Oeilage ües
Berlins erforderlich ist. Es ist dann möglich, Groß-Berlin mit einem genügend engmaschigen Netz von Feuerwachen zu überziehen, je nach der zu schützenden Gefahrenzone, die Älarmmöglichkeiten (Feuermeldeanlagen) können aufs modernste ausgestaltet werden und eine häufige Kontrolle der feuergefährlichen Betriebe auf Jnne- Haltung der feuerpolizeilichen Bestimmungen könnte erfolgen. Eine wesentliche Unterstützung könnten hierin die Betriebsräte leisten, indem sie ebenfalls auf die Durchführung der erlassenen Vorschriften zur Erhaltung der Produktionsstätten beitragen könnten. Die Kosten für den vorbeugenden Brandschutz verausgabt,� sind eine bessere Kapitalsanlage, als wenn die Gelder für verursachte Brand- schäden gezahlt werden ntstxten. Helfen sie doch mit dazu beitragen, kulturelle Werte zu erhmten, die Produktionswerkstätten vor Ver-
Wähler! Wählerinnen! Sesucht öie Wählerversammlungen! Falkenberg bei Weißensee. Heute Sonntag, grosse öffentliche Wählerversammlung, nachmittags 2�/z Uhr, bei Friedrich, Dorfstrasse. Ref.; K. Hetzschold, M. d. N. Wilmersdorf. Montag, den 31., abends 7'/� Uhr, Aula des Fichte-Realgymnasiums, Emser Strasse: Oeffentliche Wählerversamm- lung. Referent Dr. N e str i e p k e:»Um Deutschlands Zukunft". 'Johannisthal . Montag, abends 8 Uhr, in Senftlebens Fest- sälen, Friedrichstrasse 48, Referent Genosse Eduard Bernstein . Funktionire des 14. Wahlkreises. Montag, den 31. Mai, abends 7 Uhr, Aula der Schule. Siegfriedftratze in Lichtenberg . Konferenz aller Funktionäre von Lichtenberg , Friedrichsfelde , Karls- Horst, Biesdorf , Kaulsdorf , Mahlsdarf, Marzahn . Ausstellung d er Kandidatenliste für die Stadt- und Bezirks- verordnetenwahlen. Zrauen heraus! Geffetttl. Wählerinnen-Versammlungen Montag, den 31. Mai, Uhr, im ReichenbergerHof, Reichen- berger Strasse 147. Ref.: Genossin Bohm-Schuch(M. d. N.). Dienstag, den 1. Juni, 7V2 Uhr, Schulaula, Andreas- stratze 1. Referentin: Genossin L. R i e d-g e r(Stadtverordnete). Dienstag, den 1. Juni, 7,/a Uhr, Schulaula, Mittenwalder Strasse. Referentin: Genossin Bohm-Schuch(M. d. R,). Tempelhof . Dienstag, den 1. Juni. 71lt Uhr, öffentliche Volksversammlung im Realgymnasium, Kaiierin-Augusta-Strahe. Refe- renten: Genossin Gertrud Hanna (M. d. P. L.) und Genosse Dr. Alfred S t r i e m e r. Mittwoch, den 7. Juni, 7'/, Uhr, Schulaula, Wattstr. 16. Mefe- rentin: Genossin Gertrud Hanna (M. d. P. L). Achtung, Hausangestellte! Heute nachmittag 4 Uhr HauSangestellten-Versammlung im Blüthner -Saal, Lützowstratze. Referentm: Genossin Böhm- S'ch u ch(M. d. N,).< Heute nachmittag 5 Uhr Hausangestellten-Versammlung in der Schulaula, Pallas str. 16. Reserentin: Genossin Tod»n Hägen.
