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Gewerkschaftsbewegung

Verbandstag der Töpfer.

Meigen, 19. September 1920.

Heute früh wurden die Verhandlungen im Raisergarten" er­öffnet. Die Verlesung der Präsenzliste ergab die Anwesenheit von 89 Delegierten. Der Zentralvorstand ist durch Drunsel, Bartsch und Lother, die Redaktion des" Töpfer" durch Schmit vertreten. Vom Bundesvorstand sind die Genossen Graz­mann und Heinte( letterer in seiner Eigenschaft als Sekretär für Bauarbeiterschutz) anwesend, der Bauarbeiterverband ist durch den Genossen Peplow vertreten. Nach einer ziemlich ausgedehnten Geschäftsordnungsdebatte, in der hauptsächlich die sogenannte Opposition, geführt von den Berliner Kommunisten Pusemann und Lemmhöfer, die Gestaltung der Tagesordnung zu beeinflussen versuchten, wurde in bie Verhandlungen eingetreten. An erster Stelle wurde der Punkt Beitragserhöhung, Statutenberatung und Bericht des Vorstandes verhandelt. Der Kassierer Lother erläuterte in ausführlicher Weise die mißlichen Rassenverhältnisse und legte eingehend die Not­wendigkeit einer Beitragserhöhung dar. Der zweite Verbandsvor­fitzende Bartsch verbreitete sich über die Art des Ausbaues der Unterstützungseinrichtungen. An eine Erhöhung der verschiedenen Unterstübungen sei weniger gedacht, in der Hauptsache sei nötig die Erhöhung der Streifunterstützung und eventuell der Beitat­tungsbeihilfe. An eine Beseitigung der anderen Unterstützungs­arten, die von radikaler Seite verlangt wird, könne nicht gegangen werden, dies würde eine starke Mitgliederflucht zur Folge haben und den Verband lahmlegen. Der Verbandsvorsitzende Drunjel gab hierauf einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des Zentralvorstandes seit dem vorjährigen Verbandstag. Der Redner wendet sich dabei auch gegen den Kommunisten emmhöfer= Berlin , der als Beisiger des Zentralvorstandes einen ver leumderischen Bericht über den Verbandsvorsitzenden aus Ostpreußen in die Rote Fahne" lanciert hatte, nachdem die" Frei­heit" die Aufnahme abgelehnt hatte. Lemmhöfer mußte wissen, daß die darin enthaltenen Verleumdungen nicht der Wahrheit ent­sprachen, trotzdem brachte er das Machwerk in das Kommunisten blatt. Im übrigen hat der Zentralvorstand alles versucht, durch entsprechende Maßnahmen und Gingaben die Arbeitslosigkeit im Ofensetgewerbe zu bekämpfen. Trotzdem werde auch in dieser Frage vornehmlich, durch die Berliner " Opposition" gegen den Zentralvorstand in jeder Weise Stimmung gemacht. Zum Schluß bespricht der Redner noch die Maßnahmen des Vorstandes in der Frage des Bauarbeiterschutes.

Zu der letteren Frage erhält noch der Sekretär für Bau­arbeiterschutz ein ke das Wort. Es mache sich notwendig, diese Frage wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Die Statistik bes Verbandsvorstandes über rheumatische Erkrankungen, Bungen Teiden, Unfälle usw. beweise die Notwendigkeit eines Ausbaues des Bauarbeiterschutes. Schon 1871 hätten die Hamburger Töpfer in dieser Richtung einen Vorstoß unternommen, jedoch erst ca. 15 Jahre später nahmen die Bauarbeiter hierzu allgemeiner Stellung. Wäh vend sich damals die Vorschläge nur in der Selbsthilfe erschöpften, wurden endlich um die Mitte der neunziger Jahre gefeßliche Maß nahmen gefordert. Die Forderungen verhallten jedoch ungehört, das Unternehmertum hatte dafür nur Sohn übrig, bis dann end­lich die Sache vor das Reichsgesundheitsamt tam. Die Koksförbe wurden nach und nach beseitigt. in der Dichtung der Winterbauten wurden schätzbare Vorteile erreicht. Der Ausbau der Schutzbestim­mungen müsse weiter forciert werden. Baukontrolleure aus den Reihen der Arbeiter müssen überall verlangt werden, die Kon­trolleure selbst müssen eine hilfreiche Stütze in den Arbeitern und den Betriebsräten haben.( Lebhafter Beifall.)

In der Diskussion vertreten Busemann. und Lemm höfer Berlin den Standpunkt, alle Unterstüßungs­einrichtungen außer der Streitunterstüßung ab­zuschaffen. Dadurch würde auch an Verwaltungsfosten gespart, es würden Mittel frei zur Führung der Wirtschafts tämpfe. Für in Not befindliche Arbeiter habe der Staat zu jorgen.

