflogenen Verhandlungen haben bisher in feinem Bunft zu einer Verständigung geführt. Insbesondere meigern sich die Vertreter des Arbeitgeberbundes, irgendwelche Zugeständnisse in der Lehrlingsfrage und Ferienangelegenheit zu machen. Auch ver lange der Bund die Verbindlichkeitserklärung des Reichstarifver­trages, momit unzweifelhaft eine weitere Einschränfung der Be­wegungsfreiheit der Arbeiterorganisationen bezivedt fet, felbft in denjenigen Orten und Gebieten, wo der Bund feinerlei Mit­glieder hat.

In der zu diesem Bericht einsehenden Diskussion wurde mit großer Einstimmigkeit betont und in einer angenommenen Eni­schließung auch zum Ausdruck gebracht, daß die abweisende Saltung bes Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe zu ben von den Arbeitern geftellien Anträgen aufs scharffte zu ber­urteilen fei. Der Verbandstag erwartet auch, daß die bezirk lichen bato. örtlichen Verhandlungen allerorts aufaenommen und von allen Verbandsvertretern mit Nachdruck und Energie geführt werden. Die Bentralinstanzen des Verbandes erhielten die Er­mächtigung, zur Verabschiedung des eventuellen Verhandlungsergeb­nisses bzw. zur weiteren Stellungnahme nötigenfalls den Verbands­tag von neuem einzuberufen.

In einer besonderen Entschließung hat der Verbandstag zu der Verbindlich feits erflärung Stellung genommen und hierin zum Ausdrud gebracht, daß das jetzige Reichsarbeits­ministerium den Wert der allgemeinen Verbindlichkeitserklärung der örtlichen Lohn- und Arbeitsbarife durch den Rufab: die allge= meine Verbindlichkeit erfaßt nicht die Arbeitsverhältnisse von Ar­beitern, die in einem Betriebe, der nicht Baubetrieb ist, dauernd mii Ausbesserungsarbeiten beschäftigt find", herabfebt und damit seine

eigene Verordnung über die Tarifverträge vom 23. Dezember 1918 burdbrochen hat. Hiergegen erhob der Verbandstag den schärfften Brotest und fordert die uneingeschränkte Verbindlich. feit der Tarifverträge. Er fordert ferner alle in berufsfremden Betrieben beschäftigten Bimmerer auf, mit allen zulässigen Mitteln barauf hinzuwirken, daß ihnen mindestens die Tariflöhne für das barauf hinzuwirken, daß ihnen mindestens die Tariflöhne für das Bimmergewerbe gezahlt werden.

Auch dagegen, daß die Verbandsleitungen der Metall-, abrit. arbeiter und anderer Verbände in mehreren Orten sich anmaßten, bei dem Abschluß von Lehn- und Arbeitstarifen die Lohn- und Ar­beitsbedingungen für die Zimmerer unter Ausschluß ihrer Ber­bandsvertreter zu regeln, wurde Einspruch erhoben, da folche Maß­nahmen gegen die Beschlüsse des Nürnberger Gewerkschaftsfongreffes und des Bundesvorstandes des Allgemeinen Deutschen Gemert­schaftsbundes verstoßen. Die Unternehmer des Baugewerbes laufen Sturm gegen eine Verordnung des Ministerine für Volkswohl­fahrt vom 5. November 1919, damit keine Einschränkung betr. bes lleberhandmauerns erfolgt. Wegen der damit verbundenen Unfallgefahr und Krankheitsbelastung fordert der Ver­bandstag keinerlei Einschränkung dieser Verordnung, sondern hält

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und Schriftgießer.

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Die Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie gescheitert.

Die begonnenen Tarifverhandlungen für die kaufmännischen und technischen Angestellten der chemischen Judustrie sind an der Gehaltsfrage gescheitert.

In einer öffentlichen Versammlung wurde zu der dadurch ge­schaffenen Lage Stellung genommen und nach einer eingehe toen Berichterstattung der Organisationsvertreter der Wille der Ange­ftellten in folgender, einstimmig angenommenen Rajolution zum Ausdruck gebracht:

Die in Aliems Festsälen" versammelten faufmännischen und technischen Angestellten der chemischen Industrie Groß- Ber­fins nehmen von dem Gehaltsangebot des Arbeitgeberverbandes Kenntnis. In voller Einmütigkeit mit ihren Organisationen lehnen sie diefes als durchaus unzulänglich ab und bedauern, daß die Arbeitgeber so wenig Verständnis für die wirtihiftliche Notlage der Angestellten befunden. Sie fordern, daß für alle Angestellte ohne Unterschied des Geschlechts zeitgemäße Min. destgrundgehälter festgesetzt werden und lehnen eine un­terschiedliche Behandlung der verheirateten und ledigen Auge stellten grundsählich ab. Sie beauftragen ihre Organisationen, sofort wirksame Maßnahmen zu ergreifen, ihre durchons gerech­ten Forderungen durchzusehen und bringen hren geschlossenen Willen zum Ausdrud, bis zu deren Verwirtschung alle gewerk­schaftlichen Mittel anzuwenden."