nichtung zu schützen. Es ist der Schaden, den ein grösseres Feuer verursacht, nicht allein zu messen an der Schadensumme, die gezahlt werden muss, sondern es muss der entgehende Arbeitsverdienst, die Vernichtung der knappen Rohmaterialien, die eintretende Arbeits- losigkeit, die infolgedessen nötlvendig lr-erdende Zahlung von Er- werbslosenunterstützung usw. usw. zum Schaden zugeschlagen werden. Werden alle diese Momente mit in Betracht gezogen, so wird jeder Einsichtige die Notwendigkeit des vorbeugenden Brandschutzes anerkennen müssen und die Feuerwehr nicht mehr als ein Institut ansehen, das nur. Kosten verursacht, ohne etwas einzubringen, son- dern er wird die Tätigkeit der Feuerwehr als produktive Arbeit im Dienste der Allgemeinheit ansehen müssen.
� Sonntag, 30. Mai 1020 Ter Marsch der Kriegsopfer. Die in Berliner Lazaretten noch befindlichen Verwundeten und Kranken aus der Kriegszeit veranstalteten am Sonnabend nach- mittag eine Demonstration, die in ihrer Unmittelbarkeit grossen Eindruck auf die Bevölkerung machte. Die Lazarettinsasien ver- langen bekanntlich, bass ihre Gebührnisse der Teuerung angspatzt und denen der Neichswehrsoldaten gleichgestellt werden. Im An- schluss an die Versammlung im„Lehrervereinshaus", in der diese Forderung von den Referenten begründet wurde, formierte sich ein fast!»lometerlanger Demonstrationszug, der sich auf die Richtung nach dem Schloss, dem Lg st garten und von dort aus die L i n d e.1 hinunter bewegte, 1 Ter Zug. dem Plakate vorang�t ragen wurden mit der In- fchrift„Deutsches Volk , hilf Steinen noch im Lazarett liegenden Kriegsopfern in ihrer" Not" bot einen ergreifenden Anblick. An der Spitze gingen Schwer verstümmelte, darunter zahlreiche Leute mit ganz zerfleischten und e n t st e l I t e n G e s i ch- kern. Es folgten etwa 66 Invaliden in Rollstühlen, die von Kameraden geschoben wurden, oder die sich mit Selbstfahrern fortbewegten. Ganze Kompagnien humpelten auf Krücken und an Stöcken vorbei, man sah unzählige Amputierte. Mögen die Wünsche dieser Bedauernswerten recht bald in Er- füllung gehen! ¥• Die Eisenbahn-Kleingärten sollen verschwinden. Die Eisenbahnverwaltung hat eine harte Maßregel verfügt, die sicher in den Kreisen der kleinen Beamten grosse Mihstimmung erregen wird. Bei der Bekämpfung der Eisenbahndiebstähle ist vielfach die Erfahrung gemacht worden, daß die Diebe die auf Eisenbahngeländen befindlichen Kleintierställe als Versteck für die Diebesbeute benutzt worden sind. Ebenso haben auch die Lauben Diebesgut geborgen. Um eine weitere wirksame Durchführung des Schutzes der der Eisenbahn anvertrauten Güter sicherzustellen, ist nach mehrfacher Verwarnung der Bediensteten- nunmchr verfügt worden, daß sämtliche Gartenanlagen und Stallungen bis zum 1. Oktober d, I. vom Eisen- bahngebiet entfernt sein müssen. Die Frage ist, ob ganz und gar nichts anderes übrig blieb, als dieses nach verschiedenen Seiten hin äußerst bedenkliche Verbot, daS die Eisenbahnbediensteten der bescheidenen Freude am selbstgebauten Grund und Boden berauben soll. Gerade innerhalb des Gross- Berliner Eisenbahnbahnnetzes waren diese kleinen Gärten wirk- liche Oasen Mischen den schwarzen verräucherten Häusermauern. Sie wurden mit Liebe betreut und gepflegt und der Aufenthalt auf den wenigen