Die jezige Verbandsleitung müsse beseitigt werden. Raulich- Hamburg glaubt, daß eine Beitragserhöhung allein nicht viel helfen werde, es sei nötig, außerdem noch Anschluß an ben Bauarbeiterverband zu suchen. Die Sozialisierung im Bau­gewerbe müsse mit aller Kraft gefordert werden.

Hierauf wird die weitere Debatte auf morgen vertagt.

Der unbequeme Betriebsrat.

In einer Feststellungsflage, die wegen der Entlassung eines Betriebsratsmitglieds der Versicherungsgesellschaft Freia vor dem Berliner Kaufmannsgericht verhandelt wurde, ist folgender Tat­bestand festgestellt worden.

diefe Aeußerung für einen Wink mit dem Baunpfahl gehalten zu bedürftig und von unzureichender Lebensdauer erweisen werden, haben, denn zu jener Zeit schwebten bereits Verhandlungen mit Bei einem Raum von 40 Quadratmeter ist für eine Dauerwohnung dem Betriebsrat wegen Entlassung von zwei gewerblichen Ange- ein trockener, heller eller als Lagerraum unentbehrlich. stellten. Zu einem derselben sagte B. nach der Unterredung mit Wir glauben, daß an Stelle diefer unzulänglichen Laube bei rich­dem Direktor, er, P., fönne 800 M. bekommen, wenn er der Ent- tiger Disposition ein solider Steinbau mit Keller sich billiger lassung zustimme, aber das werde er nicht tun. Später hat aber berstellen läßt. Diefer Steinbau als Kern" würde dem Inhaber . seine Zustimmung zur Entlassung des einen Angestellten ge- die Erweiterung zu einem größeren Haus jederzeit gestatten. Steine Die projektierte Siedlung wird sicher geben und der andere hat selbst aufgehört, weil er merkte, daß auch find genüge d zu haben. er die Entlassung zu erwarten hibe. Bei der Gehaltsregulierung nach Fertigstellung wie aus dem Baukasten" aufgebaut, gefällig hat B. tatsächlich 800 M. bekommen. Er behauptet aber, auch die erscheinen, aber wir fürchten, daß mit einem Jahr bei den unzu­Gehälter der übrigen Angestellten seien zur gleichen Beit in dem länglichen Räumen aus der Siedlung an der Afrilanschen selben Verhältnis erhöht worden, so daß er nicht bevorzugt fei. Straße ein afrikanisches Dorf geworden sein wird. Die Unter den Angestellten der Freia erregte die Erhöhung des Verzinsung von 27000 M. zu 5 Pro3. beansprucht jährlich 1350 Wt. Gehalts des Betriebsratsmitglieds P. Aufsehen. Man hielt sie für 40 Quadratmeter Rauni. Würde die Stadt das Gelände einer gutgeleiteten Genoffen für auffallend hoch und bradte fie in Verbindung mit der Leußze­rung des P., er könne 800 m. bekommen, wenn er der Entlassung fchaft zur Verfügung stellen, ihr das vorhandene billige Holz, zustimme. Ma der ebenfalls dem Betriebsrat angehörende kauf- auch Steine und einen Zeil des Kavitals zur Verfügung stellen, männische Angestellte Sp. nach längerer Stranfheit zurücfehrte dann würde die Arbeiterfchait felbft fich zu einem erheblich nie­und diese Angelegenheit erfuhr, hielt er es für seine Pflid, der drigeren Beis eine zwvedmäßigere Siedlung anlegen. Sache auf den Grund zu gehen. Er befragte den entlassenen und Wenn die 200 Wohnlauben statt in der Jungfernbeide auf je den ausgetretenen Angestellten sowie B. Die beiden ersteren be- 460 Quadratmeter weiter draußen auf je 5 00 Quadratmeter er­ftätigten die Aeußerung des P., dieser bestritt sie. Sp. fagte dann richtet würden, dan gewännen wir damit 200 neue Lebens. Berlin muß entböltert werden, im Gespräch mit zwei Betriebsratsmitgliedern, P. habe die 800 2. mittelprobuzenten. bekommen, weil er der Entlassung der beiden Angestellten auge- weil die Bugewanderten hier gar teine giften finden tönnen. stimmt habe. Diese Bemerkung wurde dem P. und durch diesen wir haben vor den Toren Berlins noch Güter von 20-30 000 dem Direktor überbracht. Darauf wurde Sp. ohne Aündigung ent- Morgen Größe. Dort, ist der Plaz, außerdem stehen in den Stur lassen, weil er durch die angeführte Aeußerung den Direktor be- und Badeorten Hunderttau ende von Wohnrännen leer, Unter­bindung des Zuzuges nach Berlin und systemansche Um­leidigt habe. siedlung auf das Land, dann löst sich die Wohnungsfrage von selbst.

