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Nr.477 37.Jahrgang Ausgabe B Nr. 101

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.Sozialdemokrat Beelin

Abend- Ausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

Fernivrecher: Amt Morisplas, Nr. 15190-15197.

Sonnabend, den 25. September 1920

Monarchie oder Republik ?

Am Freitag fand in Nürnberg eine Versammlung der So-| bis 300 Millionen Mark nene papierne Zahlungsmittel, und der zialdemokratischen Partei Nord- Bayerns statt, die sich mit Dollar stehe statt 34 im Juni jezt auf 68. Alles das unter dem der Frage Monarchie oder Republik in Bayern " beschäftigte. Ver- Regimente der Fachminister. Gegen die frühere Regierung würde treter aus ganz Nord- Bayern, wie auch aus Bayreuth , Würzburg und Aschaffenburg waren erschienen. Die von brei bis viertausend Personen besuchte Versammlung erklärte ein mütig, sich gegen jeden reaktionären Butsch versuch mit derfelben Energie anzustemmen, wie seinerzeit gegen die Aufrich tigkeit der Räteherrschaft im März 1919.

Bertreter der Eisenbahner versprachen, daß in Bayern bei dem geringsten Versuch, die Monarchie aufzurichten, sofort jede Letomotive, jeder Eisenbahnwagen stillftehe. Auch die Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet hatten schriftlich ihre Solidarität befundet. Keine Kohle wird man für ein mon­archistisches Bayern fördern, Reaktionären wird kein Brennmaterial geliefert.

weiter gehetzt als angebliche Regierung der Gewerkschaftssekretäre. In Spa aber habe, während Stinnes verderblich gewirkt habe, dem deutschen Volfe am meisten der Gewerkschaftssekretär Hue genupt. Eine persönlich gehässige Kritik der heute leitenden Männer sei zu verwerfen. Ihre Aufgabe sei schwierig, denn sie hätten aus­zubaden, was der allmächtige Ludendorff verschuldet habe. Wenn die Wahlen anders ausgefallen wären und die alte Regierung nach Spa gegangen wäre, so hätte sie dort sicher auch nicht mehr unterschrieben und nicht weniger nach Hause gebracht. Der Vorwurf, daß die alte Regierung sich nicht um die besetzten Gebiete gekümmert habe, sei unerhört; das Gegenteil sei der Fall, und praktische Erfolge habe die Reise des Herrn v. Raumer auch noch nicht gezeitigt.

Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morinplas, Nr. 117 33-54.

Zur Sozialisierung der Kohle.