Quadratmetern ihres grünen Bodens war oft die einzige Erholung des Inhabers. Weil es ein paar unehrliche Eisenbahnangestellte gibt, darf nicht gleich zu einer solchen ein- schneidenden Massregel gegriffen werden. Es bleibt zu wünschen, daß die Eisenbahnverwaltuug die ganze Angelegenheit noch ein- mal gründlich überprüft. Die Erhöhung der Krirnkenhauskostensätze. Der Magistrat Berlin ist dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 12. Mai über die Erhöhung der Kur- und Pflegekosten in städtischen Anstalten beigetreten, nach dem die Sätze für Erwachsene auf 3 M. und die für Kinder auf 6 M. pro Tag erhöht werden, Der Magistrat hatte 12 M. beantragt mit Rücksicht auf die Selbst- kosten in Höhe von 24 M. pro Tag. Neue Rciscbrotmarken. Die bisher eingetretenen und noch be- vorstehenden außerordentlichen Erhöhungen des Papierprei<cs zwingen, um eine zu grosse Belastung der Kommunalverbände?u vermeiden, zu einer Verkleinerung und damit zu einer Neugestal- tung der Reisebrotmarken. Die Reisebrotmarken neuen werden gegen Ende dieses Monats �zur Verwendung gelangen.' Durch die Einfühnmg der neuen Marken wird die Gültigkeit deer jetzigen nicht berührt. Bis auf weiteres gelten daher die alten und die neuen Marken neben einander, doch ist damit zu rechnen, daß in absehbarer Zeit die jetzigen Marken außer Geltung gesetzt werden. Der Verband der Beamten und Angestellten der Stadtge- meinde Berlin teilt zu der gestrigen Zeitungsnotiz über die K u n d- gebung im Rathause folgendes mit: Die Unzufriedenheit in der Beamtenschaft ist dadurch entstanden, daß der Berliner Ma- gistrat an die Vororte mitgeteilt hat, daß er gegen die Gewährung der in der sogenannten Zwölferkommission zwischen Vertretern der Gross-Berliner Gemeinden und der Beamtenschaft vereinbarten Besoldungssätze wesentliche Bedenken habe. An der Kundgebung chaben sich Beamte und Festcingestellte verschiedener Berufsschichten beteiligt. Der Oberbürgstmeister ha: eine Deputation empfangen. und erklärt, daß er nur mit Vertretern der Organisation weiter'
Nr. 273 � 37. Fahrgang
# GroßSerlm Das§euerwehrproblem in Neu-öerlin. Zur Frage der Sozialisieruug des Versicherungswesens. Wir veröffentlichen dielen sehr beachtenswerten Vorschlag, der uns von einer mit der Frage in engster Fühlung stehenden Person- lichkeit zugeht, in der Hoffnung, dag er in den weiten Kreisen, die der Schaffung des neuen Berlin dienen werden, aus sruchtbaren Boden sällt.(D. Red.) Mit der Schaffung Neu-Berlins ist auch für eine Reihe vov Be- trieben die Zentralisierung vorgesehen. Zu ihnen gehört auch die Festerwehr von Gross-Berlin. Es muh aber gefordert werdffn, daß eine solche durchgreifende, einschneidende Aen-derung nicht einseitig vom grünen Tisch verfügt wird, sondern daß zur Feststellung des gangbarsten und billigsten Weges alle Beteiligten aus Brand- ingenieur- und Mannschafts-, aus Berufs- und Freiwilligen Feuer- Wehrkreisen zu den Beratungen hinzugezogen werden. Leider muß dabei festgestellt werden, daß bis heute die Tätigkeit der Feuer- wehren vom grossen Publikum und auch in den Reihen unserer Stadtväter nicht mit der Beachtung angesehen wird, die sie verdient; man begegnet Ansichten, die ins Erstaunen setzen. Woher kommt das? Es wird allgemein die Tätigkeit der Feuerwehr nur nach der