Das Urteil des Kaufmannsgerichts ging dahin: Es sei nicht erwiesen, daß der Direktor dem Betriebsratsmitglied P. Ver­sprechungen gemacht habe für den Fall seiner Zustimmung zur Entlassung der beiden Angestellten. Das Verhalten des Betriebs­ratsmitglieds Sp. in dieser Angelegenheit jei zwar unforreft, aber die Absicht, den Direktor zu beleidigen, habe er nicht gehabt. Ein Grund zur kündigungslosen Entlassung liege nicht vor.

Vom Vorsitzenden des Deutschen Eisenbahnerverbandes, Gen. F. Scheffel, erhalten wir folgende Berichtigung: Bu der Erklärung der 10 Genossen der Preußischen Landesversammlung in Nr. 461 des Vorwärts" zu meiner Berichterstattung auf dem Verbandstag des Deutschen Eisenbahnerverbandes habe ich zu be­merken, daß ich die mir zur Last gelegte Aeußerung nicht gemacht habe, wie das folgende Stenogramm über diesen Teil meiner Rede

beweist:

Ein Notruf der Boskartenindustrie.

Alle Gewerbe, die nicht den lebenswichtigen Bedarf,

fondern 2ugus- und Kulturbedürfnisse befriedigen. ver­leren mit der Berarmung eines Volkes auch ihre Eristenzmöglichkeit.

Tausende von Arbeitern der Kunstdruckindustrie berlieren bei dem Brot. Es ist daher Berschwinden des Inlandmarites thr dringend notwendig, daß die Arbeiterschaft des Kunstdruckgewerbes. den, zusammenschluß der Betriebe zu mächtigen Export­

organisationen fordert, denn nur mit großen Mitteln und tüchtigstem Verkaufsapparat kann das Weltmarktgeschäft wieder in

Landhunger.

Die Beschaffung von Land bietet trotz des Siedlungsgefeßes die allergrößten Schwierigkeiten, weil in einem geradezu ers schreckendem Maße die Spekulan fich des Bodens bemächtigt. Die Güterpreise steigen ins Phantastische, von Hand zu Hand wandert der Boden. Daß die Siedlungsgefellicoftent unter folchen Verhältnissen fein Land erwerben lönnen, ist far. Die Regierung lädt eine schwere Schuld auf sich, daß sie diesen leichten Besigwechsel zuläßt und nicht mit fester Hand den Spetulanten, Steuerhinterziehern und Schiebern zu Leibe geht.

die Höhe gebracht werden. Es wird also Ausgabe der Betriebs­räte jein, mit den Unternehmern ihres Gewerbszweiges wegen der Schaffung einer Exportvereinigung baldiaft zu verbandein, damit In den sozialistischn Fraktionen, in erster Linie in der sozial- eisende in die Welt hmausgehen, um für die Betriebe Auf­räge zu holen. demokratischen, hatte man sich damals mit der Angelgenheit be- t faßt. Es wurde dort ausgesprochen, daß die Arbeiterentlassungen in den Eisenbahnbetriebswerkstätten unter der Arbeiterschaft im allgemeinen eine große Erregung hervorgerufen habe, und das mit Recht, weil reaktionäre Elemente dabei ihr freies Spiel getrieben haben, von der Absicht ausgehend, den Eisenbahnerverband zu zer­trümmern. Die Fraktion beschloß, sobald das Material vorliege, eine dringende Anfrage an die Regierung einzubringen. Es wurde weiter im Landtag ausgesprochen, daß einwandfrei festgestellt sei, dag Neaktioäre am Ruder seien, die entgegen der Erklärung des Eisenbahnministers ihnen unbeliebte Arbeiter außer Lohn und Brot brachten, um sie durch die Hungerpeitsche gefügig zu machen. Es wurde weiter kritisiert, daß man sonar so weit gegangen war, nach einzelnen Orten, wo alles ruhig war, Truppen angeblich zur Auf­rechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu senden; weiter, daß bei der Wiedereinstellung der entlassenen Arbeiter durchaus nicht nach den Anweisungen des Ministers verfahren wurde und daß die Hauptschuld offensichtlich an den Amtsvorständen und den Dienst stellenvorstehern liege. Die Landtagsfraktionen beschlossen, alles aufzubieten, um die entlassenen Arbeiter wieder in die Betriebe hineinzubringen. In einer Anzahl Fälle hat man auch das Men­schenmögliche dabei getan. Bei anderen wiederum mußte man die notwendige Energie, und vor allem das Interesse an den Ent­laffenen, vermissen.