Zunächst soll die Vermittlung der Schlichtungsinstanzen ange­rufen werden. Da auch die Arbeiterschaft, durch die Verhältnisse gezwungen, wieder neue Forderungen stellen mußte, it die Ange­ftelltenfchaft geschlossen bereit, zur Durchfebung ihrer Forderungen solidarisch mit der Arbeiterschaft zu handeln.

Gerade die chemische Industrie, die ungebeure Konjunkturge winne gemacht hat, müßte den Forderungen der Arbeitnehmerschaft etwas mehr Verständnis entgegenbringen, als es in den bisherigen Verhandlungen geschehen ist.

Die Lage der Hilfslehrkräfte.

Man schreibt uns: Geit langer Zeit erhalten bie Hilfslehr fräfte des Magistrats der Stadt Berlin Gebälter, die jeder Bes fchreibung spotten. Die Hilfslehrkräfte, denen ein Zufammenich in einer freien Gewerkichaft fehlt, gerieten in die Hände einer Or­gantiation, die unferes Erachtens gar nicht in der Lage ist, irgend etwas bei den maßgebenden Stellen für sie zu tun. Die Ergeb­nisse der bisherigen Verhandlungen liegen wie folgt vor: Es ent­hält ein verheirateter Hilfslehrer für wissenschaftlichen Unterricht bei 24 Pflichtstunden jetzt einschließlich Teuerungszulagen 516 M., den weiblichen Hilfskräften wird dagegen nur eine Vergütung von 416 M.

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das Ergebnis der Verhandlungen nicht befriedigen könne. Andere In der lebhaften Debatte wurde zum Ausdruck gebracht, daß Redner und auch der Referent empfahlen dagegen die Annahme des Tarifvertrages, der bis zum 30. Juni läuft, und, wenn er nicht bon einem Kontrahenten gekündigt wird, zwei Monate weiter Gültigkeit hat. In der Abstimmung stimmten die Kollegen einmütig dem neuen Tarife zu, der somit am 1. Mai in Kraft tritt. Bur Maifeier wurde beschlossen, den 1. Mai durch strifte Ar­beitsruhe zu feiern und sich an den Demonstrationsversammlungen der politischen Parteien zu beteiligen. Zum Schluß wies der Vor­fißende Lundmäder noch auf die von Kollegen gegründete Schuh Produktionsgenossenschaft hin, die den Zwed verfolgt, die Pro­duktion selbst in die Hand zu nehmen und den Unternehmerprofit der Allgemeinheit zugute fommen zu lassen, und so die Be völkerung mit guten, preiswerten Schuhwaren zu versorgen. Die Geplant ist auch die Errichtung einer Reparaturwerkstatt, Versammlungen der Genossenschaft finden am lebten Montag eines jeden Monats in Saberlands Festsälen, Neue Friedrichstr. 85, statt. Achtung, Schiffszimmerer!

Die Schiffszimmerer der Zahlstelle Potsdam sind wegen Lohnforderungen in den Streit getreten. Zuzug ist streng fern­zuhalten. Die Streitleitung.

Soziales.

Protest gegen Eingriffe in das Selbstverwaltungsrecht. Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft von Reichsversicherungs­trägern Groß- Berlins , in welder die Landesversicherungsanstalten Berlin und Brandenburg , die Reichsversicherungsanstalt für Ange­stellte und die großen Hauptverbände der Reichs- Unfallversicherung und der Krankenversicherung in Groß- Berlin, d. h. die Vereinigung berufsgenossenschaftlicher Verwaltungen für Groß- Berlin und Provinz Brandenburg und der Verband der Krantentassen Groß­Berlins, vertreten sind, hat sich am 24. April 1920 mit einem Ge­sepentrurf über den Zusammenschluß von Trägern der Reichsver­Regelung des Heilverfahrens beschäftigt und ist zu dem ein­stimmigen Ergebnis gekommen, daß das Gesez Bestimmungen ficherung zum Bivede gemeinsamer Wohlfahrtspflege und über enthält, die als unberechtigte und unzwed mäßiger Gingriff in das Selbstverwaltungsrecht der Ver­ficherungsträger au berwerfen sind. Diese Bestimmungen find geeignet, die Arbeitsfreudigkeit der Versicherungsträger zu ertöten.

In gleicher Weise sind eine Reihe von anderen Gesehen auf dem Gebiete der Sozialversicherung vorgelegt und sollen möglichst noch von der Nationalversan.mlung verabschiedet werden, ohne daß die Organe der Versicherungsträger und vor allem die Versicherten wie ihre Organisationen in irgend ausreinder Form gehört worden wären.

Berantw. für den redaktion. Teil: Artur Ridler, Charlottenburg : für Anzeigen: Th. Glode, Berlin . Verlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin . Drud: Vor. wärts- Buchdruderei u. Berlaasanstalt Baul Ginaer u. Co. Berlin Lindenſtr. 3.

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