Von Rudolf WisselL

Anmerkung der Redaktion. Die Sosiali­fierungsfommission hat zwei Vorschläge ausgearbeitet. Bu dem Vorschlag I, der eine sofortige Ausschaltung der Unternehmer vorsteht, hat der Steiger Genosse Werner als Mitglied der Kommission Stellung genommen. Der Vorschlag II, der von Wissell und Adolf Cohen mit­unterzeichnet ist und auch als Vorschlag Rathenau be­zeichnet wird, sieht die Beibehaltung der Unternehmer während einer Uebergangszeit bor. Zu diesem Vorschlag II äußert sich heute Genosse Wisse II selbst. Vorschläge der Sozialisierungskommission zustande kommen. In der Parteipresse will teine rechte Diskussion über die Die inner- und außenpolitischen Ereignisse nehmen die Kraft und den Naum der Presse zu sehr in Anspruch; und doch han­delt es sich hierbei um eine der wichtigsten Fragen unseres wirtschaftlichen Lebens. Seit Monaten wird der Bericht der Die Hauptfrage der nächsten Zukunft sei die Frage der Sozialisierungsfonnnission erwartet. Auf ihn ist die Deffent­Ohne Aufforderung beschloß die Versammlung, bei einer Mel- Sozialisierung. Wer wolle, daß die Sozialdemokratische lichkeit verwiesen und von der Parlamentstribüne vertröstet dung von reaktionären Butschversuchen sofort in den General- Partei mit der Deutschen Volkspartei in eine Koalitionsregie worden. Nun, wo er vorliegt, bleibt er zunächst fast unbe­ft re if einzutreten. Schulter an Schulter mit der übrigen Ar- rung auf breiterer. Basis gehe, der muß annehmen, daß die achtet, ein kurzer Bericht und dann ist zunächst die Sache ab­beiterschaft Deutschlands . wird man sich gegen jeden Versuch, Deutiche Voltspartei gewillt sei, für die baldige ernsthafte getan. Weil die Vorschläge bestimmt sind, die Grundlagen die Deutsche Republik in ihrer Einheit zu zerstören, zu wehren Durchführung der Sozialisierung der Kohlenwirtschaft ein einer gesetzlichen Regelung der deutschen Kohlenwirtschaft zu wiffen. zutreten. Der Ausschuß dieser Partei habe fürzlich gegen werden, und sie, wenn auch vielleicht in der einen oder an­dann Genosse Müller ging teilig entschieden. den deren Richtung etwas abgeändert, den Inhalt eines von der Genfer Sozialistentongreß ein, der erfreulicher Regierung zunächst dem Reichswirtschaftsrat und weise das Wiedererwachen der internationalen Solidarität der dann dem Reichstag vorzulegenden Gefeßentwurfs bilden Arbeiter gezeigt habe. Vertrauen würde Deutschland im Aus- werden, laffen es wohl angezeigt erscheinen, daß ich als Mit­land aber nur erlangen, wenn es als friedliebend gelte. Dazu fei glied der Sozialisierungsfommission selbst zu in erster Linie die Entwaffnung der Realtion in Deutschland nötig. diesem Bericht Stellung nehme. Die Sozialdemokratische Partei müsse die Entwaffnungsaktion unter­ftüßen. Die Partei sei die stärkste im Reich. Sie habe heute schon Die Regierungsfrage.- Wachstum der Sozialdemokratie. mehr eingeschriebene Mitglieder als vor dem Kriege, als noch die Köln , 25. September. ( Eig. Drahtbericht des Vorwärts".) geeinte Partei bestand. Gegen die deutsche Arbeiterklasse fönne In Köln sprach am Freitag abend der frühere Reichskanzler Ge- nicht mehr regiert werden, mit ihr könnten aber nur die Parteien nosse Hermann Müller im Bolkshaus" über Deutschlands regieren, die die Republit gegen alle Angriffe sichern und der Schidial. Er stellte fest, daß die maßgebenden Kreise der Sozial- Sozialisierung die Bahn freimachen wollen. demokratischen Partet zu den Grörterungen über den Eintritt An das Referat des Genossen Hermann Müller schloß sich in die Regierung in feiner Weise Anlaß gegeben hätten. Die eine Diskussion an, in der auch Kommunisten sprachen. Es jezige Regierung müsse die Zeit erhalten, die Wahlversprechungen war nicht schwer, ihre üblichen Versammlungsphrasen zu widerlegen; der Deutschen Volkspartei zu verwirklichen. Dem Soll des Wahl- ihr Anhang war so schwach, daß es zu irgendwelchen Zwischenfällen programms dieser Partei stehe ein Haben bisher nicht gegenüber. in der Versammlung nicht kommen konnte. Unter der sozialistenreinen Regierung, die Deutschland von der an- Die Besucherzahl der Versammlung war eine so ungeheure, geblichen Miswirtschaft der früheren sozialistisch beeinflußten Ne- daß nur ein Teil der Personen in die Räume eingelassen werden gierung befreien sollte, steigen die Lebensmittelpreise fonnte. Eine Parallelversammlung wird demnächst statt­unentwegt weiter. Die Notenpresse drude Woche für Woche 250 finden.

Auch der Referent, der Parteiveteran Genosse Segit, einer der besonnensten und ruhigsten Führer der fränkischen Arbeiter. schaft, betonte, daß man die schärfste affe, den General streit, rüdsichtslos anzuwenden habe, um putschlüsterne Reat­tionäre in die Schranken zurüdzuweisen.

Eine Rede Hermann Müllers.

auf

Die geringe Beschäftigung der Deffentlichkeit mit den von der Sozialisierungskommission gemachten Vorschlägen mag zum Teil auch wohl daran liegen, daß die Vorschläge der landläufigen Ansicht über die besten Formen der Soziali­sierung entgegengesett sind. Dieser landläufigen An­sicht gibt beispielsweise Genosse Schmidt in seinem Gut­achten über die Sozialisierung in den Vorschlägen zur Mende­rung des Parteiprogramms wie folgt Ausdruď:

Die Aufhebung der privatfapitalistischen Produktionsweise fann nur durchgeführt werden mit einer Enteignung von privatem Besiz an Produktionsmitteln, Ueberführung in den Besitz der Ge­samtheit und Beseitigung der privaten Ausbeutung. Deshalb ist der staatliche Betrieb, das Unternehmen in Verwaltung und Kommune, die vollkommenste Form der Umgestaltung der privattapitalistischen Produktionsweise.