Aus aller Welt.

Die Straßenbahnbriefkasten bewähren sich. Die seit dem 1. September in Hamburg zum ersten Male in Deutschland von der Reichs post- und Telegraphenverwaltung getroffene Neueinrich­tung der Straßenbahnbriefkasten erfreuen sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Sie stehen dem Publikum fostenlos zur Verfügung, sowohl für Orte mie auch für Fern­sendungen gedacht, aber nur für Telegramme und Gil­briefe. An den Hauptfreuzungspunkten, Hauptbahnhof und. Stepfansplak, find ständig Boten aufgestellt, die sowohl die Ents Deutscher Transportarbeiter- Verband. Branche Einlassierer leerung der Briefkasten wie auch den unmittelbaren Austausch und asienboten. Tonnerstag, den 23. Cept., abends 1,7 Uhr, im dieser Sendungen vorzunehmen haben. Ab 9 Uhr abends werden Einsiedler, Neue Promenade 9/10( am Bahnhof Börse), Vertrauens.bie Kasten gänzlich geschlossen, damit alle Sendungen restlos erfaßt männerversammlung. Freitag, den 24. September, werden können und ein etwaiges Lagern über Nacht ausgeschlossen abends 6 Uhr, im Lofal von Wegener, Sendelstr. 30, für alle in der ist. Seit dem 1. September sind 4000 Telegramme und dutch­Damenhüte und Busbranche beschäftigten Kolleginnen und Kollegen Gruppenbeisammlung. Tagesordnung: 1. Stellung nahme zum Lohntarif. 2. Diskussion. Branche Glas und Keramit. Mittwoch, den 22. September, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 3, Gruppenversammlung. Kündigen wir den Tarif?

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Wirtschaft

Unwirtschaftliche Notwohnungsbauten.

schnittlich täglich etwa 450 Gilbriefe in dieser Weise befördert wor­den. Es sollen auch bereits Erwägungen darüber schweben, ob diese Ginrichtung nicht auf gewöhnliche Brieffendungen gegen eine Sondergebühr von 50 Pf. auszudehnen sein wird, da schon jest ohne Rücksicht darauf, daß vorläufig nur Telegramme und Eil­briefe zugelassen sind, stets eine große Menge gem hnlicher Briefe in den Kasten vorgefunden wird. Man geht wolf in der Annahme nicht fehl, daß in aller Kürze audere Großstädte dem Muster Ham­ burgs folgen werden.

Ein neues croßes Erdbeben. Gestern nachmittag registrierte Der Wohnungsverband wird im Norden Berlins auf dem Gebiet der Seismograph der Erdbebenwarte des Taunus observa­der Jungfernbeide( Afrikanische Straße) 200 Wohnlauben das toriums ein äußerst heftiges Erdbeben. Die ersten Vor­Stück zu 27 000 m. beranichlagt, errichten. Jede Laube wird läufer trafen um 3,57 Uhr 4. Gefunden ein. Die Reihe der Haupt­8X5 Meter im Außenmaß 40 Quadratmeter Grundfläche haben wellen begann etwa 4,40 Uhr. Erst cegen 7 Uhr abends waren Das Betriebsratsmitglied B. verhandelte mit dem Direktor und auf einer 460 Quadratmeter großen Barzelle aufgestellt. Sie die Instrumente wieder völlig in Ruhe. Der Erdbebenherd be­wegen Erhöhung der Gehälter der gewerblichen Angestellten. wird doppelten Holzwänden mit einem Pappdach findet sich in einer Entfernung von über 15 000 Kilometern, also Dabei forderte P. für sich eine Erhöhung seines etwas über 400 obne Unterkellerung errichtet. Die Seitenwände werden in der Nähe des Gegenpunktes, vermutlich im südlichen Teil des Mart betragenden Monatsgehalts auf 800 m., die ihm, wie er ebenfalls durch Venagelung mit Pappe isoliert. Die UnStillen Ozeans. sagte, nach dem Tarif zuständen. Der Direktor erklärte, er fönne wirtschaftlichkeit dieser Lauben liegt u. G. darin, daß bie 800 m. nicht bewilligen, wenn nicht das gewerbliche Bersonal, fie im Verhältnis zu den hohen. Kosten nicht genügend für das nicht genügend Arbeit vorliege, verringert werde. B. scheint Naum für kinderreiche Familien bieten, sich als start reparatur­

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