Zahl der im Jahr« erfolgten Alarme und der gelöschten Großfeuer eingeschätzt, und so sind oft allerdings kostspielige, aber im Interesse der Bürgerschaft unibedingt zu fordernde Neuanschaffungen und Ausbau'bestehender Einrichtungen in kurzsichtiger Weise abgelehnt worden. Die Feuerwehr gilt als em Betrieb, der nur Ausgaben verursacht, aber nichts einbringt. Hier einen Weg zu weisen, der dazu beitragen soll, die Kosten für den Feuerschutz nicht nur der Stadt, die zur Unterhaltung eines ausreichenden Brandschutzes gesetzlich verpflichtet ist, aufzubürden, sondern auf die abzuwälzen, die allein den ftnantiellen Nutzen ziehen, die I e u e r v c r s i ch e�- r un gen, soll der Zweck dieser Zeilen sein. In einer Schrift von Hans Wailmeier, München , erschienen im Verlag des Verbandes Deutscher Berufsfeuerwehrmänner, wird an Hand bau statistischem Material eingehend nachgewiesen, welchen Borteil die Feuerversicherungen aus dem Vorhandensein von gut- - organisierten Bcrussfeuerwehren haben. Sind doch Dividenden von 16 Proz. absolut keine Seltenheit. Nach der Statistik habey die privaten Feuerversicherungen in den Jahren von 1366 bis 1916 nicht weniger als 461 974 689 M. au Dividenden ausgeschüttet und einen Reservsbestand von 266 468 266 M. angesammelt. Es ergibt sich hieraus die Tatsache, daß Privcrtkapitol Nutzen aus einer Ein- richtung zieht, die nicht aus den eigenen Mitteln bezahlt wird, eine Tatsache, die wohl in der privatkapitalistischen Wirtschast einzig dasteht. Es ist deshalb durch den Verband Deutscher Bcrufsfeuer- ivehrmänner schon im Jahre 1917 der Antrag auf Verstaatlichung der Feuerversicherungen gestellt worden, der nach der Revolution erneut der Reichsregierung unterbreitet wurde. Eine Aenderung ist aber bisher auf diesem Gebiete noch nicht eingetreten. Jetzt steht aber die Vereinheitlichung Berlins vor der Türe, uui» es wirft sich die Frage auf, ob nicht wenigstens für Groß-Berlin die Schaffung einer öffentlichen Feuerversicherungsanstalt ins Auge gefaßt werden kann, zu der natürlicherweise der Versicherungs. z>pang eingeführt werden müsst«� Die Prämien würden so zur Er- bebung gelangen müssen, daß ein bestimmter Satz pro Tausend der Versicherungssumme als Beitrag zu den Kosten des Feuerschutzes eingezogen wird.(Der Staat Hamburg erhebt zurzeit pro Tausend der Versicherungssumme von Gebäuden V» Löschzulage. Ausserdem werden von den Zinsen der Rücklageibestände 75 Proz. eingezogen und mit diesen Mitteln die gesamten Ausgaben für das Feumösch- Wesen gedeckt. Falls diese Summen nicht zureichen, wird Staats- zuschuss gewährt.) Bis zur Einführung dieser Anstalt un?> Ablösung noch bestehen- der Verträge(neue dürsten oon einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr abgeschlossen werden) hätte die Heranziehung der Privatgesell- schatten zu denselben Sätzen und gleichen Prämien zu erfolgen.