Beide Vorschläge lehnen den staatlichen Betrieb als den wirtschaftlichen Bedürfnissen der heutigen Zeit nicht ent­Entwaffnungsaktion in Oberschlesien. sprechend a b. Sie sehen in der staatlich- bureaukra­fommunistischen Redakteurs Franke nach Sachsen tischen Verwaltung schwere Hindernisse für eine wirt­hat die Arbeiterschaft von Aussig an der Elbe einen 24 ft ünschaftliche Ausnutzung der Bergwerke. Jegliche Ausdehnung Kattowis, 25. September. Auf Befehl der interalliierten bigen Protest streit beschlossen, der sich jedoch nicht auf die des staatlichen Betriebes ist unökonomisch und daher Bejagungsbehörden wurde in der letzten Nacht eine Entwafflebenswichtigen Betriebe erstreckt. Auch die Unterstützung der sa- abzulehnen, solange nicht die völlige Loslösung der wirtschaft­nungsaktion in den Grenz orten des Kreises Kattowis milie Frantes ist beschlossen worden. In der Situng wurde mit lichen Tätigkeit des Staates von seiner politischen und ver durchgeführt, und zwar von französischen Soldaten in Verbindung geteilt, daß gleichzeitig mit dem Vollzug der Ausweisung Maschi- waltungsmäßigen erfolgt und ein Bruch mit den bureaukrati­mit Abstimmungspolizei und blauer Polizei. Die Dörfer wurden nengewehre bereitgestellt waren. umstellt und durchsucht. Waffen wurden in großer Menge gefanden. Eine Anzahl Personen, bei denen man Waffen gefunden hatte, wurde verhaftet. Die Aktion dauerte bis zum heutigen Vor­mittag.

Zusammenstöße bei Hindenburg .

Millerands Handlanger.

schen Traditionen in den wirtschaftlichen Betrieben des Staa­tes geschehen ist. Deshalb soll nach den Vorschlägen der So­zialisierungskommission die Sozialisierung derart erfolgen, daß die Leitung der gesamten Kohlenwirtschaft dem Paris , 25. September. Wie Matin" mitteilt, ist der General Reichsfohlenrat übertragen wird, d. h. einer von allen bu­fetretär des Ministeriums des Aeußeren Paléologue zurüd- reaukratischen Gepflogenheiten freien, rein taufmännisch ar Auf der Castellengogrube bei Hindenburg kam es gestern getreten. beitenden Korporation, die als freier Selbstverwaltungsför­früh zu wüsten Auftritten, bei denen fünf Grubenbeamte zum Paris , 25. September. In einer Habasmeldung heißt es, die per aus den Betriebsleitern, den Arbeitern und Angestellten, Teil erheblich verlegt wurden. Vor einiger Zeit war ein Lehr- Beygues übertragene Aufgabe bestehe vornehmlich darin, die Vertretern des Reichstags und des Reichswirtschaftsrats häuer wegen Mißhandlung eines Steigers von der Grubenberwal- politit Millerands fortzusehen. Unter diesen Um- sowie sonstigen Vertretern des Reichs und Vertretern der tung fristlos entlassen worden. Verhandlungen vor ständen scheine auch die Umgestaltung des Kabinetts nicht notwen- Sonsumenten zusammengefegt ist. Die beiden Gruppen, die dem Schlichtungsausschuß führten zu keinem Ergebnis. Der Grubenverwaltung wurde nahegelegt, den Häuer auf einer anderen Bosten als gegeben. dig und das Verbleiben der Mitarbeiter Millerande auf ihren jede einen besonderen Vorschlag für die Sozialisierung unter­Ballestremschen Grube zu beschäftigen. Die Verwaltung war damit breitet hat, sind in der Auffassung über die Zusammensetzung einverstanden. Die Belegschaft forderte Wiedereinstellung ( Die französische Presse begrüßt die Wahl Millerands, wie des Reichstohlenrats und seines Direktoriums im wesentlichen des Häuers auf der Castellengo grube und seine Unter- nicht anders zu erwarten war, fast einheitlich. Die" Humanité" einheitlicher Meinung. Der Unterschied in den Auf­stellung unter den von ihm mißhandelten Steiger. Die Gruben- dagegen sagt: Millerand tit der Mann des Vatikans, der katho- fassungen der beiden Vorschläge ist im wesentlichen darin z verwaltung lehnte dieses Ansinnen zunächst a b, gab jedoch nach, lischen Kirche, der europäischen Konterrevolution geworden! Die erblicken, daß die eine Gruppe grundjäglich je de 3 Privat­als zwei Steiger mißhandelt worden waren. Trotzdem trat die ruhige un moral der Verleugnung seiner selbst und der Erfolg, eigentum im Kohlenbergbau beseitigen will, während die Belegschaft heute früh in den Ausstand. Sie bergriff sich tätlich der ihn belohnt, steigern nody unseren a ß für das verächtliche andere Gruppe der Meinung ist, daß das bei der gefähr an alfen Beamten, deren sie habhaft werden konnte.(? Die Red.) Regime, dessen Hauptstüke er jetzt ist." Und in der Bataille" deten Lage unserer Kohlenwirtschaft ein Experiment Der um Hilfe angegangene Kreisfontrolleur von Hindenburg sandte heißt es: Die Republit ist tot, es lebe die Republif! Die einzige sei, das nicht zu rechtfertigen wäre. Sie hat nicht das Zu­S Mann franzöfifche Truppen und Abstimmungs. Gewißheit, die es gibt, hat die Arbeiterklasse: Wie es auch immer trauen, daß die Mitarbeit der wirtschaftlichen und geistigen polizei nach der Grube und leitete Schlichtungsverhand- fommen mag, die Regierung von morgen wird gegen fie sein, die Führer der bisherigen fapitalistischen Kohlenwirtschaft ge. lungen ein, die um Mittag zur Anfuhr der Mittagsschicht führten. Arbeiterklasse ist daran gewöhnt und sie macht sich wenig sichert bleibt, auch soweit sie nicht Kapitalisten sind. Diese Die strafrechtliche Verfolgung der gewalttätigen Elemente, die daraus." Schichten find während der stürmischen Aufwärtsentwicklung fich in der Hauptsache aus jugendlichen Personen zusammenfeßten, j des Kapitalismus in Deutschland reichlich Nußnießer der" a- ist eingeleitet. Das Betriebsrätegesetz in Italien. pitalistischen Ordnung gewesen und fühlen sich ungeachtet ihrer objektiven soziologischen Stellung fubjektiv noch immer Rom, 25. September .( TU.) Die Arbeiterverbände der mit den Interessen der Bourgeoisie verknüpft. Die Gründe, Italiens haben den Gewerkschaftsbund beauftragt, das Beben; aber mit diefer Tatsache ist zu rechnen. Deshalb will Tegtilindustrie und Der chemischen Fabriken weshalb dies der Fall ist, können hier unberücksichtigt blei­triebsrätegeset Giolittis auch für die chemische und die eine Gruppe das Privateigentum an den Berg­für die Textilindustrie durchzusehen. Falls diesem Verlangen werfen noch nicht rest Ios beseitigen, Freilich wird nur nicht sofort entsprochen werde, drohen namentlich die Textilarbeiter der nominelle Befit aufrecht erhalten, mährend die Ver­mit der Besetzung der Fabriken. Die sozialistische fügungsgewalt der bisherigen Befizer über die Produktions­Parteileitung hat die Forderung bereits gebilligt. mittel derart beschränkt wird, daß alle sich aus dem Besitz der

Die Beamtenschaft der Gruben bat dringend um Schub gegen die sich immer mehr geltend machenden terroristischen Bestrebungen in gewissen Kreisen der Arbeiterschaft.( Die Angelegenheit bedarf dringend der Aufklärung! Red. d. Vorwärts".

Der Fall Franke.

Prag, 25, September .( Eigener Drahtbericht des Borwärts".) Wegen der von uns bereits gemeldeten Ausweisung des