— Gelangt eine derartige Maßnahme zur Durchführung, so werden stets Mittel zur Verfügung stehen, den vorbeugenden Brandschutz so auszubauen, wie er für die Sicherheit der Bevölkerung Groß»
42] Segen öer Cröe. Roman von Knut Hamsun . . Sie stritten sich nicht, nein, Jsak hatte nicht die Gabe dazu, und seine Frau war jetzt viel mundfertiger geworden. Zu einem guten gründlichen Streit brauchte dreier Klotz, dieser Kraftmensch Zeit, er verwirrte sich rn ihren Worten und brachte nicht viel heraus/und außerdem lMte er auch ein Herz für sie, eine kräftige Liebe. Er braucht sich auch gar nicht oft zu verteidigen. Inger griff ihn nicht an, er war m vieler Beziehung ein ausgezeichneter Mann, und-<5Nger ließ ihn ungerügt. Worüber hätte sie sich beklagen sollen? Wahr- lich, Jsak war nicht zu verachten, sie hätte einen schlimmerer Mann bekommen können. War er alt geworden, abgerackert, Jawohl traten jetzt bei ihm bisweilen Anfälle von Mudigkeil zutage, aber nicht solche, die ihm etwas geschadet hätten. Erhatte, sozusagen, seine frühere Gesundheit und Unverbraucht- heit noch ebenso vollständig wie-sie, und bei dem Zusammen- leben im Herbst leistete er seinen Teil mindestens ebenso warm wie sie.. Aber eine besondere Pracht oder Schönheit war keines- Wegs an ihm. Darin war ihm Inger überlegen. Bisweilen dachte sie wohl auch, sie habe schon Ochöneres gesehen. Männer in feinen Kleil�rn und mit Spazierstöcken. Herren mit Taschentüchern und gestärkten Kragen, 0 diese Stadt- Herren! Deshalb behandelte sie Jsak auch nur als den. der er war, sozusagen nur nach Verdienst, nicht besser: er war ein Ansiedler im Walde; wäre ihr Mund von jeher recht ge- wesen, 10 hätte sie ihn nie genommen, das wußte sie jetzt. Nein, dann hätte sie einen anden kriegen können. Diese Heimat, die ihr geworden war, dieses ganze öde Dasein, das ihr Jsak bereitet hatte, war im Grunde genommen recht mäßig: jedenfalls hätte sie drunten in ihrem Heimatort ver- heiratet sein und Gesellschaft und Umgang genug haben können, anstatt hier oben im Oedland eine.Hexp zu werden. Hier paßte sie'nicht mehr her, sie hatte jetzt andere An- schauungen... War es nicht merkwürdig, wre sich die Ansichten andern konnten! Es gelang Inger nicht mehr, sich über ein beson- kers schönes Kalb zu fteuen, oder die Hände vor Verwunde- rMS-äußumnenzuschlagen, wenn Jsak mit einer recht großen
Beute vom Fischfang heimkam, nein, sie hatte sechs Jahre lang in größeren Verhältnissen gelebt. Ja, so ganz allmäh- lich waren auch die Tage vorüber, wo sie ihn freundlich und liebreich zu den Mahlzeiten hereinrief. Jetzt sagte sie: „Kommst du denn nicht zum Essen?" War das eine Art! Zuerst verwunderte er sich ein wenig über diese Verände- rung, über«ine so verdammt verdrießliche und unhöfliche Art, und er erwiderte:„Ich Hab nicht gewußt, daß das Essen fertig ist."— Aber als sie behauptete, er müßte das doch einigermaßen nach dem Stand der Sonne wissen, hörte er auf, etwas zu entgegnen und noch ein Wort darüber zu ver- lieren. O, aber einmal, da ertappte er sie und griff tüchtig zu! Das war, als sie ihm Geld stehlen wollte. Nicht weil er selbst so sehr aufs Geld aus gewesen wäre, sondern weil es durch- aus und ganz allein ihm gehörte. Hoho, da hätte sie fürs ganze Leben einen Leibschaden davontragen können! Und doch war Inger da nicht ganz verworfen und gottvergessen ge- ivesen; Eleseus sollte ja das Geld haben, der liebe Eleseus in der Stadt, der wieder um einen Taler gebeten hatte. Sollte er da zwischen all den andern feinen Leuten mit ganz leeren Taschen umhergehen müssen!-Hatte sie nicht ein Mntterherz? Damals hatte sie Geld von Jsak verlangt, und da dies nicht half, hatte sie selbst zugegriffen. Woher es nun aber kommen mochte, ob Jsak ihr mißtraute oder ob es ein Zufall war— der böse Streich wurde jedenfalls gleich entdeckt, und in dem- selben Augenblick ffühlte sich Inger an beiden Armen von hinten gefaßt; sie fühlte, daß sie zuerst in die Höhe gehoben und dann schwer auf den Boden gestoßen wurde. Das war etwas Ungewöhnliches, eine Art Bergsturz. Q, da waren Jsaks.Hände nicht abgeschafft und müde! Inger stöhnte laut auf, ihr.Kovf sank nach hinten, sie zitterte und streckt« ihm den Taler hin. Auch jetzt sprach sich Jsak nicht weiter aus, obgleich Inger ihn nicht daran hinderte, zum Wort zu kommen, er stieß eigentlich nur schnaufend hervor:„Prügel gehören dir, sonst kann man dich nicht mehr im Zaum halten!" Er war nicht wieder zu erkennen. O. er gab wohl lang- unterdrücktem Aerger Luft! � Nun verging ein trauriger Tag und eine lange Nacht und noch ein weiterer Tag. Jsak ging fort und schlief draußen, obgleich er trockenes Hcku liegen hatte, das eingefahren wer-
den sollte: Sivert war bei dem Vater. Inger hatte Leopol- dine und die Tiere um sich, aber.sie fühlte sich allein, weinte die ganze Zeit und schüttelte den Kopf über sich selbst: eine so große Gemütsbewegung hatte sie erst einmal in ihrem Leben durchgemacht; jetzt mußte sie an damals denken, wo sie ihr neugeborenes Kind umgebracht hatte. Wo waren Jsak und der Sohn? Sie waren nicht müßig gewesen: wohl stahlen sie einen Tag und mehr von der Hen- ernte, aber sie bauten ein Boot droben am Bergsee. Aller- dings ein plumpes Fahrzeug ohne alle Ausschmückung, aber stark'und dicht war'es, wie alles, was sie machten, und nun hatten sie ein Boot und konnten mit dem Netze fischen. Als sie wieder heimkamen, lag das Heu noch eben so trocken da. Sie hatten dem Himmel den. Streich gespielt, sich auf ihn zu verlassen, und hatten noch dabei gewonnen, der Vorteil st>ar auf ihrer Seite. Da deutete Sivert plötzlich hinüber und rief:„Mutter hat geheut.!"— Der Vater.sah auf die Wiese hinunter und sagte:„So."— Jsak hatte ja gleich gesehen, daß ein Teil des.Heus verschwunden war, jetzt war Inger wohl drinnen bei der Hansarbeit. Das war eine' ganz besondere Leistung, nachdem er ihr gestern mit Schlägen gedroht und sie geschüttelt hatte. Und es war schweres, kräftiges Heu. sie hatte hart arbeiten müssen, und außerdem hatte sie auch noch alle Kühe und Ziegen zu melken gehabt.-— „Geh' hinein und iß!" sagte Jsak zu- Sivert.—„Du nicht auch?"—„Nein."• Als Sivert eine Weile drinnen gewesen war, kam Inge" heraus: sie blieb demütig aus der Türschwelle stehen und sagte:„Kannst du dir's nicht selbst gönnen, daß du auch, hereinkommst und etwas ißt?"— Darauf knurrte Jsak nur und' sagte:„Hm." � Aber Inger demütig zu sehen, war in der letzten Zeit ein so seltenes Erlebnis geworden, daß er in seinem Starrsinn etwas erschüttert wurde.-—„Wenn du mir ein paar Zähne in meinen Rechen einsetzen würdest, dann könnte ich weiter rechen," sagte sie. Sie wendete sich mit einer Bitte an den Herrn des Hofes, an das Oberhaupt von allem, und sie war dankbar, daß er ihr nicht eine höhnische, abschlä- gige Antwort gab.„Du hast jetzt genug gerecht und eingefahren," sagte er.—„Nein, es ist noch nicht genug."—„Ich habe jetzt keine Zeit, deinen Rechen zu flicken, du siehst, daß Regen kommt." Damit ging Jsak an die Arbeit. �(Forts, folgt.)